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Habesch
hanpten, daß Niemand vor diesem Alter eine eigentliche Sünde begehen könne,und daher selig werde, wer früher stirbt. Die Tobten halten sie für unrein undeilen mit ihrer Beerdigung. Ihre kleinen, runden, mit kegelförmigen Stroh-dächern bedeckten Kirchen stehen auf Hügeln, vonEedern umgeben, in der Nähe flie-ßenden Wassers; inwendig hängen sie voll schlechter Gemälde. In diesen Kirchenmuß, wie in den griechischen, Jedermann stehen, die Schuhe müssen vor derThür abgelegt, und jede Unreinigkeit muß vermieden werden; auch wer vorbeireitet,muß abstcigen und eine Strecke zu Fuß gehen. Der Gottesdienst besteht nur imVorlesen biblischer Stellen und Austheilcn des Abendmahls; von Predigt undKirchengcsang weiß man nichts. Die meist sehr unwissenden Geistlichen sind vcc-heirathet und werden an dem Kreuze erkannt, daS sie beim Ausgchen in der Handtragen und zum Küsten darbieten. Das Oberhaupt der habessinischen Kirche heißtAbuna (Unser Vater) und wird gewöhnlich aus koptischen Priestern gewählt, daHabesch mit den Kopten in Kahira Gemeinschaft hält. Der Abuna ordinirt durchAnblasen und Kreuzmachcn, und lebt von den Gebühren für diese Ordination unddem Ertrage einiger Ländereien. Unter ihm stehen die Kamosats oder Oberpriesterder Weltgeistlichen, die Schriftgelehrten und die Mönche. Diese geben vor, vomOrden des heil. Antonius zu sein, und gehören zwei verschiedenen Brüderschaftenan. Die von der Stiftung des AbtS Tcrla Haimonat, der das Mönchslcben um620 in Habesch ordnete, ist die ansehnlichste und hat mehre, von unverheirathe-ten Mönchen bewohnte, wohlbegabte Klöster, die ein gemeinschaftlicher Superiorregiert. Die Klöster von der Stiftung des Abts Eustasius bestehen aus Hüttenum eine Kirche her, in denen die Mönche meist mit Weib und Kind wohnen undsich von Ackerbau und Handel nähren. Diese Brüderschaft hat zwar Äbte, dochkein gemeinschaftliches Oberhaupt. Beide Acten von Mönchen, sowie die weni-. ger zahlreichen Nonnen, die sich an keine Clausur binden, ziehen umher, han-deln auf Märkten und scheinen das Gelübde der Keuschheit wenig zu achten. ImGanzen hat die habessinischc Geistlichkeit weder ausgezeichnete Kleidung noch be-sondere Vorrechte. Der Kaiser (Negus) Tsa Guarlu, aus der seit 1268 regie-renden Dynastie Salomon, übt auch in kirchlichen Angelegenheiten eine unum-schränkte Gewalt aus. Er hatte, obwol die Habessinicr streng auf Monogamiehalten, allein das Vorrecht der Vielweiberei, und konnte 48,000 Mann ins Feldstellen. Ec vererbte die Krone auf seine Söhne, doch so, daß unter diesen dieWahl entschied. Jetzt ist Habesch in 3 besondere Staaten gctheilt: Tigre, Am-hara und Efat. Der Negus lebt, als Schattenkaiser, zu Gondar in Amhara,unter der Obhut des dasigen Herrschers. Der Papst versuchte mehrmals Habeschzu gewinnen. Die Gelegenheit zu UnionSvcrsuchcn gab ein Krieg der Habessiniermit den Türken, indem die Regentin Helena im Namen des minderjährigen Ne-gus , David II., 1516 Hülfe bei den Portugiesen suchte. 1520 kam eine portug.Flotte mit Soldaten und Geistlichen nach Habesch, und da die Türken und Gallas(ein kriegerisches Bergvolk im Süden und Westen von Habesch) gegen Ende des16. Jahrh. durch Beistand der Portugiesen zurückgeschlagen worden waren, er-hielten diese eifrigen Katholiken ein Gewicht in Habesch, welches der Papst zu be-nutzen wußte. Er sandte Jesuiten, um Habesch zur römischen Kirche zu bekehren,und eine portug. Colom'c, welche daselbst Fuß gefaßt hatte, unterstützte sie; derrömische Cultus wurde auch wirklich im Anfänge des 17. Jahrh. eingeführt, derJesuit Alfons Mendez 1626 zum Patriarchen von Habesch eingesetzt, die Sab-bathsfeiec verboten und die ganze Kirchenverfassung katholisirt. Allein diese Unionwar, wie der portug. Einfluß in Habesch, vorübergehend; der Negus Basilidestrat 1632 seine Regierung damit an, daß ec, den Wünschen der größern, demKatholicismus abgeneigten, Masse deS Volks nachgebend, die portug. Möncheund alle Katholiken sammt dem Patriarchen verjagte, die zurückgebliebenen Jesuü