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Lyrik, lyrische Poesie
ein ähnliches Instrument zu verfertigen. Sie hatte anfangs nur 3 Saiten; ihreGestalt aber war verschieden, denn auch die dreieckige Lyra will man für eine Erfin-dung der Ägypter halten. Die Lyra des Anubis auf demMumienkasten in Wienhat 5 Saiten. Die Griechen schrieben die Erfindung der Lyra ihrem Hermes zu.(S. Mercur.) Nach Einigen verbesserte der griech. Hermes, nach A. Apollo die Er-findung der ägyptischen Lyra und setzte dieser eine vierte Saite hinzu. DiodorusSiculus erzählt, Apollo habe nach dem Wettstreite mit dem Marsyas, aus Reueüber die an Lehterm bewiesene Grausamkeit, die Saiten von seiner Cither abgerissenund somit die von ihm erfundcne'Harmonie vertilgt. Hierauf hätten die Musen denTon Mese, Linus den Ton Lichanon, Orpheus und Thamyris die Töne Hypate undParhypate wieder erfunden, und aus diesen 4 neuen Tönen und der dreisaitigenägyptischen Lyra sei darauf das Heptachord, oder die siebenfältige Lyra derGriechen entstanden. Sonst wird auch ihre Erfindung dem Linus, Orpheus,Amphion, Terpander und allen Denjenigen zugeschrieben, welche Veränderungendamit vornahmen. Die ersten Lyren des ägyptischen und griech. Hermes warenmit Thicrsehnen überzogen. Mit Bestimmtheit läßt sich angeben, daß die Zahlder Saiten am Ende bis auf 11 vermehrt wurde. Sehr oft wird die Lyra bei denAlten auch Cither genannt. Ob sie beide einerlei oder von einander verschiedengewesen sind, hat bis jetzt noch nicht ausgemacht werden können. Nach Einigensoll die Cither ein aus mehren einzelnen Stücken zusammengesetztes Instrumentgewesen sein. Die beiden Seiten desselben waren in der Form von Ochsenhörncrngegen einander gekrümmt, sodaß ihr oberes Ende auswärts, das untere einwärtsgebogen war. Bei der Lyra standen die beiden Hauptsaiten weniger aus einander,und der Bogen war gekrümmt, wie eine Schildkrötenschale. Sie konnte nichtaufrecht gestellt, sondern mußte beim Spielen zwischen den Knieen gehalten werden.Von der Lyra des Mercur wird erzählt, daß sie Korybas, der Sohn des Jasus undder Cybele, nach Phrygien gebracht habe, als er mit seinem Oheim Dardanus da-hin ging. Nach Einigen wurde sie zu Lyrmessus aufbewahrt, wo sie Achilles beiEroberung dieser Stadt erbeutete. Andern Nachrichten zufolge soll sie auchnach dem grausamen Tode des Orpheus, der sie vom Apollo, sowie dieser vomMercur erhalten hatte, auf Bitten der Musen vom Jupiter unter die Gestirneversetzt worden sein. (S. Sternbilder.)
Lyrik, lyrische Poesie, diejenige Gattung der Poesie, durchweicheder Dichter sein inneres Leben im Zustande des bewegten Gefühls unmittelbar dar-stellt. Dadurch, daß in derselben das Gefühl das Herrschende ist, ist sie von derdramatischen Poesie, in welcher die Anschauung zu einem von dem Innern desDichters verschiedenen Leben selbständig ausgebildet ist, und von der epischen ver-schieden, welche in ihren vollendetsten Werken einen umfassenden Kreis der Hand-lungen in einer anschaulichen Begebenheit, als von dem Dichter angeschaut, dar-stellt, und beides, Gefühl und Anschauung, in vollem Gleichgewichte enthält.Verglichen mit Epos und Drama, ist das lyrische Gedicht das beschränkteste, denndas Gefühl ist beschränkt auf den Augenblick der Gegenwart, aber um desto tiefer,voller und mächtiger spricht es das Gemüth an. Was der lyrische Dichter gibt,gibt er als sein eignes Innere, weshalb man auch die lyrische Poesie die subjective,im Gegensatze der übrigen Dichtungsarten, genannt hat. Auch heißt daher imweitem Sinne jene Darstellung lyrisch, welche nicht sowol die Gegenstände desGefühls, wie sie an sich erscheinen, als vielmehr den subjektiven Zustand, oder we-nigstens die Gegenstände durch den Eindruck schildert, welchen sie auf das Gemüthhervorbringen. Indem aber die lyrische Dichtkunst das Gefühl am unmittelbarstendurch die Sprache ausdrückt, nähert sie sich der Tonkunst, welche das Gefühl durchTöne und deren Verbindung am reinsten darstellt; daher auch die griech. Lyrik vonihren Namen hat und Gedichte bezeichnet, die zur Lyra gesungen werden