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6 (1830) K bis L
Entstehung
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754
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754 Lykurgus

von Rcichard (Leipz. 1788), von Sebastian! (Rom 1803), von C. G. Müller ^(Leipz. 1811,3 Bde.).

Lykurgus, Gesetzgeber der Spartaner, um 888 v. Chr., war der jüngsteSohn des spartanischen Königs Eunomus. Sein älterer Bruder, Polydektes,folgte dem Vater in der Regierung, starb aber bald und hinterließ das Königreichdem Lykurgus. Als bekannt ward, daß die hinterlassene Gemahlin des Polydek-tes schwanger sei, erklärte L., daß, wenn sie einen Thronerben gebaren sollte, erder Erste sein werde, ihn als seinen König anzuerkennen. Um die Laccdamonicr -

von der Aufrichtigkeit seiner Gesinnung zu überzeugen, legte er den königl. Titelab und verwaltete daS Reich nur als Vormund des künftigen Thronerben. In- ^

besten ließ ihm die Konigin sagen, wenn er sie Heimchen wolle, werde sie ohne An- !

stand ihr Kind lödtcn. Indem er ihr nun mit der Erfüllung dieses Wunschesschmeichelte, bekam er den Knaben, welchen die Königin gebar, in seine Gewalt.

Von der Freude des Volks über dieses Ereigniß erhielt das Kind den Namen Cha-rilauS (die Freude des Volks). L. hatte schon durch die Weisheit seiner Staats-verwaltung sich allgemeine Hochachtung erworben; diese Handlung der erhaben-sten Uncigcnnützigkcit aber erhob ihn auf den Gipfel des Ruhms, weckte jedochauch den Neid vieler vornehmen Spartaner gegen ihn, mit denen sich die Königin,aus Rache über ihre vereitelte Hoffnung, verband. Sie strcuete unter dem Volke -aus, es sei gefährlich, das Leben des künftigen Thronerben einem Manne anzu- jvertrauen, welchem an dem Tode desselben das Meiste gelegen sein müsse. Um !diesem Verdachte zu entgehen, fand sich L. bewogen, nicht nur die Vormundschaft ^

des jungen Königs freiwillig niederzulegen, sondern selbst sein Vaterland zu vcr- >lassen. Ob nicht dieser Entschluß auch von der Begierde, fremde Nationen undihre Sitten kennen zu lernen, begleitet wurde, ist unbekannt; wenigstens nützteL. seine Reisen zu diesem Zwecke. Nachdem er Kreta besucht hatte, wo die wei-sen Gesetze des Minos seine Aufmerksamkeit auf sich zogen, ging er nach Jonicn.

Hier machte die weichliche, luxuriöse Bildung und Lebenssitte der Einw. und dieKraftlosigkeit ihrer Gesetze, welche mit der Einfachheit und Strenge der kretischenGesetze einen schneidenden Abstich bildete, den tiefsten Eindruck auf ihn. Dafürentschädigte ihn, wie man sagt, die Auffindung der homerischen Gedichte. Von ^

hier soll er noch mehre Reisen, u. a. nach Ägypten, Zndien und Spanien gemacht ,

haben. Da jedoch irr seinen Gesetzen auch nicht die geringste Spur von ägyptischeroder indischer Weisheit zu finden ist, so zweifelt man daran. Da nun während ^

der Zeit die beiden Könige Archelaus und Charilaus weder bei dem Volke noch bei ^

den Vornehmen in Achtung standen, und auch keine Gesetze die allgemeine Ruhe i

aufrecht erhielten, so überstieg die Verwirrung alle Grenzen. In dieser bedenk- s

lichen Lage war L. der einzige Mann, von dem man Hülse und Rettung erwar- s

tetc. Das Volk suchte in ihm Schutz gegen die Großen, und die Könige glaub-ten, daß er den Ungehorsam des Volks bändigen werde. Mehr als ein Mal er-schienen Gesandte bei ihm, welche ihn baten, dem Staate zu Hülfe zu eilen.

Lange widerstand er; endlich gab er dem dringenden Wunsche seiner Mitbürgernach. Bei seiner Ankunft in Sparta fand er bald, daß nicht bloß von Abschaffungeinzelner Gesetzwidrigkeiten und Mißbräuche die Rede sein dürfe, sondern daß viel- ^mehr eine gänzliche Wiedergeburt der Staatsverfassung nöthig sei. Die Achtung, <welche ihm seine Persönlichkeit, seine Einsicht und die augenblickliche Lage desStaates bei seinen Mitbürgern verschafften, machte ihm Muth, sich durch keineHindernisse abschrecken zu lassen. Der erste Schritt, den er that, bestand darin,daß er den Königen die Gerusia, einen Senat von 28 durch ihr Alter ehrwürdigenPersonen (s. Geronten) an die Seite setzte, ohne dessen Einwilligung jene nichtsunternehmen sollten. Dadurch bewirkte er ein heilsames Gleichgewicht zwischender Macht der Könige und dem Übermuthe des Volks. Letzteres erhielt zugleich ,