Lydia Lykophrorr 753
Lydia, in ältern Zeiten Mä onia, eine ansehnliche und fruchtbare Land-schaft in Kleinasien, ward an den Küsten nach dem ionischen Meere zu von Joniernbewohnt. Gegen S. ward das Land durch den Mäander (jetzt Meinder) vonKaue» getrennt, gegen O. grenzte es an Phrygien und gegen N. an Mysien. Inden ältesten Zeiten war hier ein berühmtes Königreich, dessen Gebiet durch den FlußHalys (jetzt Kizcl Jrmak) von Persicn geschieden wurde. Cyrus überwand denletzten lydischen König Krösus (s. d.). Das Volk war, besonders unter diesemKönige, das reichste, aber auch bald das weichlichste und üppigste unter allen Asiaten.Die Lydier waren die Erfinder der weichlichsten Kleider, der kostbarsten Tapeten,der wohlriechendsten Salben, der leckerhaftesten Gerichte, und eine der Hauptton-arten in der griech. Musik, welcher man den Charakter der Weichlichkeit beilegte,hieß nach ihnen die lydische. Sie legten herrliche Gärten an, wo sie die feinstensinnlichen Vergnügungen genossen; sie entdeckten zuerst das Geheimniß, auchMädchen in den Stand des Unvermögens zu versetzen, um sie zu Hüterinnen ibrerWeiber und Beischläferinnen zu gebrauchen. Au Herodot's Zeiten war die Sitten-verderbniß unter den Lydicrn bereits so groß, daß die Mädchen öffentlich mit ihrenReizen wucherten. Ihr Beispiel verdarb auch die Jonier. Der Reichthum derLydier mag sich indeß nicht sowol über das ganze Volk als vielmehr nur über dieKönige und Vornehmsten im Staate verbreitet haben. Denn außerdem, daß dieseaus den goldreichen Flüssen Hermus (jetzt Sarabat) und Paktolus und aus denBergwerken ihre Schatzkammern füllen konnten, erhielten sie alle ihre Bedürfnissedurch die Arbeit der Sklaven, welche sie nicht in baarem Gelde, sondern mit Lan-deserzeugnissen bezahlten. Sie konnten also edle Metalle immer mehr anhäufen.Krösus war reicher als alle feine Vorfahren, weil er sich die ganze Küste von Vor-derasien unterwarf und alle Handelsstädte ausplünderte. Obgleich es nicht erwie-sen werden kann, daß die Lydier schon vor uralten Zeiten einen einträglichen Handelgehabt haben, so ist doch nicht zu läugnen, daß sie schon lange vor den Griechen einegewisse Bildung erreicht, und daß die griech. Colonien in Niederasien die schnellernFortschritte in den Künsten und Wissenschaften, welche sie vor den Griechen imMutterlande machten, den Lydiern zu verdanken hatten. Unter Andern verdanktman ihnen die Erfindung der Gold- und Silbermünzen, der Gasthöfe, gewisser mu-sikalischer Instrumente, der Kunst, Wolle zu färben, welche nachher inMilet so sehrvervollkommnet wurde, desgleichen die Kunst, das Erz zu schmelzen und zu ver-arbeiten, vielleicht auch den ersten Anfang der Malerei und des Bergbaues. InSardes, der Hauptst. des Landes, tauschten Griechen, Phrygier und selbst dienomadischen Völker ihre Waaren gegen andre um. Hier war ein Hauptmarkt desSklavenhandels, der die Harems der Perser mit Verschnittenen versah. Jetzt ge-hört Lydien zu der türk. Statthalterschaft Natolien (Anadoly).
Lykophron, aus Chalcis in Euböa geb., ein griechischer Grammatikerund Verf. vieler Trauerspiele, lebte zu Alexandria um 280 vor Chr. unter Phila-delphus, bei welchem er sich durch die von ihm erfundenen Anagrammen beliebt ge-macht hatte. Er soll an einer Wunde gestorben sein, welche ihm einer seiner Geg-ner mit einem Pfeile beibrachte, als sie über die Vorzüge der alten Dichter stritten.Von s. Schriften ist uns nur noch ein Trauerspiel: „Kassandra" (Alexandra), übrig,welches in Jamben abgefaßt ist und das Gepräge einer durch mühseligen Fleiß er-worbenen Gelehrsamkeit trägt, daher auch sehr schwer und mit dunkeln Anspielun-gen überladen ist. Es ist eigentlich ein fortlaufender Monolog, in welchem Kas-sandra den Untergang der Stadt Troja und die Schicksale aller darein verflochtenenHelden und Heldinnen voraussagt. Es hat in mythologischer und antiquarischerHinsicht einigen Werth. Ein späterer Grammatiker, Johannes Tzetzes, hat einenCommentar dazu geschrieben. S. die Ausg. «um oommont. 1». Hetnae «urnlo. ?ottori (Oxford 1697 und 1702, Fol.), dann mit dem Commentar Canter'sConv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. Vl. -j- 48