Lätzen (Schlacht bei, am 2. Mai 1813) 747
1 noch anzugreifen, obgleich man kaum halb so viel Kampfer zahlte als er, wurdenoch mehr durch einen Grund von hoher politischer Wichtigkeit gerechtfertigt. Esließ aber diese Idee schon an sich keinen sorgfältigen strategischen Calcul zu; Napo-leon unterwegs zu überfallen, mußte man gewissermaßen die Gelegenheit beimSchöpse fassen, wobei die Kühnheit etwas auf die alte Gunst des Glücks rechnendurfte. Auch konnte man des Feindes neugeworbcncn Cohorten kriegserfahreneKerntruppen voll Begeisterung für ihre Sache und eine zahlreiche treffliche Reitereientgegenstellen, die ihm fast gänzlich fehlte; dies schien ein Gleichgewicht der« Kräfte zu versprechen. Es würben daher die Truppen der Verbündeten verdeckts auf dem rechten Ufer der Elster hinbewegt, sodaß sie am Vormittage des 2. Maiden Fluß bei Pegau überschreiten, im Süden von Lützen sich entwickeln und sodanngegen die rechte Flanke der großen franz. Marschkolonne wirken sollten, um diesevon Weißenfels abzuschneiden und sonach von rückwärts her auseinanderzuspren-gen. Mittlerweile wurde dem General v. Kleist ausgegeben, mit einem, leider! nur 5000 M. starken Corps den Posten bei Lindenau einzunehmen, um Leipzig,
! also den Räcklehnpunkt der Verbündeten, für unerwartete Fälle zu sichern; dage-
gen blieben 12,000 Russen unter Miloradowitsch in Zeitz zur Deckung jener Seite,ohne einen Feind vor sich zu haben. Der an sich wol schon um mehre Stunden zu' spat bestimmte Übergang der verbündeten Truppen überdieElster wurde noch durchein Zusammentreffen ungünstiger Umstände verzögert. Napoleons Massen, dieman in der Gegend von Lützen glaubte, waren also grvßtentheils schon weit auf der« Straße nach Leipzig vorgerückt, das Corps des Vicekönigs um Vieles näher gckom-^ mm, und Gen. Kleist bereits mit einer drei Mal starkem franz. Avatgarde in einemnachtheiligen Gefecht begriffen. Schon dadurch neigte sich das Gewicht des Feindesgegen die Flanke und den Rücken der Verbündeten, und es scheint fast, als ob Na-poleon den Angriff von dort her, wo er erfolgte, nun nicht mehr erwarten konnte.Zwischen der ersten Aufmarschlinie und Lützen lagen den Verbündeten die DörferStarsiedel, Kaja, Rana, Görschen, kaum bewacht von den Posten des Ney'-schen Corps, welches hinter ihnen noch ruhig, bivouaquirte. Der Oberbefehlsha-ber der Verbündeten, Graf Witgenstein, hielt dieses (von der Rippach hergekom-mcne) Corps jedoch für die feindliche Avantgarde, ordnete demgemäß die Schlachtan und ließ die vorhingenannten Dörfer nehmen. Die preuß. Truppen vollzogendas mit dem glänzenden Muthe, durch den sie sich besonders in dieser Schlacht aus-( zeichneten. Ney konnte ihnen erst weiter rückwärts kräftigern Widerstand leisten,und es kam auf ihn an, hier den Massen, welche Napoleon nur nach und nachl wieder herbeiführen konnte, Zeit zu erkämpfen. Dadurch drehte sich das Gefechthauptsächlich um jene Dörfer; sie wurden genommen, verloren und wieder genom-I men, kosteten viele Opfer und hielten doch so lange auf, bis Napoleon alle seine
! zunächst verwendbaren Kräfte herangezogen hatte. Das Erscheinen von immer
! mehren frischen Truppen veranlaßte ein Schwanken in den Anordnungen des Gra-
, fen Witgenstein, die Reiterei konnte nicht so zweckmäßig verwendet werden, als
man gehofft, und man empfand bereits den Mangel an Fußvolk bei der Überzahl, des französischen, welches sich gut schlug. Dennoch schien die heldenmüthigen An-
, strengungen der Verbündeten ein günstiger Erfolg zu belohnen; das franz. Cen-
.- trum ward sichtbar erschüttert. In diesem Augenblicke der Gefahr faßte Napoleon
i seine ganze Kraft zusammen, wirkte mit seinen Garden und einer Masse von Ge-
schütz auf den bedrohten Punkten, entriß den Verbündeten die errungenen Vor-theile und bedrängte sie nun selbst aus mehren Punkten. Es mißlangen ihnen auchgleichzeitig versuchte Umgehungen der feindlichen Flanken, besonders der linken, damittlerweile dort das Corps des Vicekönigs von Markranstädt herüber zum Gefechtsich aufstellte und selbst mit Überflügelung drohete. Vergebens suchten nun die^ russischen Garden, bisher als Rückhalt angewendet, den erschütterten Punkten