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6 (1830) K bis L
Entstehung
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Luther

und Thut zur Hand ging, erklärte er sich auf das nachdrücklichste gegen die Unord-nungen der aufrührerischen Bauern und Wiedertäufer, und seine Feinde haben ihmmit dem Verdachte der Anstiftung dieser gefährlichen Meutereien und Ausbrüchc desFanatismus um so größeres Unrecht gethan, je mehr seinem gesunden Verstände alleSchwärmerei und Überspannung lebenslang fremd und zuwider war. Mit der Ruheeines festen und bedachtsamen Mannes, der wohl weiß, was er will, gab er dahervon 1526— 29 unter Autorität des Kurfürsten, mit Hülfe Melanchthon's u. a.Freunde der Kirche in Sachsen, eine neue, der Lehre des Evangeliums entsprechendeOrdnung- und vom höchsten Gewichte war das Verdienst, das er sich durch die Ab-fassung des großen und kleinen Katechismus um den Schulunterricht erwarb. Nurmit Schmerz kann man dagegen der Unduldsamkeit und Harte gedenken, die L. sichgegen die schwciz. Reformatoren, wegen ihrer abweichenden Ansicht in der Abend-mahlslehre, zu Schulden kommen ließ. (S. Sacrament.) Es ist unstreitig, daßer dadurch eine Hauptursache jener Scheidung wurde, welche die Reformirtcn undEvangelisch-Lutherischen von einander trennt; aber dabei läßt sich auch nicht läug-ncn, daß er ohne diese Unbiegsamkcit in Sachen des Glaubens schwerlich ein Werkvollbracht haben würde, zu dessen Vereitelung List und Gewalt unaufhörlich geschäf-tig waren. Die seit dem öffentlichen Vortrage der Confession der Protestanten aufdem Reichstage zu Augsburg 1530 immer weiter fortschreitende Ausbreitung undBefestigung der Reformation (s. d.) benahm nun zwar den päpstl. und kaiserl.Edictcn gegen L. alle Kraft; aber desto mehr mußte er gegen die Versuche der schlauenPapisten, ihm durch Unterhandlungen Etwas von der gewonnenen Wahrheit abzu-dingen, auf seiner Hut sein, und es bedurfte gerade dieses, nicht selten an Trotz undStarrsinn grenzenden Festhaltcns derselben, um den Sieg zu behaupten. Ganz indiesem Geiste schrieb daher L. 1537 die schmalkaldischen Artikel, gab den brandend,und anhalt. Gesandten, die 1541 vom Reichstage zu Regensburg an ihn geschicktwurden, um ihn zur Nachgiebigkeit gegen die Katholischen zu stimmen, eine abschlä-gige Antwort, und verweigerte 1545 die Theilnahme s. Partei am Concilium zuTridcnt. Die Schärfe und Heftigkeit des Tons, in dem er seinen Glauben verfocht,schmälert keineswegs das Verdienst s. Beharrlichkeit; und beweisen auch die Per-sönlichkeiten, die er sich bisweilen gegen s. Gegner erlaubte, daß er sich nicht unge-ahndet beleidigen ließ, so darf man doch nur an die herrschende Denk - und Sprech-art seines Zeitalters, an die Natur seines Unternehmens, das ohne Kampf undStreit gar nicht von statten gehen konnte, an die Einflüsterungen der Zuträger undAufhctzer, von denen er, wie jeder große Mann, umgeben war, an die Kränklichkeit,die ihn nicht selten verstimmte, und an s. lebhafte, Alles leicht ins Ungeheure trei-bende Phantasie denken, um die Rauhhcit seiner Äußerungen verzeihlich zu finden.Ebenso erklären sich die Schreckbilder teuflischer Anfechtungen, die ihn oft mehr be-unruhigten, als mit seinem gesunden Verstände verträglich schien; denn der Teufelwar jenem Zeitalter eine wirkliche Person, ein immer geschäftiges, böses Princip,und wer sich der Sache Gottes widmete, mußte den Angriffen des Teufels nothwen-dig überall begegnen. Genug, daß L. die Kraft hatte, es mit dem Teufel aufzuneh-men: „Ich bin dazu geboren", sagte er selbst, „daß ich mit Rotten und Teufelnmuß kriegen und zu Felde liegen, darum meiner Bücher viele stürmisch und kriege-risch sind. Ich muß die Klötze und Steine ausrotten, Dornen und Hecken weghauen,Pfützen ausfüllen, Bahn machen und zurichten; aber Philippus (Mclanchthon)fährt säuberlich und still daher, bauet und pflanzet, säet und bcgeußt mit Lust, nach-dem ihm Gott seine Gaben reichlich gegeben hat. Soll ich aber einen Fehl haben,so ist es mir lieber, daß ich zu hart rede und die Wahrheit zu heftig Herausstoße, denndaß ich irgend einmal heuchelte und die Wahrheit inne behielte". Daß er ohneFalsch und überall ehrlich zu Werke gehe, mußten ihm auch s. Feinde zugestehen.Bei keinem Manne war der Gcundcharakter des deutschen Gemüths, Geradheit,