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6 (1830) K bis L
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den Dächern — doch wollte ich hinein". Vor dem Kaiser, dem Erzherzoge Ferdi- ^nand, 6 Kurfürsten, 24 Herzögen, 7 Markgrafen, 30 Bischöfen und Prälatenund vielen Fürsten, Grafen, Herren und Gesandten erschien L. den 17. April inder Reichsversammlung, bekannte sich zu seinen Schriften und schloß am folgen-den Tage seine zweistündige Vertheidigungsccde vor dieser Versammlung mit denWorten: „Es sei denn, daß ich mit Zeugnissen der heil. Schrift oder mit öffentli-chen, klaren und hellen Gründen und Ursachen überwunden und überwiesen werde;so kann und will ich nicht widerrufen, weil weder sicher noch gerathen ist, Etwaswider Gewissen zu thun. Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir! ^

Amen". Daß er wirklich nicht anders konnte und nur dem göttlichen Worte ge-horchte, davon mußte Jeder sich überzeugen, der ihn hörte und verstand, und erverließ Worms in der That als Sieger, aber unter so unzweideutigen Vorbedeu-tungen des Unterganges, den seine Feinde ihm bereiteten, daß Friedrich der Weiseihn unterwegs wegfangen und heimlich nach der Wartburg schaffen ließ, um sein !

Leben zu sichern. Weder die kaiserl. Achtserklärung noch die Bannbullen des j

Papstes konnten ihn in der Muße stören, die er hier zur Verdeutschung des NeuenTestaments anwendete. Doch dauerte sie nur 10 Monate. Auf die Nachricht jvon Karlstadt's (s. d.) Bilderstürmerei hielt ihn nichts zurück, und trotz derneuen AchtSerklärung, welche der Kaiser zu Nürnberg wider ihn erließ, und selbst -auf die Gefahr der Ungnade des Kurfürsten eilte er, mitten durch das Land desheftig gegen ihn erzürnten Herzogs Georg von Sachsen, nach Wittenberg. DerBrief, in dem er sich wegen dieser Entweichung bei dem Kurfürsten Friedrich recht- ^fertigt, ist ebenso als sein Betragen auf dem Reichstage zu Worms ein Beweis ^seines unerschrockenen Muthes und seiner Scelcngröße. So zuversichtlich undkühn durfte nur Luther zu feinem Fürsten sprechen, denn schon hatte er ein Ansehenin der Welt, welches das fürstliche überwog. Muster von Mäßigung, Lchrweis- jheit und Volksberedtsamkcit sind die Predigten, mit denen er gleich nach seiner jRückkehr, im März 1522, acht Tage nach einander fortfuhr und den Aufstand derwüthenden Neuerer in Wittenberg stillte. Sie zeigen, wie sehr Diejenigen irren,die in L.'n nur den ungestümen, plumpen Eiferer sehen und die Behutsamkeit sei- incs Verfahrens bei der Kirchenreform, seine seine Menfchenkenntniß und seineSanstmuth gegen Irrende, die es nur sonst mit der Wahrheit gut meinten, nichtbemerken wollen. Diese Mäßigung verließ ihn freilich, wo er bösen Willen undeine unlautere Gesinnung sich ihm entgegenstellen, oder die evangelische Wahrheit ^in Gefahr sah. Daher seine harte, beißende Antwort auf die kleinliche Schmäh-schrift des Königs Heinrich VIII. von England und die Erbitterung in seinenStreitigkeiten mit Karlstadt und Erasmus. Den Letztem hielt er, nicht ohne al-len Grund, für etwas irdisch gesinnt und lau gegen die gute Sache; in Karlstadt'sAngriffen auf seine Abendmahlslehre glaubte er aber offenbare Abtrünnigkeit undehrgeizige Eifersucht zu erkennen. Unter diesen Kämpfen und Anfechtungen warsein Entschluß, auf eine völlige Reformation der Kirche, welche die Nation lautverlangte, hinzuarbeiten, zur Reife gediehen. Zuerst sing er 1523 in Wittenbergan, die Liturgie von leeren Gebräuchen zu reinigen, und gab, da er selbst 1524 dieMönchskutte ablegte, das Zeichen zur Aufhebung der Klöster und zur bessern Ver- ,

Wendung der Kirchengütcr. Er nahm eine Nonne, welche das Kloster verlassen >

hatte, Katharina von Bora, 1525 zum Weibe: ein Schritt, den der 42jährige ^Mann erst nach schwerem Kampfe mit unzähligen Bedenklichkeiten, aber gewißebensowol aus Grundsatz als aus Neigung that. Denn ganz sollten die Lehrerdes Evangeliums der Menschheit wiedergegeben, und die Rechte der Natur undWahrheit, wo möglich, in allen Verhältnissen wiederhergestellt werden. Doch nurauf dem Wege der Ordnung wollte L. die neue Form des kirchlichen Wesens einge-führt wissen. Während er den Reichsstädten und fremden Fürsten dabei mit Rath