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6 (1830) K bis L
Entstehung
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Luther

Treue und Redlichkeit, herrlicher entwickelt und offener dargelegt. Er scheute sich ^ebenso wenig s. Schwächen zu gestehen, als Fehler Andrer zu züchtigen, und nebendiesen Schwächen, mit welchen milden, liebenswürdigen Eigenschaften war die über-legene Kraft und Größe seines Geistes vereinigt! Man erstaunt über die unermü-dete Thätigkeit, mit der er nach allen Seiten hinwirkte: das Werk der Bibel-übersetzung, schwer und weit umfassend genug, um ein ganzes Leben zu beschäftigen,brachte er von 1521 34 völlig zu Stande, und schon darum würde sein Nameunsterblich sein; dabei überkam er durch die Menge s. Abhandlungen über die wich-tigsten Gegenstände des Glaubens den fruchtbarsten Schriftstellern aller Zeiten ^gleich, und übertraf an Geist und Gehalt die meisten; seit 1512 predigte er in jederWoche mehre Male, ja in gewissen Perioden täglich, verwaltete das geistliche Amtim Beichtstuhl und Altare, führte einen ausgebreiteten latein. und deutschen Bries-wechsel über Gegenstände aller Art mit Großen, Gelehrten und Freunden, und mit-ten in diesem Dränge von Arbeiten, die ihm täglich noch einige Stunden zu Gebet Iund Selbstbetrachtung Zeit lassen mußten, war er für jeden Besuchenden zugang- !lich, half mit Rath und That, wo es Noth war, bekümmerte sich um jeden Armen,der ihn ansprach, und gab sich mit der ganzen Seele den Freuden der Geselligkeit nhin, wo man ihn immer jovialisch, voll von Einfällen (sie sind in s.Tischreden" !'aufbehalten), körnig und geistreich in f Unterhaltung und mäßig in f Genüssenfand. Dabei blieb er auch der Kunst nicht fremd; seine trefft. Kirchenlieder sind be-kannt, wie s. entschiedene Vorliebe für die Musik, in welcher er, so oft es nur mög-lich war, durch Singen und Spielen auf der Flöte und Laute seine Erholung suchte. ^S. Groll:Luther's geistliche Lieder, nebst dessen Gedanken über die musion" '(Berl. 1817);Die Lieder Luther's, gesammelt von Kosegarten und Rambach";

Über Luther's Verdienst um den Kirchengesang" (Hamb. 1813). Nur eine selteneGeistes- und Körperkraft konnte dem Allen gewachsen sein; bei einer minder starkenNatur wäre ein so thatenreiches, müh- und wcchselvolles Leben frühzeitig zum Endegeeilt. Zwar hatte L. schon seit 1531 mit harten körperlichen Leiden (Steinschmerzund Schwindel) zu kämpfen und war in mehren Krankheiten dem Tode nahe, docherhielt ihn Gott bis ins 63. Jahr. Vor der letzten Reise nach Eisleben, wohin ihndie Grafen von Mansfeld zur Schlichtung einer Streitigkeit riefen, schilderte er s.Zustand in einem Briefe:Ich alter, abgelebter, fauler, müder, kalter und nunauch einäugiger Mann hoffte doch nun ein wenig Ruhe zu haben; so werde ich aber ,dermaßen überhäuft mit Schreiben, Reden, Thun und Handeln, als ob ich nie et- ^was gehandelt, geschrieben, geredt oder gethan hätte. Ich bin der Welt satt und dieWelt meiner, wir sind also leicht zu scheiden, wie ein Gast, der die Herberg quittirt.Darum bitte ich um ein gnädiges Stündlein und begehre des Wesens nicht mehr".

So hatte er im Jan. 1546 geschrieben; den 18. Febr. starb er zu Eisleben undwurde in der Schloßkirche zu Wittenberg begraben. Seine zärtlich geliebte Frau(starb zu Torgau 1552) hinterließ er mit 4 Kindern (2 waren früher gestorben) ingeringen Umständen, und mit Martin Gottlob Luther, der 1759 als Rechtsconsulentin Dresden starb, erlosch seine männliche Nachkommenschaft. *) Wider seinenWillen wird s. Partei nach ihm die Lutherische genannt; wider s. Willen hat sie dieKriege geführt, die gleich nach s. Tode ausbrachen und Deutschland schrecklich ver- ^wüsteten. L. rieth, so lange er lebte, zum Frieden, und erhielt ihn; er achtete es für ^

*) Zum Gedächtniß des 3. Rcformationsjubelfestes, 1817, hatte der Rath Becker inGotha mittelst gesammelter Beiträge für die noch lebenden, größtentheils sehr armenSeitenverwandten Luther's zu Möhra im S.-Meiningischen und in der Umgegend d. O.ein Stipendium gestiftet, dessen Genuß, auf den Fall des Berlöschens der ganzen Luther'-schen Nachkommenschaft, dem jedesmaligen Pfarrer und Schullehrer des Dorfes Möhra,jedem zur Hälfte, zufallen soll. (S.Allgem. Anzeiger der Deutschen", Jahrg. 1818,

Nr. 271.) Von den durch die Mansfeldische literar. Gesellschaft seit 1801 gesammel-ten Beiträgen zu einem Denkmale Luther's (zusammen über 34,000 Thlr.) wurde