Druckschrift 
6 (1830) K bis L
Entstehung
Seite
395
Einzelbild herunterladen
 

395

Laibach (Stadt Congreß)

sim beschäftigt, eben ein großes Fest anzuordnen.Was denkt Ihr?" sprach! Karl zu dem Ritter, der das eitle Treiben an des Dauphins Hofe mit finstern' Blicken betrachtete:Ich denke", erwiderte L.,man kann ein Königreich nichtlustiger verlieren". Nach Orleans zurückgekehrt, that er sein Möglichstes, umi die Stadt zu retten und die Trümmer der geschlagenen Armee zu sammeln. Daerschien (1429) die begeisterte Jungfrau. L. schloß sich zuerst an die Retterin ans und geleitete sie bei ihrem Einzüge in die Stadt. Hierauf die geschlagenen Eng-s länder verfolgend und in den Schlachten von Jargeau und Patai sich auszeichnend,s stürmte er mitten im Winter Louviers und drang bis vor Rouen, in der Absicht,die gefangene Johanna zu befreien. Er wurde aber dabei selbst von den Englän-j dem gefangen, entzog sich jedoch deren Haft bald wieder, um sie von Neuem,l mit Taintrailles vereint, zu bekämpfen. So blieb L. bis an sein Ende der ecbit->! rerrste Feind der Feinde seines Vaterlandes und that ihnen durch seine List und Ta-s pferkcit bedeutenden Schaden. Mehrmals noch, oft durch die Derrätherei falschers Freunde, in Gefangenschaft gerathen, wußte er sich doch stets wieder loszumachen,^ und trotzte sogar eine Zeit lang seinem eignen König, indem er den kleinen Kriegi gegen die Engländer und Burgunder fortführte und einige Städte besetzt hielt, wäh-rend Karl schon langst Frieden mit den Feinden geschlossen hatte. Auf einer Reisel. nach Montauban, wohin er Karl V!I 1442 begleitete, starb er, geschwächt durchz Wunden. Seine romantische Tapferkeit und die Anhänglichkeit an das Mädchen! von Orleans erwarben ihm nach seinem Tode die seltsame Ehre, daß sein Name' dem Ooeur v.alet in der fcanz. Karte deren Bilder sich bekanntlich mit allerleiHeldcnnamen schmücken beigelegt wurde,s Laibach, ital. Lubianna, illyr. Lublan, Hauptst. des östreich. Herzogth.^ Krain, mit einem Bergschloß und schönen Umgebungen, der Sitz des ersten kaiserl.ss Guberniums im Königreich Jllyrien für Kärnthen und Krain, eines Fürstbischofs^ und mehrer Behörden. Sie war im Alterthume, wo sie Ämona hieß, eine ansehn-s liehe Stadt im vindelicischen Jllyrien, welche von den Hunnen und Langobardenz zerstört und von Karl dem Großen, wie man glaubt, wiederhergestellt wurde,s Jetzt zählt sie 866 Häuser und 11,500 Einw., die deutsch, italienisch, neugrie-s chisch, zum Theil auch sranz. sprechen. Volkssprache ist die iilyrisch-vindclicisches Mundart, die vom Kroatischen und Jstrischen wenig aoweicht. Die Straßen sind- wohlgebaut und sehr reinlich. Unter mehren öffentlichen Gebäuden und Anstaltenl verdient die Provinzialbibliothek Aufmerksamkeit. Der schiffbare Fluß Lublans oder Laibach, der im Winter warmes Wasser hat und in die Save fällt, durch-schneidet die Stadt in 2, durch 3 Brücken verbundene Hälften. Sie steht mit' Wien, Venedig, Konstantinopel und Baicrn in regelmäßigem Verkehr und hatls besonders viel Commissions - und Speditionshandel. Diese Stadt war vom Oct.s 1809 13 der Sitz des französ. Gencralgouverneurs der illyrischen Provinzen.

> Im Dec. 1820 ward der Congreß von Troppau hierher verlegt. Die Monarchenvon Östreich, Rußland und Preußen hatten sich nämlich in Troppau 1820 ver-l sammelt, um in Hinsicht auf die durch die stehenden Heere in Spanien, Neapelj und Portugal bewirkten Staatsveränderungcn und über andre die Ruhe von Eu-! ropa betreffende Gegenstände Beschlüsse zu fassen. (S. Congrcsse.) Da je-i doch die Gegenwart des Königs von Sicilien nothwendig schien, und man dem! Schauplatze der Begebenheiten näher sein wollte, so verlegte man den Congreß nachLaibach. Hier versammelten sich die beiden Kaiser (der König von Preußen konntenicht persönlich Theil nehmen), dann der König Ferdinand I. von beiden Sicilien! und der Herzog von Modena, im Jan. 1821, um durch gemeinschaftliche Bera-thung die Ruhe Italiens gegen den Carbonarismus (s. d. und Italien) zu! sichern, dem wettern Umsichgreifen erzwungener, von den stehenden Heeren aus-l gehender Staatsveränderungen Einhalt zu thun, und die Ordnung in Neapel und