384 Lätare Lafayette (Gilbert Mottier, Marquis de)
Sohnes aus Troja, über dessen Abwesenheit er in die tiefste Trauer versunken war,dessen Rückkunft ihn aber so verjüngte, daß er noch an dem Kampfe gegen die auf-rührerischen Jthacenser Theil nehmen konnte.
Latare, der 4. Sonntag in den Fasten. Die alte Kirche pflegte an dem-selben ihren Gottesdienst mit den Worten lulotare »toriliü oder 1,»et»ro lerlum-lom vt exultat« in ea anzufangen.
Lafayette (Gilbert Mottier, Marquis de), aus einem der ältesten Ge-schlechter der Auvergne, geb. den 1. Sept. 1757 zu Ehavagnac, im Depart. derobern Loire, wurde, um ihn an den königl. Hof zu bringen, in seinem 16. I. nü!der T. des Grafen v. Noailles d'Ayen vermahlt; er lehnte aber jede Hofanstellungab. Die Grundsätze deS amerik. Unabhängigkeitskrieges umfaßte L. mit dem gan-zen Feuer des jugendlichen Alters und der edelsten Gesinnung. Er stellte sich inParis Franklin vor und wurde von dem cdcln Repräsentanten des jungen Frei-staats mit Freude und Dankbarkeit aufgenommen. Um diese Zeit schien AmerikasLage sehr bedenklich. Die amerik. Milizen erlitten eine Niederlage nach der andern,und der Credit ihrer europäischen Agenten war so gesunken, daß sie kaum die Ko-ste» zur Befrachtung eines Fahrzeugs zusammenbringen konnten, das ihre Depe-schen an den Eongreß beförderte. Ader keine Gefahren konnten L. zurückhalten.Er rüstete auf s. Kosten eine Fregatte aus und landete im April 1777 in Eharles-town. Sogleich bot er dem Eongreß seine Dienste an und diente als Freiwilligerauf seine Kosten. Der Eongreß ernannte ihn zum Generalmajor. Indeß diente L.noch in dem Gefechte von Brandywme am 11. Sept. 1777 als Freiwilliger. SeineThaten in der neuen Welt sind bekannt, insbesondere hatte er die Ehre der Eapi-tulation von Eoruwallis. Der wackere, aber unglückliche englische Feldherr wolltenur in L.'s Alande seinen Degen niederlegen. L. wurde der Held seiner Zeit. DerEongreß votirte ihm mehrmals Dank und Anerkennung. Sobald Frankreich sichfür die Sache der Amerikaner erklärt hatte, eilte L, (1.770) »ach Paris zurück, woer jedoch nicht langer verweilte, als dringend nöthig war, um den, jungen Frci-staate neue Vertheidiger, Hülfe an Geld, Waffen und Kriegsbedürfnisse zu ver-schaffen. War sein Empfang in PariS glänzend gewesen, so war derselbe in Bo-ston, wo er die Ankunft des fcanz. HülfscorpS unter Rochambeau verkündete,noch feierlicher. Er eilte späterhin aufs Neue nach Frankreich, um vvm Ministe-rium noch kräftigere Hülfe zu erwirken. In Begriff, mit dem Grafen d'Estaingund einer neuen Unterstützung von 8000 M. unter Segel zu gehen, erhielten siedie Nachricht vom Abschlüsse des versailler Friedens. Einige Jahre nachher machteL. eine Reise in den amerikanischen Freistaat. Die Erinnerung an die großen Dien-ste, die er demselben geleistet, war noch in dem Andenken aller Bürger frisch, unds. Reise glich einem Triumphzuge. Ihm und seinem Sohne wurde das amerikani-sche Bürgerrecht bewilligt, und Beide erhielten das Recht, den Sitzungen deS ge-setzgebenden Körpers beizuwohnen. L.'s Abschiedsworte an den Eongreß waren:„Möge die immer steigende Wohlfahrt und das Glück der Vereinigten Staatendie Güte und Trefflichkeit ihrer politischen Institutionen stets niehc beurkunden!Möge der unermeßliche Tempel, welchen wir eben der Freiheit errichtet haben, füralle Zeiten den Unterdrückern eine gute Lehre bleiben, den Unterdrückten zum Vor-bilde dienen und stets ein Asyl für die Rechte der Menschheit sein!" Nach sei-ner Rückkehr machte L. eine Reise durch Deutschland, wo er von Friedrich demGroßen und Joseph il. auf eine ausgezeichnete Weise ausgenommen wurde. —1787 wurde L. zu der Versammlung der Notablen einberufen, bei welcher erfür die Herstellung der bürgerlichen und kirchlichen Freiheit mit Begeisterung sprachund handelte. Er arbeitete in derjenigen Abtheilung, in welcher der Graf vonArtois den Vorsitz führte, der mit den Ministern in offener Spaltung lebte.Insbesondere gehörte L. zu Denen, welche auf die Einberufung einer Na-