Laborde (Alexander Louis Joseph, Graf v.) 375
Mit dieser wahrhaft königl. Großmuth verband er die zarteste Form. Nie ließ eres Dem empfinde», dem er half, und nie sprach er von Dem, was er Gutes that.Zufrieden im Besitz der Liebe und Achtung seiner Mitbürger, lehnte er äußere Ehrenbescheiden ab. Ludwig XVl. erhob seine Besitzung Laborde (der FamiliennameL.'s war Dort, seine Vorfahren, die 1620 die kleine Herrschaft Laborde an sich ge-bracht harten, nannten sich seitdem Dort-Labocdc) zum Macquisat; allein er machtevon diesem Titel keinen Gebrauch. Wahrend der Schrcckenszeit lebte L. in der Stilleauf seinem Gute Merevillc, konnte aber so wenig als Malesherbes und Lavoisier,Edle gleich ihm, der Wuth der Blutmenschen in Paris entgehen. Gendarmenschleppten den Greis vor das Bluttcibunal. Seine ganze Gemeinde, 1200 Köpfestark, wollte den Vater und Wohlthäter vertheidigen; er lehnte es ab und ermähntezur Ruhe. Die braven Leute schickten eine Deputation an den Convent; umsonst!der Wohlthäter von Tausenden, der wahre Menschen- und Volksfreund, sank, 70Jahre alt, den 18. April 1794 unter dem Beil der Guillotine. Sein Verbrechenwar sein Reichthum. L. hatte 4 Söhne. Drei davon dienten in der Marine, 2von diesen begleiteten den unglücklichen Lapeprouse. Sie fanden ihren Tod, nochehe Lapeyrouse's Schiff verloren ging, bei einer edeln, hcldenmüthigen That, die dergenannte Seefahrer noch in seinem Reiseberichte erzählt und wofür er ihnen in,-Port Franyais auf der Küste von Californien ein Denkmal setzte. Der Älteste vondiesen Dreien wurde, nachdem er den Seedicnst aufgegeben, königl. Schatzmeisterund 1789 Mitglied dcr constituircnden Versammlung. Berichte von ihm über denZustand der Finanzen wurden damals auf Befehl der Kammer gedruckt. Er starb1801 im freiwilligen Epik zu London. 12.
Laborde (Alexander Louis Joseph, Graf de), dcr jüngste Sohn des Vor-hergehenden, Mitglied der Wahlkammer und Staatsralh, geb. d. 15. Sept. 1774zu Paris, trat in östr. Dienste, wo er in Folge eines Briefes von seinem Vater anJoseph II., welcher Fürst den alten L. sehr schätzte und einen von dessen Söhnen ins. Diensten zu sehen gewünscht hatte, als Lieutenant in dem Negimente Wenzel-Collorcdo angestellt, und später als Rittmeister in das Chevauxlegersregim. Kinskyversetzt wurde. Gern hätte L. in dem franz. Rcvolutionskricge seinem Vaterlandegedient, allein er stand auf der Emigrantenliste. Damals lernte er in Heidelberg,wo er verwundet lag, den vom Regiment Kinöki) gefangen genommenen GeneralOudinot und andre Landslcutc kennen. Dies brachte s. Entschluß zur Reife. So-wie der Friede von Eampo-Fornu'o geschlossen war, verließ er die östr. Dienste underlangte s. Ausstreichung von der Emigrantcnlistc. Nun widmete er sich in Frank-reich den Wissenschaften, machte eine Reise nach England, Holland, Italien undSpanien, und gab hierauf s. großes Prachtwerk.' „VvvaAo pittorosgue et Instori-gue cl<! VI^pSANk" (4 Bde., Fol.), s. „Itlnerairv äe I'lgüpa^nv" (5 Bde.), s.„Beschreibung der gricch. Vasensammlung des Grafen Lambecg", f. „Vci)-o^ejuttorengiiv vn .lutriolw" (2 Bde., Fol.) und den Anfang zu seinem Werk überdie Denkmäler in Frankreich, chronologisch geordnet, heraus. Das Institut er-nannte ihn zu seinem Mitgliede,und Napoleon übertrug ihm als Staatsrath wich-tige Geschäfte. 'Auch mußte er den Kaiser nach Spanien und Östreich begleiten.1814 commandiere L. eine Abtheilung der pariser Nationalgarde, und schloß, mitTvurton zugleich, im Namen des Marschalls Monce» die Eapitulation mit denRussen ab. Nach der Restauration bereiste er abermals England und gab bei s.Rückkehr das erste Werk in Frankreich über den wechselseitigen Unterricht heraus;auch war er 3 Jahre hindurch erster Secretair der Ccntralgesellschast zur Verbrei-tung dieser Unterrichtsmethode. 1818 wurde er abermals in den Staatsrath ge-rufen, bald aber wegen Verdacht liberaler Gesinnungen daraus entfernt. Dagegenwählte ihn 1822 das Departement der Seine zum Deputirten. Hier hat er stetsmit Kraft, zuweilen auch mit Erfolg, ultraistischcn Ausschreitungen entgegenge-