374 Laboratorium Laborde (Jean Joseph dc)
Verzicht und widmete sich ganz dem Studium der Wissenschaften und der Poesie.Sie hcirathcte einen sehr reichen Seiler, Ennemond Pcrrin, und konnte nun ihrerNeigung zur Literatur frei folgen. Mit mehren angenehmen Talenten verband sieeine nicht mittelmäßige Kenntniß der griechischen, lateinischen, spanischen und ita-lienischen Sprache. Ihr Haus war ein Sammelplatz aller schönen Geister. Dievornehmsten Personen fanden sich bei ihr ein. Sie erregte die Bewunderung derDichter, aber auch die Eifersucht der Frauen zu Lyon. Gleichzeitige Schriftstellerhaben ihre Keuschheit gerühmt, andre ihr Ausschweifungen vorgeworfen. Mehreihrer Poesien, besonders das achtzehnte Sonett, zeugen allerdings gegen ihre Keusch-heit. Sie scheint alle Perioden der Liebe durchlaufen zu sein: anfangs treue undleidenschaftliche Geliebte, hernach Eoquettc, ward sie endlich Buhlerin. Doch ge-reicht es ihr zur Entschuldigung, daß sie zu einer Zeit lebte, wo die Galanterie alsEhrensache betrachtet wurde, und wo sie selbst von einem Schwärme liebenswür-diger Wüstlinge umgeben war. Ihre Großherzigkeit, ihr Geschmack für die Wis-senschaften und ihre für jene Zeit ungewöhnlichen Talente verwischten in den Auge»der meisten ihrer Zeitgenossen jene Flecken ihrer Lebensweise. Die Achtung, welche ^ihr gleichzeitige Schriftsteller zollen, sowie der Umstand, daß die Straße in Lyon, woihr Haus befindlich war, ihren Namen erhielt, beweisen, wie sehr man sie schätzte.Die Annehmlichkeit ihres Umgangs, ihr Geist, ihr Wissen, ihre Talente, die Verse,welche sie dichtete und unter Begleitung der Laute sang, fesselten ihre zahlreichenund ausgezeichneten Anbeter mit unwiderstehlichen Banden. Ihre Werke sinlu„Epistel an Clemenlia von Vourges" (mit vielem Geiste geschrieben); „DerKampf der Liebe und der Thorheit", in Prosa (worin Nci; und Erfindung herrscht);
1 Elegien, 24 Sonette, von denen das erste in italienischer Sprache abgefaßt ist.Die erste Ausg. dieser Schriften erschien 1555.
Laboratorium, ein zur Ausführung chemischer Operationen schicklichund zweckmäßig eingerichteter Ort. Es muß wenigstens zwei Räume haben, in de-ren einem sich eine Esse mit einem Gebläse, Muffelöfen, Windöfen, Dcstillirappa-ralc rc., am besten unter einem feuerfesten Gewölbe mit einem Kamin befinden. Derandre Raum muß die übrigen Theile eines chemischen Apparats enthalten. Ein La-boratorium muß feuerfest, hell, trocken und dem frischen Luftzuge zugänglich sein. I
Laborde (Jean Joseph dc), ein durch Thätigkeit, Unternehmungsgeist und iwohlwollende Gesinnungen ausgezeichneter Kaufmann, aus einer alten Familie in iBearn, geb. 1724, erwarb zu Bayonne durch wohlbcrechnete Unternehmungen imHandel mit Westindien und Spanien ein großes Vermögen. Als 1758 der sranz.Hof ein Anleihen von 50 Milk. Livres bei dem spanischen Hofe machen wollte, schloßder letztere das Geschäft nicht eher ab, als bis sich L. verbürgt hatte. L. wurde nunHofbanquier, und der erste Minister Ehoiseul schenkte ihm sein volles Vertrauen.Nach dem Sturze dieses Staatsmannes zog L. sich von den mchrsten Geschäftenzurück und behielt nur 6 Schiffe, weil er auf St.-Domingo große Plantagen hatte.Hier ließ er das erste und bis jetzt einzige Haus aus gehauenen Quadern bauen,die er numerirt als Ballast mit seinen Schiffen dahin geschafft hatte. Beim An-fänge des amerikan. Freiheitskrieges war er allein im Stande, der Regierung 12Mill. Livres in Gold nach Brest zu liefern, wodurch das Auslaufen der Expeditionunter Rochambcau möglich wurde. Später wandte L. sein Vermögen zu nützlichen ^und prachtvollen Bauten an. Die Schlösser von St.-Ouen (jetzt Hrn. Tcrnaux), !zu St. - Leu (jetzt dem Herzog v. Orleans), zu la Ferte-Vidamc (jetzt dem Herzogvon Penthiövre gehörig) und zu Mercvillc (bei Paris) wurden von ihm gebaut, so-wie die schönsten Häuser in der Ehaussöe-d'Antin, einer pariser Straße, die damalsein zu seinem Hotel gehörender großer Garten war. Außerdem verwandte er jähr- !lich eine Summe von 24,000 Fr. zur Unterstützung der Armen. Zu der Errich-tung von 4 großen Hospitälern in Paris (1788) gab er allein 400,000 Fr. her. j