363 Kurland (Anna Charlotte Dorothea, Herzogin von)
teufet, genannt Späge, Aus dieser Ehe lebt noch ein Bruder der Herzogin, derGraf Johann Friedrich von Medem in Kurland. Aus der ersten Ehe ihresVaters hatte sie eine Schwester, die edle Elise von der Recke, welche ihr vonKindheit an bis zum Tod als treue Freundin zur Seite stand. Dorothea warkaum drei Zahr alt, als ihre Mutter starb, und die dritte Gemahlin ihres Va-ters, Elis. von der Recke, geb. von Brucken, genannt Fock, eine Frau vonausgezeichnetem Verstände (die 1784 starb), ihre Erzieherin wurde. Las herz-liche Gefühl, welches in dem väterlichen Wohnsitze Altan; die Geschwister in jdem Umgänge mit der Natur, mit geistvollen Schriften, wie Klopstock's Oden, jmit Musik und Gesang, bei einem trefflichen Religionsunterrichte, durch ge- sJenseitige Liebe verband und veredelte, entwich nie aus dem Gemüthe der Her-zogin, so lange sie lebte. Mit diesem kindlichen Naturgcfühle wählte sie selbstihr Grab in dem schönen Birkenhaine von Löbichau. Man lese das „Leben 'dcS Grafen Johann Friedrich von Medem, nebst seinem Briefwechsel mit der ,Frau von der Necke u. A.", herausgeg. von Blessig (Slrasburg 1792, 2 Thle.). j—18 Jahr alt, wurde die Gräfin Dorothea am 6. Nov. 1779 die (dritte) !Gemahlin des HerzogS Peter von Kurland, Reichsgrafen von Biron. Da ^dieser Fürst, mit starrer Unbicgsamkcit sein Herrschcrcecht gegen die Ansprüchedes bevorrechteten Adels behauptend, die Klagen der Stände in Warschau Idurch Gegenklagen bekämpfte, so hatte die Alles sanft und klug vermittelnde lHerzogin öfter Gelegenheit, zur Aussöhnung der Parteien viel beizutragen. ^Zugleich erheiterte die junge Fürstin durch den Frohsinn, der sie selbst durch ihr leignes Leben begleitete, und durch ihr musikalisches Talent die durch Mißhelligkei-ten aller Art getrübten Tage ihres Gemahls. 1784 reiste der Herzog mit ihr überBerlin, in besten Nähe ihm das schöne Friedrichsfclde gehörte, das er mit seinerGemahlin zu Zeiten bewohnte, nach Italien. Überall empfing sie die Huldigungder Liebe und der Bewunderung. Ein Tagebuch, das sie, von ihrer Schwesterdazu veranlaßt, auf dieser Reise hielt und späterhin fortsetzte, trug zu ihrer gei-stigen Ausbildung nicht wenig bei. Als auf der Rückreise der Herzog ihre Entbin- idüng in Deutschland abzuwarten und daselbst länger zu verweilen entschlossen ,war, gab sie den Bitten der damit unzufriedenen Stände nach, und trat, im sie- !denken Monate ihrer Schwangerschaft, im Dcc. die Reise von 150 Meilen ohne !ihren Gemahl an, um das edle Werk der Sühne nicht zu hindern. Am 23. Febr. !1787 gebar sie in Mitau einen Erbprinzen. Der Wunsch der Landschaft und derobersten Verwaltungsbehörde war jetzt, sie möchte gemeinschaftlich mit den Ober- ^rächen als Vormünderin die Regierung übernehmen; allein sie bewog den Herzog !zur schleunigen Rückkehr im Frühling 1788. *) Dessenungeachtet konnten die >Zwistigkeiten nicht beigelegt werden, und der Tod des Erbp-inzcn, im März >1790, zerstörte die theuersten Hoffnungen der cdcln Herzogin. Im Herbste ^dieses Jahres reiste sie mit ihrer Schwester nach Warschau, wo die Streitig-keiten des Herzogs mit den Ständen verhandelt wurden. Es gelang ihr aber erst ibei ihrer zweiten und dritten Anwesenheit, 1791 und 1792, eine Entscheidung jder kurländischcn Angelegenheiten zur scheinbaren Zufriedenstellung des Herzogs jund des Landes zu erlangen. (Der polnische Rechtsspruch wurde durch die spätere ^Auch«. >g der Republik Polen vernichtet,) 1793 hatte der Herzog s. Hochschwan- ^gere Gemahlin bestimmt, nach Berlin zu reisen, wo sie ihn erwarten sollte. End- !lich begab er sich mit den Prinzessinnen 1795 auch nach Deutschland, und lebteseitdem bald auf seiner Allodialherrschaft Nachod in Böhmen, bald auf seinem vonihm 1786 erkauften Herzogthum Sagan in Schlesien. Er starb den 12. Jan.1800 zu Gollcnau (in Schlesien, unweit Nachod), wohin die Herzogin von Sagan
*) S- des Ministers v. Lhümmel „Histor. Beitr. zur Kenntniß des Fürst. Alten- !bürg" z1818), im 3. Abschn., S. Z fg.