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6 (1830) K bis L
Entstehung
Seite
365
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Kurland (Anna Cyariotte Dorothea, Herzogin von) 30t>

des kurland. Adels, welche den Bauernstand in Kurland für frei erklärte und seineVerhältnisse zu den dortigen Gutsherren ordnete.

! Kurland (Anna Charlotte Dorothea), verwitwete Herzogin zu Kur-

land und Sagan, Frau auf Löbichau bei Altenburg, war ebenso ausgezeichnetdurch ihre in Leben und That übergegangene höhere geistige Bildung, alssie sich durch Anmuth, Humanität und Wohlthun, in einem 60jährigen Leben,die Liebe und Verehrung ihrer nächsten Umgebungen erworben hatte. Ihr öf-fentliches, von manchem Sturme bewegtes Leben in Mitau und Warschau,i wo sie durch die verschlungcnsten Windungen politischer Verhältnisse mild vec-

> w.ittelnd hindurchging, hier den Gemahl und Volk und Land mit liebevoller

j Treue umfassend, dort die feindlichsten Reibungen mit zarter Vorsicht beseiti-

^ gcnd, gehört in die Geschichte Kurlands.*) Ihr Privatleben, svwol in den

glänzenden Cirkeln von Berlin, Petersburg und Paris, als in dem stillern Fami-lienvercine auf ihrem gastfreundlichen Sommersitze zu Löbichau, gehört in die Anna-len der höhern geselligen Bildung unsrer Zeit, in welcher die Herzogin als eineFrau erschien, die mit der feinsten Weltbildung wahren Kunstsinn und Geschmackund einen hellen Geist, ohne Laune, ohne Eigenliebe und Vorurkhcil, mit einemHerzen voll Neligiösität und mit einem lebendigen Streben nach Allem, was gut istund wahr und schön, zu vereinigen wußte; die daö Glück ihres Lebens nur darinfand, um sich her glückliche Menschen zu sehen. Ein freier und erhabener Charak-ter, wie der ihrige, der, allem Gemeinen abhold und jeder Thorheit feind, die Fesseln^ des Herkömmlichen minder achtete als Frohsinn und geistvollen Umgang, mußteoft falsch beurtheilt, auch verleumdet werden: denn überall hinkt die Verleumdungder Bewunderung nach, und Übereilungen sind dann oft in den Augen der MengeVerbrechen. Überhaupt hat wol kein Stand es einer Frau verziehen, wenn sie sichl über die engern Schranken und Ansichten ihres Standes erhob, um allein dem

> Kreise der Humanität anzugehören. Dies war der große Fehler, der den Leumund

, reizte, die Würde einer Frau anzugreifen, deren Anmuth unwiderstehlich, und de-

j ren Herzensgute, obwol in einzelnen Fällen gemißbraucht, dennoch unvcrwclklich

war wie ihre Schönheit. Daß die Lebhaftigkeit ihres Geistes, daß die Wärmeihres Gefühls, daß die Macht der Verhältnisse die hochherzige, für die Sache! der Vernunft, des Rechts und der Wahrheit von echt protestantischem Muthebegeisterte und dabei doch so zart organisirte Frau bisweilen zu mißfälligenÄußerungen über öffentliche Angelegenheiten hinreißen, oder ihr Betragen miteinem Scheine des Unrechts umgeben, selbst ihren innern Werth in einem nach-theiligen Doppellichte zeigen konnte, wollen wir nicht läugncn; aber wir be-haupten mitvoller Überzeugung, daß jeder unbefangene Beobachter, welcher ihrin Mitau, Warschau, Berlin, Petersburg, Paris, Sagan, Prag, Heidelberg,Pyrmont, Karlsbad und Löbichau naher zu stehen das Glück hatte, nie in einemfalschen Lichte sie erblickt hat. Dorothea, geb. zu Mesothcn, einer herzogt. Do-mains, die wahrend des 22jähr. russischen Sequesters Graf Medem in Pachthatte, den 3. Febr. 176 l, war die jüngere T. des Reichsgrascn Johann Fried-rich v. Medem, aus dessen zweiter Ehe, mit Charlotte von Noldc, geb. Man-

! *) S. die von Erlist in der kurlandischen Gesellschaft für Lit. und Ku»<1 zum

> Andenken der letzte» Herzogin von Kurland am 28. Rov. 1821 gehaltene Blockung.Das alte Geschlecht von Medem stammt von einer nun erloschenen, schottischenFamilie Mac Dam ab. Viele zeichneten sich als deutsche Ritter im Kampfe gegen

! die L.ttcn aus; besonders der Heermeister Konrad v. Medem, Erbauer des Schlos-ses zu Mitau 1270. Der kurland. Zweig seines Geschlechts wurde 1778 in denRcichsgrasenstand erhoben. Die beiden Brüder der Herzogin Dorothea stifteten dieLinien zuAlt-Auz und Elle!); aus dieser jüngern war es Graf Peter, der 1825 dieReise nach Ägypten und Jerusalem machte, und von dem, in Gemeinschaft mit H.

! Westphal, s. Begleiter, ein Werk darüber erwartet wird.