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6 (1830) K bis L
Entstehung
Seite
367
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Kurland (Anna Charlotte Dorothea, Herzogin von) 367

her zu ihm geeilt war. Die Herzogin wurde nun die Vormünderin ihrer 4 Töch-ter: Katharine Wilhelminc, geb. den 8. Fcbr. 1781, Majoratöinhaberin, Her-zogin zu Sagan und Frau v. Nachod, vermahlt 1819 mit Karl Rudolf, Grafenvon der Schulenburg, aus dem Hause Burgscheidungen; Pauline, geb. den 19.Fcbr. 1782, vermahlt 1800 mit Friedrich, regierendem Fürsten v. Hohenzollcrn-Hechingen; Johanna, geb. d. 24. Juni 1783, vermählt 1801 mit Franz, Für-sten Pignatelli de Velmonti, Herzog von Acerenza; Dorothea, geb. in Berlin den21. Aug. 1793, vermählt 1809 mit Edmund Tallcvrand-Perigord, Herzog vonDino. In der Mitte ihrer schonen und geistreichen Töchter, deren ältere Schwe-ster sie zu sein schien, lebte die Herzogin theils auf der von ihr 1796 erkauften Herr-schaft Löbichau im Altenburgischen, wo sie ihren reizenden Sommersitz zu einemTempel des Geschmacks und der Gastfreundschaft umwandelte, theils in Berlin.1806 machte sie zum Besten ihrer Kinder eine Reise nach Petersburg, und bliebdarauf bis zum Frieden von Tilsit in Mitau. Ihr jährl. Einkommen bclief sichauf 105,000 Thlr., indem ihr Paul 1. als Entschädigung ein Jahrgeld von 75,000Thlrn. bewilligt hatte, wozu noch 30,000 Thlr. jährl. Renten aus der Allodialver-lajscnschast ihres Gemahls kamen. 1809 folgte sie ihrer jüngsten Tochter, welchesie mit dem Neffen des Fürsten Talleyrand vermählt hatte, nach Paris. Ihrewichtigen Verbindungen daselbst, sowie der Briefwechsel, welchen sie mit dem Kai-ser Alexander von 1808, wo sie ihn auf seiner Reise nach Erfurt bei sich in Löbi-chau empfangen hatte, bis 1814 geführt hat, können hier nur angedeutet werden.Auf des Kaisers Einladung verlebte sie einen Theil des 1.1817 in Petersburg.Darauf verweilte sie einige Monate in Mitau, wo sie die eben entstandene kurländ.Gesellschaft für Literatur und Kunst durch ihren Beifall auszeichnete und ein Ca-pital von 1000 Thlrn. Silberrubel zu Prämien derselben schenkt. Dann feiertesie daselbst das Reformationsjubelfest mit der Gemeinde öffentlich; auch stiftetesie eine Armenschule und stattete das Fräulcinstift mit einem ansehnlichen Capi-tale aus. In den letzten Jahren ihres Lebens brachte sie den Winter in Paris,im Kreise ihrer Tochter und Enkelkinder, und den Sommer in Löbichau zu, woihre Töchter und ihre Schwester einen Kreis um sie bildeten, dessen geistige Frert-den mehre Augenzeugen (Jean Paul, imTaschcnb. für Damen", 1821, Schink,Tiedgc, Eberhard in Schink'sTitania, oder Dichter- und Blüthenlcben zu El-fenau", Berlin 1821) geschildert haben. Auch in dem durch sie verschönertenKarlsbad erinnert mehr als eine schöne Stelle, namentlich die Dorotheenaue und, der Freundschaftssitz, an den Aufenthalt der gefeierten Fürstin. Mitten in diesemreizenden Wechsel der Stunden eines edeln Lebens ereilte sie der Tod. Die frommeMutter ihrer Kinder und Gutsunterthanen, die geistvolle Spenderin der edelstenFreude erlag, im scheinbaren Besitze der blühendsten Gesundheit, der Erschöpfungi des Nervenleidens. Die Herzogin starb den 20. Aug. 1821 zu Löbichau in denArmen ihrer Schwester und ihrer ältesten Tochter. Die Tochter erhalten in Löbi-chau, welches nuninehr die Herzogin von Acerenza besitzt, das segenrciche Anden-j ken ihrer Mutter, und eine kleine gothische Capelle, wozu die Herzogin selbst altetreffliche Glasmalereien gesammelt hatte, wird sich über ihrem Grabhügel wölben,z Auch Kaiser Alexander ehrte ihr Andenken, indem er die Jahrgelder, welche sie in> Kurland auf ihr Einkommen angewiesen, ferner aus den Mitteln des Reichs zuzahlen gebot; und nicht minder rührend war der Nachruf an dem Grabe der Für-stin, aus dem Munde und der Feder des altenburger Bauern Teil. Ihre Todten-siicr hat Schink in derGedächtnißfeier der verwitw. Herzogin Dorothea v. Kur-land" (Altenb. 1821) beschrieben, und ihrBiograph Tiedge hat in s. Schrift:Anna Charlotte Dorothea, letzte Herzogin v. Kurland" (Lcipz. 1823, auch in denZeitgenossen", Nr. Xk) erzählt, was die wahrhaft religiöse Frau im Leben für dieSache des Lichts und des Glaubens, was sie für Kirchen und Schulen- was sie für