Druckschrift 
6 (1830) K bis L
Entstehung
Seite
356
Einzelbild herunterladen
 

356

Kupfcrstcchcrrunst (geographische)

Kupfer darstellt. Außer dem Talente der Zeichnung wird zu dieser Manier vorzüg-lich die Kenntniß, mit dem Schcidewasscr gut umzugehen, erfodert. Übrigens kannden geatzten Platten durch den Grabstichel (welcher sehr bald mit der Nadirnadelvereinigt wurde) die gehörige Vollendung in Rücksicht aus Reinheit und Kraft gege-ben werden. Die Ätz- oder Radirmanicr ist die bequemste Art, auf Kupserplatten zuzeichnen. In Rücksicht auf ihre Wirkung steht sie zwar andern Manieren nach, istaber doch überall, wo es auf treffende Darstellung des Sujets (Gegenstandes), aufrichtige Zeichnungen der Formen und auf Ausdruck der Charaktere ankommt, bei-nahe ganz hinreichend, dem wahren Kenner das Wesentliche zu geben; besonderskönnen Landschaften überhaupt und in allen ihren wesentlichen Bestandtheilen ineinem hohen Grade von Ausführung geatzt werden. Ohne sich eigentlich mit derKupferstecherkunst zu beschäftigen, haben mehre große Maler Werke von sich radirt,und diese Arbeiten werden vorzüglich hochgeschätzt. Stephan della Bella, Callot,die Carracci, Cbodowiecki, le Clerc, Cochin, Albr. Dürerstwelchcn Letzten man für den !Erfinder der Ätzkunst hält, wiewol dies nicht so ausgemacht ist, als daß er dieseKunst sehr vervollkommnet hat), Geyser, Hogarth, Mcil, Matthias Mcrian, Nem-brandt, Salvator Rosa u. A. sind diejenigen Künstler, deren radirte Arbeiten amhöchsten geschätzt werden. !Il. Die Punktirmanier, mit dem Hammer oderPunsen und mit dem Roulet (m>»8 molloiy. Da die Kupfersiccherkunst von denGoldschmieden ausging, so ist zwar der Hammer der Goldschmiede gleich anfangsdabei gebraucht worden; allcindiegchammerteArbcitkamvorzüglich im16.Jahrh.auf, wo man mit einem Spitzhammer feine Punkte in die Platte schlug und so die lFiguren herausbrachte, dabei aber gewöhnlich zugleich mit dem Grabstichel nachhalf. ^Im engern Sinne des Worts heißt jedoch gegenwärtig punktirte Manier diejenige jVervollkommnung derselben, an welcher Bartolozzi in England wo nicht den ersten, ^doch den vorzüglichsten Antheil hatte. Sie ist eine Zusammensetzung von Punktenund Schraffirungen, in welcher aber die Punkte der herrschende Theil und gewöhn-lich in dem Fleischigen und in den Gründen angebracht sind. Man kann sich dazudes Schcidcwassers bedienen oder nicht. Diese Manier ist, wie der Grabstichel,mühsam und langwierig, gibt weniger Bestimmtheit als dieser, aber mehr Sanft-heit. Mit Bartolozzi zugleich und nach ihm haben Burke, Eallycr, der unglücklici-eRyland u. A., und unter den Deutschen Daniel Berger, C. Fcllcr, G. Fr. Schmidtu. A. in dieser Manier gearbeitet. Übrigens sind in derselben auch rothe und bunteAbdrücke vorhanden. Wahrscheinlich ist die eben erwähnte punktirte Manier, diesich vorzugsweise in den Handen der engl. Künstler befindet, aus der sogen. Crayou-manier entstanden, welche auch zur Punktirmanier gehört, mit dem Roulet und an-dern Werkzeugen ausgeübt wird und Handcifse von schwarzer und rother Kreidenachahmt. Sie wurde in der Mitte dieses Jahrh, von Fcanpois erfunden und vonDesmarteaux zur Vollkommenheit gebracht. Sie ist vorzüglich geschickt, Verzeich-nungen zu liefern; denn Derjenige, der nach Kupferstichen zeichnet, gewöhnt sichan eine harte und steife Manier. iV. Die sch Warze Kunst (Schabmanier) undV. die Tuschmanier. (S. Schwarze Kunst und Aquatinta.) WasVk. die bunten Kupfer betrifft, welche, wiewol nicht zum Vortheil der echtenKunst, in England so sehr Mode geworden sind, so muß man illuminirte Kupfervon bunten Abdrücken unterscheiden, welche letztere theils mit mehr als Einer Platte,theils mit einer einzigen gemacht werden. (Vgl. Schwarze Kunst) Über dieneuerlich in England ausgebildete Erfindung, der Kupferstcchcrkunst durch Abdrückevon Stahlplatten eine in gewisser Hinsicht wichtige Erweiterung zu geben, s. Si -dcrographie. Außer der Anschauung, belehre man sich aus Bartsch'sAnleit.zur Kupferstichkunde" (Wien 1821, 2Bde.), Joubect'sNanuol »l'mmrtoiirnlllentunipes" (Paris 1821) und Füßli'sKupferstecherlepikon".

Kupferstecherkunst, geographische. Die Anwendung des Grab-