354 Kupferstecher
Gudin's, Audouin's glänzend und sorgfältig ausgeführte Blätter, Jazet's großeBlatter in Tuschmanier (z. B. nach Verriet) zeugen für den Reichthum an ausge-zeichneten Künstlern; auch darf man nicht vergessen, welche Prachtwerke fortwäh-rend in Frankreich erscheinen, die ihren Schmuck franz. Geschicklichkcit verdanken.Unverkennbar war in diesen neuesten Arbeiten der Franzosen eine Nacheiferung derMorghen'schcn Schule zu bemerken, während junge Deutsche und Italiener selbstdie Ansprüche an ihre Kunst noch weit höher stellten als dieser hochgefeicrte Künstler.Seit nämlich die Malerei in Italien so selten Würdiges für die Verherrlichungdurch den Grabstichel bot, erhob sich die Kupferstccherkunst, die alte Meisterwerkezum Gegenstände nahm, zu selbständigem Werth und eigenthümlicher Bedeutsam-keit. Volpato's Schüler, Morghen, und die von ihm ausgingen, leisteten bisherUngeahnetes; namentlich hat aber die mailänder Kupfecstecherschule durch Andcr-loni und Longhi einen Ruhm erreicht, dem kein andres Land etwas Gleiches ent-gegenzusetzen jetzt im Stande sein möchte. Longhi's 8pn!>!>Ii/.io bleibt sicher dieausgezeichnetste Erscheinung. Seine Schule macht die Zeichnung zu ihrem Haupt-zwecke; daher hat der geistige Ausdruck über die materielle Behandlung das Über-gewicht. Bei der Morghen'schen Schule ist die Ausführung die Hauptsache; dierömischen Kupferstecher haben für jeden Gegenstand dieselbe Ausführung; nurBet-telini bleibt nicht bei dieser einförmigen Behandlung stehen. Toschi in Parma hat1826 sein Einzug Heinrichs iV. in Paris, nach Görard, unvergeßlich gemacht,Schiavone die Himmelfahrt der h. Jungfrau nach Titian, die in malerisch effekt-voller Auffassung vollendet zu nennen ist. Bonato Gandolffi (in Bologna, der 1824Correggio's Girolamo stach), Garavaglia, Fontana Rosaspina, Benoglio, Giberti,Palmerjni, Porporati, Pavon (eig. ein Spanier), Rainaldi, Rampoldi haben treff-liche Blätter gestochen, der geistreiche Skizzist Luigi Rossini und Pinelli lebcnvolleScenen radirt. Meister in Umrissen istLasinio, wie s. (mmpo sirnto ,Il i'isa und ivielfältige Proben erweisen. Prachtwerkc, zu denen Typographie und Chalkographiemit ihrem Lupus sich vereinigen, in Florenz, Mailand, in Rom und Benedig thätigans Licht gefördert, geben jedem Talente dort Anlaß zur Entwickelung und eine aus-reichende Sphäre.— Neicheristan solchen Unternehmungen England, wo die !Soonories einen sehr umfassenden Artikel seiner Literatur ausmachen. Aberwahrcnd !in einigen Werken dieser Art eine bis zum Übertriebenen gesteigerte Zierlichkeit, die Ian Gelecktheit grenzt, bcmecklich ist, findet man in vielen andern, besonders in dendort beliebten Blättern in schwarzer Manier, eine Vernachlässigung des Details undein Streben nach Effect, das vielfältige Ausstellungen zuläßt. Nicht zu verwechseln smit der leichtern Waare dieser Art sind die Arbeiten in Schabmanier von Eaclon, iPither, Dipon, Green u. s. w. Als das Höchste der Kupfcrstccheckunst hat man die ^Blätter nach Rafael's Cartons gepriesen, die Thom. Holloway und Webber vollen-den. Bei diesen Blättern muß man die Meisterschaft in der Handhabung des Ätzensbewundern, die ihnen erlaubt, häufig Radirungen stehen zu lassen. Naimbach,Smith, Middiman, Byrne, Jam. Mason, Jam. und Charl. Heakh, Will. Woollet,Will. Sharp, John Burnet, John Browne sind allen Sammlern als ehrenwectheMeister mit Grabstichel und Nadirnadel bekannt, deren Werke nur wegen der so hochgestellten Preise seltener in die Liebhabercabinette des Festlandes eindringen. WasLasinio für Italien ist, sucht Moses für das reichere England zu sein, durch zierliche 'Umrisse, u. a. nach M.Retsch's Umrissen zu Göthe's„Faust", nur sind seine Nach-suche ausländischer Muster keineswegs mit derStrengr und Cvrrectheit ausgeführt,die solche Verpflanzungen entschuldigen könnte. Der in England beliebten Nettig-keit kam die neue Erfindung der Siderographie zu Hülfe, die zu größer» Werkennoch nicht angewandt worden ist, während Frankreich mitVorgunst den Steindruckpflegte, der von seinem Heimathlande Deutschland aus die Welt durchwand. rt hat.
— Bei den Holländern glänzt im Vergleich der frühern Schule von Pontius, ^Edclinck u. A. der Grabstichel jetzt weniger. Doch für malerische Radirungen und