3L Kantakuzrno (Georg und Alexander)
Wenn also auch der Trieb nach systematischer Ansicht (Philosophie) über das Wesender Dinge, und somit auch in gewissem Sinn der Dogmatismus, durch die Kant'-sche Philosophie nicht vertilgt werden konnte, sodaß das Bedürfniß danachvielmehr nur immer dringender sich äußerte, je mehr man bei dem damaligenSchwanken in der politischen Welt einen festen Standpunkt in dem Gebietedes Geistigen suchte: so wird doch K. das große Verdienst bleiben, durch seinescharfsinnige Untersuchung den damals herrschenden rohen Dogmatismus inseine Schranken verwiesen und einen kräftigern Ton in der Philosophie an-gestimmt zu haben; auch wird sie künftig jeden philosophischen Denker an einesorgfältigere und umfassendere Prüfung der Grundlagen seiner Ansicht warnenderinnern und zu einer auf wahre Selbsterkenntnis (d. i. Erkenntniß der eignen Ver-nunft) gegründeten Philosophie treffliche Winke und Anleitung geben. Hierdurchvorzüglich verdient K. die Verehrung der Nachwelt, welche sich schon auf mehreWeife würdig geäußert hat, z. B. bei seiner am 22. April zu Königsberg gehalte-nen Gedächtnisfeier (beschrieben, m. e. Kpfr. u. Bildnisse K.'s, Königsb. 1811),bei welcher man seine aus cararischem Marmor von Schadow gearbeitete Büste ineiner offenen Halle der königsberger Dom- und Universitätskirche, wo bereits dieGebeine des großen Mannes ruhten, als ein Denkmal öffentlicher Verehrung feier-lich aufstellte, und dadurch jene Halle zu einer 8tv-r Konti»»» weihte. Vgl. Ludw.Ernst Borowski's „Darstellung des Lebens und Charakters Kant's" (Königsb.1.805); Wasianski's„Jmm. Kant in seinem letzten Lebensjahre" (Köm'gsb. 1805);Jachmann's „Jmm. Kant, geschildert in Briefen rc." (Königsb. 1805), und die„Nordischen Miscellen" (1804, 3. Heft, S. 172 u. 184); auch Pros. Herbart's(welcher gegenwärtig den Kant'schcn Lehrstuhl in Königsberg einnimmt) „Redeüber Kant's Verdienste" (in der angeführten Beschreibung seiner Gedächtnisfeier).Übrigens sind die Versuche, K.'s Philosophie im Auslande zu verbreiten, in Bezie-hung auf Frankreich (z. B. durch Charles Villers unternommen) und Englandohne große Wirkung geblieben. Mehr Eingang hat diese Ansicht in Holland undin den nördlichen Reichen gefunden. Der 1819 verstocb. Pros Kiesewetter schriebeine gute „Darstellung der wichtigsten Wahrheiten der kritischen Philosophie"(4. Aufl. von Flittner, vermehrt durch einen gedrängten Auszug aus K.'s „Kritikder reinen Vernunft" und vollständige Literatur der Kant'schen Philosophie, Berlin1824). 32
Kantakuzcno (Georg und Alexander). Diese griechischen Fürsten findNachkommen der alten berühmten byzantinischen Familie gl. N., zu welcher derKaiser Johann Kantakuzeno gehörte: ein Fürst, der unter den schwersten Verhält-nissen (1341 —1355) sich auf dem byzantinischen Throne behauptete, dann, umBürgerblut zu vermeiden, den Purpur niederlegte und in klösterlicher Einsamkeitsein Leben schrieb. Die Kantakuzeno's gehörten unter der Herrschaft der Osmanliszu den ersten Familien des Fanar in Konstantinvpel oder zu den Fanarioten. Vorlängerer Zeit ließen sie sich in Rußland nieder, wo die Brüder Georg und Alexanderin russ. Militairdiensten standen. Als Mitglieder der Hctairia (f. d.) folgten sie1821 dem Fürsten Alex. Vpsilantis in die Moldau. Georg kam mit Alex. Vpst-lantis den 22. Fcbr. in Jassy an, Alexander traf den 28. Febr. (12. März)in Kischenew ein, wo sich die Hetairisten sammelten, welche für Griechenlands Frei-heit kämpfen wollten. Hier erhielt er von Alex. Vpsilantis die Aufsodccung, sichnach Morea zu begeben. Er ging daher am 16. April a. St. über Wien und Lai-bach nach Trieft. In Laibach hatte er zwei Unterredungen mit dem Grafen Nessel-rode, der ihm u. A. sagte: „Se. Maj. will, daß Sie nicht nach Griechenland ge-hen ; sonst mögen Sie Ihre Reise fortsetzen". Alex. K. war hierauf unschlüssig,was er thun sollte; als er aber wahrend seines vierwöchentlichen Aufenthaltsin Venedig die Ermordung des Patriarchen und den Ausbruch des Aufstandes in