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Kant
mit Einschränkung läugnet) auch von andern Philosophen angewendet werden undzu andern Ergebnissen führe» kann, so ist der Ausdruck: kritische Methode undKcilicismuS, nicht gleichbedeutend mit Kant'schec Philosophie zu nehmen, und kri-tische Philosophen sind nicht bloß die Kantianer, oder alle Kantianer kritische Phi-losophen zu nennen. Jene Methode sollte vielmehr von jedem selbstthätig undvorurtheilsfrci denkenden Philosophen überall angewendet werde». Darin aberbesteht das Hauptverdienst K.'s, daß, obwol er diese Methode nur auf be-schränkte Weise angewendet, er doch zuerst auf sie aufmerksam gemacht und indieser Hinsicht der Erfinder derselben genannt werden kann. Die Wichtigkeit dieserErfindung zeigte sich auch in der That. Denn obgleich die ersten Schriften K.'sanfangs fast unbemerkt blieben (so s. Abhandlung „Von der wahren Schätzungder lebendigen Kräfte", Königsb. 1786, ferner: „vo ,»,in<!i »-«»»ibllis atgue >»-tellißibil!» kor,»» et pi'iiivipH«", Königsb. >770, 4., in welcher er die Grund-idee zu s. „Kritik der reinen Vernunft" aufstellt), und selbst diese „Kritik" (zuerstRiga 1787), als das Erzeugnis eines echt philosophischen Geistes, wegen ihrerNeuheit und des in ihr geäußerten außerordentlichen Scharfsinnes anfangs mein-em dumpfes Staunen und die natürliche Klage über Schwerfälligkeit undDunkelheit bei den damaligen Philosophen erzeugen mußte, auch die bei diesemWerke gebrauchten Kunstausdrücke Viele zurückstießen: so schien doch zu einerlebendigem Regsamkeit im Gebiete der deutschen Philosophie durch K.'s „Kritik"der erste und kräftigste Impuls gegeben worden zu sein. (S. Deutsche Phjlo -sophie.) Viele Gegner traten gegen diese Ansicht mit verschiedenen Waffenauf; die vorzüglichsten: Feder, Garve, Placner, Flatt, Jacobi, Herder und beson-ders G. E. Schulze (als tLenesüIeinun, 1792, und in s. „Kritik der theoretischenPhilosophie", Hamb. 1801, 2 Thle.). Bald aber sammelte sich eine noch größereSchar von Anhängern, und man muß, was den größer» Theil derselben anlangt,fast gestehen, daß jene sich durch ihre freiern Untersuchungen um die Kant'sche Phi-losophie verdienter gemacht haben, als die Kantianer selbst, welche den großenMeister in unzähligen Schriften oft sehr geistlos commencirten, und durch leeresGeräusch mit seinen Formeln zu erreichen glaubten, oder nichts ernstlicher bestreb-ten, als aus seiner Kritik, ganz gegen den Sinn des Urhebers, ein System zu bil-den, welches bei dem gegebenen negative» Resultat derselben, und weil nur dieVerstandesformen nebst den praktischen Gesetzen der Vernunft, als das eigentlichPhilosophische der Erkenntniß zurückblieben, folgerecht durchgeführt nothwendigverunglücken und in psychologische Untersuchungen über philosophische Gegen-stände (Subjeclivitäts - Philosophie) ausschlagen oder sich in logischen Formalis-mus verlieren mußte. Daher, und weil Kant nach seiner zum Grunde gelegtenpsychologischen Ansicht den Verstand zu sehr erhoben hatte, so viele gehaltlcere undbloß logische Bearbeitungen der einzelnen Wissenschaften in der Kant'sche» Schule,welche dadurch entstanden, daß man den gegebenen Stoff der Wissenschaften unddie vorgefundenen Begriffe derselben über den Leisten der aufgestellten Kategorienschlug, als könne daraus eine gründliche Erkenntniß der Dinge entstehen ; daher je-ner geistlose Formalismus, welcher kaum in einer andern Schule so prosaisch auf-getreten war, und welcher Schiller das scharfe Wort entlockte: „Wenn die Kö-nige bau'», haben die Kärner zu thun". Konnte aber selbst in der Kant'sche»Schule der Trieb nach dem Dogmatismus nicht unterdrückt werden, um so mehrmußte jenes negative Resultat der Kant'sche» Lehre außer seiner Schule dasBedürfniß spekulativer Systeme erwecken, welche durch diese UntersuchungenK.'s auf verschiedene, wenn auch nur negative Weise vorbereitet, zahlreicher, ver-schiedener und bedeutender al-s vorher erschienen. So war es auch das Beschrän-kende der Kant'sche» Untersuchungen, was die größten der neuern Philosophen ne-ben Ä., nämlich Fichte und Schelling, zur Aufstellung ihrer Ansichten erweckte.
Conv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. VI. f- 3