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Kant
tiefsten Denker, die je die Menschheit geehrt haben, wohl anstand, überall inhoher Achtung zu erhalten wußte, auch im Äußern nicht nur stets sauber, sondernsehr stattlich erschien. Er paßte auch um so mehr in jede große und kleine Gesell-schaft, da er das Kartenspiel liebte und nicht gern einen Abend ohne seine kleineL'Hombrepartie zubrachte. Er hielt dieses für das einzige, stets sichere Mittel, denKopf vom angestrengten Denken abzuziehen und zu beruhigen. Schöne Künstehatte er nie geübt und liebte sie auch nicht besonders. Es war vielmehr, als wäreer lauter tiefer Verstand, neben welchem man selten ei» so grenzenloses Gedächt-niß antreffen wird, als Kant besaß. Seine Vorlesungen wurden auch dadurchäußerst interessant und lehrreich. Es las den größten Theil des Vormittags, Nach-mittags selten, und ließ sich zwischen jeder Vorlesung zwanzig Minuten Zeit fürdie folgende. Logik und Metaphysik las er gewöhnlich öffentlich; dann noch ab-wechselnd Naturrecht, Moral, Anthropologie, Physik und physische Geographie.Letzteres waren besonders angenehme und lehrreiche Vorlesungen für junge Leute,durch die unermeßliche Belesenheit in Geschichte, Reisebeschreibungen, Biogra-phien, Romanen und in allen Fächern, die nur je Materialien zur Bereicherungoder Erläuterung für jene Wissenschaften liefern können. Sein Gedächtniß zeigtesich dabei in voller Starke; denn obgleich er die Hefte vor sich liegen hatte, sah erdoch selten hinein und sagte oft ganze Reihen von Namen m>d Jahrzahlen freiaus dem Kopfe her. Aber auch seine Vorlesungen über abstracte Philosophie er-hielten durch jenen Schatz von Erläuterungen und Beispielen, die sein Gedächtnißdarbot, große Klarheit und Deutlichkeit, und seine Schriften sind Vielen wol im-mer dadurch so lange dunkel und schwierig geblieben, weil er den besten philosophi-schen Schriften zu viel zutraute, als daß er jene hinzuzufügen für nöthig hätte er-achten sollen".— Was sein innerstes Wesen ausspricht, seine Philosophie, odervielmehr die philosophische Methode, welche er übte und durch sein Bei-spiel empfahl: so werden die folgenden Grundsätze derselben zu unserm Zwecke hin-reichend sein. In der Zeit, welche Kant's philosophischen Untersuchungen kurz vor-herging, hatte ein schlaffer Eklekticismus die Herrschaft erreicht, welcher sich mehrmit Bearbeitung einzelner abgerissener Theile als mit dem Ganzen der Philosophieund ihren Grundsätzen beschäftigte, und auf den noch nicht begründeten Stoff derphilosophischen Erkenntniß, voll Zuversicht des Gelingens, die demonstrative Me-thode der Mathematik anzuwenden suchte. Die Blößen dieses Dogmatismus, wiealler dogmatischen Verwirrungen der frühern Zeit, mit scharfem Auge entdeckendund durch Hume's feinen Skepticismus angeregt, wollte Kant den Grund desMißlingcns aller bisherigen Metaphysik den denkenden Köpfen seiner Zeit enthüllenund den Weg anzeigen, auf welchem der philosophische Forscher gehen müsse, wenner sich nicht über die Grenzen der Erkenntniß verlieren und damit zugleich der Wahr-heit verlustig werden wolle. Er führte daher mit äußerster Gründlichkeit und größ-tem Scharfsinne die philosophische Untersuchung bis aus ihre subjcctivcn Anfangs-punkte zurück, weil dadurch allein wahre Wiffcnfchaftlichkeit gewonnen werdenkönne, indem er vor Allem die Frage auswarf: Was kann ich erkennen ? und Wasist es, das ich ursprünglich weiß? Die Beantwortung dieser Fragen führte ihn zueiner Kritik und Untersuchung der Grundüberzeugungcn des menschlichen Erkennt-nißvermögens, oder wie er sie selbst nannte und ansah, zu einer Kritik der reinenVernunft (wobei vorausgesetzt wurde, daß die philosophische Erkenntniß die von derErfahrung ganz getrennte Vernunft zur O.uelle habe). Das Allgemeine undNothwendige in unserer Erkenntniß, lehrt er, kann nicht als durch Erfahrung ge-geben gedacht werden, ist also fubjcctiv. Die Nothwendigkeit in unsern Urtheilen,oder die objective Beziehung unsrer Vorstellungen, welche mit allen allgemein gül-tigen und nothwendigen Urtheilen verbunden ist, ist nicht objective Realität (Gül-tigkeit) der Erkenntniß oder objective Erkenntniß selbst. Die Grenzen des Wissens