26 Kanonikus Kanonisation
gegossenen Kanonen. Zu Anfange des 15. Jahrh, waren fast alle Länder Europas,Rußland ausgenommen, wo man erst 1475 Kanonen gießen lernte, damit verse-hen. Die ledernen Kanonen, welche die Schweden im dreißigjährigen Kriege, zwi-schen 1620 und 1632 erfanden und gebrauchten, waren inwendig mit einer hölzer-nen oder auch kupfernen Röhre gefüttert, und von Außen mit eisernen Ringen be-festigt. Die Kunst, mit glühenden Kugeln aus Kanonen zu schießen, erfand derkurbrandenburgische Generalmajor Weiler. Zu Anfange des 16. Jahrh, erfand derSchweizer Mari; die Kunst, Kanonen aus dem Ganzen zu gießen und so auszu-bohren, daß der Kern als ein ganzes Stück herausgenommen wird. Die Geschwind-stücke, welche man von hinten lud, und dann die Ladung mit einem Keile verschloß,wurden durch Daniel Spekle (st. 1589) und Uffanus eingeführt. Karl Millon er-fand eine Art abrisch-pneumatischcr Kanonen, 2 Fuß lang, 3 Zoll Durchmesser imdicksten Theile, 12 Linien Ealibcr, die mit entzündbarer Luft geladen, mit einerKleistischen (lcydner) Flasche oder einem Stückchen Katzenfell abgeschossen wird,und in einer Minute 12 Schüsse thut. Sie steht auf einem Gestelle von Glasund kann nach allen Gegenden gerichtet werden. 1740 verfertigte man zu St.-Petersburg Kanonen von Eis und schoß Kugeln von mehren Pfunden daraus,ohne daß sie dadurch beschädigt wurden. Ein Ungenannter hat in dem „Mars",einer allg. Zeit. für Militairpersoncn (Berl. 1805, Bd. 2, Heftl, S. 81—86),schwimmende Kanonen in Vorschlag gebracht. Alles dies gehört unter die militai-rischen Spielereien. S. auch Pcrkins's Dampfgeschütz. — Kanonenboot,s. Chaloupe. — Kanonenkcller, s. Cascmattcn. — Kanonen-schlag ist ein viereckiges, pappenes, mit geleimtem Bindfaden stark umwundenesKästchen, das bei Lustfeuerwerken und bei andern Gelegenheiten den Knall einesKanonenschusses nachahmen soll. — Ka no nenuh r ist eine von einem gewissenRousseau erfundene und in den Gärten des Palais Royal und des Palais Luxem»bourg in Paris angebrachte Borrichtung. Ein BccnnglaS ist über dem Zündloch ei-ner Kanone so angebracht, daß die Sonnenstrahlen im Augenblicke der Culmina-tion durch das Glas auf das Zündkcaut fallen und die Kanone abfeuern. DasBrennglas wird zu diesem Zwecke monatlich gestellt.
- Kanonikus, s. Stift.
Kanonik, der eigentliche Kunstname der mathematischen Klanglehre, oderderjenigen Wissenschaft, in welcher die Töne als Gcößewbetrachtet und mit einan-der verglichen werden, oder die Eintheilungslehre der Klänge nach ihrem äußernMaße und Verhältnisse. Den ersten Grund zu dieser Wissenschaft legte Pytha-goras. (S. Musik, Geschichte der.)
Kanonische Bücher, s. Apokryphische Bücher und Kanon.
Kanonisation hat zuerst Alexander lll. die Heiligsprechung genannt,da er sie 1170 für ein ausschließliches Vorrecht des päpstlichen Stuhles erklärte.Diese Handlung ist eine der feierlichsten in der römischen Kirche. Der Papst läßteine förmliche Untersuchung über die Würdigkeit des zur Kanonisation empfohlenenVerstorbenen anstellen, wobei sein Lebenswandel und die Echtheit der ihm zuge-schriebenen Wunder geprüft, und, um auch dem Erbfeind alles Guten nichts zuvergeben, ein sogenannter Teufelsadvocat zugelassen wird, der die Frömmigkeit desgefeierten Todten auf alle Weise verdächtig machen darf, aber seinen Proceß na-türlich allemal verliert. Hierauf spricht der Papst den würdig Befundenen vor-her zunächst selig (s. Beatification); die eigentliche Heiligsprechung erfolgtaber, um neue Beweise der Würdigkeit des Heiligen, z. B. Wunder durch seineReliquien zu sammeln, gewöhnlich erst viele Jahre später, und dann wird ein Tag,meistens der Todestag des neuen Heiligen, zu seiner Verehrung angesetzt, seinName in den Kanon oder die Litanei der Heiligen in der Messe (daher Kanonisa-tion) aufgenommen, Kirchen und Altäre werden ihm geweiht, und die Neste seines