Kanonen
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Werte getrieben werden. Der innere Raum des Rohres, d. i. Laufes, heißt dieSeele. Der hinterste stärkere Theil der Kanone heißt die Verstärkung des BodenSund endigt mit einem kugelförmigen Vorsatz, der Traube. Sie, sowie die Del-phine (weil man sie ehemals diesen Thieren ähnlich bildete), d. i. die Handhabender Stücke von schwerem Caliber, führen diesen Namen. Die Öffnung, durchwelche die Flamme in die Seele dringt und die Ladung zündet, wird das Zündloch,und ein kleiner blecherner, jetzt auch hölzerner Trichter, welcher das Jündpulver(Zündkraut) enthält, und vor dem Schuß in das Zündloch gesteckt wird, die Schlag-röhre genannt. Die Unterlagen, welche Laffettcn heißen, sind entweder stehende, fürdie Schiffs-, auch einige Wallkanonen, oder durch 2 Räder bewegliche, für dieFeldstücke. Wenn die Kanone gefahren werden soll, wird an die Laffette noch einzweirädriges Gestell, die Protze oder der Protzwagcn genannt, befestigt, und diesheißt aufprotzen. Soll geschossen werden, so wird abgeprotzt, d. i. die Protze wiederfortgenommen. Die Ladung, welche in einen Beutel genäht ist, heißt Cartouche.Das Abfeuern geschieht vermöge der Lunte, d. i. eines um ein Stöckchen gewundenenglimmenden Wergfadens, oder durch ein sogenanntes Aündlicht, aus einer Röhremit Aündpulver gefüllt bestehend, von der man jedesmal ein Stück abbricht undzum Anzünden in ein Stöckchen klemmt. Auf den meisten englischen Schiffen hatman auch Kanonen, die durch ein Schloß losgebrcnnt werden. Alle die Kanone(und jedes Geschütz) betreffenden Geschäfte verrichten, heißt das Kanon (Geschütz)bedienen. Nach dem Gewichte der daraus geschossenen Kugeln, welche von 3 bis48 Pfund sind, werden sie 3-, 4-, 6-, 12-, 18-, 24-, 36-, 42-, 48pfündergenannt. Sie wurden sonst in Carthaunen, welche eine 48pfündige Kugelschössen und dann ganze Carthaunen hießen, weil man auch halbe und Viertels-carlhaunen hatte, und in Schlangen eingetheilt; jene sind kürzer, diese länger;beide sind nicht mehr üblich und durch die Kanonen ersetzt. Acht Fuß lange, acht-pfündige Kanonen, die jetzt nicht mehr üblich, nennt man Batärden oder Bastarden.Die Länge des Rohrs wird nach dem Caliber (s. d.) gemessen unv angegeben.Es gibt ferner Mortierkanonen, woraus man Feuerkugeln, wie aus Wurfgeschütz,werfen kann. Aus den Kanonen schießt man auch, wie aus den Haubitzen, häufigKartätschen. Die Kanonen sollen ihren Namen aus dem franz. Worte canne (Rohr)erhalten haben. Vor ihrer Erfindung bediente man sich der Wurfmaschinen, die manvon den Arabern kennen lernte und ingenia genannt haben soll (daher Ingenieur).Die ersten Kanonen waren aus Holz verfertigt und mit vielfach zusammengelegter,mit eisernen Reifen wohl befestigter Leinwand umwunden, sich kegelförmig nachvorn zu erweiternd. Nachher erhielten sie die Cylinder - oder Walzenform. Dannsetzte man sie aus eisernen Stäben zusammen und befestigte diese, wie ein Faß, miteisernen Reifen. Endlich in der 2. Hälfte des 14. Jahrh, nahm man dazu eine Mi-schung von Kupfer und Zinn, und dann noch andre Metalle. Solche Metallmi-schung heißt Kanonengut, Kanonenspeise. Einige machen die Chinesen zu Erfindernder Kanonen und sagen, daß man noch jetzt in China Geschütze finde, die 80 I. nachChr. verfertigt worden. Von den Chinesen sollen dann die Saracenen dicKunst, siezu verfertigen, erlernt, und ein Überläufer, Kallinikus aus Hcliopolis in Phönizier»,sie 670 (676) dem griech. Kaiser Konstantinus Pogonatus bekanntgemacht haben.Nach Conde's „Ui8t. «Ie la ckoruinae. ckv Ion Drakos en kspaüa" bestürmte Js-mael, König von Granada, im 1.1328 Baza mit Maschinen, welche dem Blitzund Donner ähnlich Feuerkugeln warfen, wodurch Wälle und Thürme zerstört wur-den. Nach den Acten der Oberrcchenkammer in Frankreich waren die Bombardcnoder Donnerbüchsen daselbst schon 1338 im Gebrauche. Aus diesen widerspre-chenden Nachrichten erhellt, daß die wahre Zeit der Erfindung der Kanonen noch nich-hat ausgemittelt werden können; gewiß ist indeß, daß ihr wirklicher Gebrauch ungetfähr in die Mitte des 14. Jahrh, fällt. 1370 schössen die Augsburger bereits aus