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Kanon (kath.)
den die häufiger in neuern Opern vorkommenden Terzetten, Quartetten oder Quin-tetten in kanonischer Form Kanons genannt, in welchen, wenn die erste Stimmeeine musikalische Phrase geendet hat, die zweite sie aufnimmt, wahrend jene nureine andre damit harmonirende Phrase empfängt, welche dann später die zweite er-greift, wenn die dritte anfängt, und so fort, bis die Reihe herum ist, wie z. B. indem zweiten Finale von Mozart's tH tun t„tte. Ein Kanon kann auch so ein-gerichtet sein, daß jede Stimme bei jeder Wiederholung des Satzes denselben umein gewisses Intervall höher nimmt. Man hat z. B. solche, wo das Thema 12Mal wiederholt wird, und zwar jedes Mal den nächsten halben Ton der Tonleiterseines Grundtons höher, sodaß das Thema durch alle 12 Töne seiner Tonartgeht. Ein solcher Kanon heißt oano» per to„v!> oder Cirkel-Kanon. Wenn end-lich der Kanon verschiedener Auflösungen fähig, d. h. so beschaffen ist, daß er so-wol in verschiedenen Intervallen, als in verschiedenen Arten der Bewegung nach-geahmt, und die Nachahmung bald an dieser, bald an jener Stelle des Satzes an-gefangen werden kann, so heißt er ounon pol^iuorpluin, oder ein Kanon von vie-lerlei Gestalt. Man hat auch dem Duette, Terzette rc. zuweilen eine solche Formgegeben, daß, nachdem die eine Singstimme zuerst die Hauptmelodie allein vorge-tragen hat, diese Melodie von der folgenden Singstimme unverändert wiederholtwird, wobei sich die vorhergehende Stimme mit dieser durch eine Nebenmelodicvereinigt. Ein Singstück von dieser Form wird ebenfalls oft mit dem NamenKanon bezeichnet, tlmmiie.s per äiminutioneiu und vanonos per lUiAinenta-tiviiviu finden statt, wenn die nachahmenden Stimmen die Gattung der Noten imThema ändern und z. B. aus Vierteln Achtel oder halbe Noten machen. Bewegensich jedoch die nachahmenden Stimmen der führenden entgegen, so heißt dies ein«»„<>» in inotu oontrsrio. Man hat auch Kanons, wo die nachahmendeStimme das Thema rückwärts singt, indem die führende Stimme ordentlich fort-schreitet, oder solche, wo eine Stimme ihren Gesang führt, wie er auf dem Papiergeschrieben ist, während die zweite denselben vorträgt, wie die Noten liegen würden,wenn man das Papier umkehrte. Abgesehen von dem Technischen, so fodert der Ka-non einen Text, der nicht heterogene Empfindungen verschiedener Personen aus-drücken darf.— Kanon in juristischer und ökonomischer Bedeutung, ist die jähr-liche Geldabgabe, auf welche eine bis dahin ihrem Betrage oder ihrem Anfalle nachungewisse Leistung oder Beschränkung regulirt oder abgelöst wird,z. B. Laudemial-kanon ic. — Kanon ist in Schriftgießereien und Buchdruckeceien der Name zweierder größten Schriften, weil ehedem der Meßkanon damit gedruckt wurde. — Endlichheißt, in den Reitschulen, Kanon die Biegung vom Knie bis zur Köthe am Vor-derbeine des Pferdes; auch ein besonderes Gebiß oder Mundstück am Zaume.
Kanon der heiligen Schriften. Das Unterscheidende des katho-lischen Religionsshstems ist— wie der Art. Katholicismus näher zeigenwird — die Geltung der Überlieferung als Religionsquelle, wodurch also die Offen-barung sich fortwährend erhält. Auch die heiligen Schriften gelten dem Katholi-ken darum, weil die Kirche sie ihm als göttliche, als darstellend die Offenbarung,so weit diese in Schriften zu erfassen möglich, überliefert hat. Die Kirche hatsich nur darüber ausgesprochen, welche Schriften als göttliche überliefert worden.Dieses Verzcichniß der heiligen Schriften ist der Kanon, die Schriften selbst heißenkanonische Bücher. Für die protestantische Kirche kann es in diesem Sinne kei-nen Kanon geben. Sie erkennt keine Autorität einer überliefernden Kirche an.Sie mußte daher, wenn sie consequent sein wollte, es der freien Forschung jedesProtestanten überlassen, zu bestimmen, welche Bücher er als kanonisch betrachte.Da nun aber die Bibel, diese Grundsäule der protestantischen Glaubcnsansicht,aus einzelnen kanonischen Büchern besteht, so wäre durch jene Consequenz die Basisdes Protestantismus unterwühlt. Man bat daher vorgezogen — wenn gleich in-