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6 (1830) K bis L
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Kanon

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gestürmt, die Christen 96 Ausfälle gethan; 472 Minen hatten Erstere, 1173Letztere springen lassen; 509,692 Stückschüsse waren von der Festung aus gesche-hen, und zu Musketenkugeln 180,449 Centner Blei von den Christen verbrauchtworden! Die Türken fanden die Stadt im gräßlichsten Zustande: Alles, was nureinigen Werth hatte, war mit hinweggenommen, nur 33 Menschen, größtentheilsGreise, waren zurückgeblieben, und auf den Wällen standen 350 schlechte Geschütze.Die Türken besserten sogleich alle Werke aus und stellten das Marktviertel wiederher. Im Besitz der Hauptstadt, trachteten die Osmanen dic Venetiancr auch vonden letzten, ihnen noch übrigen Felscnplätzcn zu vertreiben, und noch vor Ablauf des17. Jahrh, siel Garabusa durch Verrath, Suda und Spina longa durch Vertrag inihre Hände. Seitdem Hausen sie nach gewohnter Art auf Kandia. Die Türken hat-ten hier 3 Paschen zu Kandia, Kanea und Retimo. Wegen der Fehden dieser Pa-schen unter einander gelang es den Westgebirgsleuten imAgalickSphachia, sich un-ter türkischem Schutze selbst zu regieren. Da man aber diesen Bergleuten oft dieVerträge nicht hielt, so pflegten sie dann jedes Mal zu den Waffen zu greifen, wur-den oft geschlagen, aber niemals in ihren Bergen ganz unterjocht. Sie waren es,von denen die Paschen Geißeln (1821) verlangten, und die, dadurch aufgebracht,der Jnsurrection der Griechen beitraten. Schon unter der venetianischcn Regierungwaren die Kandiotcn im Ruf, keinen Bruch ihrer Privilegien zu dulden, und ließennicht zu, daß die Venctianer, wie in andern Districten Griechenlands, einen Landcs-adcl «lcxli pEickeiiti gründeten, und dadurch den übrigenTheil der Einwohner un-ter dem Joche der Podcstas hielten. Hätte man die Bergbauern bewaffnet, als dieTücken zuerst dort landeten, so würde es wahrscheinlich den Türken unmöglich ge-worden sein, sich auf Kandia zu behaupten. Die Sphachioten spielen in der Ge-schichte Kandias die nämliche Rolle, als die Mainotten auf Morea, nur entgingensie dem Tribut des Kopfschatzes nicht. Der Aufstand der Kandiotcn (vgl. Grie-chenaufstand) ist noch nicht unterdrückt, und bloß die großem Städte sind imBesitze der Türken. Die geschichtliche Wichtigkeit des alten Kreta in Hinsicht aufMythologie und Cultur zeigt Höck' sKreta"(Gott. 182329,3 Bde.). Derdeutsche Arzt F. W. Sieber drang 1817 tiefer in Kreta ein, und beobachtete es vor-züglich in naturhistorischcr und ärztlicher Hinsicht. S. dessenReise nach der InselKreta" (Lci'pz. 1823,2 Bde. m. Kpf. u. Charte).

Kanon, griech., eigentlich ein Maß, eine Regel, eine Richtschnur; da-her Kanon die Regel der Wahrheit des Urchristlichen in der Religionslehre und da-her auch die Sammlung der diese Regel enthaltenden, d. h. kanonischen Bücher derheiligen Schrift, deren göttlichen Ursprung die Kirche außer Zweifel setzt. Dervon den Juden im 4. Jahrh, vor Chr. geschlossene Kanon der Bücher des A. T.(s. Hebräische Sprache und Literatur) erhielt in dieser Gestalt gleichesAnsehen unter den Christen, weil Christus und die Apostel sich ausdrücklich auf sieberufen und sie für von Gott eingegebene Schriften erklärt hatten. Die apokryphi-schen Bücher des A. T., deren Kanonicität die Juden nicht anerkannten, hat diemocgenländische Kirche nie, die abendländische aber schon auf afrikanischen Syno-den gegen Ende des 4. Jahrh, den kanonischen gleichgesetzt. Gleichwol blieben indieser Kirche die Meinungen der Kirchenlehrer über das kanonische Ansehen der Apo-kryphen des A. T. lange getheilt, da der Kirchenvater Hieronymus es ihnen abge-sprochen hatte, und viele Theologen sich nach ihm richteten. (Vgl. d. folg. A.) Dieprotestantischen Kirchen verwerfen diese Apokryphen als nicht zur Regel des Glau-bens gehörige Bücher. Über den Werth und die Anzahl der zum Kanon des N. T.gehörenden Bücher waren die Meinungen unter den Christen bis in das 6. Jahrh,getheilt. Schon im 2. Jahrh, kam die Eintheilung dieser in klvsnzeliuin (die 4Evangelien) und ^piütoluo (die Apostelgeschichte und die apostolischen Briefe) auf.Die Echtheit der 5 historischen Bücher, der Paulinischen Briefe, des ersten Bcie-