Druckschrift 
6 (1830) K bis L
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4 Kaiserkrönung Kaiserslautern

legten sich schon früh die Könige von Castilien, von Frankreich und von Englandkaiserliche Würde bei. Die Kaiserwürde des Orients erlosch mit der Eroberungvon Konstantinopel (1.453). Die an ihre Stelle getretenen türkischen Herrscherhaben in der ofsiciellen Sprache der Diplomatie den Kaiscrtitel nicht bekommen.Der russische Kaisertitel wurde 1721 von Peter l. angenommen, aber erst langenachher von dem deutschen Reiche 1747, von Frankreich 1745, und von Spanien1759 anerkannt. Als Napoleon 1804 den Begriff eines Kaiserreichs (Ilnipii e)in dem Sinne eines Staatenbundes unter der politischen Leitung eines Haupt-staats wieder auffaßte und sich zum Kaiser von Frankreich erklärte, nahm auchKaiser Franz ll. von Deutschland für das Ganze seiner erblichen Reiche und Staa-ten die Würde eines Erbkaisers von Östreich an. Die 1000jährige deutsche Kai-serwürde erlosch (1806) mit dem Staatenbunde des deutschen Reichs selbst durchdie Abdication Kaisers Franz ll., und die Erwartung, sie 1815 wiederhergestelltzu sehen, ist nicht in Erfüllung gegangen. Großbritannien wird als Kaiserreichbetrachtet, die Krone eine kaiserliche genannt, das Parlament nennt sich'lüs ii»-perisl parliament ob Oreatliritam aml Irolaiul, aber den Titel nahm der Könignicht an, obgleich 1804 davon die Rede war. Jturbide's Kaiserthum von Mexicooder Anahuac war eine ephemere Erscheinung; dagegen scheint das neueste Kaiser-reich, Brasilien, unter den Mächten eucop. Cultur einen festen Platz zu gewinnen.Die außereurop. Kaisertitcl von Sina, Siam, Japan, Fez und Marokko u. A.können hierher nicht gerechnet werden. 37.

Kaiscrkrönung. Vor allen Krönungen, die stets und überall als eineder feierlichsten, aber auch wegen der dabei zu leistenden Regierungseide als eineder erhabensten Staatshandlunge» betrachtet wurden, zeichnete sich die deutscheKaiserkrönung aus. Regierende Fürsten und Könige erschienen dabei als dienendeBeamte; der Kaiser versprach ein gerechter Regent, seinem Volke nützlich, ein Be-schirmer der Kirche, ein Vertheidiger des Reichs, ein Beschützer der Witwen undWaisen zu sein, und erst, wenn das versammelte Volk auf die Frage:Wollt ihreinem solchen Rcgicrer und Fürsten Euch unterwerfen und ihm gehorchen ?" miteinem lauten Ja (trat, ti»t, last) geantwortet hatte, wurde die Salbung und Krö-nung verrichtet, wovon Göthe in seinemLeben" eine so lebendige Schilderung gibt.Ehedem erfolgte in Deutschland zu Frankfurt nur die Krönung als deutscher Kö-nig, darauf zu Mailand die Aussetzung der lombardischen Krone, eines eisernen,aus einem Nagel vom Kreuze Christi geschmiedeten Reifes mit Goto umgeben,endlich zu Rom vom Papste die römische Kaiserkrönung. Aber seit Maximilian I.sind die deutschen Kaiser nur in Deutschland gekrönt worden. 37.

Kaiscrrvahl, s. Deutschland und Kurfürsten.

Kaiserslautern (Läutern), Stadt am Flusse Lauter, mit 4550 Einw.,einem Gymnasium und Lehrerseminar, in der ehcmal. Kurpsalz, jetzt in Rhein-baiern auf dem Hardtgebirge, ist berühmt durch die Schlacht, in welcher am 28.,29. und 30. Nov. 1793 der Herzog von Braunschweig eine Abtheilung der fränk.Meselarmee, welche unter Hoche Landau zu entsetzen, durch das Gebirge hervorzu-brechen suchte, nach einem blutigen Kampfe zurückschlug. Diese Schlacht, welchedie Taktik der Preußen und das Genie des Feldherrn gegen die wüthenden Anfälleder Franken entschied, bestand mehr aus einer Menge kleiner Gefechte als ausHauptangriffen. Ein zweites Treffen bei Kaiserslautern am 23. Mai 1794 ge-wann Möllendorfgegen Ambert; ein drittes, in welchem am 20. Sept. 1794 derErbprinz von Hohenlohe-Jngelsingen den linken Flügel der fränk. Rheinarmeeunter Michaut schlug, und in Folge desselben Kaiserslautern besetzte, ist nichtminder merkwürdig. Da in dieser Gegend die Pässe aus den Vogesen nach Landauund Mainz liegen, und beide deutsche Grenzfestungen sind, so erklärt sich, warumgerade hier manche Schlacht vorfiel. 1827 wurde hier ein Musikvercin zur