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Historisch-Genealogisch-Geographischer Atlas von Le Sage Grafen Las Cases in fünf und dreisig Uebersichten
Entstehung
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Zustand der eh mal spanischen Colonien in Amerika.

Seit zwanzig Jahren ziehen die Ereignisse in dem ehmal spa-nischen Nord - und Südamerika die Aufmerksamkeit aller Per-sonen , die ihren Blick weiter als auf die nächste Umgehungrichten, in einem so hohen Grade auf sich, wie einst dieRevolution der englischen Colonien in demselben Welttheileund der französischen Nation in Europa. Voll Erstaunen siehtinan in den neuen Staaten des ungeheuren Laudes fast voneinem Pole zum andern eine ganz eigentümliche Ordnung derDinge und Einrichtungen entstehen, die mit jedem politischenSysteme der alten Welt auffallend contrastiren. Man fragt sich,was ist der Grund dieser Veränderung, und wie hat sie soreissend schnell Eingang finden können ?

Um diese Fragen zu beantworten, und die vorgegangne Ver-änderung natürlich zu finden , muss man erst einen wahrhaftenRegrif von dem ehmaligen Zustande und der Regierung derspanischen Colonien Amerikas haben.

Diese unermesslichen und reichen Gebiete, welche im Ueber-flusse Getraid und Gemüse, Zucker und Kaffee, Tabak, Indigo,Raumwolle , Hornvieh, Maulesel, Pferde und edle Metalle her-vorbriugen , waren weit entfernt, des Wohlstandes zu gemessen,auf den sie die Natur und Lage ihres Landes schien angewiesenzu hohen; denn die Anordnungen ihres Mutterstaates lähmtendie Thatigkeit und speeulirende Industrie der Colouisten mitunerbittlicher Strenge. Es war diesen , so lange Spaniens Manu-facturen noch Ausfuhr darhoten, nicht erlaubt, etwas anderesals grobe Stoffe zu fabriciren ; und als um des sechzehnten Jahr-hunderts Mitte die spanische Industrie von einreissender Weich-lichkeit sowohl als von der Concurrenz anderer Nationen nieder-gedrückt wurde, liess der Mutterstaat sein Monopol dennochkeineswegs fahren, sondern legte vielmehr eine Sperrung desVerkehrs an , und machte sich zum alleinigen Tauschhändlerzwischen den Colonien und andern Völkern. Todesstrafe warauf den Verkehr der Colonisten mit Fremden gesetzt; dahereines Rodens Ertrag , welcher bei freiem Handel sicher für zahl-reiche Familien und noch zur Ausfuhr emporgewachsen wäre ,nun meistens auf die nüthigsten Bedürfnisse einiger Personen ein-geschränkt büch. Die Last der Trägheit wurde hie und da so-gar auch dem Erdboden aufgelegt; denn so durfte z. B. derWeinstock in Quito, wo er gedeihen konnte, nicht gepflanztwerden, weil das Mutterland dessen Getränk einfülirte, undLima ein Vorrecht für den Weinbau besass; Neu-Granadamusste seine Silbergruben unbenutzt ruhen lassen, um jene vonMexico zu begünstigen; und Tabak war den Colonisten nur soviel zu pflanzen erlaubt, als sie nothwendig zu ihrem Hausbedarfbrauchten , weil Spanien selbst das Tabakmonopol ausübte.

Die Civilgesetze waren sehr schwankend und in den wich-tigsten Angelegenheiten der gesellschaftlichen Ordnung , wie in Erb-theilungen und in Verleihung von Vorrechten, herrschte die Will-kür. Starke Auflagen verringerten den Werth des Grundeigen-thuius der niedern Stände, und der Staat, welcher davon wegenübler Verwaltung keinen grossen Vortheil zog, suchte dafürseine Einkünfte durch stete Erhöhung der Gränzzölle zu ver-mehren. Philipp II., dieser bigotte und grausame König,

machte den Colonien ein Geschenk mit der flucbhtladncn Inqui-sition ; Klöster und Kirchen vermehrten sich unter Begünsti-gung einer finstern Politik sehr schnell, und ein Zehntheil vomErtrag des Bodens reichte nicht hin , die fruges consumere natoszu befriedigen. Der Druck einer misstrauischen Regierung lagauf den Richtern, Beamten und Commandanten jedes Ranges;so dass ein dreifacher Despotismus der Priester, der Aristokratenund der Beamten , Armuth, stummen Gehorsam, Unwissenheitund Aberglauben in reichem Maasse aufrecht erhielt.

Um die Habsucht der Beamten zu mindern, vermehrte manderen Anzahl, in der Absicht, dass sie einander wechselweisim Wege stehen und auflauren möchten ; allein der Erfolg warnur, dass sie alle gleichmässig reich zu werden strebten. Uep-pigkeit uud Pracht der Vicekönige war nicht selten grösserals am Hofe zu Madrid; denn obwohl diesen Stellvertreternder Majestät weder die Schatzkammer der Colonien , noch dieLand - und Seemacht unbedingt zu Gebote standen, so hing dochvon ihnen grüsstentheils die Besetzung der Militär- und Civilamterab, welche sie ämsig nur ihren europäischen Mitbrüdern undGehülfen übertrugen , obgleich die Eingehornen zufolge der Co-lonialordnung für jede Anstellung erwählbar waren. VonVicekönigen , so das spanische Amerika regiert haben, gab esnicht mehr als 'vier Amerikaner , und alle Generalcapitäne , mitAusnahme von 'vierzehn, waren aus den Spaniern erlesen. Dasgesetzliche Salarium der Vicekönige war anfangs nur 20,000, end-lich 3o,ooo und zuletzt 40,000 Ducaten ; allein ihre Nebeneinkünftestiegen auf ungeheure Summen; so z. B. erwarb sich der Graf Ser-ralvo als Vicekönig von Mexico jährlich eine Million Ducaten,und erkaufte vom Minister Olivarez und dessen Creaturen für eineMillion derselben Münze die Verlängerung seines Amtes auf doppelteZeit. Er plauderte also das Land aus vom Jahre 1624 bis i635. DieColonisten durften zwar ihre Beschwerden vor den indianischen Ge-richtshof zu Madrid bringen; allein Peru und Mexico haben inehr alseinmal die Erfahrung gemacht, wie langwierig derlei Klagen behan-delt , und endlich unter dem Titel Localbeschwerden unentschiedenan amerikanische Behörden zurückgewiesen wurden , indem sichder indianische Gerichtshof für incompetent erklärte , und merkenliess , dass man keinen gerechten Grund des Murrens einsehe.

Um die Colonisten noch mehr in Uuterthänigkeit und Gehor-sam des Staats und der Kirche zu erhalten , war jede Art einer li-beralen Erziehung so streng verboten , dass Personen ins Gefäng-nis» geworfen wurden , weil sie begierig waren , sich in Wissen-schaften zu unterrichten , oder einige , weil sie Schulen für Armeangelegt hatten. So z. B. gab der Vicekönig von Buenos-Avres,Joaquin del Pino, im Anfang dieses Jahrhunderts noch grossenAnstoss , dass er eine Schule für Seeleute errichtet hatte , und ermusste sie in Folge eines Befehls aus Madrid wieder aufliehen.

Das Waclistlium der Bevölkerung wurde in diesen weiten undeulturbedurftigen Ländern theils durch willkürliche Verordnun-gen wider die Aufnahme von Fremden, theils durch die schlechteBehandlung der zahlreichen , zum Bergbau genöthigten Indianerin seinem ersten Keime erstickt, und die Moralität durch Ver-brecher verpestet, die Spaniens Kerker dahin ausleerten.

Vorboten und Ursachen der Befreiung vom spanischen Joche.

Dieses war, ungeachtet der wahrhaften und freimuthigen Be-richte des Antonio de Ulloa, inehr oder minder die traurigeLage und Regierung der spanischen Colonien in Amerika bis zumJahre 1808, und es hatte allen Anschein, dass sobald keinewichtige Veränderung darin vorgehen werde.

Indessen hatte das Mutterland schon lange Zeit erfahren,wie unmöglich es sei, beinahe einen ganzen Welttheil mit sei-nem ausgedehnten und so äusserst schwer zu bewachendenKüstenlande vom unmittelbaren Verkehre mit auswärtigen Na-tionen durch Gewalt abzuhalten. Das ehmalige Monopol war nurnoch ein Phantom , seitdem englische und andere Schiffe furcht-los den Schleichhandel trieben, und nebst ausländischen Waa-ren aller Art auch die ersten Keime der Aufklärung durch dieSchriften von Montesquieu, Voltaire, Rousseau, Hume, Gibbonund Andern einführten. Spanien, um der nutzlosen und theu-ren Blokade los zu werden, sah sich zuletzt geuöthigt, durch, förmliche Verträge mit europäischen Mächten den unmittelbarenVerkehr nach seinem Amerika unter gewissen Bedingungen zu er-lauben.

Aufruhr dir Goajiros. Viele Stämme der Indianer, namentlichdie Araucanier und die Goajiros, konnten nie bezwungen wer-den , sondern behaupteten oder erkämpften stets wieder ihreFreiheit. Die letztem waren durch Missionäre zur Unterwerfunggebracht worden; aber bald nachher, als im Jahre 1766 einervon ihnen auf Befehl eines Geistlichen gestäupt wurde, riefer bluthedeekt um Rache ; der Stamm empörte sich, metzelte dieAusländer, und schwur auf dem Aschenhaufen seiner Hütten,die Freiheit stets gegen die Spanier zu behaupten.

Aufruhr des Tttpac Amara. Im Jahre 1780, als Jose GabrielConderoanqui, Abkömmling des Inca Sayri Tupae, und Mitgliedder Audiencia von Lima, die Befreiung von einer druckendenErpressung, genannt Repartimientos, nicht erwirken konnte,so zog er in die Gebirge, wo er von den Indianern als Sohn derSonne anerkannt, und mit dem Namen Tupae Amaru zum Königausgerufen wurde. Zwei Jahre hing führte er sodann einen Ver-tilgungskrieg, bis er durch die vereinigten Heere von Lima undBuenos-Avres besiegt, gefangen, und mit seinen vornehmsten An-hängern sowohl als mit seiuer Familie hingerichtet wurde. Alsman ihn unter den Qualen der Folter fragte, wer seine Mitschul-digen seyen, erwiderte er: »Nur zwei; ihr und ich. Ihr, weil ihr»fortfahret, das Volk zu berauben, und ich, indem ich dies ver-»hindern wollte.«

Aufruhr 'von Socorro. Eine neben so vielen Auflagen neu an-geordnete laxe auf den Verkauf eingefuhrter Schneidwerkzeuge,die unentbehrlich sind, verursachte im Jahre 1781 in der ProvinzSocorro, nördlich von Bogota, einen ernsthaftem Volksaufruhr.In grosser Anzahl zogen die Insurgenten bewaffnet auf die Haupt-stadt los; aber die Ermahnungen des Bischofs allein waren hinrei-chend , den Aufstand einer langen Selaverei zu dämpfen. DasVerdienst des Prälaten wurde mit der Würde eines Vicekönigsbelohnt, und das Verbrechen der Rebellen mit der Pestluft derSavannen bestraft, wodurch die Bevölkerung der Provinz Socorro15,ooo Einwohner verlor. Spanien glaubte auf diese Art ein heil-sames Beispiel der Gnade und Strenge aufgestellt zu haben; alleinwenige Jahre darauf brach die französische Revolution ans; ihreErklärung der Menschenrechte fiel wie ein Blitz in die noch| empörten Gemüther von Bogota. Viele Verhaftungen fanden statt,und i. J. 1794 wurdeu Narino und Zea gefesselt nach Spaniengesandt, während dieses die revolutionären Köpfe seines eigenenLandes der Obhut seiner Statthalter jenseit des Meeres übergab.

Narino entkam und floh nach England, wo Pitt die spanischenInsurgenten in Schutz nahm. Im Einverständnisse mit diesemMinister begab er sieh 1796 nach Neu-Granada zurück, um Auf-ruhr und Verschwörung zu stiften; aber aucli sein neues Unter-nehmen misslang und er wurde wieder in Fesseln gelegt. (-)-1820 als Senator in Columbia).- Desgleichen haben dreijunge mul muthvolle Offieiere, welche ihrer revolutionären Ten-denz wegen aus Spanien nach La Guayra in Verhaft gegebenworden, ihre Wächter gewonnen, und mit ihnen zugleich einengrossen Anhang im Volke. Allein diese Verschwörung, die schonmächtig und ausgebreitet war, wurde gleichfalls entdeckt und er-stickt; nur entkamen deren Häupter Gual, Campomanes undEspanna. Der letztere, welcher zwei Jahre nachher in La Guayrawieder aufzutreten wagte, starb auf dem Schaffet. Indessen wardie in Venezuela von 1797 an herrschende revolutionäre Stimmungdas Erzeugnis der Lehren dieser Freiheitsmänner, welches vonden Engländern ämsig gepflegt wurde.

Mirandas Einfall in Caraccas i.J. 1806. Miranda, aus Caraccasgebürtig, sehnte sich, wie mancher andere seiner Landsleute, nachKenntnissen und Ruhm; er verlies» daher früh seine Heiuiath,kämpfte für die Freiheit der nordamerikanischen Unionstaaten;erschien unter Frankreichs Fahnen während der Revolution, undsann endlich auf Mittel zur Befreiung seines unglücklichen Vater-landes. Im Jahre 1806 fiel er im Vertrauen auf die herrschendeStimmung mit 5oo Mann in Caraccas ein, schlug 1200 königlicheSoldaten bei Vela di Coro, und erliess einen Aufruf an das Volk.Allein dieses zagte; Miranda sah den günstigen Moment verloren,und zog zurück, weil die Einwohner ihre Schuldigkeit noch zuwenig kannten. Sic hatten so eben demüthige Bitten um Abstel-

lung von Missbrauchen und harten Lasten vor den Thron ihresMonarchen gelangen lassen, der sich mit Frankreich verbunden,die Freiheit der nordamerikanischen Unionstaaten gegen EnglandsWillen aufrecht zu erhalten; und daher hegten sie die schmeichel-hafte Hoffnung, erhört und des schwersten Druckes entledigt zuwerden. Nichtige Hoffnung! Seihst Mirandas Invasion, die wäh-rend dieser Zeit vorgefallen war, bewog den stolzen Mutterstaatnicht, dem Zeitgeiste und den schreiendsten Bedürfnissen das ge-ringste Opfer zu bringen.

Revolutionsplan in Oberperu. In demselben Jahre 1806 hatUbalde, Advocat in Cuzeo, im Einverständnisse mit mehrernsehr angesehnen Männern von Oberperu eine Revolution ent-worfen, die völlige Befreiung vom spanischen Joche zum Zweckhaben sollte. Die Verschwornen wollten sich auf einmal allerZweige der Verwaltung bemächtigen, und eine Constitution ein-fuhren. Das Cowplot ward aber von Lcchuga, einem Richterbei der Audiencia , entdeckt; Ubalde samt acht seiner Mit-schuldigen verhaftet und hingerichtet. Auf dem Schaffot nochwandte er sich zum Volke und sprach : »Mein Tod wird den»Fortgang einer Sache, die man schon solange betreibt, nicht»aufhalten. Die Fiirselmng hat den Leiden des Volkes von Süd-»amerika, deren Grösse uud Schmählichkeit ich in meinem Amte»kennen lernte, ein Ziel gesteckt!« Ueber hundert der ange-sehnsten Einwohner von Cuzeo wurden nach Afrika deportirtoder starben im Gefängnisse.

Dieses sind die Vorboten der Befreiung des spanischen Amerika ,und die wahrhaft nur geringen Versuche, ein unerträgliches Jochabzuschütteln. Lange noch würd es auf dem Nacken eines inSelaverei und Unwissenheit erlahmten Volkes gelastet haben , wennnicht ein merkwürdiges Ereigniss die klug und kühn geführtenZügel dem spanischen Hofe aus der Hand gerissen und der Mengezum Spiel hiugeworfen hätte.

Zwischen Carl IV. uud seinem Sohne Ferdinand VII. erhobsich ein schimpflicher Streit um den Thron. Der Vater end-lich, um seiu graues Haupt zu rächen, enterbte seine Kinder,und setzte im Jahre 1808 Napoleon zu seinem Nachfolger inder Regierung von Spanien uud Indien ein. Dieser hielt dieNation einer Wiedergeburt würdig uud gab dem Volk eiue libe-rale Verfassuug; aber zugleich besetzte er auch das Land mitseinen Truppen, streckte seine Hand nach den Kirchengüternaus , und drang der Nation, die ihn von Grund aus hasste, denunfähigsten seiuer Brüder als König auf. Darüber entspauu siehein blutiger Kampf, in welchem die Spanier sich gross bewiesen.Wo sie den Feind vertrieben hatten , bildeten sich Juntas oderRegentschaften, welche theils im Namen der Nation, theils fürFerdinand VII. zu haudeln Vorgaben. Derlei waren in Sevilla ,Cadix und Madrid.

Die Nachricht von der unverhofften Umwälzung im Muttcrlandemachte in dm verschiednen Colonien Amerikas, wie natürlich,einen gewaltigen Eindruck. Mau schöpfte überall die Hoffnungfür eine bessere Zukunft ; allein die Scharfsichtigsten sogar wag-ten es nicht, in dieser veräuderten Gestalt der Dinge die Vor-boten ihrer gänzlichen Befreiung vom europäischen Joche zuerblicken; um so weniger, weil sich Buenos-Ayres und Mon-tevideo im Jahre 1807 gegen die Anmaassung der Briten sokräftig bewiesen und ihrem Könige so treuergeben laut erklärthatten. Indessen verursachte schon iin Jahre 1809 die Ungewiss-heit , welchem Regeuteu oder welcher Junta Spaniens eigentlichzu gehorchen sei, in den Colonien Caraccas, Neu-Granada,Buenos-Ayres , Guatemala, Mexico und Peru mancherlei Zwie-spalt und Tumult. Die nach Amerika gelangten Befehle der spa-nischen Regentschaften selbst hoben sich wechselsweis auf, indemz. B. die Junta von Sevilla verbot, jene von Cr.dix anzuerkennen,und so umgekehrt. Französische und englische Agenten trugenihrerseits nach Möglichkeit bei, Parteien zu stiften uud für dieAnerkennung der ihnen erspriesslichen Regentschaft zu stimmen.Während alles dies eine Gährung in den Köpfen und eine mäch-tige Regung der Leidenschaften hervorbrachte, gab noch zumUeberfluss eine Proclamation der Regentschaft aus Madrid (14.Fehr. 1810.) den spanischen Amerikanern neuen Aufschwung.»Nunmehr seid ihr (heisst es darin) zur Würde freier Meuschen»erhoben ! Die Zeit ist vorüber, wo ihr , gebeugt unter ein»unerträgliches Joch, wegen zu grosser Entfernung vom Sitze der»Regierung das Opfer der Willkür, der Habsucht und Unwissen-heit wäret. Indem ihr Abgeordnete zum Nationalcongress er-»nennet, hängt euer Schicksal nicht mehr von Ministern und»Vicekönigen ab , sondern es ist in euere eignen Hände gegeben.«

Hierauf bildeten sich alhnählig unabhängige Juntas , die aber an-fangs alle Ferdinand VII. als Oberherrn anerkannten , und nurzaghaft ward nach und uach zum Werk der Befreiung geschritten,das endlich seine Vollendung durch die Härte erhielt, womit Spanienein Volk , das schon von der süssen Frucht des Freiheitbaumesgekostet batte , wieder auf alle Weise zu unterdrücken sich be-mühte.

Doch den Verlauf dieser Begebenheiten wird man füglicherin den historischen Momenten vom Entstehen jeder einzeln Republikder ehmal spanischen Colonien Amerikas aufsuchen können. AisEinleitung mögen diese allgemeinen Bemerkungen hinreichendseyu.

Historische Momente in der Befreiung Mexicos.

1808. Der Vicekönig Iturrigaray wird abgesetzt und die RealAmVencia herrscht im Sinne der spanischen Juntas voll Härte.

i8o()i8n. Ein neuer Vicekönig, Don Venegas, erscheint,von der Regentschaft aus Cadix gesandt, uud stellt momentandie Ruhe wieder her. Den 18. Dec. 1809 bricht aber dieVerschwörung des Pfarrers Miguel Hidalgo im Dorfe Dolores,Bezirk Guanaxuato , uud des Kapitäns Ignacio Allende aus. DasWort Unabhängigkeit erschallet hier zum erstenmal. Die Insur-genten marschiren auf die Stadt Guanaxuato los , die sich ihnenunverweilt ergibt; sodann nehmen sie trotz des Geschützes denfesten Platz Granaditas, wohin sich der Intendant samt seinerGarnison und einer Anzahl reicher Spanier geworfen hatte. Unterdem Geschrei : Es lebe Amerika ! machen sie alle Europäer da-

selbst nieder. Hidalgo nimmt den Titel Generalkapitän an, ord-net eine Regierung, und zieht mit einer wilden Schaar vou60,000 Menschen ungehindert in Valladolid , der Hauptstadt vonMechoacan , ein. Mexico zitterte hei Anhörung dieser Nachricht,und nahm seine Zuflucht zu dem seltsamsten Mittel; Erzbischofund Inquisition nämlich erklärten Hidalgo und seine Gefährtenfür Ketzer und belegten sie mit dein Kirchenbann. Dessen un-geachtet zog der geistliche General geradezu auf die Haupt-stadt los; er wurde aber in dem Engpässe Las Cruces durcheinen Trupp des Obristen Truxillo aufgehalten , unter dem auchder mcxicanische Buonaparte, Agostin Iturbide , als Officier dien-te. Das Gefecht war hitzig und der Sieg fiel wieder Hidalgo(Die Fortsetzung siehe oben rechts.)

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Physische Beschaffenheit des Freistaates Mexico.

Mexico, an Flächenraum achtmal grösser als Frankreich, liegt zwischen dem 15. und 4*. Grade nördlicherBreite, */3 in der heissen, und */3 in der gemässigten Zone. Es ist ein von Süden nach Norden mit erstaun-lichen Gebirgsketten in jeder Richtung durchzogenes Hochland , dessen Thäler sogar und Ebenen im Innernmeistens 3ooo bis 8000 , und die mit ewigem Sebnee bedeckten, häufig vulcanisehen Berggipfel zuweilen16 bis 17000 Fuss über den Meerspiegel emporragen. Die Ufer im Osten und Westen steil; daher wenigeHäfen und ein schwer zugängliches Land.

Klima . Es ist der hohen Lage und des nahen Meeres wegen grüsstentheils gesund ; weniger warm, als diesüdliche Lage zu versprechen scheint, und den mannigfaltigsten Anpflanzungen sehr günstig. Die Einwohnerunterscheiden heisse, temperirte und kalte Gegenden. An den Küsten erzeugt Faulniss organischer Stoffe beialler Ueppigkeit der Vegetation viele Krankheiten.

Edles Metall. Mexicos Gebirge enthalten unter allen bis jetzo bekannten am meisten edles Metall, beson-ders Silber. Ihre Ausbeute beträgt des Jahres gewöhnlich einen Werth von 23 Mill. Dollar, welches mehrist , als alle übrigen ehmal spanischen Provinzen vereint zu liefern im Stande waren ; und ungeachtet einesschon dreihundert Jahre lang dauernden Baues nimmt man darin kein Merkmal von Erschöpfung wahr ; nurMangel an Quecksilber und an Wasser hindert den stärkern Betrieb. Nicht in der hohen Region erstorbnerNatur, wie in Peru , sondern in fruchtbaren Gegenden liegen hier die Bergwerke , kaum 5 bis 6000 Fuss überdem Meere.

Flüsse. Nur zwei von Bedeutung kommen vor, der Rio del Norte und Rio Colorado, beide in den amwenigsten angebauten Provinzen. Mexico überhaupt, vornehmlich aber sein südlicher Theil und die Hoch-ebene , leidet Mangel an Wasser und schiffbaren Flüssen. Der Seen gibt es viele ; darunter jedoch nur einigesehr grosse. (Ueber das wichtige Project einer Verbindung des atlantischen mit dem stillen Ocean mittelseines Kanals sehe man die allgemeine Tafel von Amerika.)

Pflanzen. Am Abhang der Cordilleras bis zum Meeresuier ist das Wachsthum der Pflanzen von unbeschreib-licher Ueppigkeit und Pracht. Im heissen und zum Theil auch im teinperirten Gebiete: Palmen , Campeschen ,Sumach-, Pisang- und Copaivabämne; Zucker, Baumvolle, Indigo, Cacao, Manioc, Mais, Nopal, Oliven,Reis, Wein, Tabak etc. auf der Hochebene Agaven, fast alles europäische Obst, Waizen, Roggen etc.

Hausthiere. Pferde, Maulesel und Rinder in so grosser Anzahl, dass einzelne Familien über 5o,ooo derselbenbesitzen. Diese Thiere stammen sämtlich von denjenigen ab, so, die Spanier hingebracht haben, und sind vonvorzüglicher Stärke und Schönheit. Zwischen Mexico und Vera Cruz allein beschäftigt der Waarentransport70,000 Maulesel. Ein seiner ausnehmenden Stärke halber ungemein nützliches Thier ist der californische Büffel.

Bevölkerung . I. Ursprüngliche Indianer. II. Spanier: a. geboren in Europa; b. Creolen , geboren inAmerika. III. Neger. IV. Gemischtes Blut: a. Mestizos, von Weissen und Indianern; b. Mulatten, vonWeissen und Negern; c. Zambos , von Indianern und Negern.

Die Indianer sind lohfarbig, muskulös, gesund, gross und Wohlgestalt; duster und verschlossen; scharf-sinnig , aber von wenig Phantasie.

Die Creolen sind oft wunderschön und haben treffliche Anlagen.

Die Mestizos, an Farbe mehr dem Europäer, in Gliederbau und Augen dem Indianer ähnlich, sind vonziemlich sanftem Charakter.

Die Mulatten , gelblich , mehr europäisch als afrikanisch, zeichnen sich durch Heftigkeit ihrer Affecte unddurch Beweglichkeit der Zunge aus.

Die Zambos, schwärzer als Mulatten, sind sehr bösartig.

Bevölkerung im Ja Ix re 1829.

Creolen.1,440,000 /Mein* oder minder europäisches Blut, und der Grad von Weisse

Indios fideles.3,600,000 l der Haut gab liier elmials den Maasstab, nach welchem jeder sieh in

ludios barbaros. 180,000 1 der Gesellschaft zu schätzen pflegte. Bist du wohl weisser als ich?

Mestizos und MuLitten.2,400,000 \ hörte mau sonst häufig vorwurfweis fragen. Heut zu Tage ist es an-

Neger. 8,800 Iders, und der Amerikaner rühmt sich, ferne von Verwandtschaft

' 7 628 800 Vspanischem Blute zu seyn.

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2.

3.

4.

5.

6 .7-8 .

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11.

x3.

14.

15.

16.

17.

18.I 9-

Staaten.

Hauptort und

Einwohnerzahl.

Guanaxuato . .

. Guanaxuato.

Mechoacan . ..

. Valladolid.

. 25,000..

Xalisco.

. Guadalaxara.

. 23,400..

Zacatecas .. . .

. Zacatecas.

. 39,000..

Cohahuila-Texas .

. Monclova.

Neu-Leon . . . .

. Monterey .........

. 10,000..

Santander . .. .

. .

. Santander.

. 6,000..

S. Luis Potosi .

. S. Luis Potosi . . . .

. i5,5oo..

Vera Cruz . . .

, ,

. Vera Cruz.

. 18,000..

Tabasco.

, ,

. Tabasco.

. 5,ooo..

Puebla.

» .

. Puebla.

. 70,000..

Oaxaca.

. Oaxaca.

. 29,000..

Chiafa.

. Cliiapa.

... 6,000..

Yucatan.

. Merida.

. i3,ooo..

California . . .

Indianer-Gebiete.

D. Quadratmeilen.

.2,i38.

. 712.

. 4r8.

.1,243.

.3,467.

. H9 .

.6*906.

.3,448.

.2,638___

.3,408.

. 9 28 .

.7*499.

. 79«.

.i,oo5.

. 488.

. 973.

.1,604.».

.i,5i r.

.2,256.

.3,998.

.2,i38.

.28,5oo.

Bevölkerung.

. . . x,180,000.. . . 65o,ooo.. . , 690,000.

. . . 5oo,ooo.. , . 65o,ooo.. . . 2o5,ooo.. . . 170,000.

. . . 120,000.. . . 210,000.

. . . 8o,oou.. . * 44*000.

. . . 80,000.

. . . 23o,ooo.... 180,000.

. . . 84*000.

... 800,000.

690,000.. . . 96,000.

. . . 612,000.

. . . 22,000.. . . 52,000.

... 170,000.

"6,917

7,5i5,ooo.

Verfassung und Verwaltung.

Die gesetzgebende Macht ruht im Congresse, der aus Repräsentanten und Senatoren besteht. Je 40,000Einwohner senden einen Repräsentanten, uud jeder Einzelstaat schickt zwei Senatoren.

Die 'vollziehende Gewalt liegt in den Händen eines Präsidenten , welcher durch Stimmenmehrheit auf4 Jahre gewählt wird. Er hat einen auf eben so lange Zeit gewählten Vicepräsidenten, und währenddes Congresses einen Ausschuss des Senats zur Seite. Der Präsident setzet die Minister für das Aus-wärtige, für Finanzen, Justiz und Krieg

Jeder einzelne Staat der Union regirt sich im Besondern zu Hause nach Gutbefinden. Noch ist aberdie Regierung mancher dieser Staaten wenig geordnet.

Justiz, Polizei, Staatswirthschaft und öffentlicher Unterricht sind, wie man nicht anders erwarten kann,bis jetzt äusserst unvollkommen.

Finanzen im Jahre 1828.

Einkünfte 36 Mill. Gulden. Ausgaben, übersteigen noeb immer die Einnahmen.

Staatsschuld (Iturbides Anleihen mitbegriffen): 25o ! Millionen Gulden.

Stehendes Heer: 22,750, Militz 64,000 Manu im geringsten Falle.

Marine: 1 Linienschiff, 2 Fregatten, x3 kleinere Fahrzeuge.

Ertrag der Bergwerke: 87 MÜL Gulden; aber nicht allein für den Staat.

Geistlichkeit.

Ein Erzbischof, 9 Bischöfe, 3,677 Wehgeistliche, 1,9x3 Mönche in i5o Klöstern, 1,931 Nonnen in;5 Klöstern. Im Jahre 1745 waren in der Stadt Mexico allein 55 Klöster !

6 .

A e 1 1 c r e Eintheilung Mexicos oder

Bis zum Jahre 1776 war Neuspanien folgendermassen eingetheilt:

1. Königreich Mexico.

2. Neu-Galicien.

3. Neu-Leon.

4. Colonie Neu-Sant-Andero.

5. Provinz Texas.

Ncu-Spanie n s.

Provinz Cohahuila.

7. Neu-Biseaya.

8. Sonora,

9. Neu-Mexico.

10. Alt- und Neu-Californien.

Nach einer andern Eintheilung unterschied man das eigentlich sogenannte Neu-Spanien von den Provinciasinternas, welche im Innern des Landes nördlich und nordwestlich vom Königreich Neu-Galicien lagen. Siebegriffen also, mit Ausnahme beider Californien, das kleine Königreich Leon, die Colonie Neu-Sant-Andero,Texas , Neu-Biscaya , Sonora , Cohahuila und Neu-Mexico in sich.

Vom Jahre 1776 war Neu-Spanien, gemäss der Reform, welche der Minister Don Galvez vorgenommen , inIntendancias und in 3 Provincias eingetheilt, wie folgt:

A. Inneres oder Nord:

1. Provincia Neu-Mexico, demRio del Norte entlang.

2. Intendancia Neu-Biscaya , südwestlich vonRio del Norte, auf der Central-Hochebene.

B. Ain stiüen Ocean , nordwestlich :

3. Provincia Neu-Californien,

4. Alt+Californien.

5. Intendancia Sonora .

C. Nach dem mexicanischen Meerbusen zu , odernordöstlich :

6. Intendancia San Luis Potosi, welche die Pro-vinzen Texas uud Cohahuila, die Colonie Neu-Sant-Andero , das Königreich Neu-Leon, und

endlich die Bezirke Charcas,und Rarnos in sich begrif.D. Südlich des Wendekreises :

7. Intendancia Zacatecas.

Altauiira, Catoree

8.

Guadalaxara .

9-

.

Guanaxuato.

10.

Valladolid.

11.

Mexico.

12.

Puebla.

i3.

Vera Cruz.

E. Auf der Südostgränze:

14. Intendancia Oaxaca.

15. Merida oder Yucatan.

Diese Eiutheilung ist aus dem Grunde zu wissen nüthig, weil sie noch in den meisten Büchern über Mexicovorküinwt.

Physische Beschaffenheit der Republik Guatemala.

Die Republik Guatemala ist zwischen dem 8- und 17. Grade nördlicher Breite gelegen; ihre östlichen und west-lichen Ufer w erden von den zwei grossen Weltmeeren bespült, und mitten durch das Land zieht in mancherlei Ver-zweigungen die Fortsetzung der Cordilleras de los Andes, mit vielen Vulcanen ausgerüstet. Diesem Gebirgstockeverdanket der Isthmos zwischen Nord - und Südamerika seine Rettung aus den wilden Flutben des Oeeans.

Das Land ist von Flüssen wolil bewässert; seine Ufer enthalten viele geräumige Buchten und im StaateNicaragua liegt der grosse, inselreiche See gleiches Namens , im Norden davon der Lindiri oder Leon, undim Staate Honduras der Izival>.A.u( einem See bei Truxillo befinden sich mit grossen Bäumen bewachsene Inseln,die sich je nach dem Winde von Ort zu Ort bewegen.

Klima. Heiss, feucht, regnerisch, in den Ebenen nach der Mosquitosküste pestartig; im Innern gesundund fast überall dem Wachsthume der Pflanzenwelt äusserst günstig.

Pflanzen. Indigo von vorzüglicher Qualität; Cacao in grosser Menge ; Zucker, Balsam, Gummi, Weih-rauch; Mais, Baumwolle, Caiupeschholz , Rohr von 100 Fuss Lange etc.

Thiere. Zahlreiche Heerden von Pferden , Mauleseln und Hornvieh ; wilde Bienen , Purpurschnecken ,Fische, Tapirs , Bären etc.

Erdbeben und Vui.cane. Ein Land , das mit so vielen Vulcanen bedeckt ist, wie Guatemala , hat auch vonErdbeben sehr viel Schaden zu befürchten. Dreimal schon wurde die Hauptstadt durch Erdbeben zerstört, undimmer wo anders wieder aufgebaut; vornehmlich aber ward Guatemala im Jahre 1777 fünf Tage lang eusebüttertund endlich mit vielen Familien in den Abgrund verschlungen. Vier Stunden von diesem Orte der Verwüstungist nun Neu-Guatewala erbaut.

Statistik des Freistaates Guatemala oder Mittelamerika im Jahre 1829.

Staaten. Hauptorte* und Einwohnerzahl* D. Quadratmeilen. Bevölkerung, geschätzt.

1. Guatemala .Guatemala.37,000.3,541.686,000.

2. San Salvador .San Salvador ..12,0000. 3o8. 353,000.

3. Honduras .Comayagua. 7,000.3,128. 184,000.

4* Nicaragua .Leon. 8,000.1,857.280,000.

5. Costa Rica .Cartago. 9,000. 766. 56,000.

9,599. 1,559,000.

Spanier und Creolen i/fc ; Mestizos und Mulatten ; das übrige zur Hälfte Indios Bravos oder Ladinos,und zur Hälfte Indios Barbaros, in Westen uud Noidwesten, nebst 5ooo Negern.

Einkünfte : 5 Mill. Gulden. Staatschuld 4*600,000 Gulden.

Heer: 3,5 ooMann; Militz: 3o,ooo. Segel: 6.

Die Verfassung ist in ihren Hauptelementen nordamerikanisch. Der religiöse Cultus kostet zweimal so vielals die Regierung ; indessen hält doch jedes Kloster eine Freisehule für Arme.

* Nach dem Berichte des Knglumlers T/iunijison , welcher im Jahre i8s8 in diesem noch so wenig untersuchten Lande gereiset ist, hättendiese fünf Hauptstädte eine viel grössere Einwohnerschaft, nämlich wie sie hier auf einander folgen : 5 o,oo<>; 39,000 ; 37,000 ;

38 ,ooo ; 26,000 K. ; aucli stiege ihm infolge die gesamte Bevölkerung der Republik auf 2 Millionen ; allein diese Angaben scheinen vonder Wahrheit sehr entfernt tu seyn.

Physische Beschaffenheit und natürlicher Reichthum von Hayti.

Mitten in der Insel erhebt sich ein Gebirg, das in drei Aesteu ausläuft, welche fast überall bis an ihre Gipfelzum Anbau geeignet sind. Auf den Höhen herrscht gesunde Luft, in den Ebenen heisse Feuchtigkeit, so denEuropäern, die nicht sehr massig sind, tödlich wird. Zahlreiche Flüsse, Buchten und Vorgebirge. DasEingewaid der Gebirge enthält edle Metalle, wie schon alte Berichte sagen, und neuere Untersuchungen bestätigen.Im Anfang des i6 t<M1 Jahrhunderts förderte hier die indianische Bevölkerung, welche in Massa Zinn Bergbauverdammt worden, jährlich Gold im Wcrthe von i,5oo,ooo Gulden zu Tage. An Pflanzen ein unbeschreiblicherReichthuiu; desgleichen an lfausthiereu; daher diese Insel mehr tropische Producte als jede sonstige der grossenAntillen zur Ausfuhr liefert. I11 den letzten Jahren betrug der Ausfuhrwerth an Kaffee, Baumwolle, Farbholz, Cacao,Tabak, Mahagoni etc. über 23 Mill. Gulden. Herrschend ist hier die frauz. Sprache und die katholische Religion.

Statistik des Freistaates Hayti im Jahre 1829.

Areal: i,38i d. Quadratm. Bevölk.: 992,000, worunter 528,000 Neger, 442,000 Mulatten und 3o,ooo Weisse.Einkünfte: i5 Mill. Gulden. Staatsschuld: 75 Mill. Gulden.

Stehendes Heer: 4a,000 Mann. Militz: 73,000. Marine: 6 Segel.

Hauptstädte: Port au Prinee 3x,5oo. Le Cap oder Hayti i3,5oo. San Domingo, vou Bartholom® Coluinbusgegründet, i2,5oo Einw» In der Kathedrale dieser Stadt Colunibens Asche :

Prceclari ossa Columbi,

Qui invenit campos divinis legibus aptos

wenn sie anders von Havanna, wohin sie während der Revolution in den neunziger Jahren geflüchtetworden, zurückgeholt ist.

Verfassung.

In den Grundelementeu ganz der nordaiuerikanischen Uuion nachgeformt, mit dem Unterschiede, dass keinWeisser Eigenthum auf der Insel erwerben darf, und der Präsident lebenslang in seinem Amte verbleibt.

zn. Tiefe Bestürzung hierüber in der Hauptstadt, und der Feindwar am 3o. Oct. 1810 nur noch 3 Meilen entfernt. Man ordneteöffentliches Gebet au und der Vicekönig Venegas legte seineuCommandostah zu den Füsseu der heiligen Jungfrau nieder, da-mit sie statt seiner ihn führe. Hidalgo lenkt im entscheidendstenAugenblicke von Mexico ab, und zieht dem wider ihn von Potosiabgeordneten Guvernör Calleja entgegen, dessen regelmässigeTruppen seine rohe Schaar bei Aculco besiegen und im Landeumher grausam wüthen.

Ein anderer Dorfpfarrer, Morelos, der ehmal bei der Artilleriegedient, hatte indessen die Empörung in Queretaro und Aaapulcoerregt; Potosi war nach dem Abgang seines Guvernörs in Auf-stand geratheu, und so bildeten sich unversehens eine MengeBanden , die zu den Fahnen der Freiheit eilten. Verstärkt hie*durch geht Hidalgo auf Guadalaxara in Neugalicien los , woer den Bischof mit dessen aus lauter Priestern bestehendem Re-giment in die Flucht jagt. Nunmehr, während er in Guadalaxaramit Allende ernstlich auf die Bildung eines regelmässigen Heeresbedacht ist, entspinnt sich trotz ihrer Anwesenheit Unter denSpaniern eine Verschwörung gegen sie, und Hidalgo, der sonstnicht grausam war , befleckt seinen Ruf mit formloser Hinrich-tung vieler Personen, die er heimlich hatte einziehen lassen.

1811. 17. Jan. Calleja besiegt bei der Brücke von Calderondie Anführer Hidalgo und Allende, die sieh nun trennen, um neueHulfsquellen zu eröffnen. Deu Rest der Truppen samt 5oo,oooPiaster überlassen sie dein Ignacio Rayon , welcher auf einem lan-gen und beschwerlichen Rückzüge ungemein viel Talent uudMutli beweiset. Endlich erhält er von Morelos Verstärkung inZitacuaro.

Durch einen ihrer vertrauten Offieiere, Namens Elizondo,werden Hidalgo , Allende und noch zwei Hauplanführer schlauin die Falle gelockt und den Spaniern überliefert, (ai. März.)Sie rühmen sich der Thaten, die man ihnen als Verbrechen auf-rechnet , und gehen dem Tode, wozu sie verurtheilt worden,beherzt entgegen. (i.Aug.) Das Andenken an diese ersten Apostelund Märtyrer spanisch - amerikanischer Freiheit wird in der Folgesehr gefeiert.

Die Trümmer des Heeres zerstreuen sich nun nach allen Theilendes Reichs und verbreiten auf diese Art die Keime des Aufruhrsnoch mehr. Fast keine Provinz, kein Bezirk und keine Pfarreiist ohne Guerillas. Zwar sind sie mit Pulver und Waffen schlecht

versehen, ungeübt und ohne Zu2*«numenwirkiing, während dieSpanier an nichts Mangel leiden und die festen Platze innehaben; nichts desto weniger sagt der nachmals zum Vicekönig'erhobene Calleja: »Die Banden des Aufruhrs sind nicht stark.

Muth im Gefangniss uud in der Todesstunde war jenem in denSchlachten gleich.

Die Sache der Freiheit hatte einen grossen Verlust erlitten;allein die Auflösung des Congresses in Tehuacan, wohin er ge-guuug, um die regelmässigen Truppen zu besiegen und Städte|flohen war; die hieraus erfolgte Zersplitterung der Kräfte; diel»zu erobern; indessen besitzen wir ebenfalls nicht Mittel genug,jAnkunft von spanischen Veterantruppen aus Europa und das ge- !»um sie zu vernichten, obwohl wir sie öfter geschlagen , er-i änderte System des neuen Vicekönigs Apodaca (1816.) versetzten j»mudet und deren Gefangene streng bestraft haben.« jihr noch härtere Sollläge. Dieser gewährte allen, die sieh unter- j

Morelos bemächtigt sich der Städte Oaxaca und Acapulco ; warfen, Verzeihung; schonte das Leben der Gefangenen; schaffte:Guadelupe Vittoria der festen Plätze von Vera-Cruz ; Manuel ]die Folter ab; bewog die Bischöfe zu vernünftigem Ermahnungen ITeran der Provinz Puebla; Osorno, Coss, Rayon und Leceaga 'uud gewann so weit mehr als durch Grausamkeit. Seine Truppenbeunruhigen die Provinzen Mexico, Guanachuato , Valladolid ,!fochten glücklich und lieferten ihm bald die Hauptanführer Rayon ,Zacatecas und Guadalaxara. lund Bravo als Gefangene, deren Leben ef nicht nur schonte, son- j

Um ein Zusammenwirken einzuleiten, berief Rayon in Zita-* dem auch erleichterte. !

cuaro eine Junta, liess Münze prägen und eine Druckerei er-| Einige Hülfe indessen für die Mexicaner kam unverhofft aus jrichten; in derselben Absicht schrieb Morelos, seit Hidalgos, Europa. Der spanische Obrist Mina, Neffe des Generals, landete 1Tod das militärische Oberhaupt, nach Apatzingan , im Gebiete .im April 1817 mit 3oo Mann hei Soto la Marina, am Flusse San- |Valladolid, einen Cotigress der Provinzen aus, der eine Consti* tander. Math und Geschicklichkeit fehlten ihm nicht; er siegte'tution entwarf, die überall eifrig verbreitet wurde; auch liess ei tnehrmal glänzend; aber seine Kräfte waren zu schwach gegeu die jein Manifest ergehen, worin die Bedingnisse angegeben waren, Royalisten, und er wurde zu wenig unterstützt, weil er nur für |unter welchen die Waffen sollten niedergelegt oder noch ferner Wiederherstellung der spanischen Constitution zu kämpfen erklärtgetragen werden. jhatte, worin die Insurgenten ihren Zweck nicht erkannten. Sein

Unter wechselndem Glücke wafd in den Jahren 1812 bis i 8 i 5 Ruf erfüllte die Gebirge von Guanaxuato und Valladolid nurgefuchten; die Junta musste oft ihren Sitz verlegen und ihr j 5 Monate; er wa*d von Orrantia den 27. Sept. sehr entldösst inObdach war zuweilen der Schatten eines Baumes; alle billigenjeinem Meierhofe gefangen, und den 17. Nov. 1817 in MexicoVorschläge wurden von Seite der Spanier mit Stolz und Härte erschossen. Sein Leichnam liegt nun neben liidalgo, Morelos undabgewiesen , bis endlich der Congress in Chilpanzingo , deu 6* andern Opfern der Revolution ehrenvoll in der Todtenkapelle derNov. i8i3, und erneuert im Juni i8i5, die Unabhängigkeit und Kathedrale dieser Hauptstadt.

republicanische Verfassung für ganz Mexico in 242 Artikeln pro-! Nach Minas Tode belief sich im Jahre 1818 die Anzahl dermulgirte. Morelos war zum Dictator ernannt. Die Kämpfe er- bewaffneten Patrioten in ganz Mexico kaum noch auf 6400 Mann,neuerten sich blutiger; von beiden Seiten ward Pardon ver- zerstreut in Guanaxuato, Valladolid, Mexico, am See Chapalaweigert. und stillen Ocean. Die königlichen Truppen setzten ihnen um so

Den 5. Nov. i8i5 war es dem Anführer Iturbide am Flusse Ate- heftiger zu, weil Ferdinand VII. wieder regierte, und die Lnter-nango fast gelungen, den ganzen Congress aufzuheben, wenn werfung Amerikas aus allen Kräften betrieb. Nichts desto wenigerMorelos die Feinde nicht mit seiner Handvoll Leute gehindert war nunmehr Spaniens Maciit und Einfluss hei weitem unzurei-hätte. Der Congress entrann; aber Morelos ward gefangen, in chend, dies allgemeine, durch allseine Colonien lodernde FeuerKetten gefesselt nach Mexico geschickt, und Zu San Chris toval zu dämpfen, und so konnte sich die Provinz Texas im Juni iSk»am 22. December , trotz aller Verwendung des Congresses, er- für unabhängig erklären. Die Regierung der nordamerikanischenschossen. Seine letzten Worte waren: »Herr, wenn ich Gutes Union sprach laut ihre thätige Begünstigung des Wunsches dergethan habe, so weisst du es; und liab* ich Uebles gethau,'spanischen Colonien aus»so vertrau ich auf deine unendliche Barmherzigkeit»« Sein,

Mexico als K a i s e r t li u in.

Das Jahr 1820 versetzte die Golonien durch die in Spanien wiedereingefuhrte Constitution von 1812 in eine ganz audere und neueLage. Zufolge der Proclamation aus Cadix sollleu die Provinzenüber dem Meer als Tlieile von Spanien betrachtet uud behandeltwerden , was dem royalistischen Glerus und Adel sehr missfiel.Sie warfen ihre Augen auf einen Mann , der sie wider die Cortesschützen könnte, und glaubten ihn ohne Zweifel in Agostin Itur-bide gefunden zu haben, der von ihnen Unterstützung erhielt uudso eben auch einen grossen , nach Manilla bestimmten Geldtrausportaufgehoben hatte. Allein er entsprach ihren Wünschen nicht,sondern trat mit den Insurgenten ins Eiuverstandriiss , unter Bei-hülfe von deren Anführern er zu Iguala (24. Fehr. 4821.) dieUnabhängigkeit Mexicos und den Entwurf zu einer Constitutionan der Spitze seiner Truppen proclamirte. Der General Negretteund der Obrist Bustamante gingen mit ihrer Mannschaft zuihm über.

Dem sogenannten Planvon Iguala zufolge sollte Mexico einconstitutioneiles, unabhängiges Kaiserthum werden, auf dessenThron man Ferdinand VII. beriefe. Im Falle der Verweigerungsollte derselbe Antrag den Infanten Carlos und Francisco gemachtwerden. Nähme auch keiner von diesen die Krone au, so stundes der Nation frei, ein anderes Mitglied irgend einer regierendenFamilie zu berufen. Zur Handhabung dieses Plans ward ein Heerausgehobeu.

Der Vicekönig Apodaca verwarf Iturbides Maassregeln tind:sandte wider ihn den Marsehai Linnan. Aber alles Volk erklärtesich für Iturbide; und überdies ward Apodaca so eben als ver-dächtig von seiner Stelle entfernt Und durch den treu-spanischenMarschal Novella ersetzt, welcher jedoch bald genütliigt wurde,nach Europa umznkehren.

Man kümmerte sich wenig, dass die Cortfes von Spanien allediese Anordnungen für null und nichtig erklärten. Am 24* Fe-bruar 1822 versammelte sich der Congress in Mexico. Dabei gabes mm drei Parteien, und eine Verschwörung, an deren »SpitzeGuadelupe Vittoria und Bravo standen, welche verhaftet wurden.Die Verhandlungen nahmen bald einen heftigen und verwickeltenGaug; man suchte Iturbides Ansehen und Macht zu schmälern,was er nicht ertragen konnte»

In Folge seines Grams riefen ihn am Abend des 18. Mai 1822,als er Rewü gehalten hatte, Leibwache, Garnison und Volk zumKaiser von Mexico aus. Der Congress wagte nicht zu widerstehn,sondern erkannte ihn durch Mehrheit der Stimmen als Kaiser,gab ihm noch obendrein den Beinamen des Grossen und machtedie Wurde in dessen Familie erblich. Den 21. Juli ward er ge*krönt. Die Depntirten indessen, die ohne zu stimmen in ihreProvinzen gereist waren, erklärten die Wahl für ungültig, underregten Rumor. Doch Iturbide seihst besass weder Geist nochKlugheit genug, um zu regieren, und bewirkte durch Auflagen

und Vorschläge im Schoosse des Congresses die Vereinigung allerParteien gegen sich. Es bedurfte jetzo nur nocli der Verhaftungvon angesehenen Cortes mul der Auflösung des Congresses, umalle Provinzen in Harnisch zu jagen. Von »Soto la Marina undVera Cruz die ersten Anfälle. Die Anführer Guadelupe Vittoria ,Santa Ana , Echavarri und Vivanio vereinen sich bald in derProvinz Vera Cruz und Puebla; sie Verlangen, ihrem Vertrag vonCasamata zufolge, Einberufung eines neuen Congresses mit Ausschlussder Günstlinge iturbides, und schwören, den Befehlen des hohenCongresses zu gehorchen» Alle Provinzen stehen nun gegen dieKaiserlichen auf. Der Congress versammelt sich; Iturbide mussnach einer Regierung von nicht vollen 10 Monaten die Kroneniederlegeu (20. März 1823.), und erhält eine jährliche Pensionvon 25,000 Dollar, unter Bedingung, seinen Aufenthalt in ItalienZu nehmen. Er schifft sich samt Familie nach Livorno ein, wo ereine Vertheidiguug seines Benehmens aufsetzt, die seither iin Druckerschienen. Aber schon zu Anfang des Jahres 1824 verlässt er diesenOrt wieder, begibt sich über Deutschland nach London, von wo erden Mexicanern berichtet, dass er als ruhiger Privatmann hei ihnenerscheinen werde. Den 11. Mai landet er hei »Soto la Marina;den 19. Juli wird Cr kraft eines Congressbefehls von Felipe Garzttverhaftet, und abends zu »San Antonio de Padilla erschossen.Seine Familje jedoch erhöh Pension , und ein Sohu ward vonBolivar in Columbia aufgenommen.

Die Nation erklärt sich am 8. April 1823 frei und zur Wahleiner Verfassung nach dem Völkerrechte befugt. Die nordamerika-nische Union anerkennt Mexicos Unabhängigkeit.* Aber einheftiger Streit erhebt sich über die Legitimität des Congresses, dernach dem Vertrage von Casamata aus ganz neu erwählten Mit-gliedern bestehen sollte. Viele Provinzen erklärten sich entschie-den für die neue Ernennung und bildeten eigene Juntas. Aucheinige Anführer von Truppen wollten einen neu erwählten Con-gress mit Gewalt erzwingen. Er kam indessen nicht zu Standund die Regierung siegte von nun an über jeden Partialaufruhr undüber jede Lostrennung. Die letzten Ueberreste spanischer Machtverschwanden vor dereinträchtigen Wirksamkeit des ganzen Staates.

Oct. 1823. Allianz mit der Republik Columbia. Verbot desVerkehrs mit Spanien.

3i. Jan. 1824. Die Conslitutionsacte der föderativen RepublikMexico wird vom suveränen Congress sanctionirt. Lorenzo deZavala Präsident.

Histor

Das ehmalige Königreich Guatemala, zwischen Columbia undMexico gelegen , sah mit Vergnügen im Jahre 1808 die grossenVeränderungen in den spanischen Besitzungen Amerikas vorgehen;allein durch die in denselben ausgebrochnen Unruhen erschreckt,wagte es selbst keine wichtige Neuerung, sondern blieb dem Mut-terlande langer als irgend eine andere Colonie getreu. Zwar regiertees sich seit dem Jahre 1812 mit einer Art von Unabhängigkeit;die Presse war frei, Schulen wurden errichtet, und der Verkehrmit England gestattet; jedoch eine eigentliche Revolution undLostrennung fand nicht statt bis zum Jahr 1821. Ohne Blut-,vergiessen ging der Befreiungsact vor sich. Nur eine Expeditiondes Kaisers Iturbide und ein Aufstand des Kapitäns Arza habendie Ruhe einen Augenblick lang vor des Congresses Versammlunggestört. Dieser proclamirte nach seinen iiu März 1822 und 1823gehaltnen Berathungen folgende Punkte am 1. Juli:

Mexico als Republik»

i3. Juli 1824* Abschaffung des Sklavenhandels.

1825. Jan. England schliesst Verträge mit den RepublikenColumbia, Mexico und Buenos-AyWs. Die nordamerik. Uniontliat es schon früher.

Juni 1825. Das spanische Linienschiff Asia und zwei Corvettenergeben sich der Republik.

Juli 1827. Handelsvertrag zwischen den Niederlanden u. Mexico.

Aug. Die Altspanier wollen eine Art Monarchie ; die Ceutra-listen aber , hei weitem zahlreicher, behaupten die Republik.

Sept. Eröffnung des Congresses. Iin December publicirt erein Gesetz, welchem Zufolge die Altspanier auswandern müssen.

Jan. 1828. Die Congresstruppen schlagen Bravo bei Tulamingound nehmen ihn gefangen. ,

Febr. Zwei Parteien, die Escoceses und Yorkinos (Schoten undYorker), jenes verkappte Spanier, dieses Republikaner, stiftengrosse Unruhen. General Arena wird in Mexico erschossen , uuddie Regierung verfahrt sehr kraftvoll.

sehe Momente in der Befreiung Guat

»1. Die vereinigten Proviuzen Mittelamerikas (ehmals Künig-»reich Guatemala) sind frei und unabhängig von der Halbinsel»Spanien, von Mexico und von jeder andern Macht der alten und»neuen Welt; sie dürfen weder das Erbtheil einer einzeln Person,»noch einer besondern Familie seyn.«

»2. Sie bilden folglich eine suveräne Nation.»

»3. Diese Provinzen, welche aus dem ehmaligen Königreich»Guatemala bestehen, nehmen den Titel an: Vereinte Provinzen

»von Mittelamerika .«

Ihr Wahlsprueli: Dios, Union, Libertad .

Jan. 1824. Ein Gesetz begünstigt die Niederlassung von Frem-den. Sie erhalten Land, das 20 Jahre lang frei von Abgabenbleibt, und ihr völliges Eigenlhuiu ist, sobald sie es urbar gemachthaben. Sclaven dürfen in diesen neuen Niederlassungen nichtseyn.

Juni. Der Sturm ist beschworen ; aber grosse Theurung undGeldnoth herrschen fort.

Sept. Ausserordentlicher Congress zur Verbesserung der Finan-zen und Abtragnng der Anleiherizinse. Mau findet die aus Eng-land theuer gekauften Schiffe sehr schlecht. Ein halbjährigesDeficit von 2,800,000 Piaster, Zu dessen 'Fügung freiwillige An-leihen und Ausfuhr von Silberbarren bestimmt werden. -_ Der

General Santa Ana lehnt sich gegeu die Wahl Pedrazas zurPräsidentschaft auf, und wird fiir vogelfrei erklärt.

Dec. »Santa Ana und Guerrero beuieistefn sich der Hauptstadt.Grosser Aufruhr und Plünderung darin; jedoch Verschonung derFremden. Der Präsident Pedraza und der Congress verlassen Mexico.Die Ruhe ist sehr gestört, und man gibt dem Gesandten der nord-amerikanischen Unionstaaten grosse Schuld daran. Pedraza, obwohlrechtmässig erwählt, muss den Präsidentensitz an Guerero ablretcn.

Febr. 1829. Handelsvertrag zwischen Prcüssen und den neuenFreistaaten Amerikas.

1 m a 1 a s.

August. Mexico und Columbia anerkennen Guatemala alsFreistaat.

182.5. Die Regierung nimmt aus England ein Anleihen von

2 Mill. Gulden, nicht von 17 Mill., wie viele Nachrichten anguben.

1826. Starke Reibungen bei Bildung der Constitution, welcheder columhischen und inexicanischen, folglich im Grunde dernordamerikanischen, nachgeformt wird.

1827. Wie in allen neuen Republiken Amerikas, so auch inGuatemala grosse Theurung und Geldnoth.

1828. Die Provinz Guatemala muss es mit den übrigen vierProvinzen uufnehineu. Der Präsident Manuel Jose Arce hat zwardie Altspanier und Mönche auf seiner Seite ; aber die Mestizos,

Mulatten und Indios sind ihm an Zahl weit überlegen. _ Blutiger

Bürgerkrieg.

Bildung des Freistaates liayti*

Die K Önigin der Antillen , Hayti, wie diese Insel ursprünglichhiess , erhielt von Columbus den Namen Esptannola, und späterward sie bis auf die neueste Zeit, da man ihr die Urbeneiinungwieder gab, San-Domingo genannt. Als die Bevölkerung diesesschönen Eilandes unter den Misshandlungen von Seite der Spa-nier hinnen 5o Jahren von einer Million auf ein kleines Häufchenherabgeschmolzen war, und das feste Land Amerikas mehr Schätzean edlen Metallen darbot, so ward jenes von den Europäern ver-nachlässigt , bis sich i. J. i63o französische Auswanderer im west-lichen Theile desselben niederliessen. Bald warf die französischeRegierung ihren Blick auf diese Colonie und erwirkte 1697 von Spa*nien die Abtretung des westlichen Inseltheils. Dieser ward in kur-zer Zeit sehr blühend und seine Ausfuhr betrug beim Ausbruch derfranzösischen Revolution den Werth von 3,740,000 Gulden, dasErzeugniss der Arbeit von 45o,ooo Negersclaven. Die Lage dieserund der Mulatten war indessen schrecklich; daher sie die französi-schen Ideen von Freiheit und Gleichheit mit Freude aufnalmien. DerNationalconvent gab auch wirklich i. J. 1792 den Mulatten dasRecht, an den Colonialversaimulungen Theil zu nehmen ; als eraber nicht lange nachher dieses Recht wieder aufheben wollte ,

widerstanden die Mulatten und verbanden sich mit den Negern.Darauf ein blutiger und greuelhafter Krieg, der fast mit gänzlicherVertilgung der Weissen endigte. Diese Insel, welche von den Eu-ropäern zuerst unter allen Ländern der neuen W'elt entdeckt undunterjocht worden, war in der Befreiung von fremder Abhängig-keit in Amerika dein Range nach das zweite Gebiet, und liefertezugleich mit den nordaiuerikanischen Unionstaaten das Vorbildder Verfassung für die sämtlichen neuern Republiken daselbst.Toussaint lOuvertüre, die Seele der Neger, gab im Jahre 1801der Colonie eine eigne Verfassung und schaffte alle Selaverei ab.Ein iin Jahre 1802 durch den ersten Consul abgesandtes Heer von25,000 Mann scheiterte an der Verzweiflung der Schwarzen!und an ihres Henri Christophs Geist und Tapferkeit. Die Frei-;heit errang den Sieg; aber ein Tyrann, Dessalines, stürzte siewieder und liess sieh 1804 unter dem Namen Jakob I. zum Kaiserausrufen. Seine Herrschaft war jedocli von kurzer Dauer ; dennam 8. Oct. 1806 ward er in einem Aufruhr ermordet, Und an seineStelle Henri Christoph eingesetzt. Dies verdross Alexander Petion,der nun im Süden eine Republik einführte. Bis zum Jahr 1814blichen beide Staaten einander feindlich. Als aber Frankreich seine

1 ehemalige Colonie wieder tu erobern drohte, vereinigte sie einjgemeinsames Interesse wenigstens zu einem Zwecke. König Henrij 1 Christoph herrschte bis 1820 strenge, aber gerecht; seine Strengerief jedoch in diesem Jahre einen Aufruhr herbei, dem er sichImit einem Pistolenschuss entzog. Seit Pctious Tod ( 1818) stehtder Mulat Bayer als lebenslänglicher Präsident an der Spitze derRepublik , und ihm gelang es , die ganze Insel, den spanischenAntheil nicht ausgenommen, in einen gemeinsamen Freistaat ,diese beliebte amerikanische Form , umzuwandeln.

1825. Frankreich anerkennt Haytis Unabhängigkeit, mit derBedingung, 1) dass von dem einst französischen Autheile i5o Mill.Franken bezahlt werden , um dessen beiheiligte Pflanzer zu ent-schädigen , und 2) dass Haytis lläfen allen Nationen unter gleichenAbgaben eröffnet werden , für Frankreich aber um die Hälftederselben.

Hierauf Ancikennung der Republik von allen Staaten , mit Aus-nahme Spaniens.

Die Bezahlung der stipulirten Summe des Loskaüfs hält sehrschwer; sogar die Zinsen fallen nicht genau; daher Frankreichsjiieuc Liiterhandlung mit der Republik Hayti.

"Werden sicli die neuen Staaten Amerikas unabhängig von Spanien erhalten können?

Wenn überwiegende Gewalt, verbunden mit Formalität und Theil der neuen Freistaaten? Ein ungeheures Gebiet, mit Hu*des Pabstes feierlicher Schenkung, die Herrschaft eines Fürsten geln und Tliälern untermischt, erstreckt sich über eiue Gebirgs-beliebig auf einen andern zu übertragen vermag, so waren Spa-kette , die höher ist und schroffer als die Alpen, und dieseniens Ansprüche auf die schönsten Länder Amerikas rechtmässig Luftregion wird auf ztfei Seiten von dürren Wüsteneien oder nic-

begrüudet. Allein es hatte schon lange sein Recht darauf, wennes auch besser beschaffen wäre, theils durch tyrannische Be-handlung , theils durch Verletzung der mit seiuen Colonien ein*gegangenen Verbindlichkeiten gänzlich verwirkt. Um nur einesanzufuhren, so erlheilte Carl V. z. B. seinen Unterthanen inAmerika durch ein Decret aus Barcelona vom 14. »Sept. i5n)wichtige Privilegien, und dieses merkwürdige Actenstuek schliesst

dern Ebenen mit undurchdringlichen Wäldern eingefasst* Sie istein kleines Europa mit afrikanischen Ufern ; Gesundheit herrscht

Bolivar die Hirten der Llanos disciplinirt, und General Paez seiuefurchtbare Reiterei theils aus Negern , theils aus Abkömmlingenvon Negern und Indianern, die ihre Väter an Einsicht weit über-treffen, gebildet hat. Wahr ist es allerdings, dass man liier derAushebung zum Kriegsdienste sehr abgeneigt ist, und die Bildungder Heere meistens aus Freiwilligen oder »Söldnern geschehen muss:

in ihr, während Fieber und Tod um sie her gelagert sind. Wenn allein diese finden sieh , uud gegen eutopäische Taktik besteht ihredie amerikanischen Heere die Abhänge, wo jede »Stelluug zu ihrem bewährte Kriegsart in Eilmärschen, in plötzlichen Ueberfällen

Vortheil ist, vertheidigeu, so werden die Schaaren Europas ohneSchlacht aufgeriebeu.

Als die Spanier vor wenigen Jahren zu eiuer Zeit, wo ihre Co-

mit folgenden Worten: »In Erwägung der Treue unserer Va-,louisten noch keine Anführer und keineregelruässigenTruppenbe-

»sallen, und der Mühseligkeiten, welche die Entdecker und An-sassen, die Ebenen von Neu-Granada betrateu, was war das»siedler bei ihreu Entdeckungen und Ansiedluugen auszustehen'Schicksal der Angegriffenen ? Sie nahmen ihre Flucht in die utjge-

und in verstellter Flucht.

Handelsleute und Grundeigcnthumer , die zwei wohlhabendstenKlassen der Bürger, sind der vormaligen Regierung abgeneigter,als der grosse Haufen des Volks, weil der Handel früher nur nachwenigen Seehäfeu Spaniens gehen durfte , während er sieh jetzonach allen 4\ eltgegenden ausdehnt , und weil der Grundeigenthümer

»hatten, und damit sie mit mehr Gewissheit und Zuversieht'bauten lind schwülen Pläne am Orinoko, ermüdeten die Spanier ,| einem Regenten nicht hold seyn kann, der ihn zu Guusten des»das Recht besitzen mögen, auf immer mit Unserer königliehenlund eroberten endlich wieder die festen Plätze von Caraccas , diejMutterstaates zwingt, seine WeinstÖcke , seinen Tabak und Hanf»Krone verbunden zn seyn: versprechen Wir Und geben Unser!nunmehr das Bollwerk Columbiens ausmachen. Der Rio de lalauszurotten» Die augenscheinlichste Folge der Freiheit ist der»königliches Ehrenwort zum Pfand für Uns und die Könige, Plata , welcher eiue bequeme Fahrt ins innere Laud zu öffneu^grosse Abschlag unentbehrlicher Waaren, wovou viele Artikel nun-»Unsere Nachfolger, dass deren Städte und Ansiedluugen unterUcheiut, wurde sich durch seine Sandbänke und schnellen »StrÜ- mehr uni 100 Proceut niederer stehen als zuvor.

»keinerlei Vorwand sollen veräussert oder losgetrennt werden, mungeu einem Angriffsheere von Paragay und Tucuman gefährlich! Zn all diesem gesellet sich in der neuesten Zeit noch die Ohn-» weder im Ganzen noch theilweis , weder zu Gunsten eines Für-jbeweisen. Die Küste Mexicos gegen Europa ist für Kriegsschiffe'macht und Verwirrung in Spanien selbst, das mit seinen Angele-»sten , Potentaten oder Privatmannes. Und wenn Wir oder unzugänglich, uud um in Acapulco zu landen , muss man die halbe|genheiten zu Hause vollauf zu thun hat. Wenn das mächtige Bri-

Welt umsegeln. Das Innere des Landes seihst hat seine natürlichen tannien seine Colonien iu deu nunmehrigen Unionstaaten Nord-Hindernisse def Communieation; so ist z. B. Oberperu die Scheide- amerikas frei und unabhängig zu seyn nicht hindern kounte, wieand zwischen Lima und Buenos-Avres , die Engpässe zwischen sollt es der schwachen Regierung »Spauiens gelingen, ein viel

Privatmannes. Und wenn Wir oderUnsere Nachfolger eine Vergabung oder Veräusserung , so dieser»ausdrücklichen Declaration entgegen wäre, machen wurden,

»so soll dieselbe als null und uichtig zu betrachten seyn.«

Erklärt man dieses ganze Decret nach dem Buchstaben, so ist es umdie rechtmässigen Ansprüche der spanischen Bourbons auf ihreBesitzungen in Amerika geschehen. Doeli auf diese Art räso-nirt die Politik der Grossen nicht. Es fragt sicli vielmehr , obdie ehmal spanischen Lander Amerikas die Mittel besitzen , ihreUnabhängigkeit gegen Gewalt aufrecht zu erhalten, und da sclieiutes, dass die jüngste Vergangenheit sowolil als die Natur des Lan-des über diesen Punkt entschieden habe. Wo gibt es Länder,die gegen jede Invasiou so wohl geschützt sind , als der grösste|den. Allein diese Meinung ist ziemlich widerlegt worden, seitdera|in die Angelegenheiten Amerikas dulden werde.

Quito und Bogota gewähren nur Fusspfade mitten iu Schnee; der!gedehnter Land, und sechs schon »fahre lang bestehende Bcpubli-breuneude Isthmos von Costa lliea sondert Columbia von Guatemala, !ken zum Nachtheil aller grossen Nationen wieder zu stürzen undUnd die Wüstenei Ataeama ist zwischen Chili uud Peru gelagert. in Fesseln zu legen? Die westliche Halbinsel Europas wird nichtsMau hat eingewendet, dass die Bewohner dieses Landes keinen'Klügeres und für ihre Einwohner Erspriesslicheres thun > als wennso vortheilhafteu Gebrauch von den natürlichen Eigenheiten ihres'sie die jungen Freistaaten förmlich anerkennt, und deu VerkehrGebiets machen können , weil die grössere Anzahl derselben , die beider Hemisphären aller Bande entlediget; besonders seitdem dieIndianer nämlich, ihre angewöhnte Apathie beibehaiten , und weder, llegieruug der nordamerikauischeu Unionstaaten erklärt hat , dassdurch Ehrgefühl noch Ruhmbegierde zum Kampf angespornt wer- sie kein bewaffnetes Einmischeu irgend einer europäischen Macht

No. XXX.V1I1. HLSTORISCH-GEOGRAI'IHSCIIE TAFEL DES FREISTAATS MEXICO, etc.

Druck und Verlag von J. VELTEN. 1829.