Ukber Afrika im Ai.lgemf.isen. —
Afrika ist von den fünf grossen Welttheilen derjenige, zudessen Flor iiu Ganzen die Natur wenig, die Menschen abernoch viel weniger gethan haben.
Dieses weite Land weiset gegenwärtig kein einziges merk-würdiges Volk auf; "Wissenschaften, Künste und Cultur sindihm fremd; wir kennen darin weder grosse Ereignisse, nochgrosse Männer ; ja wir haben bis jetzo fast nichts weiter alsden Sanra dieser ungeheuren Länderinasse erforscht, die vonvierfachen Hindernissen : Klima und Boden, Thieren und Men-schen unzugänglich gemacht wird. Die Hitze lothrechter Son-nenstrahlen , der brennende Sand unabsehbarer Wüsteneien ,glühende Winde , flammende Graswälder, die reissendsten undgiftigsten Thiere des Erdbodens, endlich Völker, die unsdurch Farbe , Gestalt und Sitten so unähnlich sind, habenbisher all unsern Anstrengungen, ins Innere zu dringen , viel-fache und unubersteigliehe Schranken gesetzt.
Plan des Textes und der Carte.
Von diesem 1 mstande rührt es her, wenn die Geographenin ihren Abtheilungen und in der Beschreibung dieses Landessehr von einander abweichen. Wie werden wir uns indiesem dunkeln Felde zu recht finden ? — Wir wollen uns andie sachgeinässe Kintheiluug halten, wie sie bis jetzo möglichist, und sie auf der Carte mit Farben bezeichnen, denen an-dere am untern Rande entsprechen , um durch das Auge demGedächtnisse und der Reflexion behülflich zu seyn.
An den Rändern zur Seite zeichnen wir das Wesentlichevon Geographie und Geschichte , was diesen Welttheil betrifft,in gedrängter Kürze auf, und ebenso an geeigneten Orten derCarte einzelne Punkte, die vorzüglich belehrend sind. DieMenge unsicherer Namen, von welchen oft geographische GartenAfrikas angefüllt sind, lassen wir weg und halten uns nur andas Gewisse.
AFRIKA,3JISTOKLSCII I\A’Ö liViOüllAPUiSVM vom JA1II1 1828.
L sin $>'<•■ vom Meridian z.uPans.
K ENNTNiss voif Afrika bei
Die Alten haben Nordafrika besser gekannt, als wir. Aegyptenwar die Wiege der Wissenschaften und Künste ; Karthagos ruhm-voller Name hatte die Welt erfüllt, und die Römer besassen imZeitalter ihres höchsten Luxus Landhäuser in diesem Gebiete , daswir nun die Küsten der Barbarei nennen. Durch stete Verbindungwaren sie mit diesen Gegenden so vertraut als mit Italien ; abernicht derselbe Fall ist es mit der grossen Landstrecke südheh da-von , wo eine unabsehbare Sandwüste ihre Fortschritte aufliielt,und vielleicht nur von einigen F’eldherren besiegt wurde. Auchdie Griechen hatten viel früher mittels Aegypten blos verworreneund schwankende Nachrichten über dieses innere Land erhalten,so dass sich hierin die Beschreibungen von Herodot, Strabo,Mela und Ptolciuäus häufig widersprechen und voll Fabel so-wohl als Unverlässigkeit sind.
Vom südlichem Theile dieses Continents hatten die Altennicht die geringste Kenntniss. Alle widersprachen einstimmigdie Möglichkeit , über den heissen Erdgürtel zu dringen , wel-chen sie nach ihren physikalischen Ansichten für völlig unbewohnbar hielten ; in Ausehung der Gestalt und Ausdehnung
dein Alten und bei den Neuern.
Necho, und von Eudoxus unter König Ptolemäus Lathnrus vonOsten nach Westen, d. h. durch das rothe Meer und an denöstlichen Küsten hin, um das Cap hemm, an den westlichenUfern entlang nordwärts und durch die Meerenge Gibraltar wiedernach Aegypten, umschifft worden sei, ist eine unverbürgteSage , die aus dem Alterthum herübertönt. Die Nachricht heiHerodot, dass jene PhÖnieier die Sonne nordwärts von sichgesehen haben , wie dieses denn nothwendig geschehen musste,wenn sie über den südlichen, oder geschehen konnte, wenn sieauch nur über den nordlichenWendezirkel gekommen waren, sprichteinigermassen für die Wirklichkeit der Ilmscbiffung.
Seltsam genug keimen wir in neuerer Zeit jenen Theil Afrikas,mit welchem die Alten am vertrautesten waren, nämlich dieNordküste, weniger als sie ; während sich uns , der weiternEntfernung ungeachtet, die lange Westküste , das Capland undgrossentheils aucli die Ostküste mehr aufgeschlossen haben. DieUrsache dieser seltsamen Umkehr liegt in der grossem Vollkom-menheit unserer Schiffahrt, im verwandelten Colonialsysteme, undin Verschiedenheit der Völker dieses Welttheils , indem uns die
aber waren sie in zwei Meinungen getheilt. Eine Partei, wozu'wilde Macht der Barbaresken zurükscheucht, die Schwäche derHipparchos, Mariims Tyrius und Ptolemäus gehörten, nahm Neger nnd anderer Stämme aber einladet
an , dass sicli Afrika südöstlich in weiter Krümmung und Ent-fernung um das indische Meer herumziehe, im fernsten Ostenaber mit Indien verbinde , und so ein ungeheures Mittelmeereinscldiessen helfe. Auf solche Art hielten sie Afrika für un-endlich gen Süden ausgedehnt und nicht umschiffbar. Eine anderePartei aber, wozu Eratoslhenes und Strabo gehörten, hielt Afrikawirklich für eine Halbinsel, die sich schon nördlich desAequators stumpf endige, und also wohl vielleicht zu umschiffensei. Dass Afrika von
Indessen kennen wir immer von diesem alten Weltgebiete we-niger als von irgend einem der neuern, und vier Fünftheilesind noch der Wissbegierde und Kühnheit zu erforschen übriggelassen. Zwar haben muthvolle Wanderer hie und da einzelneStrecken im Innern besucht, und andere verfolgen jetzo nochdiese ruhmvolle Bahn ; ja sogar eine besondere Gesellschaft inLondon ruft kühne und talentvolle Männer hiezu auf; alleindeumngeuchtct mag noch eine geraume Zeit darüber hingehen,Phüniciern unter dem ägyptischen Könige bis wir das Ganze dieses geheimnissvollen Erdstockes kennen.
Grundriss der physischen Geographie.
Afrika ist ein ungeheures Dreieck , das beiläufig in der Mitteseiner Höhe vom Aequator durchzogen wird; die Grundfläche stösstans Mittelmeer , die langen Seiten sind vom atlantischen undindischen Ocean bespült, seine Spitze, das Cap der gutenHoffnung, läuft wie alle grossen Krdmassen unseres Planetenstracks nach Süden , und nordöstlich hängt dieser W elttheilnur wie durch einen Faden, die Landenge von Suez, mit Asienzusammen. Noch ist zu bemerken die Meerenge von Gibraltar,die Europa und Afrika trennt ; gen das Mittelmeer das Cap Serra;das grüne Vorgebirg im Westen, das Cap Guardafui im Osten,nnd die Strasse Bab-el-Mandeb, wodurch Arabien abgeschiedenwird. Seine Länge beträgt fast i, 100 d. Meilen , die Breite an1000; die Oberfläche mit Inbegriff der Inseln 041,000 d. Qua-diatmeilen , grösstenthcils in der heissen Zone gelegen. Seine Be-völkerung kann nur unverlässig auf 80 bis 90 Millionen geschätztwerden. Die sämtlich farbigen Urbewohner zerfallen in drei Ab-arten : in olivenfarbige Mauren, in Mohren oder Neger, und in bron-zirte Kaffem, welche ihrer Religion nach Mahometaner sind oderHeiden. Ihre Gestalt, Kraft und Fälligkeit scheint regelmässignach Süden hin abzunehmen : der Maure steht über dem Neger,und dieser über dem Kaffer.
Das Küstenland ist sehr wenig ausgezackt und man ertheiltden Baien, worin die Schiffe selten eine Zuflucht finden, nuriiiicigentlich die Benennung Meerbusen. Kein langer Meeresarführt hier ins Innere, und überhaupt gibt es verhältnissmässigwenige Flüsse von weitem Lauf und leichter Schiffbarkeit.
Gebirge. —Ein grosser Gebirgsgiirtel, der seine bis jetzo nochwenig bekannten Verzweigungen nach innen hat, zeichnet in eini-ger Entfernung von den Küsten unregelmässig die Form Afrikasringsumher, und gibt so dem grossen Erdstocke Festigkeit seinerMasse sowohl als seiner Einfassung. Im Nordwesten hebt dasberühmte Atlasgebirg an, oft 17,000 Fuss hoch über Meer, undzieht in inehrern Reihen oder Terassen , unter andern Namen,bis Aegypten hin; von liier streicht es ebenso, doch niederer,am rolhen Meer und der Ostküste bis zum Cap , wo es seineWendung nach der verschiedenen Krümmung derl’fer gen Nord-westen nimmt und sicli wieder an den Atlas anschliesst. DieGebirge von Aetbiopien , Abyssinieh , das Mondgebirg, das Ge-birg Lupata oder spina mnndi etc. sind Theile oder Verzwei-gungen vou jenem grossen Gebirgskreise , der ohne Zweifel häufigmit einem innerti Hochlande in Verbindung steht. — Der Gold-sand , so die Flils.se mit sich führen, und die grosse Menge, welchedie Bewohner der Gebirgsabdaclmngen von diesem edlen Metallestets liefern , lässt mit allem Grunde vermuthen , dass im Innerneben so reiche Minen sind als in der neuen W r elt.
Auf der Carte wird man leicht bemerken , dass die beschrie-bene Gebirgsrcihc gen das Meer hin eine Einfassung von Landhat , welches gerade der Theil Afrikas ist, den w ir kennen ;alles aber, was von den Gebirgen einwärts liegt, blieb bis jetzowenig oder grossentheils gar nicht erforscht. Wir machen d.her folgende sachgeinässe Abteilungen:
1. Nordküste gen das Mittelmeer;
9.. Westkiiste am atlantischen Ocean ;
3 . Südliche Spitze oder Capland ;
4 . Ostküste am indischen und rothen Meere;
5 . Inneres oder wenig bekanntes Land.
HÜsteneien . — Ein charakteristischer Zug Afrikas sind seinegrossen , entweder mit Sand oder Sumpf angefiilltcn Flächen.So ziehet sich zwischen der Reiberei und dein Rinnsal des Nigeroder Dscholiba ein Sandmeer, Sahara, quer durch vom atlantischenOcean bis Aegvpten und Nubien, an Raum der Hälfte von Eu-ropa gleich. Ganze Caravaneu gehen bisweilen in seinen Wogenzu Grunde. Hie und da ragen bewohnbare und mit Pflanzenversehene Inseln , Oasen genannt, aus diesem Samhneere hervor.
Flüsse. — Der wundervolle Nil, dessen wahre Quellen heut
wozn der östlichste, Tacaze oder Atber, aus dem HochlandeAbvssiniens kömmt ; der zweite , genannt der blaue Fluss, dessenQuellen schon zweihundert Jahre vor Bruce durch die JesuitenPaez und Tellez entdeckt und beschrieben worden , steigt vonAbyssinien in die Ebenen von Sennar oder Fungi; der dritteund vorzüglichste, Bahr - el - Abiad oder weisse Fluss, der dieeigentliche NilqueUe enthält, muss südlich von Darfur, wahr-scheinlich im Mondgebirge , entspringen. — Die merkwürdigejährlich zur bestimmten Zeit wiederkehrende Ueberschwemniungdes Nils , welche das Land bewässert und durch abgesetztenSchlamm so äussorst fruchtbar inacht, rührt von den periodischenRegen der heisseil Zone her, und eine Anschwellung, obwohlnicht immer eine Ueberscliw’emmung , ist, wie wir nun wissen ,allen Flüssen innerhalb der Wendezirkel eigen.
Der wasserreiche Niger oder Dscholiba, auch Kitara genannt,ntspringt auf dem nämlichen Gebirge , wo der Senegal, nimmtseiuen Lauf lange nach Osten und verliert sich entweder in einemSee des innern Landes , oder , was die neueste , von CapitänClapperton aufgestellte Meinung ist, er nimmt endlich seine Rich-tung nach Südwesten und fällt in der Bai von Benin durchmehrere Arme zum Ocean. Dass der Dscholiba seinen Lauf nachOsten bis zum Nil fortsetze und ihn vergrössern helfe, wirddarum als ganz unstatthaft angesehen , weil ein Fluss, nachdemer au 5 oo d. Meilen Weges zurückgelegt hat, tiefer seyu muss,als das Nilufer in Sennar.
Der Senegal, mit dem Dscholiba auf dem nämlichenGebirgstockim Lande Dschallon-Caduli entsprungen, lauft über 180 d. Meilenauf der westlichen Abdachung gen den atlantischen Ocean , woseine Mündung durch eine gefährliche Sandbank erschwert wird.Er bildet einige Wasserfälle , wovon der hei Felluh am berühmte-sten ; dessen ungeachtet würd’ er während der Regenzeit 170 d.Meilen weit schiffbar sevn , wenn die ungesunde Luft, die Kro-kodile und Flusspferde nicht ahschreckten.
Die Gambia , dem Ursprung und Laufe nach mit dem Sene-gal verwandt , ist aufwärts nur während der trockenen Jahreszeit,wo sie kein so reissendes Wasser hat, 108 d. Meilen weit schiffbar.
Ausser diesen sind noch der Zaire, Rio Grande etc. und aufder Ostküste die Cuama oder Zambeze, welche in der Bai vonMozambique mundet, zu bemerken.
Inseln. — Madagaskar ist nicht nur hei weitem die grössteInsel Afrikas, sondern sie gehört unter die grössten des Erdballs;denn ihre Länge beträgt 204 , die Breite 77 d. Meilen, der Flä-cheuraum io, 5 oo d. Quadratmeilen, und die Bevölkerung, einGemisch von Raffern, Arabern und Indiern , an 4 Millionen.Reich an allen Erzeugnissen beider Indien und für die Aufnahmeeiner grossen Seemacht sehr geeignet, ist diese Insel am Eingangins indische Meer ein äusserst wichtiger Punkt. — Oestlieh davonliegen die fruchtbaren Inseln Bourbon und Isle-de• France oderMauritius ; jene den Franzosen , diese mit viel bessern Hafen und!Baien nunmehr den Engländern gehörig. Vordem war sie Frank-reichs furchtbarer Centralpunkt in Ostindien. — Längs der West-Jkuste: Madeira, die Canarien, Inseln des grünen Vorgebirgs,Annabon, Ascension und St. Helena, durcli Napoleons Exil auf im-mer denkwürdig.
Thierreich. — Afrika besitzt in vorzüglicher Qualität diemeisten Thierarten der alten Welt: Pferde, Büffel, Ka-
nieele , Esel etc. Der Löwe dieses Welttheils allein ist seines kö-niglichen Namens würdig; der Elephant und das Rhinocerosstehen an Grösse den asiatischen nach , sind aber viel hellenderund vielleicht stärker. Das Flusspferd , die Giraffe , der Strauss,viele Arten von Gazellen , Affen , Schlangen , giftigen und zer-störenden Iuseoten , linden sieh nur hier.
Pflanzenreich. — I111 Norden häufig und oft kolossal fastall unsere Gewächse und Früchte; auf den südlichem Küsten dieErzeugnisse beider Indien , oder doch Klima und Boden dazu
zu Tage dem Forscherblicke noch eben so verborgen sind, als zur Der Baobab , dessen Stamm oft 140 bis i 5 o Fuss Umfang hat.Zeit des Eratoslhenes , entsteht vornehmlich aus drei Flüssen, Mineralreich .— Gold, Silber, Kupfer, Eisen , Marmor etc.
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AFRIKA, NACH SEINEN GEBIETEN BESCHRIEBEN.
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Afrika
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*) Die w ichtigsten Reisen sind auf der Garte bezeichi
Früher kannte man ira buchstäblichen Sinne mehr nicht alsden Saum dieses ungeheuren Welttheils ; denn weder blosse Neu-gier noch Bekehrungseifer besass Muth genug, unter so viel Ge-fahr den geheimnissvollen Scldeier von des Niles und NigersHaupt zu lupfen. Dieses grosse Geschäft auszufuhren blieb undbleibt noch dem Geiste neuerer Civilisation Vorbehalten, welchetrotz aller Verluste darauf besteht, dass auch Afrika an all-gemeiner Bildung sowohl als an Weltverbrüderung Theil nehme,und unserer Industrie seinen Tribut zolle.
Zu diesem Zweck entstand 1788 in London die sogenannteAfrikagesellschaft aus Personen von hohem Range , Kenntnissenund Reichtbum. Auf ihren Ruf erschienen bald unerschrockeneReisende. Ledyard, ein Amerikaner, welcher mit Gook die
Welt umsegelt hatte, war der erste. Er zog seinem Auf-träge zufolge nach Aegvpten, uiu sofort die Mündung desNiger zu erforscheu uud westwärts an die Ufer des Senegalzu gelangen. Der Tod raffte ihn schon weg in Kairo.
Lukas, eiuige Jahre laug englischer Consul in Marokos,war sein Nachfolger, und verliess 1789 Tripolis in der Ab-sicht , quer durch Fezzan auf den Niger zu stossen und durchden Senegal oder die Gambia wieder ans atlantische Ufer zukommen. Allein Araber verwehrten ihm bald den Durch-g a »g-
Die AfrikageselLschaft suchte nun eine andere Richtung,um ins Innere eiuzudringen. Major Houghton schiffte sichauf der Gambia 1791 ein, um östlich Aegvpten zu erreichen;aber uachdem er ifio bis 180 d. Meilen zurückgelegt batte,fiel er als Opfer zu Dscharra , entweder vom Dolch oder Klimagetüdet.
Diese traurigen Versuche konnten den Schotländer Mungo Parknicht abschrecken, sich einer so gefährlichen Sendung zu unter-ziehen. Glücklicher als seine Vorgänger drang er fast 3 oo d. Meilengen Osten, u. kam nach einer Abwesenheit von 18 Monaten im Dec.
797 mit den schätzbarsten Nachrichten versehen wieder zurück.Die bisher unbekannten Quellen des Senegal und der Gambia ,die so sehr bestrittene Quelle und Strömung des Niger, warenmm keine Geheimnisse mehr; über die Lage und politischenVerhältnisse der Mauren und Neger in diesen Gegenden, überden Charakter , die Sitten und Gebräuche derselbeu , über dasDaseyn zahlreicher Staaten, grosser und bevölkerter Städtehörte man zum erstenmal mit Erstaunen Bericht. Aber aufeiner zweiten Reise, die er noch weiter getrieben, verun-glückte sein Schiff auf dem Niger tief im lauern und seiueunschätzbareu Papiere sind bis jetzo noch nicht aufgefundeu.
Während Mungo Park im Westen seine mühsamen Lorbeerpfhickte, erwarb sich Brown im Osten eben so viel Ruhmin den Augen der Wissenschaft. Er war 1797 bis Siwah ge-langt , wo er zuerst wieder die Ruinen des Ammontempelserkannte , als ihn der Zustand seiner Gesundheit nach Aegvp-ten zurücktrieb. Nachdem er sich erholt hatte, wollte erAbyssinien durchwandern ; allein politische Unruhen hindertenihn daran, uud er musste sich geil Darfur wenden , das denEuropäern bis dahin unbekannt gewesen. Wunderbar aus einerMenge von Gefahren errettet, kam er nach 3 Jahren 179(1wieder zurück, bereichert mit einer genauen Kenntuiss vouDarfur, mit Nachrichten über die Quellen des westlichen Nils
oder Bahber Abiad, über das Dasevn des Flusses Kulla uudüber Lage und Namen vieler uiiigrünzendcn Läudcr und Staaten.
Hornemann, ein Deutscher, nahm 1799 von Kairo miteiner Karavaue seine Richtung über die Oasen Siwah undAudschila nach Murznk in Fezzan, von wo aus er nach eini-gem Aufenthalte Tripolis erreichte und sein interessantes Tage-buch an die Gesellschaft in London absaudte. Sodann schlosser sich einer Karavane von Burnu an, erlag aber zu Aukalns.Capitau Lyon und Ritchie verfolgten hierauf seine Bahn, aufder auch der letztere seinen Tod fand.
Es wäre zu weitläuftig, hier von allen Bereisern Afrikaseinige Nachricht zu geben, indessen erwähnen wir doch diemerkwürdigsten : Tuckey, Route\ Seetzen, Rurckhardt, Belzoni,Bowdich , Beaufort, Gordon , Brocchi, Hemprich , Peddie undOudney, die sämtlich das Opfer ihrer Wissbegierde uud An-strengung geworden sind.
Der letztere, Dr. Oudney, befand sich bei der so wichtigenUnternehmung des Capitän Clapperton und des Major Denham ,1877 — 1824. Sie zogen von Tripolis mit einander in süd-östlicher Richtung landeinwärts bis Kuba, der Hauptstadt amSee 1 schad, i 3 ifx Grad nördlicher Breite, 14 1/2 Länge vonGreenwich. Hier trennten sie sich; Clapperton verfolgte miteiner Kafila oder arabischen Karavane den Weg nach Westen,quer durch Burnu und Haussa bis Sakatu im Sudan, i 3 Gradnördlicher Breite, 6 Grad Länge von Greenwich , so dass
Mungo Park uud Clapperton, von Westen und Osten kom-mend, sich hätten fast die Hand reichen können. Mitten aufdiesem Zuge starb Dr. Oudney vor Kälte im heissen AfrikaDeuliain dagegen zog im Gefolge eines Heeres südlich bisj /4 Grad nördlicher Breite, und ungefähr desselben Wegeskam jeder vou ihnen wieder zurück. Sie haben uns mit sein-wichtigen und iuteressauten Nachrichten bereichert, aus welchenman sieht, dass Afrika im Iunern wohl bewohntu. zum Theil aucheultivirt ist; dass besonders aber darin ein unermesslich reicherHandel getrieben wird. ITeber den Lauf und Ausfluss des Ni-jer haben indessen auch sie noch keine Gewissheit verschafftClapperton versuchte nochmal Kraft und Glück; verlor allseine Gefährten und liess sich dessen ungeachtet von einer drit-ten Unternehmung nicht abschrecken. Zeitungen melden undwidersprechen sein Hinscheiden in Sakatu. (Jan. 1828.)
So ist den Afrika nicht mehr bloss belagert, sondern eswird mit Gewalt bestürmt und durelistossen. Kein Jahr ver-geht , wo die englische Gesellschaft nicht aufs neue Versucheinacheu lässt , durch die wir alhuählig den Scldeier von diesemgeheimnissvollen Lande fallen sehen. Welch eine Leere herrschtnichts desto weniger noch im Innern der (.arten Afrikas , wennman blos die 20 bis 25 Hauptlinien darein zeichnet, die seitetwa 40 Jahren von europäischen Reisenden verfolgt worden ,und welch ein loser Zusammenhang selbst unter diesen Linien !Man hat berechnet, dass die Länge derselben , mit Inbegriffder Streifzüge von Poncet 1O98 und von Bruce 1768— 1773,etwa 22,000 d. Meilen beträgt, und nach dem Gesichtskreisevon einer Meile rechts und einer links 44,000 d. Quadratmeilenerblicktes Areal. Was ist aber ein solcher Raum im Vergleichemit den wenigstens 400,000 d. Quadratmeilen des innern , nochunbekannten Afrika ?
Geschichtlicher
So versunken in Finsterniss Afrika nunmehr auch seyn magkann sich dennoch ein Land desselben rühmeu , uns Europäerndie ersten Funken des moralischen Lichts , das uuter dem NamenWissenschaft unser Stolz und Vergnügen ist , uiitgetheilt zuhaben, nämlich Aegypten, über dessen Weisheit, Gesetze,Regierung und Cultur die uralte Welt erstaunen musste. West-lich dieses Landes sind die Karthager, ursprünglich eineColonie der Pliünicier, durch Handel, grosse Reichtliumer,
Abriss.
Macht, Eroberung, Kriegswcchsel und Verfall noch merkwür-Hoffnung , das den Seewej
Dieses ist die kurze Geschichte vom Flore, Verfall undnunmehrigen Eleud der Nordküsten Afrikas. Während aberdie reichste Abtheilung dieses grossen Erdgebietes immermehr dem Besitze und Verkehr Europas entfloh, wurde dieses dafür seltsam genug durch eine Reihenfolge merkwürdi-diger Begebenheiten mehr als entschädigt durch Eutdekung und Besitznahme anderer Theile Afrikas, nämlich undinsbesondere durch Auffindung des Vorgebirgs der guten
diger geworden. Beide aber , Aegvptier uud Karthager , erlagenunter dem mächtigen Arm der Römer, die ihrerseits wiedereinem Heere von Barbaren weichen mussten, welche neuerdingsdurch andere Barbaren verdrängt wurden ; so dass ein verstaudiges Auge die Erscheinung und das Verschwinden von ganzenVölkern wie von einzelnen Menschen wahrnehmen kaun.
Es war iin Anfänge des fünften Jahrhunderts , als der Bar-baren Fuss zum erstenmal diese durcli lange Cultur verschöner-ten Länder betrat. Genserich mit seinen Vandalen trieb dieRömer des abendländischen Kaiserthums hier aus und setzte seinenThron auf Karthagos Trümmer. Des morgenländischeu Kaiser-thnms grosser Feldherr aber, der berühmte und unglücklicheBeiisar, stürzte diesen Thron um , und warf noch einen ver-fliegenden Glanz über das orientalische Römergehiet. Der Siewar nicht dauerhaft; denn bald wurde Afrika der Civilisationwieder entrisssen , um neuerdings in die Rotmässigkeit derBarbaren zu fallen ; die Saracenen beugten alles unter das Jochihres Fanatismus und ihrer wilden Tapferkeit.
Al»er auch sie trennten sich, bekriegten und schwächten'cinand r; Fez , Marokos , Algier, Tunis und 'Tripolis erhobensicli cmzeln unter verschiedenen Regierungsfamilien , nicht so-wohl als blühende Staaten, sondern vielmehr als geräuschvolleKriegsläger. Diese Volker, zerstdrungslustig durch Natur undGewohnheit , erpicht auf Krieg und Räuberei , beunruhigtenbald zu Wasser die Küsten des Mittehneers, indem sie lieberchristliche Aernten in der Ferne plündern oder verbrennen,als eigene auf ihrem Gebiete pflanzen und einsanuneln wollten.Nach inehrern Jahrhunderten einer solchen Herrschaft , die dasschöne uud fruchtbare Land zur völligen Wüste umgeschaffen,wurden die Saracenen von den noch rohem Türken unterjocht.Da jedoch der Grossherr diese entfernten Eroberungen nichteigens beherrschen konnte , so setzte er Statthalter hin , die sichgerne unter den blossen Namen von Abhängigkeit schmiegten; undso begann der neuere politische Zustand der Barbarei , wo derDey als Tyrann, die türkische Miliz als gesetzgebender Rath,und die Bewohner als Selaven zu betrachten sind. Dieses istdas Bild der anarchischen Gebiete , wo man, statt das Feld zubauen, Seeraul» treibt, sich Untertban des Grossherrn nennt,und keiueiu Menschen gehorcht.
Indessen ist es nicht unmöglich, dass mit der Zeitdieses schöne Land wieder in den Schoos europäischerCultur zurückkehre; ja grosse Ereignisse und derals je lebendige Trieb nach allgemeiner Civilisirung, ma-chen sogar diese liebliche Hoffnung wahrscheinlich. Vonwelchem Nutzen würde die Zerstörung der Barbarei diesesKüstenlandes seyn! Die Meere erhielten Sicherheit, dasherrliche Gebiet verwandelte sieh in eine Fruehtkanmier,und Europa vertauschte dagegen die Erzeugnisse seiner Culturund Industrie.
eh Ostindien aufscliloss.
Um i 43 o entdeckten die Portugiesen, getrieben vom Han-ge nach Abenteuern und Reisen, der unsere europäische Ge-schichte des i 5 . Jahrhunderts auszeichnet, zuerst PuertoSanto und Madeira; dann besuchten sie Guinea, fuhren derW cstkuste Afrikas entlang, segelten um das Cap der Stürmedas sie mit der neuen Benennung Cap der guten lltffnmnbegrüssten , strichen an der Ostküste hin, und gelangten end-lieh bis Hindostan. Alles dies geschah in einem Zeiträumevon (17 Jahren, und unter drei portugiesischen Königen,durch die berühmten Seefahrer Martin Bchairn, BartholoniäDiaz, Vasco de Gnma und Alvarez Cabral.
Nun fing für Europa eine andere Ordnung der Dingean, und ohne Gewalt war die wichtigste Umwälzung, diees jemals erfahren hatte, herbeigeführt. Der Handel nahmeine ganz neue Wendung , die Reiehthüiner flössen in 1dem Canälen , die Macht wechselte ihren Herrn , furchtbareStaaten fielen plötzlich von ihrer Höhe , und arme oder ge-ringe wurden reich und wichtig. Venedig und Genua, dieiu der Christenheit den Alleinhandel besassen , und sieh mirRecht für grosse Mächte ansahen, waren bald nichts mehrals reiche Städte, während Portugiesen und Holländer, vondenen man sonst kaum gesprochen, unversehens wichtigeVölker wurden. Bis dahin bezog Europa seine Waaren ausIndien nur durch Karavanen, und war auf diese Art denTürken zinsbar; nunmehr holte es sie unmittelbar an derQuelle durch Flotten, die überall Zetigniss ihrer Furchtlo-sigkeit gaben. Man haute neue Häfen iu unsenn Weltthcile ,und legte Colonien fern in Afrika und Asien an , brachte dieeigenen Erzeugnisse zu uubekaunten Nationen und empfing da-gegen im Austausch andere ; kurz , Ideen , Plane , Einsichten ,Bedürfnisse uud Genüsse änderten und vermehrten sich inFolge dieser grossen Begebenheit.
Allein der ungeheure Gewinn, welchen die EinschiffungAfrikas gewährte , scheint zugleich ein Hüulcrniss gewesen zuseyn , in diesem Welttheile sich mehr anzusiedeln und tie-fer ins Innere einzudringen ; denn in der That ist es fürEuropa fast nichts als ein Ruheplatz bei der Uebcrfahrt ,wo man sicli zur Fortsetzung der weitern Reise mit Er-frischungen versieht, und doch sind einige der entdecktenTheile dieses grossen Gebietes äusserst fruchtbar, bergenreiche Minen und ohne Zweifel könnte man mit einiger Sorg-inelir falt und Muhe vortheilhaft daseihst alle fremden Erzeug-nisse einheimisch machen. Wenn es bis jetzo nicht g sche-llen ist, so war es darum, weil man lieber in beidenIndien ärnten , als in Afrika säen wollte ; aber mit derZeit kann dieser Wechsel statt finden , und unsere Enkellesen vielleicht voll Verwunderung, dass wir in weiter
Ferne gesucht halten, was wir vor unserer Thüre ebenso gut haben konnten.
Noriikueste, ehmals wohl eultivirt und mächtig.
Dieser lange Streifen Landes zwischen dem Atlasgebirge unddem M ttelmeere ist überhaupt fruchtbar und war sehr ergiebig,als ei gut angehaut wurde. Sein moralischer Verfall ist indessennicht minder auffallend als sein physischer. Wie barbarisch alterauch immer beut zu Tage sein Aussehen seyn mag, so war dochein Land desselben, Aegypten nämlich, die früheste Wiege unsrer Auf-klärung, und die übrig’«; Strecke hat unter den Römern im schönstenGlanze «fer (Zivilisation gestralt. Eine so traurige Veränderung istnicht auf Rechnung der Natur , sondern lediglich « 1 er Menschen zusetzen. Der Araber Einbruch und ihre zerstörenden Zwiste, noch
mehr jedoch ihrer Nachfolger, der Türken, Rohheit, Fatalis-mus nnd sonstiger Religionsgeist halten jede Art vou Cultur undBildung aufgehalten und zurückgescheucht; auch wird dieserZustand so lange dauern als seiue Ursache forthesteht, unddiese kann nur durch Eroberung uud Besitznahme vou Seiteeuropäischer Mächte gehoben werden. Ein so. grosses Ereigniss,w enn es je eintritt, wird eine Umwälzung im Handel Europasbewirken und zugleich die Mnrgenrüthe der ächten Civilisationdes übrigen Afrika verkünden.
Die meistens farbige Bevölkerung dieser Gegenden ist im Gan-zen falsch und grausam; mit allen Lastern, alter mit keinerTugend vertraut. Aus der Mischung von Karthagern, Römern,Vandalen, Arabern, Türken und Negern entstanden in physischerund moralischer Bildung und Farbe die seltsamsten Abarten undSehattirungen ; nirgends ein reiner Landesseillag , nirgends eineigenthiimiiclier Charakter dieses viel betretenen Bodens. Nur diezahlreichen und mächtigen Berber, von denen auch das Landden Nuinen Berberei erhalten hat, scheinen Urbewohner zu seyn;sie hausen in den Schluchten des Atlasgebirges , sind arbeitsam,kriegerisch, unltezwinglioh, und ihr flüchtiger Fuss trügt sie bis-weilen in die Steppen der grossen Sandwüste.
Uxterabtheii-uxü. — Aegypten ist trotz des Wechsels der Zeit-alter und Menschen ein elassisches Land geltliehen, dessen Schil-derung und Geschichte zum Theile auf seinen erhabenen Wer-ken der alten Kunst und Cultur unverlosehbar geschrieben
steht. Als die Franzosen 171)8 dieses Land betraten und die
Aristokratie der Mameluken auHioben , hoffte man darin eineeuropäische Colonie aufhlühen zu sehen; allein die Barbarei griffbald wieder nach ihrer Beute, und die grosse Expedition dalli»hat keine andere Spur hinterlassen, als das prachtvolle und ge-lehrte Werk, das andern Welttheilen die Wunder Aegyptens ver-kümlet und vor Augen legt. — 2,5o«),ooo Einw.
Die Barbareskf.it - Staaten oder Raubstwtex. — Tripoli,das alte Libyen , im Norden von Fezzan, zwischen der grossenund kleinen Syrtis oder den Busen Sidra und Gabes ; der schwäch-ste unter den Barbaresken-Staaten, mit 1,100,000 Einw.
Tunis, westlich von Tripoli, ehmals der vornehmste Sitz kar-thagischer Macht, ist der cultivirteste dieser Rauhstaaten , ver-mag aber kaum gegen Algier seine Unabhängigkeit zu behaup-ten. — 3 , 5 oo,ooo Einw.
Algier , westlich von Tunis, das alt«; Numidien, ist der mäch-tigste Barbaresken-Staat; 2,200,000 Einw.
Fez und Marokos, südwestlich von Algier, Mauritanien derAlten , 9 — 10 Mül. E. Sehr fruchtbar an allen Erzeugnissen
der gemässigten und heisseu Zone; herrliches Klima, da fastein ewiger Frühling herrscht; allein die Pest wüthet oft auchiu diesem wie iu den vorgenannten Ländern.
Westküste , Land der Neger und vorzüglichster Sitz des Sclavenhandels.
Auf d«*r Westküste, vom Senegal bis Cap Negro, undInnern ebenderselben Breite , hauset die durch ihre Farbe, Zügeund Körpergestalt unterschiedene Mensohenart der Neger, dieweder so grosse Fähigkeiten, noch so viel Stärke und TTiätig-keit besitzt, als wir Europäer. Bis jetzo sind die Begriffe undEinsichten der Neger beschränkt; sie unternehmen leicht, aberohne Ausdauer; harmlos uud arbeitsrheu heben sie leidenschaft-lich kindische Vergnügen. Im übrigen sind sie in ihrem Natur-zustände gntmiithig , sanft, gastfreundlich und mit all den Ge-fühlen begabt, welche das menschlich«* Wesen erheben. Hüufqhat inan indessen das Gute und Schlimme , was man ihnen bei-legt, übertrieben.
Die Erfahrung hat jedoch als sicher bestätigt, «lass ihregeistigen Kräfte weit unter den unsrigen stellen, und dass sie«larin zum Theile mit «len alten , ebenfalls in « 1 er heissen Zonelebenden Mexikanern und Peruanern übereink«untnen; allein dieseformirten doch ein Volk; sie hatten eine Regierung, religiöseuml politische Einrichtungen, Denkmale, Ueherlieferimg und Ge-schuhte , von «lein allen die Neger nichts wissen noch besitzen.Keine Spur ehmaliger Cultur ; völlige Sorglosigkeit und Verwirrung in <li«\st*n Stücken.
Leicht ist der N«*ger zum Gehorsam fremder Macht zu bringen,uml darin bei einer mihlen Behamllung zu erhalten. Wenn daher eine hinlängliche Anzahl Europäer von der Barbareskenkiistedurch «lie Saudwüste ins Innere dringen, uud von der Seeseiteher unterstützt werden könnte, so würde sich in Afrika ohne Zweifeldas rührend«; Schauspiel der Schulen von Paraguay erneuern.Das Land ist reich und frmhtbar ; es bringt fast alle Bedürfnisseunseres Luxus und Handels ohne menschliches Zutlmn hervor,so dass man hier beisammen finden könnte, was mau jetzt insehr verschiedenen Erdgegenden mühsam aufsuehen muss. Wennbis heutigen Tags noch keine sichtbare Verbesserung in derCivilisation der Neger bewirkt worden , s t rührt dieses vonjenem schändlich«*» Handel her, mit «lern sieh «lie Europäer solange Zeit besudelt halxm. Der Zweck <lit*ser Mäekler war keinanderer , als Thiere in Menschengestalt zu erhalten und ihrphysischen Kräfte zu verkaufen
Seit Amerikas Entdeckung sind die Pflanzungen daseihst durchSelaven von der Westküste Afrikas gebaut worden , und werdenes grossteutheils jetzo noch; denn obwohl Europa den Neger-handel verdammte, blühet er doch üppig fort in dem freiheitliebenden Amerika.
Dass Bartholnrnä Las Casus zuerst diese Maassregel, Amerikazu hauen , nusersounen, und von Kaiser Carl V. eine förmlicheErlaubniss zum Selavenhandel narhgesueht oder erhalten halte,ist eine schändliche o«ler leichtsinnige Beschimpfung dieses edlenM annes, «lie schon oft und gründlich genug widerlegt worden.
L^xbf.r von Norden nach Süeden. — Senegamhien, an undzwischen den Flüssen Senegal und Gambia, ist sehr fruchtbarund theils von Negern , theils von Mauren bewohnt. FranzosenEngländ«*r und Portugiesen sahen es für vortheilhaft an, hierNiederlassungen zu gründen, um Selaven , Tigerfelle, Strauss-federn , Elfenbein , Wachs , Gummi, Goldsand und Ambra einzu-tauschen. Die Franzosen besitzen dort die Insel Senegal in derMündung des gleichnamigen Stroms mittler Festung St. Is>uis ; dasFelseneiland Gorea etc. ; «lie Engländer nicht weit von der Gam-
biamündung die Insel James mit einer Festung; die Insel Bulammit einem sichern und grossen Hafen etc.
Die englische Colonie Sierra Leona, deren Entstehung genAblauf des letzten Jahrhunderts begann , ist die Frucht reinsterMenschenliebe, und wur«le durch freiwillige Beiträge zu Standgebracht. Die ursprüngliche Idee dazu schreibt sich aus Schwe-den her; denn um 1779 hatte sieh in Stockholm eine Gesell-schaft angesehener Leute zu in Endzweck gemacht, das Loos desMenschengeschlechts , so viel als ihr möglich, zu verbessern. Gu-stav III. , ilessen edles Herz vielleicht die Süssigkeit dieses schönenTraumes mitempfand, hatte dennoch Klugheit genug, die Probesolcher Verbesserung nur ausserhalb Europa und besonders in Afrikazu gestatten. H'adström mit seiner rühmlichen Begeisterung wurdean «lie Spitze der Sendung gestellt; aber kaum hatte er «liesesferne Land ein wenig keimen gelernt, als ihn widrige Umständeund Menschen nach England zu gehen »lüthigten. Er kam geradeum «lie Zeit daselbst an , als sieh die Morgenrüthe der Philanthropieerholten, und sein warmer Eifer trug nicht wenig dazu bei, siezu erhalten , das Verbot des Sclavenhendels herbeizuführen , dieenglischen Niederlassungen auf Sierra Leona , Bulam etc. und diedänische von Aquapim zu gründen.
Oberguinea oder das eigentliche Guinea besteht aus « 1 er PfefferElfenbein-, Gold - un«l Sclavenküste, die sämtlich ihrer Handels-artikel wegen so genannt sind. Das Land wird in Ansehungseiner Fruchtbarkeit und manigfaltigen Erzeugnisse sehr gerühmt.Engländer, Franzosen , Holländer, Dänen, Portugiesen und sogarN«»r«lamerikaner haben Niederlassungen u. kleine Festungen daselbst.
Niederguinea begreift die Reiche Loango , Kongo, Angola undBenguela in sieh, worin die Hauptstädte gleiches Namens;nur die von Kongo heisst San Salvador. Die Portugiesen habenseit ihrer Entdeckung dieser Küsten einen Einfluss «ler Art aufsie ausgeübt, dass sie in Ansehung amlerer europäischen Mächteals «lie einzigen Herren davon zu betrachten sind.
Klima und Temperatur «lieses Landes kommen genau mit jenenvon Oberguinea überein, nur stehen die Jahreszeiten beider imGegensätze, weil sie «ler Aequator scheidet. Es gibt nur einetrockne und nasse Jahreszeit; jene beginut um unsere Tag- undNaelitgleiebe «les Frühlings und «lauert bis Ende Oetobers; esfallt gewöhnlich in dieser Periode kein Regen; aber die Windevon Siitlen und Südosten erfrischen die Luft; die Nächte, wohäufiger Thau herniedersinkt, sind an Länge den Tagen gleich,und Stniiue sowohl als Bäche schwellen. Ueberhaupt ist dienasse Jahreszeit viel unerträglicher und dem europäischen Kör-per viel schädlicher als «lie heisse.
Das Mineralreich, welches liier von keiner Bedeutung ist,wird einig(‘rmassen durch unbeschreibliche Ueppigkeit der Pflan-zenwelt ersetzt. Hier ist «las Vaterlami «les Riesenbaumes Boa -bah, dessen Stamm zuweilen 20 Menschen mit ihren Aerinennicht umspannen können. Seine Frucht gewährt eine grobe Nahrung;die Schale davon dient als Gefäss; aus «ler Rinde bereitet manStricke und Matten; ain wuhlthütigsten aber ist in diesem Lamle dasWasser, welches sich in des Baumes Höhle zuweilen in so grosserMenge sammelt, dass Tausende von Menschen davon einen Taglaug ihren Durst löschen können.
D as ulxrige Küsteulaud von hier Itis zum Cap ist meistensöde, und die darin wohnenden Neger Zimberas haben kein Verkehrmit Europäern.
Suedliche Spitze, Erholungsort fiir Seefahrer.
Das Vorgebirg der guten Hoffnung, heut zu Tageein Erholungsort für Ostindienfahrer, ist früher fürein unübersteigliches Hinderniss zwischen dem atlan-tischen und indischen Ocean betrachtet wor«len. DiePortugiesen erschöpften ihre Geduhl und Kraft an des-sen Umseglung, und sprachen von demselben frühernur mit Schauder als von dein Cap der Stürme. Vasco«le (iama, der es zuerst umsegelt, erwarb sieh grossenRuhm, und Canioens, «ler diese Begebenheit in seinerLusiade besingt, hat geglaubt, die Gefahren und Ver-dienste dieses Seefahrers nicht anders erheben zu kön-nen, als wenn er den furchtbaren Geist des Vorgebirgs«lie Flotte Gainas verwünschen und iu den Abgrund ver-fluchen lasse, während der schreckliche Genius selbstder Beharrlichkeit portugiesischer Hehlen unterlag.
Die von Holländern auf dem Cap angelegte Coloniebefindet si<*h nunmehr in den Händen der Engländer,und ist nicht nur eiu vortrefflicher Kriegshafeu , der dasindische Meer beherrscht, sondern auch ein kostbarerPlatz für Ackerbau und Handel. Man kann die Besitzungausserordentlich gegen die schwachen und furchtsamenVölkerschaften im Norden erweitern, und ihr schönesKlima begünstigt «len Anbau der feinsten europäischenErzeugnisse sowohl als der seltensten beider Indien. Diesüdliche Spitze Afrikas kann also vortheilhaft den An-bau von Getraide, Wein, Sei«le, Wolle, Baumwolle,Indigo, Coschenil, Kaffe, Zuker und Thee vereinigen.Audi der Wallfisehfang, der so gute Matrosen bildet,wir«l «lort betrieben.
Urftewohner sind die Hottentoten, oder Kaff vis,d. h. nach dem Arabischen Ungläubige; eine v«tn denNegern verschietlene Menschenart, minder schwarz,unförmlicher und an Fähigkeit sowohl als Cultur nochunter jenen. Sie umgeben das Cap im Norden undman weiss noch nicht, wie weit sich ihre verschie-denen Horden bis ins Innere erstrecken. Drei Rei-sende, Patterson, Le Vaillant und Barrow, habenunter den Neuern «liese Länder vorzüglich zum Gegen-stände ihrer Forschung gemacht. In ihren Beruhtenweichen sie oft von einandar ab, ja sie widersprechensicli sogar zuweilen. Einstimmig je«loch schildern sieuns die Hottentoten als s<Jiwa<Ji, sanft, harmlos, gast-freundlich, ohne Ackerbau, umherschweifend theilsmit lleerden, ohne Regierung, ohne Gesetze und Re-ligion.
Seit lange baut man auf der südlichsten Spitze«len vortrefflichen Capwein. — Nordwärts «lient dieTafelbai im Sommer, sü«lwärts die Falschbai im Win-ter als guter Hafen. Das Na«leleap ist die allersüd-lichste Spitze dieses Continents.
Die Capstadt, täglich an Wichtigkeit zunehmend ,zieht sich am Fusse des Tafelbergs um das Ufer desSeehafens; die Gassen sind regelmässig, die Häusergrosseutheils von Stein aufgeführt, u. ihre Dächer habenTerassen. Alhnählig verlieren sich daselbst die hollän-dischen Sitten u. die solide Eleganz der Engländer trittan ihre Stelle sowohl iin öffentlichen als im Privatleben.
Oestuiche Kueste, sehr wenig erforscht und noch weniger bekannt.
Die Portugiesen halten sich sogleich ltei Entdeckung «les Seewegesnach Indien hier niedergelassen uud sind seither im Besitze diesesgrossen Küstenlandes geb!i«;hen. Ihre Politik hat uns fast alle Nach-richten darüber vorenthalten ; wir wissen nicht genau, wie gross ihreMacht dort ist, welchen Gewinn sie ziehen, Mas sie für Forschungenund Reisen «larin angestellt halten ; so «lass diese östliche Seite Afrikasuns nur nach allgemeinen oder oft fabelhaften Erzählungen und über-haupt nicht mehr als die Nordkü.ste bekannt ist.
Als gewiss darf man irnless annehmen , «i.iss all diese Gegenden soziemli«‘h von gleicher Art sind : dasselbe Klima , derselbe Boden, die
nämlichen Erzeugnisse, der gleich«; Handel und Völkerschaften voneinem Stamme. l)ie Araber sind in den Tagen ihres Glanzes liier überden Aequator bis zuin südlichen Wendekreis hinabgedrungen, undhaben zugleich mit ihrer Herrschaft auch ihr Blut, ihre Sitteu undReligion ausgebreitet, wovon man heute noch verwischte Spuren antrifft.
Unterabtheiluno. Von Süden nach Norden folgen die Küstenländerso auf einander:
1. Natal oder Lagoa, vom Land der Hottentoteil bis zur Bai desheiligen Geist; hat nur zwei Jahreszeiten und ist während der Regen-raonate sehr heiss, während der trocknen aber zuweilen empfindlichkalt; übrigens gedeihen Reis, Tabak, Zuker, Ananas, Baumwolle etc.und der Thiere des heissen Klima gibt es liier fast jede Art. Bewohnersind Kaffern von gelbbrauner Farbe und inehrern Stämmen.
2. Sena, vom heiligen Geistflusse bis an die Zainbeze , mit vielenFestungen auf der Küste und im Innern, umfasst die Gebiete Inham-bane, Sabia, Sofala, Rotonga, Monomotapa; überhaupt sehr ergiebigan Erzeugnissen aus allen drei Naturreichen. Von Negern bewohnt.
3 . Mozambique, vom Fluss Zambeze otler Cuama bis zum Flusse Coavo,begreift in sich «las von Maliom«*tanerp bewohnte Reich Mongallo, Cabodel Gado , Angodia und «las Land der Ziinbaer. Hier ist auf einer naheam Land gelegenen kleinen Insel die portugiesische Hauptstadt Mozam-bi«jue mit i«t,ooo F.inw., wohl befestigt und mit einem vortrefflichen Ha-fen. Viel Handel mit Elfenbein, Goldstaub etc.
4. Zanguebar, vom Flusse Coavo bis zur öden und wüsten KüsteAschan über dem Flusse Mukadschu; mit vielen mahometanischen Ara-bern; mit Gebirgen durchzogen, von denen manche Küstenflüsse kom-men. Hier das Königreich Melinde, welches einen sehr besuchten Hafenhat; die Coltrasinseln uud das Reich Quiloa.
Auf diesem ohne Zweifel sehr reichen Küstenstriche von mehr als5 oo d. Meilen Länge herrschen die Portugiesen und ziehen, wie es scheint,beträchtlichen Vortheil aus einein Laiule, das unter besserer Verwaltungeinen nicht zu berechnenden Wohlstand gemessen und gewähren könnte.
Norflwärts vom Flusse Makadsehu beginnt arabische Herrschaft aufder Küste Aschan und Adel, über Habesch und Nubien, wo wir unsereWanderungen um Afrika beschliesseii.
Wenn wir noch einen Blick auf «lie lange Küste werfen, die vom indi-s«*hen Meere bespült wird, und uns fragen; Mas wir Zuverlässiges von diesemTropenlande Missen, so ist die Antwort: von dem schmalen Streifen an«ler See her manches Wahre und Interessante; vom Innern aber fast garnichts, ausser Muthmassung und Fabel.
Habesch (oder Abyssinien) und Nubien, die vom rothen Meere oderarabischen Meerhusen bespült werden, sind theils von hohen Gebirgendurchzogen, theils von Wüsteneien unterbrochen; ihre Bevölkerung istentweder gar nicht oder nur wenig eultivirt, und besteht aus Mahoine-tanern oder aus Christen von einer verMihlerten Religion. Die EngländerBruce und Browne haben uns die ausführlichsten Berichte über dieseweiten, noch immer zu wenig erforschten Länder geliefert.
Das innere Land Afrika mit seinen ungeheuren Sandwüsten, mit seinen Oasen und grösstentheils unerforschten Gebieten.
Dieser ungeheure Flächenraum, der für sich alleingrösser ist als alle übrigen Länder Afrikas zusammen ,bildet drei Abtheilungen.
Die erste ist ein unabsehbares und aller Cultur wi-derstrebendes Sandmeer, die grosse Wüste Sahara.
Die zweite ist das reiche und fruchtbare Rinnsal desNigers, über Meiches wir allmählig Aufschluss erhalten.
Die dritte ist endlich das zwischen den westlichenund östlichen Besitzungen der Portugiesen nach Südenfortlaufende Land vou einer mächtigen Ausdehnung;welches uns aber fast gänzlich unbekannt ist, dahersich darüber nichts erwähnen lässt.
In Ansehung der grossen Samlwiiste und des Niger-gebietes sind uns zM - ar Berichte zu Theil worden; alleincs ruht nichts «lesto weniger noch viel Dunkel über die-sen Ländern.
Die Sahara schien «len Alten die Gränze der bewohn-baren Erde; kaum inuthmasset Herodot den Bahr-el-Abiad oder weatli«*hen Nil; die Karthager kannten ent-M eder über ihr Gebiet hinaus nach Süden nichts mehr,oder es sind keine Nachrichten davon bis auf uns ge-langt; die Römer sind erst spat in Afrika tiefer einge-druiigeu, Paulinus z. B. über das Gebirg Atlas bis zumFlusse Gyr , den man irrig für den Niger gehalten; undBaibus bis Fezzan. Strabo vergleicht die Sandwüste,in Betrachtung der darin zerstreuten Oasen , einemPantherfelle, und Ptolemäus, «ler mit Zuversicht desNigers Daseyn angal» , ertheilt uns zuerst ziemlich ge-treue Nachrichten darüber.
Im Mittelalter schritt die Erdkunde Afrikas eher zu-rück als vorwärts; indessen siml hei aller Mangelhaf-tigkeit die Schriften von Edrisi aus dem 12., und vonLeo dem Afrikaner aus dem 16. Jahrhundert immerhinschätzbar.
Endlich erschien die neuere Zeit, m'o auch das inne-re Afrika durch unsere Wissbegierde auf allen Seitenangegriffen, zum Theil erobert uii«l unsern Blicken auf-geschlossen wurde. Noch ist viel zu thun übrig, bis wireine befriedigende Kenntniss «lieses mächtigen Binnen-landes zu besitzen uns rühmen können ; häufig sind dieNachrichten der Alten und der Neuern nicht mit einan-der iin Einklänge, und es ist oft schxver zu bestimmen,auf wessen Seite die Wahrheit liege; getreue und zu-verlässige Speciaicarten darf inan von diesem Theile Afri-kas noch lange nicht hoffen ; allein wir haben nichtsdesto weniger so viel Kunde von «lern Gebiete und sei-ner phvsischen Beschaffenheit, vom Zustande der Be-wohner und von den Erzeugnissen des Bodens, als er-fordert wird , um alle Vortheile zu erwägen , die sicliEuropa von diesen Ländern versprechen kann, und timdie Mittel zu berechnen, welche nöthig sind , die Er-zeugnisse auf die fiir uns leichteste und für die Einge-bornen unschädlichste Weise zu beziehen.
Der weite Raum vom Cap Bojador und dein MeissenVorgebirg bis an Aegyptens und Nubiens Granzen istseiner SandMÜstcn ungeachtet weder ohne fiewohuernoch ohne vielfachen Verkehr. Verschiedene Völker-
schaften des maurischen Stammes bleiben ihrem ödenBoden treu , und zahlreiche Karavanen von Norden,Westen un«l Osten durchziehen in mancherlei RichtungM'ie S«*hiffer, mit Hülfe der Gestirne otler Magnetna«leldas brennende Gebiet, m o bewässerte und grüne Inselnden Bewohnern Unterhalt und «len Reisenden Ruhestät-ten gewähren. Von diesen Oasen sind uns ohne Z>vei-fel sehr viele noch unbekannt, denn M-ir M issen nurvon denjenigen , welch«; die Richtung der Karavanenziigebestimmen , als /.. B. Tuat und Taudeny , Rastorte fürKafilas , die aus Marokos nach Toinhuktu oderHaussa ziehen , wo sie binnen fünfzig Tagen anlangen ;Gadames auf dem Wege von Algier und Tunis nachMurzuk iu Fezzan. Murzuk, die Hauptstadt diesergrössten Oase, ist der Sammelplatz aller Karavanenvon Norden und Osten. Von Kain» gelangt inan überdie Oasen Siwah , Audschila und Zuila innerhalb fünf-zig Tugen dahin , uud verfolgt sodann M eiter den W'eggen den Niger über Asuda und Agades im Tuarik.
Dieses ganze nun bezeichnete Land, welches imNorden die Sahara, im Osten Aegypten, Nubien undAbyssinien, iin Süden unbekanntes Gebiet, und imW esten Guin«*a un«l Sullah zur Gränze bat, wird auchunter dem Namen Nigritien (vom Niger, seinem grösstenFlusse,) begriffen.
Statt uns in eine trockene Aufzählung der einzelnenGebiete und Orte einzulassen , wollen M ir Heiter aus derReisehesehreihung «les Capitän Clapperton den interes-santen Theil aüsbeben, welcher die im tiefsten Afrikagelegene Stadt Sakatu und seinen Aufenthalt darin be-trifft. Man wird daraus auf die Beschaffenheit, Sitten etc.anderer schliessen können.
»In dem Maasse, als Mir uns der Stadt Sakatu»näherten, Murden die Thäler weiter; wir erblickten»sie endlnh von einem der Hügel, wo ich einen Ab-»geordneten des Sultans fand, der mich begrüsste.»Mittags traf ich in der Stadt ein; das Volk lief her-»bei, mich zu sehen, und man führte mich in «las Haus»des Visir Simna-Bonna-Lima, wo für mich und mein» Gefolge Wohnungen bereit waren. Des andern Tages»früh liess mich der Sultan Bello rufen. Ohne das»geringste Hinderniss ging ich durch «lrei Haufen sei-» ner Leibwache und stellte mich ihm vor. Er sass auf»einem Teppiche, empfing mich voll Herzlichkeit und»fragte, ob ich von der Reise nicht sehr müde sei.» Ich erwiderte ihm , dass inir allerdings die Strecke»von Borderawa bis Sakatu am mühseligsten vor-»gekommen. Ich dankte ihm für «lie Bedeckung, die»er mir gesandt, und deren Sorgfalt ich nicht genug»rühmeu könne. — Der Sultan ist ein schöner Mann»von 5 Fuss 10 Zoll Höhe, und einer edlen Haltung.» Sein Bart ist schwarz, kurz uml geringelt, sein Mund»kleiu, die Stirne hoch, die Nase griechisch, die Augeu»schwarz und gross. Er spricht uud liest gut arabisch.
»Nachmittags überreichte ich ihm Geschenke im»Namen des Königs von England: Scharlach, rothen» Seidenzeug, Gewürznelken, Zimt, Messer, Compass,
»Spiegel, Dosen, Brillen, Pistolen samt Pulver uml»Kugeln etc. Der Compass und die Brille fesselten»seine Aufmerksamkeit am meisten, und er M ar ent-» zückt, als ich ihm zeigte, wie er mittels der Magnet-»nadel zu jeder Zeit «len Orient finden könne. Diese»Dinge sind sämtlich wundervctll, sagte er inir; allein»du hist dennoch seihst das grösste Wunder. Was»werde ich dem Könige von England dagegen bieten»können? — Ich erwi«lerte : das angenehmste Geschenk»für ihn wird sejn, wenn du ihm hilfst den Sclaveu-» Handel abschaffen. — M'ie, ihr habet keine Selaven ?—»Nein, und wenn einer unsere Küste betritt, so ist er»frei. — Gott ist gross! rief er, uml ihr seyd ein schönes»Volk. — Füllst zeichnete er mir den Lauf des nicht»weit von Sakatu entfernten Flusses Kuara in «len Sand,» und versicherte, dass derselbe sieh hei Fumlah ins Meer»ergiesse. Er fragte mich, ob «ler König von Fütgland»wohl gesonnen seyn MÜr«le, ihm einen Consul, Arzt»und Handelsleute zu senden, und Mas die Artikel des»wechselweisen Verkehrs Mären? Ich wiederholte die»Bedingung zur Abschaffung <h\s Sclavenhandels, wor-»über ein Consul zu Machen habe, und z«*igte, «lass es»ihm leicht seyn würde, den Selaven ihren Zug durcli»Haussa oder Niffi zu verwehren; als Artikel «les Ver-»kehrs von seiner Seite nannte ich ihm Senesblütter,»Gummi, Wachs, Leder, Indigo, Elfenbein etc., und»zeigte, dass die Lage von Sudan, im Herzen von»Afrika, den Handel sehr begünstige, welcher für ihn» und sein Volk eine Quelle des Keichthums seyn würde.—»Ich M'erde, sagte er > dem Könige von England ein»Gebiet an der Seeküste gehen, um daselbst eine Stadt»zu bauen; und ich wünschte, dass, Menu die Schiffe»nicht den F’luss Kuara hcraufsteigen können, eine»Strasse hisRnkah angelegt werde. — Ich fragte ihn, ob» das Gebiet, Mas er zu schenken gedenke, sein gehöre?-—»O ja, sagte er, Gott hat mir alles Land der Vngläubi-» gen übergehen. — Er hat mich, ihm aus England ura-»bische Bücher und eine Weltearte zu schicken. Mir»schenkte er eine Carteseines Landes , machte mir eine F2r-» Klärung darüber, und versicherte, dass er zwei Boten» dahin senden wolle, wo die Engländer auszusteigen ge-»dächten, uml er xvürde ihnen dann sogleich auf er-» haltene Nachricht eine Be«leckung verschaffen.
»Ich lenkte die Unterredung auf Mungo Park, und»der Sultan sagte mir, dass von dessen Schiff lange Zeit» nach dem Flreignisse Trümmer mittels ihrer Nägel an»den Kelsen im Flusse Kuara hängen geblieben; dass»eine Doppelflinte im Schiffe gefunden worden, die man»ihm überbracht habe und die erst kürzlich zersprungen»sei; dass sich jetzo noch in den Händen des ihm zins-» baren Sultan von Youri Bücher jenes Weissen befimlen. —»Ich sagte ihm, diese Gegenstände würden für den Kö-»nig von England eines der angenehmsten Geschenke»seyn, und er versprach mir, sein möglichstes zu thun,» um in deren Besitz zu gelangen.
»Der Sultan musste eiueu Feldzug thun, und bei»solchen Anlässen verkündigt ein Ausrufer durch die
» Stadt : Der Sultan will es! und das Volk antwortet :»Alles, was der Sultan will, ist gut, und wir werden es»thun! Es ward diesmal befohlen, dass, wer den Keld-»zug mitmacheu wolle, sich auf 8 Tage mit Lehens-» mitteln versehen sollte. Abends 7 Uhr verliess der Sul-»tan «lie Stadt an der Spitze seines Heers.
» Während seiner Abwesenheit sass ich einst mit Sidi» Scheik , seinem Sekretär, im Schatten vor meiner Thüre,»als sich ein hässlicher Mens«*h gerade vor mir nieder-»Hess. Ich fragte den Sidi Scheik, wer «lies«*r Mensch»sei, und er antwortete ganz ruhig : der Henker. So-» gleich befahl ich einem Diener , ihn fortzujagen ; allein»Sidi Scheik sagte inir: Langsam! Er besucht die ange-» scheusten Persouen von «jakatu, die ihn nie entlassen,»ohne ihm einige Guranüsse zu geben, oder ein Stück»Geld, damit er sicli deren kaufen kann. Um mich»dieser Sitte zu fügen, gab ich ihm 40 Kauris, mit «lein»Verbot, nie über meine Schwelle zu treten.
»Des Visirs Harem hat mir wie«lerholt Besuche gc-»»macht, und ich war über die Schönheit der Sclavinen» erstaunt. — Der Sultan sandte mir von seiner Tafel Spei-» sen , welche in zinnernen Schüsseln englischer Fabriken» aufgetragen wurden ; « in diesem fernen Lande ein über-raschender Anblick, uud ein süsser Stolz für Briten.
» Sakatu heisst iu der Sprache dieses Landes Sammcl-»platz, und es schien mir die volkreichste aller Städte,»«He ich iin innern Afrika gesehen. Die Häuser liegen»nicht zerstreut, M-ie in Haussa, sondern bilden Gassen,»und eine Ringmauer von 20 — 3 o Fuss Höhe umgibt»das Ganz.e. — Die nöthigsteu Lebensbedürfnisse, wie» z. B. sehr schmackhaftes Fleisch, sind ungemein wohl-»feil, und der täglich offene Markt ist reichlich ver-»> sehen. «
»Alle Leute, mit Meh-hen ich in Sakatu bekannt»geworden, machten mir vor meiner Abreise ihre Ab-» schiedsbesuehe, uml ich beurlaubte mich abends beim» Sultan. Er übergab sein Schreiben an den König von»Flngland, worin er ihm seine besondere Hochachtung»bezeigt, und sein Verlangen ausspricht, mit der engli-» s«‘hen Nation in Handelsverkehr zu treten. Nachdem er» zu Gott gebeten, dass er mir eine glückliche Reise und»eine ebensolche Wiederkunft nach Sakatu verleihen»wolle, nahm er «len zärtlichsten Abschied von mir.»Am meisten aber hat mich der Abschied vom Visir»ergriffen, denn ich hatte für ihn mit vollem Recht»eine wahre Hochachtung zu fassen alle Ursache ge-» habt.»
Wie Mahr sind doch immer noch des AristotelesWorte 1 Alt (ptQH xt- Aifvtj s.atvov, stets bringtAfrika uns etwas neues.
Es ist bekannt, dass Capitän Clapperton im vorigenJahre von der Westküste her bis Sakatu vorzudringendas Glück gehabt, wie er dein Sultan Bello versprochen;allein daselbst erlag er, wenn die Berichte wahr sind,dem Einflüsse des Klima , ohne den Ruhm zu ärnten, dererste Europäer Afrika vouW'esteu nach Nordosten durch-drungen zu haben.
Nro. XXXII. GEOGRAPHIE VON AFRIKA.
Gedruckt und verh'gt bei J. Velten, Kunst - und Musikalienhändler in Carlsrulie, 1828.