DEUTSCHLAND von x8ox bis 181a.
Die grossen Veränderungen, welche seit dem lüne-viller Frieden über Deutschland ergingen, machen dieDarstellnng auf dieser Tafel unentbehrlich.
Die Carte zur Linken mit dem Titel Deutschland alsgesetzgebender Körper gibt ein Bild der Organisationwie sie i. Jahre 18o3 durch den Hauptschluss der Reichs-deputation unter Vermittelung Russlands u. Frankreichsbestimmt worden. Konnte sie auch bei den rasch darauffolgenden Ereignissen nie zur eigentlichen Ausführungkommen, so bleibt sie doch diplomatisch wichtig, in-dem sie die verschiedenen Rechte und Ansprüche dereinzelnen Staaten und grossen fürtslichen HäuserDeutschlands vor Augen legt.
Die topographische Carte zur Rechten zeigt den poli-tischen Zustand Deutschlands mit allen neuen Einthei-lungen, wie er im Jahre 1812, lange nach der Auflösungdes deutschen Reichs, und kurz vor einer weitern gewal-tigen Umwälzung der Dinge war. Um die ganze Beden*tung der veränderten Gestalt recht hervortreten zulassen, wollen wir hier die Grundzüge der ehemali-gen Reichsverfassung ins Gedächtniss zurückrufen.
Das deutsche Reich , ein grosser Bundesstaat aus vie-len einzelnen Gliedern, an deren Spitze der Kaiser stand,war den allgemeinen Gesetzen unterworfen, welche vondem Reichstage ausgingen. Dieser hatte seinen Sitz seiti663 in Regensburg, u. bestand aus allen Gliedern desReichs, den Reichsständen, die in 3 Collegien abgetheilt,unter dem Vorsitz des Kaisers ihre Beschlüsse fassten.
Diese vier Gewalten, der Kaiser, das Collegium derChurfürsten, der Fürsten, und der Städte, welchezusammen die gesetzgebende Gewalt bildeten, warenaber in ihrem Wesen und in ihren Attributionen sehrvon einander verschieden.
Der Kaiser, das Oberhaupt des ganzen Reichs,wurde durch Wahl bestimmt; das Recht zu wählen waraber auf die Churfürsten beschränkt, und Stimmen-mehrheit entschied. Vor der Krönung wurde dem Kai-ser diesogenannte WahlcapitulationzurUnterzeichnungvorgelegt; sie enthielt die Bedingungen, unter denenihm die Krone zu Theil ward.
Der Kaiser, als solcher, war mit hoher Würde, abermit wenig Gewalt und geringen Einkünften ausgestattet;daher waren die Churfürsten, wenn ihr Oberhaupt Auf-rechthaltung des Friedens im Innern und Schutz gegendas Ausland leisten sollte, genöthigt, einen mächtigenund reichen Fürsten zu wählen. Damit schien aber wie-der ein andrer Nachtheil für sie verbunden; sie konntennämlich in die Gefahr kommen, von einem mächtigenOberhaupt unterdrückt zu werden; aber zum Glücke fan-den sie in der Eifersucht und in den Besorgnissen derNachbarstaaten eine Stütze ihrer Unabhängigkeit, unddas politische Gleichgewicht war ihre Bürgschaft.
Bei dem Tode eines Kaisers theilten sich die Churfür-sten von Baiern und Sachsen bis zur Wahl einesneuen Oberhaupts in das Reichsvicariat; zuweilen wurdenoch zu Lebzeiten des Kaisers sein Nachfolger ernanntder dann den Titel römischer König führte.
Von den Churfürsten. Diesen allein stand das Rechtzu , den Kaiger zu wählen; der Ursprung eines so gros-sen Vorzugs lässt sich mit Bestimmtheit nicht angebeuwir finden ihn aber zuerst in der goldenen Bulle aner-kannt, welche die Zahl der Churfürsten auf sieben fest-setzt. Durch die Abweichungen des westphälischen uneuerlich des lüneviller Friedens waren sie zuletzt bisauf zehn vermehrt, nämlich :
c h ur fuersten im Jahre i8o3.
I. Der Churfürst Erzkanzler.
II. Der Churfürst König von Böhmen.
III. Der Churfürst Pfalzgraf hei Rhein.
IV. Der Churfürst Herzog von Sachsen.
V. Der Churfürst Markgraf von Brandenburg.
VI. Der Churfürst Herzug von Hannover.
VII. Der Churfürst Erzherzog von Salzburg.
VIII. Der Churfürst Markgraf von Baden.
IX. Der Churfürst Herzog von Würtenherg.
X. Der Churfürst Landgraf von Hessencassel.
N. B. Die letzten drei sollten in Hinsicht des Rangmit einander alterniren.
Die Churfürsten betrachteten sich als die geheimRathe des Kaisers, der ohne ihre Mitwirkung nichts lscliliessen konnte, was auf Krieg, Frieden odBündnisse, überhaupt auf die grossen Interessen uidie Sicherheit des Reichs Bezug hatte.
leben erhielten sie tax- und kostenfrei etc.
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lieber sicht der Stimmen im Fürstenrath des deutschen Reichs. Die i8o3 entstandenen sind mit * bezeichnet.
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NAPOLEONS FELDZUG IN DEUTSCHLAND i 8 o 5 . Sch lacht bei Austerlitz. (Siehe den Weg auf der Carte.)
einer besondern Union.
rathe bis auf i3i vermehrt. (Siehe hierneben.)
Alte Reichsfürsten hiessen, die schon vor dem sech-zehnten Jahrhundert im Fürstenrathe sassen; neuerst seit i58? Sitz und Stimme hatten.
eines unmittelbaren Gebiets zu sein, nicht erhielt.
tungen etc.
Von d- Reichsstädten. Sie bildeten das [ 1. Augsburg,dritte Reichscollegium. Ihre Zahl 2. Lübeck,schmolz durch den lüneviller Frieden 3. Nürnberg,von ein und fünfzig bis auf sechs, deren j 4. Frankfurt.Gebiet bei Reichskriegen einer unbe- 5. Bremen,dingten Neutralität gemessen sollte. ( 6. Hamburg.Erläuterung zur Uebersicht hierneben.
ten,
Die zweiteColumne benennt die Besitzer jener Stimmen,
gens alle Stimmen, die einer Familie angehören, wennsie auch von verschiedenen Linien ausgeüht wurden, zu-sammeugezählt sind. Auf der vierten Coluinne ist ange-zeigt, zu welcher Religionspartei die Stimmen gehörten.Man ersieht daraus, dass 78 protestantische gegen 53katholische Stimmen existirten; auch verursachte dieseUngleichheit grosse Debatten, und der katholische Theilverlangte Gleichstellung der Stimmen, entweder durchErnennung neuer, oder durch Ausübung mehrfacherStimmen. Auf der fünften Columne endlich ist angege-ben, wann und wie die Stimmen entstanden sind.
Das Verhältniss der verschiedenen Elemente der ge-setzgebenden Gewalt des Reichs ist durch diese Ueber-sicht leicht zu linden, z.B. dass Oestreich 12 , Preussenu. Baiern jedes 13 Stimmen hatte; dass das Churfürsten-collegiumallein mit seinen verschiednen Linien 78 Stim-men im Fjirstenrath besass, u. folglich mit dieser Mehr-heit die Beschlüsse in seiner Gewalt hatte.
Wir haben uns bemüht, Deutschlands Geschichte so vollständig als möglich zu liefern. AchtTafeln unseres Werkes sind ihr gewidmet, 11. man musste ihr wohl unter allen Staaten den grösstenRaum lassen, da sie in die Geschichte vieler einzelnen Staaten zerfällt, deren Beziehungen u. kreu-zende Interessen , deren vielfältige wechselseitige Ansprüche die reichhaltigsten Beispiele undLehren für das diplomatische Studium bilden.
Auf Tafel XIX ist gezeigt worden, wie sich dieses grosse Reich nach der Zerstückelung derMonarchie Carls des Grossen zu einem besondern Staat gebildet, wie allmählig eine aristokrati-sche Föderation entstanden, wie daraus die verscliiednen Rogentengeschlcehter sichhcrvorgelio-ben, und die Reichsverfassung sich entwickelt hat. Die Tafeln XX, XXII, XXIII, XXIV,XXV enthalten die Geschichte und Genealogie der verschiednen Kaiserhäuser, und der grossenFürstengeschlechter; endlich ist auf Tafel XXI eine Zusammenstellung der merkwürdigstenEpochen zu finden, wo die Verfassung durch Hauptereignisse theils befestigt, theils mehr oderminder verändert wurde; dahiu gehört die Errichtung der goldnen Bulle, die Organisieruu®der Kreise, der Religionsfriede, der westphälische und der lüneviller Friede. — Es bleibt unsnun noch übrig, einen Blick auf die grossen Begebenheiten zu werfen, welche die Auflösung desdeutschen Reichs herbeiführten.
Ver/Enderünges vom J. i8o3. Durch den Frieden von Lüneville waren alle deutschen Lan-der auf dem linkenUfer des Rheins vom Reiche abgerisseu worden; im Innern selbst hatten dieBestimmungen dieses Friedens viele Veränderungen im Länderbesitze, viele Säcularisationenbewirkt. So grosse Lücken und so viele Wechsel mussten natürlich auch in der Verfas-sung Deutschlands mehrere Aeuderungen und neue Bestimmungen nach sich ziehen; und dieseschwierige Aufgabe wurde unter Vermittlung Russlands u. Frankreichs durch den Hauptschlussder ausserordentlichen Reichsdeputatiou vom i 5 . Febr. i8o3 gelöst. Die Zahl der Churfürstenwurde bis auf zehn, die Stimmen im Reichsfürstenrathe bis auf i3i vermehrt; von den Städtenblieben nur sechs Stimmen. (Siehe oben.) Kaum aber war diese Ordnung der Dinge ein-getreten , als neue Stürme neue Veränderungen bewirkten.
i. Krieg zwischen Oestreich und Frankreich im Jahre i8o5.— Oestreich, auf die PlaneEnglands eingehend, griff wieder zu den Waffen, u.mit ihm war Russland verbündet. Aber derKrieg dauerte nicht lange. Die grosse SchuelUgkeit iu den Bewegungen des französischen
Stimmen.
Inhalier.
Kirch.
Entstehung.
1, Oestreich.
Oestreich . . 1
kath.
Urstimwe.
2. Oberbaiern
Baiern , 1
»
« „
3. * Steyerm.
Oestreich . . 2
»
RD. Schluss i8o3.
4. Magdeburg
Preussen. . . 1
prot.
Westph. Frieden.
5 5. * Salzburg.
Oestreich . . :
kath.
RD. Schluss i8o3.
6. * Niederbai.
Baiern .... 2
»
» » M
** 7. * Regensb.
Churerzkauzl. 1
»
» *» »
8.‘Sulzbach
Baiern .... 3
»
» »1 »
r 9. Hoch-u. Deutschmeister 1
M
Urstinime.
*■ 10. Neuburg . .
Baiern .... 4
»
-
1 £. Bamberg . .
Baiern .... 5
»
RD. Schluss x8o3.
"12. Bremen. . .
Brannschweig 1
prot.
Kauf 1715.
’ i3. *M. Meissen
Sachsen . . . 1
»
RD. Schluss i8o3.
“ *4. *Berg . . . .
Baiern . . . . 6
kath.
» n »
1 i5. Wiirzburg .
Baiern .... 7
»
******
16. ‘Kärnthen.
Oestreich . . 4
»
** » *»
" 17. Eichstädt .
Oestreich . . 5
»
>•
■ 18. Sachs. Cob.
Sachsen ... 2
prot.
Urstinime.
‘ 19. * Bruchsal .
Baden . . . • 1
»
RD. Schluss i8o3.
20. Sachs.Gotha
Sachsen ... 3
»
Urstiiuine.
’ 21. * Ettenheim
Baden .... 2
RD. Schluss i8o3.
3 22. S.Altenburg
Sachsen ... 3
»
Ürstimme.
2 3. * Constanz
Baden .... 3
»
RD. Schluss i8o3.
24. S. Weimar
Sachsen ... 5
»
Urstiiume.
1 2 5. Augsburg .
Baiern .... 8
kath.
RD. Schluss i8o3.
26. S. Eisenach
Sachsen ... 6
prot.
Ürstimme. *
? 27. Hildeslieim
Preussen ... 2
RD. Schluss i8o3.
28. Br. Ansbach
Preussen ... 3
Ürstimme.
29. Paderborn .
Preussen ... 4
»
RI). Schluss i8o3.
‘ 3o. Br. Baireuth
Preussen ... 5
»
Urstiiniue.
3r. Freisingen
Baiern .... 9
kath.
RD. Schluss iSo3.
3a.Br.Wolfenb.
Braunschweig 2
prot.
Urstimine.
33. * Lgr.Thür.
Sachsen ... 7
»
RD. Schluss i8o3.
34. ZeU.
Braunschweig 3
»
Ürstimme.
35. Passau . . .
Baiern ... 10
kath.
RD. Schluss x8o3.
36. Br. Calenb.
Braunschweig 4
prot.
Ürstimme.
37. Trient . . .
Oestreich . . 6
kath.
RD. Schluss x8o3.
38.Br.Grubenh.
Braunschweig 5
prot.
Ürstimme.
39. Brixen . . .
Oestreich . . 7
kath.
RD. Schluss i8o3.
4o. Halbeistadt
Preussen ... 6
prot.
» • »
4 1. Krain....
Oestreich . . 8
kath.
» »
42. Baden-Bad.
Baden .... 4
prot.
Ürstimme.
43. W. Teck . .
Würtemberg. 1
»
RD. Schluss x8o3.
44* Bad. Durl.
Baden .... 5
»
Urstinime.
45. Osnabrück
Braunschweig 6
»
RD. Schluss i8o3.
46. Verden . . .
Braunschweig 7
»
Kauf 1715.
47. Münster . .
Preussen ... 7
»
KD. Schluss x3o3.
48. Bad. Hoclib.
Baden .... 6
» r
Ürstimme.
49. Lübeck . . .
Holstein . . . 1
»
RI). Schluss x8o3.
5o. Würtemb.
W r ürtemberg 2
»
Urstinime.
5r. * Hanau . .
H. Cassel. . . 1
»
RI). Schluss i8o3.
5a. Glückstadt
Holstein ... 2
»
Ürstimme.
53. Fulda. . . .
N. Oranien. . 1
»
RI). Schluss i8o3.
54. Oldenburg .
Holstein ... 3
Ürstimme.
55. Kempten. .
Baiern . . . 11
katli.
RD. Seliluss i8o3.
56. Meklenb. S.
Mecklenburg 1
prot.
Urstiiume.
57. Elwangen .
Würtemberg 3
»
RD. Schluss i8o3.
58. Meckl.Cüst.
Mecklenburg 2
»
Ürstimme.
59. Maltheserorden.1
katb.
» »
60. H. Darmst.
K. Darmstadt 1
prot.
m n
61. Berclitolsg.
Oestreich . . 9
kath.
RD. Schluss 1803.
62. H. Cassel. .
H. Cassel... 3
prot.
Ürstimme.
63. * Westplial.
11. Darmstadt 4
»
RI). Schluss i8o3.
64» V.Pommern
Schweden . . 1
»
Westph. Frieden.
65.Holst.Plocn.
Holstein ... 4
»
RD. Schluss i8o3.
66. H.Pommern
Preussen ... 8
-
Erbschaft 1637.
1
Iuhaber.
67. *Breisgaa
68. Lauenburg
69. Corvey . .
70. Minden . .
71. *Bg.Meiss.
72. Leuchtenb.
73. Anhalt . .
74. Henneberg
75. Schwerin
76. Gamin. .
77. Ratzeburg
78. Hirschfeld
79. ‘Tirol. . .
80. ‘Tübingen
81. * Querfurt
8 2. Recklingli. J Arenberg83. Hohenzollern-Hechingen
Oestreich . 10Braunschweig 8N. Oranien . 2Preussen ... 9Sachsen ... 8Baiern ... 12 kath.
Anhalt .... 1 prot.Sachsen ... 9Mecklenburg 3Preussen . . 10Mecklenburg 4H. Cassel... 5Oestreich . i 1 kath.Würtemberg 4 prot.Sachsen . • 10Neue Reichsfürsten seit i582.
Kirche.
kalb.
prot.
Entstehung.
RD.Schloss i8o3.Kaiser]. Verl. 1689.RD. Schluss i8o3.Westph. Frieden.RD. Schluss i8o3.Heirath 1646.Urstiiuine.
Erbschaft i583.Westph. Frieden.
RD. Schloss i8o3.
84. * Fritzlar
85. Sternstein.
86. Bocholt. .
87. N.Ravensb.
88. Hadamar .
89. ‘Zwiefalt.
90. Dillenburg
91. Auersberg
92. ‘Starken!).
93. Ostfriesl. .
94. Furstenb.
H. Cassel.Lobkowitz . •Salm - Salm .Dietrichst. . .N. Oranien. .WürtembergN. Oranien .Auersberg . .H. DarmstadtPreussen . . 1Fürstenberg .
95.Schwarzenberg.1
96. Göttingen Braunschweig 9Baiern ... i3
97. ‘Mindelh.
98. Lichlenst.
99. Reichspost
100. Scliwarzb.
101. ‘Ortenau .102 ‘Asehafenb
103. ‘Eichfeld
104. *lUankenb.
105. * Stargard
106. ‘Erfurt .
107. ‘Usingen.
108. ‘Weilhurg
LichtensteinThurnu.Taxis 1Schwarzburg.Oestreich .Churerzkanzl. 2Preussen . .Braunschw. 10Mecklenburg 5Preussen . . 13Nassau .... 5Nassau.... 6
109.* Hohenzollern-Sigmaring. 1
110. ‘Bocholt.in. * Stühling.
112. ‘Klettgau
113. ‘Buchau .
114.
115.
Salm - Kyrb. .Fürstenherg .Schwarzenb..Tluirnu.Tax.Waldeck I Waldeck . . .Lö wenstei n - Wertheim
116. ‘Oettingen-Spielberg . . 1
117. * Oettingen-Wallerstein. 2
118. * Sohns-Braunfels . . . . 1
119. * Hohenlohe - Neuenstein 1
120. ‘Hohenl. Waldenb. Schill. 2
121. ‘Hohenl. Waldenb. Bart. 3
122. * Isenburg-Birstein ... 323. * Kittberg [Kaunitz . . . 1
124. * Reuss-Plauen-Graitz . . 112 5.‘Seligenth. Leiningen . . 1
126. ‘Edelstett. Ligne.1
127. ‘Volbeck Looz.1
128. Schwäbische Grafen . . . 1
129. Wetterauische Grafen . . 1
130. Fränkische Grafen . . . . 1
131. Westphälische Grafen . . 1
kath.
prot.
kath.
prot.
kath.
prot.
kath.
prot.
kath.
prot.
kath.
prot.
kath.
prot.
kath.
prot.
kath.
prot.
kath.
prot.
kath.
prot.
Kais.Maxim. i 532.Ferd. III. i653.
RD. Schluss i8o3.Ferdinand III. i653 .» » » iG 54
» » » i653.
RD. Schluss i8o3.Ferdinand III. i 654-» » » »RD. Schluss i8o3.Anwartsch. t745.Leopold 1667.Leopold 1674.
RD. Schluss i8o3.
Carl VI. 1713,
Franz I. 1754.
RD. Schluss i8o3.
afas- Af&rrducns rw» FatriB.
DEUTSCHLANDS POLITISCHE EINTHEILUNG im Jahre 1812.
Nach Auflösung des deutschen Reichs hörte natürlich seine Eintheilung in Kreise u. stimmfüh-rende Länder ebenfalls auf. Es gab nur noch eine poüt. Eintheilung nach den verschiedenenMach-ten, die im Besitze des deutschen Gebiets waren; die 3 grossen Abtbeilungen im Jahre 1812 waren1. die Staaten des rheinischen Bundes >• 2. die östreick. Besitzungen; 3. die preuss. Besitzungen.
Der rheinische Bund, der sich im Juli 1806 bildete.
N. B. Zugleich mit der Bildung dieses Bundes vergrösserten die Fürsten, aus denen er bestand,ihr Gebiet mit melirern Städten u. Fürstenthümern, die im Umkreis desselben lagen.
Rath der Fuersten.
Der Herzog von Nassau , Stammhalter seinesHauses, sollte im Rath der Fürten präsidireu.Mit dem Fürsten von Nassau - JVeillurg dehnte erdie nassauische Hoheit über Neu^vicd, Dietz,Braunfeld, einen Theil von Runkel etc. aus. DieBevölkerung ihrer Länder betrug .. . 3oo,ooo E.
Die Fürsten von Hohenzollern-Hechingen undHohenzollern - Sigmanngen erhielten gleichfallseinige Vergrösserung. Bevölkerung. .. 52,oooE.Eben so die Fürsten von Salm - Salm und Salm-
Kjrrburg .52,000 E.
Der Fürst von Isenburg-Birstein erhielt die Ho-heit über alle Länder, die seiner Familie gehör-ten. Bevölkerung.42,000 E.
Der Herzog von Arenberg beiläufig . 59,000 E.Der Fürst von lichtenstein, im Süden des Bo-densees .6000 E.
Rath der Koenige.
Der König von Baiern dehnte seine Herrschaftüber Nürnberg, die Länder von Schwarzenberg,Oettingen, Fugger, Edelstetten, einen Theil vonHohenlohe, Thurn u.Taxis etc. aus; seinBundes-contingent war.3o,ooo M.
Der König von IVürtemberg über die Besitzungender Grafen von Truchsess-Waldburg, über Kö-nigscck, Neu-Ravensburg, eineu Theil derho-henlohischen, fürstenbergischen und thurn- undtaxischenLänder etc.; sein Bundescontingent war;
12,000 M.
Der Grossherzog von Baden über Bondorf, Hei-tersheim, Klettgau, dieleiningischcn, fürstenber-gisoheu und thurn- und taxischen Länder etc.sein Bundescontingent war.8,000 M.
Der Grossherzog von BergÜher Deutz, Königs-winter, Millich, Limburg - Styrum, das Herzog-tlium Looz, die Grafschaft Bentheim, Horstmar,Siegen, Hadamar, einen Theil vonRunkel, nördl.von d. Lahn etc.; seinBundesconting. war 5oooM.
Der Grossherzog von Darmstadt über die Burg-grafscbaftFriedberg, über die Länder vonErbacb,M ittgenstein, Hessen-Homburg etc.; sein Bundes-i-ontingent war.4000 M.
Der Fürst Primas , ehemaliger Churerzkanzlerdes Reichs, sollte im Ratli der Könige präsidiren;nach seinem Tod hatte der franz. Kaiser als Pro-tector des Bundes den Nachfolger zu ernennen.Er erhielt die Stadt Frankfurt, einen Theil vom
Staaten des preussischen Hauses. Erwerbung etc.r. Das Churfürstenthura Brandenburg d. Kaujv. Kaiser Sigismund i 4 i 5 . 749 d.QM. i,3oo,ooo E
2. Preussen unter dem 9. Churfürst 1618, d. Erbschaft d. (Jhurfürstin .... 700 » 1,000,000 E.
3. Ein Theil v. Pommern 1637, d. Anwartschaft n. d. Tode d. letzten Herzogs 566 » 700,000 E.
4- Ein Theil v. Pommern d. Eroberung u. Abtretung 1720. Statist, unt. 3 begriffen.
5. Schlesien durch Eroberung und Abtretung unter Friedrich II.720 » 2,000,000 E.
6. Die Länder, die ihm von den 3 poln. Tbedungen noch übrig blieben .... 402 » 700,000 E.
N. B. Preussen hatte verloren 3017 d.QM. u. 4,460,000 E. | Zusammen 3x37 d.QM. 5,700,000 E.
Staaten des sächsischen Hauses. Erwerbung etc.
1. Die Markgrafschaft Meissen durch Investitur gegen 1126 unter Lothar II. 343 » 1,236,000 E.
2 Die Landgrafscbaft Thüringen durch Successüm, die v. hessischen Hause
bestritten wurde 1248.177 » 534*000 E.
3. Das Churfürstenthum Sachsen 14*3 durch Investitur nach Erlöschung des
albanischen Stammes. 7 1 ** i3o,oooE.
4. Grafschaft Henneberg i583 d. Succession n. Erlosch, d. Graf. v. Henneberg 52 » i5o,5oo E.
Die beiden Lansitzen i635 durch Abtretung Kaisers Ferdinand II. 180 » 4^0,000 E.
6. Das Herzogthum Warschau durch den tilsiter Frieden 1807.1608 » 2,125,400 E.
7. Ein Theil von Gallizien 1809 durch den wiener Frieden. 720 » 1,800,000 E.
Die sächsischen Staaten zusammen 3i5i d.QM.6,425,4ooE.A r .2?.Saclisen-/fei«örhatte36d.QM. 114*000 E. I Hiervon die fünf herzogl.
Gotha .. 52 >» i65,000 E. * Linien ab i38 » 426,000 E.
Coburg . 19 » 62,000 E.
Hildburghausen . 11 » 33,000 E.
Meinungen . 52 ** 52,000 E.
; Bleibt für den König von; Sachsen.3o 13d.QM.6,000,000E.
Zusammen i38 d.QM.42Ö,oooE. •
Staaten des baierischen Hauses. Erwerbung etc.I. Herzogthura Baiern durch Investitur gegen 1180, nach dem Falle Hein-rich des Löwen. 694
Der Fürst von der Lejen, Neffe des Fürsten'*. Uberpfalz durch Kaufson dem unglücklichen Conradin 1266 . i 32
Primas. Sein Fürstenthum lag in dem badischenStaat eingeschlosscn.5oooE.
N. B. Alle diese Fürsten zusammen stellten einBundescontingent v. 4000 Mann. Frankreich ver-pflichtete sich, zum Schutz u. zur Vertheidigungdes Bundes 200,000 Mann zu stellen. Im Fall einesContinentalkriegcs irgend eines Theils durfte sichkein Mitglied des Bundes davon ausschliessen.
Jeder deutsche Staat, dessen Beitritt man demBunde für zuträglich halten würde, solltenoch aufgenommen werden.
Wertheimischen etc. Bevölkerung ... 290,000 E.
Deutsche fuersten, welche später dem rheinischen Bund beitraten,
Carl V. i52i.
Ferd. III. 1641.
» i 654.
1. Der Grossherzog von TVürzburg .. .. 265,000 E.
Contingent.2000 M.
2. Der König von Sachsen , nebst den fünf sächs.Herzogthümern 2,5oo,ooo E. Cont. 22,800 M.
3. Der König v. Westphalen (vor 1810) 6g5 d.QM.
1,946,000 E. Contingent .25,000 M.
4- Die 3 anhaitischen Häuser 46 d. QM. I24,oooE.
Contingent.800 M.
5. Die zwei schwärzb. Hauser 43 d.QM. ii4,oooE.Contingent. 65o M.
6. Der Fürst von fValdeck 20 d. QM. 48,000 E.
Contingent.400 M.
7. Die Fürsten von der Lippe 34 d. QM. 90,000 E.
Contingent .65o M.
8. Die reussiseken Häuser 29 d. QM. .. 80,000 E.
Contingent .829 M.
9. Die beiden Mecklenburg 2 66 d. QM. 398,000 E.
Contingent.23oo M.
10. Der Herz. v. Oldenburg 100 d. QM. 160,000 E.
Contingent .800 M.
Im Ganzen bildete so der rheinische Bund eine Masse von ungefähr i3 Millionen Einwohnernauf 4878 d. QM., mit einem Bundesheer von n3,85o Mann.
Provinzen.
1. Oestreich und Steyermark 941d. QM. 2,234,852 Einwohner.
2. Herzogthum Kärnthen 80 d.QM.110,000 Einwohner.
3. Böhmen, Mähren, Schlesien1328 d. QM 4,898,000 Einw.
4. Ungarn mit Zubehör 54oo d.Q.M. gegen 10,000,000 E.
Staaten des HausesErwerbung.Investitur1282.
Erbschaft
i336.
Oestreich.
Historische Bemerkungen.
Heirath m. d. |Erbin d. Län- <der, i526. I
Rudolph v. Habsburg, als deutscher Kaiser invest.damit unter Bewillig, des Reichstags seine Söhnezufolge d. Ehevertrags Albreehts v. Oestreich m.der Schwester des letzten Herzogs von Kärnthen.Ludwig II. König von Böhmen und Ungarn, derhei Mohacz umkam, hinterliess eine ein-zige Schwester, die Gemahlin Kaiser Ferdi-nand I.
5. Siebenbürgen und Slavonien durch Eroberung und den Vertrag von Carlowitz im Jahre 1699. DieStatistik unter Ungarn begriffen.
6. Temeswar durch Eivbeiung und den Vertrag von Passarowitz im Jahre 1718. Die Statistik unterUngarn begriffen.
7. Die Buckowina von den Türken im Jahre 1778.
8. Theile v. Polen 1404 d. QM. | | Zufolge Uebereinkunft und Tlieilung zwischen
177a und 1795.
2,600,000 Einwohner.
| Oestreich, Preussen u. Russland.
i,o48,36o E.i82,3oo E.
3. Die BisthümerBamberg, Freisingeu, Augsburg, und / Die Propstei Kempten, 12 Abteien und
Theile von Passau und Eichstädt« als Entschädigung) 12 Reichstädte, unter denen Seliweinfurt,im Jahre i8o3.i5od.QM. 567,000 E. ( Memmingeu, Nördlmgen, Ulm etc.
4. Baiern nimmt den Königstitel an; erhält Augsburg, Tirol, Vorarlberg,
Lindau u. s. w. durch den pressburger Frieden i8o5. (Siehe den press-burger Frieden weiter unten.) .
5. Ausbach im J. 1806 als Tausch für das an Frankreich abgetretene Berg
6. Zuwachs bei Errichtung des rheinischen Bundes 1806.
7. Districte im Oestreichisehen, Salzburg, Baireuth, Regensburg, durchFrankreich in den Jahren 1809 u. 1810 in Folge des wiener Friedens erhal-ten; nach Abzug eines Theils von Tirol und andrer Länder, die vonBaiern damals an Italien, Würtemberg, Baden u. Würzburg abgetreten wurden
Lage von Europa im Jahre i8o5. Die Frieden von Lüneville iin J. 1801 und von Amiensim J. 1802, zu denen sich die Gegner Frankreichs genöthigt sahen, waren von ihnen nurals Waffenstillstände betrachtet worden, die ihnen Zeit zur Erholung gelten sollten, um miterneuerter Kraft den Kampfplatz zn betreten. Auch erwartete inan damals viel Ungünstiges voner Rückkehr der französisch. Armeen in ihr Vaterland. Soldaten, die alle Grundsätze der Re-volution eingesogen, die auf eine lange Reihe von Siegen stolz sein konnten, dachte man sichals nnruhige und unlenksame Bürger zu Hause, die recht dazu geeignet waren, das kaum er-loschene Feuer im Innern wieder anzufachen und neue Zerrüttungen herbeizuführen. Aber mantauschte sich; Frankreich war der Anarchie müde, die Stimmung im Innern, der Geist der Ar-mee war anders, als man es sich vorstellte; besonders aber verkannte man die Kraft desMannes, der das Ruder ergriffen hatte. DerFriede, welcher nach der Absicht vieler die Revo-lution aufs neue schüren sollte, diente noch dazu, die letzten Funken auszulöschen, u. Frank-reich scldoss nach so viel Stürmen, Blutvergiessen, Verbrechen und wahnsinnigen Greuelnden hässlichen Kreislauf grausamer Erfahrungen, indem es gerade auf dem Punkte, von demes ausgegangen war, im Schoosse der Monarchie Ruhe suchte. Man sali, dass kein anderesHeil sei; alles drängte sich wieder zu dem, was man verlassen hatte; der Heid, der den Sieg imAusland an die franz. Fahnen gekettet, der im Innern die Anarchie zertreten hatte, setzte sichjetzo die Kaiserkrone auf, und Frankreich erschien bald wieder in üppiger Jugendkraft.
Vergebens batte England nach weniger als einem Jahre schon wieder zu den Waffen gegriffen;es lieferte nur günstige Gelegenheit, die Macht und die Talente des neuen Herrschers zu ent-wickeln; alles strömte auf seinen Ruf zusammen, um zu seinem Gluck und Ruhm beizutragen.In den eentralisirten Verwaltungen des Innern äusserte sich eine nie gekannte Schnellkraft, u.ein freier Kreislauf in den gereinigten Kanälen gab dem politischen Körper kräftiges Leben. Zugleicher Zeit vennehrten sich die günstigen Umstände vouaussen; ein grosser Theil von Italien,zu einem Königreich umgebildet, verband sein Schicksal und seine Kräfte mit denen von Frank-reich; Holland u. Spanien machten mit ihm gemeinsame Sache; die zur Ruhe gebrachte Schweizstand unter seinem Einfluss, Neapel war mit franz. Truppen besetzt, Portugal durch Unterhand-lungen neutralisirt, Genua ergab sich, u. Hannover war erobert. Von der Elbe bis in das Herzvon Italien, von den Ufern des Rheins u. dem adriatischen Meere bis an die Küsten des Oceunsgehorchte alles den Gesetzen oder dem Einflüsse Frankreichs. England war allein als Kämpferaufgetreten, und seine Politik bemühte sich, die Contiuentulmächte auf seine Seite zu ziehen.Es konnte dabei allerdings als einen Hauptgrund eben die unverliältnissmässige Vergrösserungdes franz. Reichs u. dessen riesenhaft gewachsene Kraft geltend machen; es konnte ihnen vor-stellen, dass der günstige Moment nicht in der Zukunft zu suchen sei, da es mit jedem Tagesc hl i mm er werden müsste, und, wenn sie doch einmal den Kampf nicht würden vermeidenkönnen, keine Zeit zu verlieren sei, da die Kräfte des Feindes mit jedem Augenblicke zunäh-men, und ihre Lage immer bedenklicher würde. Pitts grosser Geist, das Vertrauen, das er inEuropa genoss, die Schätze, über die er verfügen konnte, brachten es trotz tausend Hinder-nissen zu einer dritten europäischen (Koalition, und Russland, Schweden, Oestreich, Neapel u.Sardinien verbanden sich und stellten ein Heer von 5oo,oooM. gegen Frankreich. War diesesaber ein Triumph der Talente jenes grossen Ministers, so hatte er sich dessen nur im ersten Au-genblicke zu erfreuen ; denh durch die Erfolge im einzelnen, die so wenig der Grösse und demVerdienst des Planes entsprachen, musste er sich bald in seinen Hoffnungen bitter getäuschtsehen. Das Gewitter, das man von fern her und im Stillen zusammengezogen liatte, stand aufdem Punkte loszubrechen. Dies war der Zustand Europas gegen Ablauf i8o5.
Feldzug in Oestreich. Die Ostreich. Streitkräfte halten schon ihre Stellung eingenommenund noch waren alle franz. Truppen, die Armee in Italien ausgenommen, in weiter Entfer-nung an den Küsten des Oceans von Brest bis Amsterdam zu einer Expedition gegen Englandgerüstet. Schon bedrohte der linke Flügel unter Erzherzog Carl Italien; das Centrum iu Tirolnäherte sich der Schwatz, und der rechte Flügel unter General Mack war über den Inn gegan-gen und in Baiern eingefallen; dennoch schieu es, als habe Napoleon keine Anstalt getroffen,keinen Entschluss zu einer feindlichen Bewegung gefasst. Jedennan dachte, er sei über-rascht worden, man sei ihm an Schnelligkeit zuvorgekommen, und man berechnete ganz er-staunt, wie viel Zeit dem gewöhnlichen Gange nach wohl nüthig seyn möchte, um eine Armeeam Rheine zu bilden. Die Politiker von Profession, die keinen andern Maasstab zu ihrer Berech-nung kannten; Kriegsleute, die sich blos an alte Erfahrung hielten, zogen ohne Bedenken denSchluss, dass der eigentliche Feldzug, die entscheidenden Kriegsereignisse erst im nächstenFrühjahre .Statt linden könnten. Wer hätte auch den Gedanken hegen mögen , dass allem An-schein und der schlimmen Jahreszeit zum Trotz 3 Monate später , und in einer Entfernung vonmehr als 90 d. Meilen von den Ufern des Rheins, der entscheidendste Feldzug geendigt, einer derwichtigsten Friedensschlüsse unterzeichnet seyn würde? — Doch kaum ist die Losung gegeben,so sehen wir alle franz. Truppen, wie durch Zauber gelenkt, völlig schlagfertig gegen den neuenFeind ziehen; mit Blitzesschnelle erreichen sie den Rhein und setzen in 5 Divisionen unterfünf Marschällen über den Fluss; der Kaiser selbst führt sie an. Der Prinz Murat an der Spitzeder Reiterei stellt sich in Schlachtordnung vor den Pässen des Schwarzwaldes auf, und banntdie Oestreicher, die den Versuch eines Durchbruclis vermuthen, während hinter ihm der andereTheil der Armee rasch seinen weitern Zug verfolgt; diese wendet sich dann plötzlich gegenNördlingen, gellt bei Douauwörth überden Strom, bei Rain über den Lech, und folgt denUfern dieses Flusses aufwärts bis Augsburg; zu gleicher Zeit kommen, deui glücklich combinir-ten Plan gemäss, die Armeen aus Hannover u.Holland herbei, vollführen ihrenUebergang derjDonau bei Neuburg und Ingolstadt, und inarschiren nach München.
Nun stehen auf diese Weise zwei franz. Armeen mit dem Rücken aneinander gelehnt, jede gegen den Feindgekehrt, und in der I^ge, sieh gegenseitig ihren Rücken zu decken und ihre Operation zu unterstützen. DerGeneral Mack war unterdessen mit mehr als 80,000 Mann in der Gegend von Ulm stehen gebliehen, u. gegen ihnzog Napoleon. Seine Weissagung, dass er ihn aufreiben würde, erfüllt sich in Zeit von 8Tagen. Mack wirdangegriffen und zurückgeworfen; rastlos dringen die Franzosen auf ihn ein, ohne ihm Besinnung zulassen, und vergessen von den Flügeln des Ruhmes getragen Ermüdung und Bedürfnisse; sie siegen hei Wer-tingen , Günzburg, Elchingen, Memmingen und zuletzt bei Uhu, wo am 9. Tage nach dem Anfänge der Feind-seligkeit der Ueberrest dieser grossen Armee capitulirt. Auch das beträchtliche Heer, mit dem ErzherzogFerdinand von Ulm aus versucht hatte, durch Franken nach Böhmen zu kommen, wurde von dem PrinzenMurat, obgleich er noch um 2 Tagemärsche zurück war, eingeholt, geschlagen und grösstentheils gefangen.So fielen denn Generale undSoldaten, Fahnen, Artillerie, Munition, kurz alles, was die östreicli. Armeeund ihr Zubehör bildete, in des Siegers Hände. Kaum ist indessen diese glänzende Waffenthat vollführt,so lässt der Kaiser gegen München inarschiren ; Bernadotte war dort schon früher eingezogen und bereits bisan den Inn vorgedrungen, ohne Anstrengung geht der Marsch durch Braunau und Salzburg weiter, immer hin-ter dem Feinde her, der sich endlich mit dem ersten rnss. Heere verstärkt hatte ; unter unaufhörlichen kleinenneckenden Angriffen, die er auszustehen hatte , fielen auch grössere Gefechte bei Lambach u. Amstetten zu sei-nemNachtheile vor. Beträchtliche franz. Truppen aber gewannen Raum und Stellungen für den rechten Flügel;andere zur Linken gingen über die Donau, überfielen die Gränze von Böhmen u. zogen längs der nördl. Uferdieses Flusses hin, während das Centrum ruhig seinen Weg auf Wien über Ens u. St. Pölten fortsetzte. ZurRecliten wird das Heer des Östreicli. Generals Meerfeld bei Marienzell fast gänzlich aufgerieben; zur Linkenliedeckt sich der Marschall Mortier bei Thyrnstein mit Ruhm, indem er mit 4000 M. der ganzen russ. ArmeeWiderstand leistet, u. zuletzt mit dem Degen in der Hand sich einen Weg durch sie öffnet: ein rechter Gegen-satz zu dem Verfahren Macks bei Ulm wenige Zeit vorher. Endlich ziehen dieFranzosen in Wien ein; aber ohnesich dort aufzuhalten, wird der Marsch weiter fortgesetzt, um die russ. Armee zu erreichen; bei Hollabrunn,Guntersdorf und Porlitz kommt es zu Gefechten; die Franzosen rücken in Brünn ein, und in der Gegend vonOlraütz, wo die russ. Armeen Zusammentreffen, nahe bei den Thoren einer östreieh.Festung, wo die zerstreu-ten östreich. Heere sich w ieder sammeln, mehr als 90 d. Meil. vom Rheine, stellen sich endlich von beiden Seitendie Streitkräfte gegen einander auf. Die Lage der Franzosen, die so weit von ihren Gränzen entfernt, aufdie Ruhe der Völker in ihrem Rücken nieiit zählen konnten, im Angesicht eines Feindes, der sich im Rück-zug verstärkte, zu ihrer Seite mächtige Nachbarn, die sich jeden Augenblick gegen sie erklären konnten— dieseLage musste vielen höchst bedenklich scheinen, u. sie hielten es für ein verwegenes Spiel, bei dem ein einzigerUnfall leicht eine gänzliche Vernichtung herbeiführen könnte. Aber der grosse Feldherr war nicht blos in derHitze des Sieges oliue Berechnung vorgedrungen; dieser glänzenden Kühnheit standen die weisesten Maasrcgelnder Vorsicht zur Seite. Im Innern von Frankreich hatte der Kaiser vor seiner Abreise, da fast die ganze Kriegs-macht ins Feld zu ziehen schien, die Bereitschaft grosser Hülfsqucllen angeordnet; drei Lager waren für eineReserve gebildet, bewegliche Colonneu zn Erhaltung der Ruhe bestellt; eine ausserordentliche Aushebung vonKriegspflichtigen sollte vorgenonnnen und Nationalgarden zur Vertheidigung der Gränzen und Besetzung derFestungen aufgestcllt werden; alle diese Anordnungen wurden im Innern mit derselben Schnelligkeit vollführt,mit der die Sieger in Deutschland vorwärts schritten. Bei dem Rheinübergang hatte Napoleon Baiern, Wüivteinberg und Baden in seineSache verflochten, und seine Heere noch mit ihren Truppen verstärkt. Gleichnach der Niederlage des Generals Mack war der Marsehall Ney gegen Tirol abgeschickt worden, dessen Höhenauch trotz der schrecklichen Engpässe bald erstürmt waren; die feindlichen Heere auf der Rechten im Vorarl-berg mussten sieb dem General Augereau, der von Brest kam, ergeben; eben so fielen die in der Fronte unterdem Befehl des Prinzen Rolian, nachdem sie sich tapfer bis in das Venetianische durcbgeselilagen hatten, beiBassano in die Gewalt des Generals St. Cyr, der von Neapel herbeigekommen war; und die Truppen vomlinken Flügel unter Befehl des Erzherzogs Johann hatten alles zu thun, um eine Vereinigung mit dem Erz-herzog Carl zu bewirken. Dieser tapfere Prinz und treffliche Feldherr ward aber, theils durch die Siegesfort-schritte Massenas, theils um mit den Bewegungen in Deutschland gleichen Schritt zu halten, genöthigt, sieh bisnach Ungarn zurückzuziehen, und von dem Augenblicke an war, ul>er die Gebirgslinie hinaus, die Vereinigungdes rechten Flügels der franz. Armee in Deutschland mit dem linken des ital. Heeres unterMassena zu Standgebracht. Augereau hatte sich unterdessen zur Observation gegen Franken bin gewandt, Baragnay d’Hillierswachte über Böhmen, 11. der Marschall Davoust in Pressburg neutralisirteUngarn. Ingolstadt 11.Braunau wur-den befestigt, Brückenköpfe angelegt, Vertlieidigungslinicn an den Flüssen in Stand gesetzt, u. Magazine in denrückwärts liegenden Ländern gebildet. So waren also dieFranzosen von Krain bis Mähren, von Mähren bis anden Rhein Meister von den Gebirgen, Flüssen, Brücken, festen Plätzen und Rüekzugslinien. Nirgends konntedas Heer überflügelt werden; kein feindliches , wenn gleich überlegenes Heer konnte den Versuch wagen,zwischen den Lücken des französischen vorzudringen; durch stufenweisen Rückzug halten diese alsbald wiederdas Uebergewicht erhalten, und die andern in die grösste Gefahr gebracht, selbst überflügelt zu weiden. Mit-ten unter den glänzendsten Siegen war daher durch eine Menge kluger (Kombinationen für jede Möglichkeit vonUnfällen gesorgt, die jedoch nicht eintraten. Da nun durch die Ankunft der Russen die allirte* Armedbedeutend stärker als die französische geworden war, u. man die allgemeine Meinung von der Verlegen-heit theilte, in welcher sich diese befände: so fasste man den Plan, sie zu umgehen und einzuscbliessen. Na-poleon suchte diesen Irrthum zu unterhalten, liess das Zeichen zum Rückzug gehen u. wählte eine vortrefflichePosition in der Gegend von Austerlitz. Als aber die getäuschten Feinde fast um nichts mehr besorgt schienen,als sein Entkommen zu verhindern, und ihre Colonnen sich weit ausbreiteten, ergreift der Kaiser den günstigenMoment, lässt auf das Centrum eindringen, bricht durch, trennt den linken Flügel und bewirkt eine totaleNiederlage; in 6 Stunden war die Schlacht und mit ihr der Feldzug entschieden, der im Ganzen nur 70 Tagegedauert hatte. Am folgenden Tage schloss Oestreich einen Waffenstillstand, dessen Bedingungen über denAbmarsch der russischen Armee in bestimmten Terminen und auf etapenmässige Weise von Russland genehmigtwurde.
FELDZUG GEGEN PREUSSEN 1806. (Siehe den Weg auf der Carte) Schlacht bei Jena. FF.J.DZUG IN POLEN. Schlacht bei Fbiedland.
526d.QM. 704*975E.72 »» 180,000 E.
11a » 316,76a E.
200,000 E.
Ira Ganzen ungefähr 2000 d. QM. u. 3,5oo,oooE.
Koenigreicii Westphalen, in Folge des tilsiter Friedens 1807 errichtet.
Es war gebildet 1. aus sämtlichen braunschweigischen Ländern. 2. Aus der alten Mark, Mag-deburg, Halle, Hildesheim, Goslar, Halberstadt, Quedlinburg, Mansfeld, Eichsfeld, Mühlhau-sen, Nordhausen, Paderborn, Minden und Ravensberg, lauter abgerissene preussische Länder.3. Aus den Hessen-casselschen Ländern^ mit Ausnahme von Hanau und Katzenellenbogen. 4- AusCorvey, das dein Fürsten von Oranien und 5. aus Göttingen, Grubenhagen u. Osnabrück, das demKönig von England zugehürt hatte; endlich 6. aus Stolberg und Kitberg. — Das Ganze betrug etwa695 d. QM. und 1,900,000 Einwohner; im Jahre 1810 kam ein grosser Theil von Hannover hinzu,wodurch es auf 900 d. QM. u. 2,400,000 Einwohner anwuehs.koenigriich Wuertemberg.
608,679 E.
Urbesitzungen.i5od.QM
2. Entschäd. i8o3 m. d. Chur-fürstenwürde . 37 »
3. Vergiöss. d. d.pressb.Fried.
i8o5, wo es denKönigstitelannimmt . 36 »
. Vergröss. d.d.rhrini B. 1806 61 »
. Vergr. i8iod.d.wien.Fried. 25 »
119,000 E.
I20,000E-35i,4o3 E.100,000 E.
Grossherzogthum Baden.
r. Urbesitz. 1802.58d.QM.229,000E.
2. Entschäd. i8o3 mit d.
Churfürsten würde . 70 » 25o,oooE.
Vergr. d. d.Frieden v.Press-burg i 8 ü 5 . 5o » 122,000 E.
Vergr. d. d. rhein. Bund
1806 . 80 » a39,gooE.
Vergr. 1810. 14 » no,oooE.
Würtemb. Länder im Ganzen 329 d.QM. i,3oo,oooE.Grosserrzogthum Berg.
Erste Besitzungen i8o5. 60 d.QM.3io,oooE.
Vergröss. dimh den rhein. Bund 61 » 280,000 E.
Vergröss. im J. 1808, nach Ab-zug der Verminderung i. Jahre
1810 von i6o,oooE. 45» 170,000E.
Bad. Länder im Ganzen 272 d. QM. 5oo,90oE.Grossherzogthum Hessen.
Uriänder 1802. 72 d.QM. i64,oooE.
Entschädigung i8o3 . . III >» 310,000E.
Vergröss. durch d. rhein.
Bund . 36 »» 90,000 E.
Hess. Land, im Ganzen aigd.QM. 564»oooE
Bergische Länder im Ganzen 166 d. QM. 760,000 E.
Bemerkungen.
Hedstein und Schwedisch-Pommern waren von ihren Besitzern als gänzlich von Deutschland ge-trennt erklärt, und als Provinzen mit deren Monarchie vereinigt worden. Ausserdem sind nochdas Gebiet von Erfurt mit 70,000 Einw., und die sogenannten illyrischen Provinzen ira SüdenDeutschlands mit i,5oo,ooo Einwohner als Länder, die sielt der franz. Kaiser damals vorbehielt,zu erwähnen.
Im Ganzen gegen 9200 d. QM. mit einer Bevölkerung von ungefähr 20 Mill. Einw.
VerjEnderungen, welche in Deutschland und besonders in den Rheinlanden zufolge der grossen Kriegsereignisse seit dem Frieden von Lüneville bis zum
Kaum ein Jahr war verflossen seit den glänzenden Waffenthaten im südlichen Deutschland und an den Ufern derDonau, als Frankreich zu neuen unverwclklichen Lorbeern im nördlichen Deutschland und in den Gegenden derElbe gerufen ward. War Oestreich von jenem heftigen Stoss erschüttert worden, so erschien diesmal das SchicksalPreussens noch viel beklagenswerther. NachRüstungen, deren Zweck man so lange als möglich zu verbergen suchte,trates auf einmal gegen Frankreich in die Schranken. Welche Beweggründe es nun auch haben mochte, seine früherepolitische Stellung zu verlasseu, u. erst jetzo, nach dem Feldzuge von Oestreich, ohne Allirten ganz auf seine eigeneKraft hauend, das Wagestück gegen das kolossale Frankreich zu unternehmen: der Erfolg war nur zu weit entfernt,das Beginnen zu rechtfertigen. Es hatte als Bedingungen zur Aufreclithaltung des Friedens verlangt, dass die franz.Truppen, welche schon so lange ohne gegründete Ursache in Deutschland verweilten, alle ohne Ausnahme über denRhein zurückgingen, und ihren Rückmarsch an eben dein Tage anträten, an welchem sich der König die Antwortdes Kaisers versprach; zweytens, dass von Seiten Frankreichs der Bildung eines nordischen Bundes, welcher alle inder Fundamentalacte der Rheiuconföderation nicht genannten Staaten in sich begreifen sollte, kein Hinderuiss inden Weg gelegt würde; drittens endlich, dass ohne allen Verzug eine Unterhandlung eröffnet würde, um auf einedauerhafte Weise alle noch nicht ausgeglichenen luteressen zu bestimmen, wobei preuss. Seits die Trennung Weselsvon dem franz. Reiche und die Wiederbesetzung der streitigen Abteien durch preuss. Truppen die Prämilinarartikelwaren. Fehlt es oft an hinlänglichen Gründen, um manches in der Geschichte zu erklären, so wird man um so mehraufgefordert, die wurderbaren Wege der Vorsehung zu verehren, die nach ihrer Weisheit erhebt und erniedrigtja seihst die Verblendung der Menschen leitet. (Preussens unglücklicher Krieg im Jahre 1806 hat seine spätere umso kräftigere Erhebung vorbereitet, und überhaupt den fruchtbaren Keim zu manchen grossen Ereignissen derneuesten Zeit gelegt.)
In weniger als zwei Monaten war die ganze preussische Militärmacht, verstärkt mit den sächsischen Truppen inThüringen, an den Gränzen der rheinischen Bundesstaaten von Böhmens Gebirgen an bis an die Ufer der W eser auf-gestellt. Nun erst erfolgte die förmliche Erklärung, welche einen Termin von acht Tagen setzte* und 1 orderungeumachte, die Frankreich mit seiner Ehre für unvereinbarlich hielt.
Napoleon war schon von Paris zu seiner Armee in Deutschland abgereist, und zog bereits am 8. Oirt. 1806, demTage, den die Preussen zum Aufang der Feindseligkeiten bestimmt hatten, dein Feinde entgegen. Die französischenTruppen bewegten sieh mit ihrer ganzen Masse in schiefer Richtung und parallel nach dem liuken Hügel der Preus-sen, der einen grossen militärischen Fehler beging, indem er sich von den böhmischenBergeu löste, um in Umrin-gen alle Kräfte zu vereinigen. Da nun umgingen dieFranzosen diesen Flügel, mit dem es nur bei Schleitz undSaalfeld zu unglücklichen Gefechten kam, bei welchen Prinz Ludwig Ferdinand von Preussen das Lehen verlor. Siezogen darauf das rechte Ufer der Saale hinab, bemächtigen sich seitwärts der Brücken, drangen bis Naumburg vor,und besetzten endlich die Pässe bei Kosen auf der Strasse nach Magdeburg. Alles dieses geschalt in einem Zeiträumevon vier Tagen, und die preussische Armee fand sich von ihrem Lande, von ihren Magazinen abgeschnitten, in einerLage, wo ihr als einzige Rettung übrig blieb, sich einen Weg mitten durch deu Feind zu bahnen.
Bis dahin hatte man preussischer Seits in Ueberschätzung der eignen Kraft, und nicht wohl von der des Feindesunterrichtet, die Meinung gehegt, man könne offensiv zu Werke schreiten; jetzt aber öffuete Notli die Augen.In aller Eile liess der König die Colonnen zusammenziehen, und erschien am i3. Abends an den Ufern der Saalemit einem Heere von beinahe i5o,ooo Mann. Ein Theil davon sollte am andern Tage den Uebergang über die Saaleerzwingen, um Sachsen wieder zu gewinnen, während der andere bestimmt war, sich durch die Pässe von K'Jsenden Weg auf Magdeburg zu öffnen.
Mit welchen Gefühlen musste wohl eine Nacht durchlebt werden, wo 3oo,ooo Menschen durch einen kleinen Flussgetrennt den Anbruch des Tages erwarteten, um mit dem Schwerte iu der Hand zum Theil über das Schicksal des Va-terlandes zu entscheiden; und Todesfurcht ist wohl das Geringste, wo die Brust von so grossen Dingen bewegtwird. Viel Kostbares für Preussen war auf den Ausgang einer einzigen Schlacht gesetzt, und die alten Kriegsgefähr-ten Friedrichs des Grossen weckten in ihren Soldaten die Erinnerung an die Heldentliaten bei Rossbach, umihnen ein Vertrauen einzuflössen, das sie vielleicht selbst nicht theilten.
Napoleon war mitten unter seiner Garde auf einer kleinen Anhöhe vor Jena, die von denFcinden nicht war Beach-tet worden, mit deu Planen für den nächsten Tag beschäftigt. Er hatte Tags vorher einen Brief an den König vonPreussen geschrieben, der im Tone des Siegers noch den dringenden Vorschlag enthielt, Menschenblut zu sparen.Aber unter den gegebnen Umständen, und am Tage vor der Schlacht konnte dieser Brief keine Wirkung mehrhervorbringen. . ,
Beide Armeen, die sich so nahe waren, dass sie einander fast berührten, brachten die Nacht mit Vorbereitungen zu.Mit unermüdlicher Tliätigkeit bahnten die Franzosen noch Wege in der felsichten Gegend, u. als der Tag anbrach, sahman mit Erstaunen die Artillerie auf Höhen versetzt, die man für unzugänglich gehalten hatte, und die Truppenzum Theil durch Ausgänge difiliren, d. am Tage vorher noch nicht existirten. Die unbedeutende Höhe, deren Werthdie Gegner verkannt hatten, ward der Hauptpunkt, von dem die Operationen zum Siege ausgingen, und die ganzeArmee rückte von da aus, um zuerst ihr eigentliches Schlachtfeld zu erobern. Nachdem sie dieses erreicht hatte,schien es rathsam, noch einige Stunden zu zögern, bis mehr fehlende Truppen und hauptsächlich Rei-ter herbeigekommen wären. Allein das Vertrauen auf die französische Tapferkeit liess keinem BedenkenPlatz; man fing an, die Gegner zu drängen, die sich in der besten Ordnung ziirückzogen; von beiden Seiten wurdewie bei einer Parade manövrirt. Als aber endlich die erwarteten Haufen sich ankündigten, liess der Kaiser alleReserven vorrücken, und die Schlacht begann mit voller Heftigkeit. Sobald die schwere Cavallerie unter Anführun;des Grossherzogs von Berg das Schlachtfeld erreicht hatte, warf sie sich mit Wuth auf den Feind. Kriegskunst undTapferkeit, die man ihr entgegensetzte, kounten den gewaltigen Stoss nicht aufhalten; die preussischen Viereckewurden durchbrochen, geworfen und alles gerieth in Verwirrung. Die Besiegten, von den Siegern verfolgt, zogendurch Weimar, und warfen sich nach der Strasse von Naumburg, während zar seihen Zeit ein andrer Theil derpreussischen Armee, der durch die Pässe von Kösen hatte dringen sollen, von dem Marschall Davoust verfolgt, ingrösster Eile wieder auf Weimar zurückkam. Das Aufeinandertreffen dieser beiden Massenm voller Bewegung konntenichts anderes als den fürchterlichsten Stoss bewirken; auch ward es das Grab der preussischen Armee. — Schonwar der König nicht mehr anwesend, die meisten Generale waren getödet, verwundet oder gefangen; undvon demAugenblick an stieg die Unordnung und Verwirrung aufs Höchste; die ganze herrliche Armee war bald m zerstreuteHaufen aufgelöst, die von dem Feinde rastlos verfolgt, keinen Sammelplatz mehr fanden. Man schützt den Verlustder Preussen an Todten und Verwundeten auf 20,000; die Zahl der Gefangenen wird auf 3o,ooo bis 40,000 angege-ben. So viel kostete sie ein einziger Tag; noch grösseres Unheil folgte. .
Am zweiten Tage darauf (16. Oct.) muss sich der alte Feldmarschall Meiendorf nebst dem Prinzen von Oramen-
Statt fanden.
Fulda in Erfurt mit 14,000 Soldaten und 600 Offu ieren ergehen. Am 17. begegnet der Prinz von Pontecorvo derpreussischen Reserve, die in Eile herbeigekommen war, bei Halle; er greift sie an, bringt sie in Unordnung, trotztapferm Widerstand, und inacht gegen 5ooo Gefangene. Ueberall waren jetzt einzelne zerstreute Bataillons anzu-treffen, die nicht mehr wussten, wo hinaus; die Landstrassen waren mit Kriegswagen, mit Artillcriereihen etc.Besäet, die mit jedem Schritte in die Hände der Franzosen fielen.— Während nun eines von den franz. Heeren diesetraurigen Ueherreste bis unter die Mauern von Magdeburg verfolgte, eilten andere in verschiedenen Richtungen vor-aus, nm dein Feinde jeden Weg der Rettung abzuschneiden. Der Marschall Lannes geht bei Dessau , der MarschallDavoust bei Wittenberg über die Elbe, und die Schnelligkeit des Marsches ist so gross, dass sie dem Rufe des Siegesvorauseilen, und jede Vorsicht von Seiten der Preussen unmöglich machen. Spandau öffnet seine Thore, Stettin undKüstrin übergehen sich mit bedeutenden Garnisonen. Der unermüdliche Herzog von Berg, überall herbeicilend, woder Feind zu finden war, wirft ihn am 26. Oct. bei Zehdenick und zerstört ihn am 28. gänzlich bei Prenzlow , womehr als 10,000, meistens Grenadiere und Garde des Königs, deren Commando nach dem Herzog von Braunschweigder Fürst Hohenlohe übernommen hatte, die Waffen strecken. Gleiches Schicksal erfuhren am 29. Oct. 6000 Mannbei Pasewalk und am 3o. desselben 4000 Manu vor den Thoren von Anclam.
Unterdessen irrte der preuss. General Blücher, der das Aeusserste that, was unerschrockener Mnth und Tapferkeiteinem Kriegsmann eingeben können, mit seinem Heere mitten zwischen feindlichen Colonnen umher. Von der Elbeabgrschliitteu, fand er an der Oder den Ausweg versperrt, und auch am baltischen Meere war man ihm zuvorgekom-nien; überall auf seinem Wege traf ec den Feind, überall schlug er sich durch, und rettete sich endlich in die freieReichsstadt Lübeck, wo er sich verschanzte. Erst nachdem die Stadt am 6. November unter einem hartnäckigen undblutigen Kampfe erstürmt, und 4000 Gefangene gemacht waren, capitulirte Bliieher, dem keine andere Wahl mehrblieb, am folgenden Tage bei Ratkan mit demRest seines Heeres von 21000 Mann. Unmittelbar darauf am 8. Nov.ergab sieh Magdeburgmxt einer Garnison von 22000 M., und damit war der letzte Rest der preuss. Armee vernichtet.
So war auf einmal eine grosse europäische Macht wie vom Blitzstrahle getroffen, eine der vorzüglichsten Armeenwie vom Sturme verweilt worden; kaum ist es möglich, in der Geschichte ein ähnliches Ereigniss aufzufinden. GrosseProvinzen, fast die ganze Monarchie, mehr als 140,000 Soldaten, 800 Feldstücke, mehr als 4000 Stück Festuugs-geschütz, eine Menge Generale, regierende Fürsten, Mitglieder der königlichen Familie waren theils in der Gewaltdes Siegers, theils zu Grunde gegangen; und das alles hatte sich im Zeitraum eines Monats zugetragen! So vielUnglück lässt sich kaum fassen.
Schon am 18. Tage nach dem Anfang des Feldzugs war der Kaiser in Berlin eingezogen, und von der Hauptstadtdes preussischen Reichs aus ordnete er die Maassregeln an, um die Früchte des Sieges zu befestigen. Auf seinen Be-fehl war die Reserve des Marschalls Mortier, so wie die aus Holland, unter dem Commando des Königs, von Mainzund Wesel aus vorgerückt, um die Länder nach allen Richtungen zu durchsuchen, die Festungen zur Üebergabe zubringen, und die Provinzen im Rücken der grossen Armee in Besitz zu nehmen. Hessen wurde entwaffnet, West -phalen besetzt; Hameln und Nienburg übergaben sich; Hannover und Bmunschweig, die Hansestädte und Mecklen-£wg r wurden mit französischen Truppen besetzt; so dass von dem Meere bis an die östreiehischen Staaten, vom Rheinebis an die Oder und noch weiter hinaus, ein ungeheurer Landstrich mit beinahe ia MillionenEinwohuern in einerkaum glaublich kurzen Zeit unter französischer Herrschaft stand. Und fast geräuschslos gingen alle diese grossenVeränderungen vor sich; die Obrigkeiten, die Gerichte, die Angestellten, sogar die Pensionärs wurden anfänglichbcibchalten, und die ganze Organisation blieb, so dass alles im gewohnten Geleise fortging. Dem General Clarkewurde das Gouvernement der preussischen Provinzen übertragen, und es bleibt als Zeichen der Schnelligkeit derBegebenheiten jener Zeit merkwürdig, dass dieser General in demselben Jahre in zwei verschiedenen KriegenGeneralgouverneur von Oestreich und von Preussen, Commandant in Wien und in Berlin gewesen ist.
Von der Mitte der Eroberungen aus, mit neuen Hülfsqucllen, mit einer durch Sieg und Ruhm erfrischten Kraft,an der Spitze eines Heeres, das von dem feindlichen Lande ganz unterhalten und ausgerüstet wurde, und immerneuen Zuwachs aus Frankreich, aus den allirten und selbst aus den eroberten Ländern erhielt, näherte sieh derKaiser jetzo den polnischen Provinzen, die sich in völligem Aufstand gegen Preussen mit Enthusiasmus dem Siegerin die Arme warfen, u. zog den Russen, den letzten Feinden, in einer Entfernung von 3oo d. Meilen von seinerHauptstadt, entgegen. Er kam nach Warschau, ging über die Weichsel, und gewann, nachdem er die Russen ge-troffen , in den Gegenden von Pultawsk u. Gclymin Vortheile, an deren vollständiger Benutzung ihn die vorgerückteschlimme Jahreszeit hinderte. Indessen gaben diese Schwierigkeiten nur Gelegenheit, die wundervollen Talentedes grossen Feldherrn mriir zu entwickeln.
Das viele Ausserordentliche, an das Fabelhafte grenzende, das wir in unsern Tagen erlebt haben, macht uns fastunfähig, die Verdienste im Einzelnen von allem dem zu würdigen, was in diesem furchtbaren polnischen Feldzuggethan worden ist; einem Feldzüge, der unter allen der altern und neuern Zeit als einer der merkwürdigsten glänzt.Erst später bei der Rückkehr gewöhnlicher Zeiten wird es die Geschichte unternehmen könoen, die grossartigenAnstrengungen zweier tapfern und hochherzigen Nationen, den gewaltigen Zusammenstoss des Nordens mit demSüden würdig zu beschreiben; eine Beschreibung, wie die Hindernisse der Natur bekämpft worden, wie man derbeschwerlichen Jahreszeit, des Hungers, der Ermüdung, aller Bedürfnisse nicht achtete, und wie mit jedem Augen-blicke vollbracht wurde, was volle menschliche Kraft zu übersteigen scheint. Mitten unter diesen schrecklichenPrüfungen war Tapferkeit das geringste Verdienst, der Tod das leichteste Uebel geworden, und muss man gleichbei der Betrachtung seufzen, dass die Menschheit sich so blutig zerfleischen kann, so erregt es doch eine Art vonStolz, so viel Festigkeit und Heldeninuth iin Charakter der Menschen anzutreffen.
Wenn übrigens die Geschichte die rastlose Tliätigkeit des damaligen Beherrschers der Franzosen, seine Ausdauerin allen Gefahren, die Vielseitigkeit seiner politischen Combinationen, wenn sie den blutigen Kampf bei Ejd.au, dieschöne Belagerung von Danzig, den glorreichen Sieg bei Friedland melden wird, $0 wird sie zugleich die schönereEntwicklung zu erwähnen haben; denn mitten im grössten Toben des wilden Krieges bewirkt die Zusammen-kunft der beiden Kaiser, die sich als Freunde umarmen, eine plötzliche Ruhe; der Sturm legt sich, der Himmelwird heiter, die Völker athmen wieder, und neue Bestimmungen werden für den Contincnt getroffen. Auf dieseZnsammenkunft folgte der Friede von Tilsit.
Anmerk. d. Uebers. Der unparteiische Leser wird natürlich nicht versäumen, über obige Feldzüge, wenn ihmdaran gelegen ist, mehr als die Hauptmomente und Resultate kennen zu lernen; auch Gegenberichte zu verglei-chen, w'orin die Begebenheiten zura Theil anders, zum Theil vollständiger angegeben sind. Der Gang und die Wen-dung der Schlachten erscheint daun deutlicher; manches ist in einem andern Lichte dargestellt, und für manchesF.reioniss gewinut man eine genügendere Erklärung, indem es näher mit seiner unmittelbaren Ursache in Verbin-dung gezeigt wird.
Jahre 1812 durch die Frieden von Pressbukg, Tilsit und Wien
Heeres unter Napoleon, das wundervolle Glück, das ihn begleitet, endigten den Feldzug schon nach70 Tagen. (Siehe oben rechts.) Nur desto entscheidender waren indessen die Resultate, desto grösser ihrEinfluss auf das ganze deutsche Reich, wie sich aus folgendem ergiebt.
Friede von Pressburg den 2Ö.Dec. i8o5. — Oestreich war genöthigt, ungeheure Opfer zu bringen;die traurige Lage, in die es sich versetzt sah, liess ihm keine andere Wahl. Der Friede enthielt daher vonSeite Oestreiehs die Anerkennung des Kaisers Napoleon als König von Italien, und die Versicherung, auchden Nachfolger, den er in diesem Königreiche zu ernenucu für gut fände, anzuerkennen. Anerkannt wurdeferner, die Vereinigung von Piemont u. Genua mit dem franz. Reiche, die Errichtung der FürstentümerLueca und Piomhino, die Unabhängigkeit der batavischen und der helvetischen Republiek, endlich derKönigstitel, welchen die Herzoge nnd Churfürsten von Baiern und Würtemberg angenommen hatten.
Abgetieten wurde von Oestreich t. andenfranz. Kaiser Aas ganze venetianische Gebiet mit Dalmatien etc.
2. An den König von Baiern die Markgrafschaft Burgau, das Fürstenthum Eichstädt, ein Theil von Pas-sau, die Grafschaft Tirol mit den Fürstenthümern Trient und Brixen, die7 Herrschaften von Vorarlbergdie Grafschaften Ilobenems und Königsegg-Rothenfels, die Herrschaften Tetnang und Argen, Stadtund Gebiet Lindau. Die Besitznahme von Augsburg wurde ihm überlassen.
3. An den König von Würtemberg die 5 Donaustädte, die obere und niedere Grafschaft Hohenberg, dieLandgrafscbaft Nellenburg, die Landvogtei Altdorf mit ihrem Zubehör (die Stadt Constanz ausgenom-men), derjenige Theil des Breisgaus, dec in den würtembergi.sehen Besitzungen eingeschlosscn war,und in einer von dem Schlegelberge bis an die Molbacb gezogenen Linie liegt, endlich die Städte und Ge-biete von Villingcn und Bräunlingen. Die Besitznahme der Grafschaft Bondorf wurde ihm überlassen.
4- An den Churfürsten von Baden das Breisgau (mit Ausnahme der unter 3 benannten Theile), die Ot-tenau, die Stadt Coustanz und die Comthurei Mainau.
Ausserdem verzichtete der Kaiser von Oestreich im allgemeinen auf alle Rechte, Ansprüche ect. anwas immer für Länder und Gebiete in den baierischen, schwäbischen und fränkischen Reichskreisen.
Dagegen wurden die Länder von Salzburg u. Berehtolsgaden, die dem Erzherzog Ferdinand gehörten,dem östreich. Reiche mit dem Titel eines Herzogthums einverleibt; und der franz. Kaiser verpflichtete sich,zu Gunsten des gedachten Erzherzogs die Abtretung des Fürstenthums Würzburg von dem König vonBaiern zu bewirken. — Durch den Art. 14 des Friedens wurde endlich noch bestimmt, dass die Königevon Baiern und Würtemberg, wie der Churfürst von Baden, in ihren Staaten eben so suverän sein soll-
ten, wie der deutsche Kaiser und der König von Preussen in den ihrigen, und dass der Kaiser allenRechten sowohl der Suveränität als Oberherrlichkeit, und allen gegenwärtigen und eventuellen An-prüchen auf jene Staaten von Baiern, Würtemberg und Baden entsage.
Folgen des pressburger Friedens. — i. Das Königreich Neapel kam unter französische Herrschaft.
2. Der König von Preussen trat an Frankreich ab die Markgrafschaft Ansbach, das FürstenthumNeuenburg mit der Grafschaft Valengin, und den Theil des Herzogthums Cleve, der ihm noch gebliebenwar; dagegen nahm er Besitz von Hannover.
3. Der König von Baiern trat an Frankreich das Herzogthnm Berg ab, und erhielt dafür Ansbach.
4- Der franz. Kaiser, der auf diese Weise im Auslande alles umgeschaffen, Staaten gebildet und ver-grössert hatte, dem aber von seinen Eroberungen noch Länder und Schätzegenug übrig blieben, liesses im Innern an neuen Anordnungen, reichen Belohnungen und Gunstbezeugungen nicht fehlen; er setztedie Krone von Neapel auf das Haupt seines Bruders Joseph; die venetianischen Länder wurden deinKönigreich Italien einverleibt. Er erhob seinen Grossadmiral, den Prinzeu Murat, zum Grossherzog vonCleve und Berg, gab seiucr Schwester Pauline das Fürstenthum Guastalla, seiner Schwester Elise dasFürstenthum Massa-Carrara, und dem Marschall Bertliier, seinem Kriegsminister, das FürstenthumNeuenburg mit Valengin. Zu geringem, jedoch iin Verhältniss nicht minder freigebigen Belohnungen,bestimmte er in denselben Ländern Italiens 22 erbliche Herzogthümer, die er zu Thronlehen des franz.Reichs erklärte, um damit ausgezeichnete Militär- und Civildiener zu belehnen, während er sich nochmehrere Millionen ewiger Renten in jenen Ländern als eine Stiftung vorbehielt, um darauf Belohnungenfür geringere Offieiere und gemeine Soldaten anzuweisen. So hatte das Königreich Italien 1,200,000Franken ewiger Renten, Neapel 1,000,000 Frauken, Lueca 200,000 Franken zu dieser Militärdotationzu liefern, und von Parma war der grösste Theil der Domänen dazu bestimmt.
Der rheinische Bund im J. 1806. — Kaum waren 7 Monate seit dem Frieden von Pressburg ver-flossen, als sich eine Folge davon zeigte, die an Wichtigkeit jenen Vertrag selbst noch bei weitemübertraf; es war die Auflösung des deutschen Reichs, u. die freiwillige Abdankung seines Oberhaupts.
Zn viel Stösse hatte die Reichsverfassung in deu letzten Jahren durch Krieg und unaufhörlichenWechsel des Länderbesitzes erhalten; immer schlaffer waren die alten Bande geworden. Am 1. August1806 übergaben vierzehn deutsche Fürsten zugleich die Erklärung bei dem Reichstage, dass sie sichfür immer vom deutschen Reichskörper getrennt und unter dem Protectorat Napoleons zu einer neuen
Coaföderation vereinigt hätten. Der Bundestag sollte in Frankfurt eröffnet werden, und aus zweiKörpern, aus dem Rath der Könige, und dem Rath der Fürsten bestehen. (Siehe oben die Zusammen-setzung dieses Bundes.) Ohne irgend eine Erschütterung erfolgte diese merkwürdige Catastrophe, in-dem das Reichsoberhaupt wenige Wocheu nachher selbst in einer feierlichen Declaration die deutscheReichskrone niederlcgte, nnd alle Glieder des Reichs ihrer Pflichten gegen das bisherige Oberhauptentband. Niemals trat übrigens die Verfassung des Rheinbundes eigentlich ins Leben. Eine SchöpfungNapoleons stand er ganz unter seinem gewaltigen Einfluss, und gewann nie die geringste Selb-ständigkeit.
Rer preussische Krieg im J. 1806. — Wenn Preussen vielleicht durch die Schnelligkeit, womitder Feldzug von i8o5 in Oestreich sein Ziel erreichte, abgehalten war, gegen Frankreich auf demKampfplätze zu erscheinen, so versuchte es jetzt, auf die Hülfe Englands und Russlands vertrauend,und wohl auch auf die eventuelle Hülfe Oestreiehs rechnend, die Uebermacht Frankreichs zu brechen.Ahr noch schneller, noch mehr einem Wunder ähnlich, war hier die traurige Entscheidung gegenPreussen. Nach Verlauf eines Monates war die ganze preussische Kriegsmacht zerstreut, die Monarchieam Rande des Unterganges. (Siehe oben rechts.) Aber im Kampfe gegen die Russen verlängerte sichder Feluzug, bei dem noch die naclithcilige Jahreszeit, die weiten Distanzen, und die schlechten Wegeetc. Schwierigkeiten aller Art häuften; nach 9 Monaten nahm der Krieg an den Ufern des Niemen seinEnde mit folgenden Resultaten : .
Friede von Tilsit am 7. Juli 1807. — 1. Preussen belüelt nur die Länder seiner Monarchie, welchejenseits der Elbe lagen, nämlich: Schlesien, Brandenburg, Pommern, Altpreussen, und den Theil vonPolen an den beiden Ufern der Niederweichsel, der jene beiden Provinzen verbindet. Danzig mit einemGebiet von 2 Meilen im Umkreise wurde unter dem Schutze Preussens und Sachsens wieder unabhän-gig; und die Schiffahrt auf der Weichsel von allen Zollen frei ausbedungen. Preussen ver-lor den grössten Theil seiner Besitzungen im ehemaligen Polen, so wie alle seine Provinzen zwischenElbe und Rhein; es verzichtete zugleich auf alle Rechte und Ansprüche, die es auf was immer für einLand haben könnte; anerkannte den rheinischen Bund, die neuen Könige von Neapel und Holland,und einen König von W’estphalen. . .
2. Russland erhielt einen kleinen Landstrich an der Narew, der ihm für den Lauf seiner Muitargranzevon Interesse war; auch wurde auf Verlangen des Kaisers die Wiederherstellung der Herzoge vonCoburg.
Oldenburg und Mecklenburg-Schwerin zugestanden. Dagegen wurde die in Ostfriesland gelegene Herr-schaft Jever für den König v. Holland abgetreten, u. Russland anerkannte den rheinischen Baud m seinerdamaligen und sogar zukünftigen Gestalt, die Könige von Neapel, Holland und einen künftigen Kö-nig von Westplialen, undüberlicss dem franz. Kaiser die freie Disposition über alle eroberten Länder,
über deren Rückgabe der Vertrag nichts bestimmt batte.
3. Napoleon, der auf diese Weise über eine Menge Provinzen nnd über eine Bevölkerung von meb:als fünf Millionen Menschen verfügen konnte, errichtete aus den preussiseh-polnischen Ländern dasHerzogthum Warschau mit einer Verfassung nach Art der damaligen französischen, gab es dem Königvon Sachsen und liess ihm zur Communication den freien Gebrauch einer Militärstrasse durch die preus-sischen Länder zusichern. Eben so schuf er das Königreich Westplialen für seinen Bruder, u. behielt siebnoch Hannover, Schwedisch-Pommern, Erfurt, Baireuth, Fulda u. Hanau zur weitern Verfügung vor.
Folgen des tilsiter Friedens. Das ganze politische System des Nordens war durch die Bestimmun-gen dieses Friedens gebrochen, und die Macht Frankreichs bis an das baltische Meer vorgerückt. Preussensank auf eine tiefere Stufe unter den Mächten Europas, und Sachsen fand sich ihm gleichgestellt; derrheinische Bund mit doppelter Bevölkerung dehnte sich bis an den Niemen aus, wenn man das Her-zogthum Warschau dazu rechnet. Das Königreich Westphalen entstand, die Häuser Braunschweig, Oia-nien, Hessen-Cassel und Braganza (in Europa) verloren die Regierung ihrer Länder, und alle Handels-verbindun® zwischen England und dem Continent wurde durch die heftigsten Maassregcln abgeschnitten
2. Krieg zwischen Oestreich und Frankreich 1809. Ein grosser Theil der französischen Truppen warjenseits der Pyrenäen tief in der Halbinsel, der Kaiser selbst befand sieh in Galizien, nahe an den Kü-sten des Oceans. Unter diesen Umständen hielt Oestreich den Augenblick für günstig, um wieder zu den\\ affen zu greifen; es fasste einen raschen Entschluss, fiel nach einem Manifest, worin seine Beschwer-den ®e®en Frankreich entwickelt waren, in Baiern ein und bedrohte den Rhein. Eilig kam Napoleonvom äussersten Westen herbei, stellte sieh an die Spitze der Bundestruppen, entflammte ihren Muth u.siegte mit ihnen bei Regensburg. Alle Entwürfe des Feindes waren von nun an vereitelt, Sieg folgte aufSieg, und in kurzer Zeit war Wien zum zweitenmal des Eroberers Beute. Bei Esslingen gcrietben dieFranzosen durch das Anschwellcn der Donau in Gefahr, und erlitten bedeutenden Verlust; aber einigeWochen darauf entsclüed die Schlacht bei Wagram, und folgender Friede kam zuStande :
Friede von Wien vom 14. Oct. 1809 mit seinen Folgen. Oestreich trat eine Bevölkerung von mehr
als 3,5oo,ooo Einw. ab; Sachsen erhielt zu seinem llcrzogthtim Warschau eine Vergrösscrting von1,800,000 Menschen; Russland in dem östlichen Theile von Gallizien einen Strich Landes von 400*000 Ein-wohnern. Alles übrige, nämlich die Lander Salzburg, Berehtolsgaden, den Theil von Oestreich ob der Ens,die Hälfte von Kärnthen, ganz Krain, Triest, Fiume, Croatienetc. behielt der franz. Kaiser, nebst dem,was ihm aus dem preussischen Kriege noch übrig geblieben war, theils zur Vertheilung nach Gefallenan seine Bundesgenossen, bei denen Vergrösserungen und Gcbietsaustausohc Statt fauden, theils zurBildung neuer Staaten. So erhielt 1. Baiern die Districte am Inn, Salzburg, Baireutli, und das demFürsten Primas wieder entzogene Regensburg. 2. Italien bekam von den Abtretungen Baierns das südlicheTirol; IVürtemberg, Baden und Würz’-urg, mehrere Städte und Gebiete. 3. Für den Fürsten Primaswurde ein neues Grossherzogthum von Frankfurt, mit Einschluss der Fürstenthümer Fulda und Hanau,errichtet, das an den Vieekönig von Italien zurück fallen sollte; Hannover wurde dem Königreiche West-phalen einverleibt; Pommern an Schweden zu rückgegeben, und der Kaiser behielt sieb LaueuburgundErfurt, so wie die Länder am adriatischen Meere vor, aus denen er einen besondern Staat unter demNamen illyrische Provinzen bildete.
Letzte franzoesische Gräjnzerweiterung von 1810 und 1811. Zur weitern Ausbildung desnapoleonischen Systems wurde endlicb nicht bloss das Königreich Holland mit dem franz. Reiche verei-nigt, sondern noch mehr deutsche Länder an der Nordsee traf dasselbe Schicksal. Der Kaiser hatteimmer noch den hartnäckigsten Kampf zu bestehen; sein unversöhnlichster Feind blieb England. DieMündungen der Ems, der Weser und der Elbe, in deren Nähe schon die neuen franz. Gränzen vorge-rückt waren, schienen vorzügliche Positionen gegen die nordischen Pläne darzubieten; sie trennten dennördlichen Theil der Rheinbundländer von dem Meere, und waren in den Händen Frankreichs trefflichgeeignet, über die Aufrechthaltung des Continentalsystems zu wachen. Franz. Truppen hielten jene Ge-genden ohnclün schon seit dem Kriege besetzt, und an die grössten, gewaltsamsten Veränderungen ge-wöhnt, sah man ohne Verwunderung durch einfache Beschlüsse des Kaisers die Hansestädte, einen Theilvom Königreiche Westplialen und vom Grossherzogtbum Berg, Oldenburg, Meppen und Bucholt etc., diezum Rheinbund gehörten, mit dem franz. Reiche vereinigt.
So gestaltete sich nach grossen Begebenheiten und vielfältigem Wechsel die politische Eintheilung undBegrenzung Deutschlands vom Jahre 1812, wie sic auf der obigen Carte dargestellt ist.
Nr». XXVI. DEUTSCHLAND von i8o3 und 1812.
Gedruckt und verlegt bei J. Velten, Kunst - und Musikalienhändler in Carlsruhe, 1827.