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Historisch-Genealogisch-Geographischer Atlas von Le Sage Grafen Las Cases in fünf und dreisig Uebersichten
Entstehung
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VON ܣft ANLAGE DER VORLIEGENDEN CARTE,ANLEITUNG etc ,

AtP der nebenstehenden Carte Lat man sich bemüht, mit der Dar-stellung der politischen Geographie Italiens, wie sie vor den Revolutions-kriegen der neuern Zeit hestand , die Veränderungen zu verbinden , dieaus den darauf folgenden Friedensverträgen hervorgegangen.

Die Farl>e, womit die Länder gedeckt sind, deutet die neuere Organisationan ; der ältere Zustand ist durch punktirte Linien innerhalb der Farbenbezeichnet.

Die kleine Tabelle unterhalb der Carte dient noch ztir nähern Erläu-terung, iudem sie eine vergleichende Zusammenstellung derversehiednenStaaten und Machte Italiens vor und nach jenen Veränderungen liefert.

Mit farbigen Streifen endlich sind die Veldziige ßonaparte’s von 1796 und1800 , Championets und Macdonalds von 1798 und A'wu’tzroie'.s von 1799angedeutet, die dann auf dem Seitenrand nebst andern merkwürdigenGegenständen beschrieben sind.

Vir können übrigens hier nicht unterlassen , den Leser auf den engenKaum unsers Blattes und auf das Bcdürfniss einer klaren Darstellungaufmerksatn zu machen , denn wir mussten dcsshalb nothwendig eineMenge minder esentlicher Städte, F lecken etc. auf der Carte weglassen.Und uns auf die Hauptstädte so wie auf diejenigen Orte beschränken , diein wesentlichem Zusammenhang tnit deu historischen Ereignissen stehen.Aus demselben Grunde haben Wir auch bloss die Insel Corsica aufgenommentind Sardinien ganz übergangen. l)a es ohnehin auf der Carte von Europaseine Stelle findet 1 so glaubten wir besser zü thun, den Rau in für wichtigereAngaben zu benutzen. Unter der allgemeinen Benennung von Italien istauf unsrer Carte auch das Gebiet des alten Savoyens, obgleich es diesseitsder Alpen liegt, init begriffen , wie es auch die Geographen gewöhnlichaüfzunehmen pflegten * weil es einen Tlieil der Staaten des Königs vonSardinien bildete, der seinen Sitz jenseits der Alpen hatte. Wir sind hierinihrem Beispiele um so lieber gefolgt, je dienlicher es uns für den Zweckder historischen Darstellung und der Verdeutlichung der neuern Aen-derungen in Italien geschienen.

ALLGEMEINE BEMERKUNG UEBER ITALIEN.

Italien ist unstreitig durch seine Geschichte, durch seine Wunderwerkeund durch seinen Boden das merkwürdigste Land in Europa; dort atlimetman die lieblichste Luft der Erde ; dort war die Wiege der Künste , dieSchule des guten Geschmackes; die antiken Meisterwerke wie das Schöneneuerer Zeit haben dort ihren Sitz.

In den alten Zeiten hatte Italien die ganze Welt besiegt und unter-worfen ; als ob es aber ein so hohes Glück auf die traurigste Weise büssensollte , ist es seitdem dafür von allen Nationen schmählich misshandeltworden. I)a nun dieses schöne Land das Ziel so vieler neugierigen Reisendenund em Gegenstand der Unterhaltung unter den Gelehrten ist, so wie esfür das Studium einen unerschöpflichen Stoff darbietet, so glaubten wiretwas Verdienstliches zu thun , indem wir weiter unten ein Verzeichnissvon seinen herrlichen Kunstwerken , von den Schriftstellern , Dichternuud Künstlern , die es hervorgebraoht hat, liefern.

PHYSISCHE GEOGRAPHIE VON ITALIEN.

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Berge. Die Apenninen durchziehenItalien seiner ganzen Länge nach; dieAlpen bilden die obern Grenzmnrisseund scheiden das Land von Deutsch-land , der Schweiz uud Frankreich.

In demjenigen Theil der Alpen,der zwischen Frankreich und Italienhinzieht, sind fünf berühmte Pässevon Norden gegen Süden zu bemer-ken : die Pässe des grossen und deskleineu Bernhard , der den Altenunbekannte Pass des Mont-Ccnis,der Mont-Genevre - uud der See-alpenpass.

mit seinem Heere über den kleinenBernhard gezogen.

Seen. Unter den Seen des nördl.Italiens sind die bedeutendsten derLago Maggiore, der Corner - und derGarda-See; in dem mittlern Tlieil desLandes, im Kirchenstaat, findet sichder durch Hannibals Sieg so berühm-te Trasimener- , jetzt Perugia-See.

Vulkane. Zwei berühmte. DerVe-suv bei Neapel, der einst Hercula-num und Pompeji verschüttet, undmit seinen furchtbaren Ausbrüchennoch immer von Zeit zu Zeit die umihn liegenden Städte bedroht; dann .Nach der Annahme des englischen ( der Gilielloberg in Sieilien, berühmtGenerals Melville, der sich bemühte, unter dem Namen Aetna, aus demdie Angaben des Livius, des Polybius|die Alten die Wohnung Vulkans ge-und des Ammian. Marcell. in Ein- macht, wo die Donnerkeile gesc hmi e-klang zu bringeu , wäre Hauniballdet wurden.

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GEOGRAPHISCHE CARTE VOX,

ITALIEN

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GEOGRAPHISCH - POLITISCHE UEBERSICHT DER STAATEN ITALIENS vor dem Jahr i 8 i 3 .

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I Esete-I JluiecatteI Paataerv-[ Gröslele| Jtstauav ■

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Fronte.

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I BretttUyfiäoe.

Thfhdmsntv.| ddriatisehee-\ Jässeriaate.

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Damalige Organisation.

Provinzen.

Ströme.Tagliamento,

Die Piave.

Die Brenta , die Etsch.Der Po , nimmt auf. . . .Der Ruhicon.

Der Arno , die TiberDerVolturno, der Aterno

Flüsse erster Crosse. Kleinere Flüsse.Doria Riparia.

Doria Baltea , vergrössert durch die Chiusella.Scsia, Tessino.

Adda , Oglio.

Tanaro , vergrössert durch . . j ^! e ® tura :

0 ( die Bormida.

Trebia , Mincio.

FRANZ. BESITZUNGEN5 Millionen Einwohner.

Schrißstellerund Dichter.Dante Ali-ghieri,

+ 1321 -

Petrarca, |

+ 1374-|

Vaterland.

Florenz.

Arezza.

das Tosca-nische.

Bocaccio,

+ i3 7 5....

Machiavelli

4- 1527... .

ArIOSTO, ) „

+ i 535 .... ^«S"-

! Florenz.

Guicciardi-1540..

Paul Jove ,-f- i 552 . .. .

Tasso,

+ i 5 9 5 ....

Gcarini,

4-1612..

Galilei ,

+ 1642—

Torricrlli,

+ i (>47 -

Metastasio,+ I7S2....

\ Florenz.

| Como .

das IVeapo-. litauische.

| Ferrara.

| Pisa.

| Faenza.

| Rom.

Gattung und Hauptwerke.

Der Vater der italienischen Poesie ; unsterl>-lich durch sein Gedicht; die Hölle, dasFegfeuer und das Paradies »

Seine schöne Laura und die Quelle vonVauclusehat er in süssen Versen voll Wohllaut be-sungen , und dadurch die Gegenstände seinerLieder wie sich selbst unsterblich gemacht.Petrarca’s Schüler und Freund ; berühmtdurch seine Novellen. Er hielt sich lange inNeapel bei der Köuigin Johanne auf.Durch sein politisches Werk »der Prinz «und seine Geschichte von Florenz berühmt.Nebst Tasso der grösste Dichter Italiens;feuriger und phautasiereiclier noch wie Je-ner. Sein Hauptwerk ist der Orlandofurioso.

' Durch sein verdienstliches Leben wie durchI seine Schriften , besonders durch sciue1 italienisch geschriebene Geschichte v. 1494bis i 532 berühmt.

Bischof vonNoeera, hat sich besonders durchseine Geschichte in 45 Büchern > die bis auf1044 geht, berülirtit gemacht.

' Nebst Ariosto der grösste italienische Dichter1 edler und reiner in seinem Style wie Jener,

1 Hauptwerke sind das befreite Jerusalem uud, Arninta.

\ Ein berühmter Dichter. Hauptwerk »Pastor

1

' Mathematiker und Naturlchrer , der sI durch seine astronomischen EntdeckungenI berühmt gemacht. Seine Wissenschaft zogihm viele Feinde und Unglück zu.f Galilei’s würdiger Nachfolger in den mathe-matischen Wissenschaften. Ihm verdauktt man das Microscop.

| Berühmter dramatischer Dichter. Er machte, iich besonders um die Vervollkommnungdes lyrischen Drama verdient.

^Savoyen. Chanibery.

Piemont. Turin.

Grafschaft Nizza . . Nizza.

Montferrat. Casale.

Das genuesische Ge-biet , mit Onegliau. den Reichslehenvergrössert.

Hcrzogthum Parma Parma.

H. Piacenza. Piacenza.

H. Guastalla. Guastalla.

Toscana, das lietru-1 Florenz .rische Königreich, j Livorno.

Die römischen Staa-)ten im Westen der ]Appenninen.

Städte. Uebergang.

Genua.

Savona.

Oneglia.

) Rom.i Spoleto.

KÖNIGRE I CH ITALIEN6 Millionen Einwohner.

H. Mailand.

‘ H. Mantua.

I

H. Modena.

H. Mirandola....

Vcltlin, Bormio..

Venetianische Staa-ten im W r esten u ndSüden der Etsch;1801 erworben.. .

Venetianische Staa-ten, im Norden u.Osten der Etsch;i 8 o 5 erworben.. .

Römische Staatenim Osten der Ap-penninen .

Ein Tlieil des ita-\ lienischen Tirols,\ 1809 erworben.. .

( Provinzen des Fest-landes, im J. i 8 o 5erobert.

Frühere Organisation.

1 dem Koenig von Sardinien, wel-1 eher alle seine Staaten auf dem1 Festland verloren hatte u. auf die. Insel Sardinien beschränkt war.

, der Republik Gewua, die sich frei-willig mit Frankreich vereinigte^ i 8 o 5 .

' dem Herzog von Parma , der als[ König von Hetrurien nach Tos-, cana versetzt wurde.

| dem Grossherzog von Toscana,1 der in Deutschi. Entscliäd. erhielt.

| dem Papste, dessen weltliche Herr-schaft gänzlich aufgehört hatte.

| / dem Hause OEstreich , welches

[ gehörte früher J alle seine Besitzungen in Italien/ ( verloren hatte.

) . ^ _{ dem Herzog von Modena, der das

j ge 10 e ru e | ßreisgau i n Deutschland erhielt.Chiavenna... .gehörte früher. .zum Graubündner Lande.

der Republik Venedig, die ganzaus der Reihe der Staaten ver-schwunden ist. Im J. 1797 tlieil—(gehörte früher\ ten sich Oestreich und Frankreichin ihr Gebiet, und i 8 o 5 zu Pres-burg kam der östreiohiselie Theilnoch an Frankreich.

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Mailand.

Mantua.

Modena.

Mirandola.

I Brescia.Crema.

■ Peschiera.Venedig.Verona.Udine.

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KOE NIGREICH NEAPEL4 » 5 oo,ooo Einwohner.

KOENIGREICH SI CILIEN . Insel Sieilien.

KOENIGR. SARDINIEN. Insel Sardinien...

Ravenna.

Urbino.

Trient.

Roveredo.

Neapel.

Gaeta.

J / dem Papst, der im Jahr 1797 drei

[ gehörte früher ] Provinzen, und das übrige 1808I ( verlor.

I dem Hause OEstreich , und wari 8 o 5 zu Presburg an Baiern ab-getreten worden.

gehörte früher

I derBouRBONiscHENDvNASTiE, dieI zuletzt nur noch Sieilien bcliielt.

Palermo .verblieb der ursprüngl. oben genannten Dynastie-

Cagliari. .verblieb der ursprüngL oben genannten Dynastie.

Die kleine Republik S. Marino blieb unabhängig ; die Republiken Lucca und Piombino kamen als Fürstenthuman die Familie Bacciochi, iu der Person der Fürstin Elisa.

Im Jahr 1806 wechselte die Dynastie in Neapel, und die ganze italienische Halbinsel ward dadurch einFöderativ-Laud des französischen Reichs.

Das Königreich Italien vergrösserte sich mit den venetianischen Ländern im Norden und Osten der Etsch.Die Besitzungen der Fürstiu Elisa wurdeu mit Massa-Carrara vermehrt.

Benevent und Ponte-Corvo wurden zu Fürstcnthümern für Talleyrand und den Marschall Bernadotte erhoben.N B- Siche die neueste Wiederherstellung Taf. 34.

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DIE BERUEHMTESTEN ANTIKEN UND ALTEN DENKMÄLER IN ITALIEN.

N. /?> Die mit einem * bezeichnet«! waren in neuerer Zeit nach Frankreich gebracht worden, kamen aber 1815 an die früheren Besitzer zurück.

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ZU \ LORENZ , vor den neuern Unruhen in Italien.

* Die berühmte medieeiseheVenus.

Eine Urania, oder himmlische |Venus.

Ein Faun , der die Cymbeluspielt. Eine siegende Ve- *uns , die deu Apfel iu der ,Hand hält.

Der Spion, oder der Schleifer.

Der Hermaphrodit, dieRinger.

Alle diese Antiken, die meistdie Wohnungen reicher Römerzierten , wurden unter demSchutte der Verwüstung gefun-den , die durch die Barbaren überRom und Italien erging. Manfand sie zerbrochen u. verstüm-melt , und die besten neuernMeister haben ihre Kunst ange-wandt , sic wieder herzustellen.

ZU VENEDIG.

* Vier Pferde aus vergoldetem Erze , die man für Werke desberühmten Lysipp hält. Sie wurdeu nach der Einnahme vonConstantinopcl 1206 nach Venedig gebracht, und zierten eineZeitlaug iu neuerer Zeit das Gitterthor au deu Tuilerieu nachder Seite des Carousel - Platzes.

* Zwei Löwen aus Marmor , durch den berühmten Moroziui1687 von Athen nach Veuedig gebracht. Sie waren in neuererZeit am Eingänge des Tuilerieu-Schlosses zu Paris nach derSeite des Gartens aufgestcllt.

ZU ROM , auf dem Belvedere ,

* Der berühmte Apollo, die schönste,

im erhabensten Styl gearbeitete Sta-tue , die man bis jetzt gefunden hat.

* Der Antinous admirandus.

* Der Hercules commodus.

* Eine Ariadne, irrig Cleopatra genannt.

* Die bewundernswürdige Gruppe des

Laokoon.

* Der berühmte Torso, das unvergleich-

liche Bruchstück der Statue des Her-cules , für das Studium unschätzbar.

ZU ROM , in der Stadt.

Eine Statue des Marc Aurel zu Pferde.Die Pferde auf dem Monte Cavallo, vonKunstkennern fürWerke des Pliidias Jund Praxiteles gehalten.

Ein schlafender Fau n, berühmte Antike,im Pallast Barberini.

Eine colossalc Bildsäule des Pompejus,dieselbe , an der Cäsar ermordetwurde.

im Garten des Vaticans.

Alle diese Kunstwerke waren imBelvedere aufgestellt, wo sie dieBewunderung aller Reisenden, dasEntzücken aller Künstler erregten.Sie bildeten die kostbarste Kunst-sammlung in der Welt; das Schöneeiner vollkommenen Natur warnirgends auf eine so vollständigeWeise, wie in dieser Vereinigungder vollendetsten Meisterwerke,zu finden.

ZU ROM , im Palast Farnese.Der berühmte farnes. Hercules.DieVenusCalipyga. — Eiue Flora.Caracalla, ein berühmtes Brustbild.Der berühmte farnes. Stier, eineGruppe von ungeheurer Grösse.Der Gegenstand der Darstellung,eine Frau von den Hörnern deswilden Stiers gefasst, ist gräss-lich.

AUF DEM CAPITOL.*EinKnabe, der sich einenDom auszieht.

*Eine Flora.

*Eine Vestalin.

*Ein Antinous.

*Der sterbende Fechter.*Die Sonne, gen. Alexander.

* Ein Bachus, gen. Ariadne.*Eine Venus , die aus dem

Bade steigt.

Die Juno vom Capitol.

IM VATICAN.*Der schöne Adonis.

* Menelaus. * Jupiter.

* Hadrian, ein wunderschö-

ner Kopf.

*Meleager, berühmt.

*Ein Dreifuss des Apollo.

* Apollo und die neun Mu-sen, 1774 in der Nähe vonTivoli entdeckt.

IM PALLASTBORGHESE.

Der Fechter, eineberühmte Bild-säule.

Der Flötenspieler

Der Centaur.

Der Hermaphro-dit.

Ein sterbenderSeneka.

IN DER VILLAALBANE*Lucius Verus.*Galba, eineganzantike Büste.‘Claudius Albi-

IlUS.

‘Eine Omphale.‘Paris , Juno.

IN DER VILLALUDOVICI.

Ein berühmterJuno-Kopf.

Papirius, der seinGeheimniss sei-ner Mutter ver-traut.

Pcetus und Aria.

/. Lertcsa.

FVA MALT*

.ft

581

IN HERCULANUM AUFGEFUNDEN.

Gemälde.

Theseus, Thelephus, Achil-les, mehrere Oreste, eineBachantin auf einem Cen-taur; mehrere Gemälde,Kinder, Früchte, Vögelund andre Tliiere dar-stellend.

Bildhauerwerke.

Zwei Statuen zu Pferd ausweissem Marmor , diebeiden Non. Baibus, Va-ter und Sohn vorstellend.Ueberliaupt stand dieBildhauerkunst weit hö-her als die Malerei.

CHRONOLOGISCHE UEBERSICHT DER BERUEHMTESTEN ITALIENISCHEN MALER; Hauptzüge ihrer Kunst; ihre Meisterwerke mit Angare der Orte

N B. Die mit einem * bezeichneten waren in neuerer Zeit nach Paris gebracht worden , kamen aber i8i5 an ihre früheren Besitzer zurück.

wo sie sich finden.

Maler ; ihr Vaterland , ihr Tod. Art und Kunst.

Cimabue, von Florenz, -j- i 3 oo.1 Die Wiederhcrsteller der Malerei u. die |

Grorro, von Morenz, -j- i 336 .| Gründer der florentinisehen Schule.

Raphael (Sanzio), von Urbino, ^ i52o mit 37 Jahren ; der grösste Maler. . . .Leonardo da Vinci, v. Florenz, -j- i52o. KincrdergrösstenKünstlerscincrZeit- 1Pietro Perugino (Vanurci), von Perugia, -j- i524 ; Raphaels Lehrer.

Andrea der Sarto ( Vauuchi ) von j Wegen seiner Mannigfaltigkeit ge-Florenz, -|- i 53 o mit 42 J.j schätzt.

Berühmt durch die Grazie seiner Werke;

Antonio Correggio (Allegri), v. .Cor-reggio -j- i 534 mit 40 Jahren.j

Einige ihrer Meisterwerke.

Die Verklärung Christi, das herr-lichste Gemälde der Welt. *Rom.

Eine heilige Cäeilie , ein sehr be-rühmtes Werk.‘ Bologna.

Die berühmten Vaticanischen Stan-zen . Rom.

Die Madonna dcl Sacco. Florenz.

Eine Kreuzanbetungdesh. Andreas Bologna.

Die h. Nacht, ein bewundertes Ge-

mälde. . .j Ein heiliger Hieronymus. ..( Die Madonna dclla Scodela.

Fr. Mazzuoli il Parmeggiano , vonParma, -j- i 54 o mit 30 J.

(iii'i.to Romano (Pippi), von Roin,-p 1 540 mit 47 J.

Michel Angf.lo (Buonarotti) ein Tos-caiuT, -j- i 5 G 4 mit 89 J.

er war der Schöpfer seines eigenen 1Styls ; unübertrefflich in Decken - u. jKuppelmalerei, in der Verkürzung.

Erhält de« Beiname« Sohn der Grazien. ( M Adam und Eva .

Von seinen W erken sind nur wenige uic Madonna del CoUo Lungo .

[ Ein Schüler Raphaels, und seines Mei-

| sters würdig.. . . ‘..

- Der grösste italienische Künstler in der (

I Baukunst und Bildhauerei; der Leli-| rer und Nebenbuhler Raphaels ink der Malerei.

. Dresden..* Parma..*Parma.

.Parma.

j Jupiters Sieg über die Titanen.... Mantua.( Einige von den Stanzen im Vatican. Rom.

Das jüngste Gericht.. .

Ein Christus.

Die St. Peterskirche. . .

. . .imVatican. . . .Rom.

... .Rom.

Tizns (Vcoolli), von Venedig, + I 5 -fi j Der griisste Künstler deF,venetianischen |

mit 99 J. ' ! Schule; unübortreffllieh im Colorit; ■

( nur Rubens wird ilun verglichen. . . I

Die Martern des li. Peters.* Venedig.

Die Madonna mit dem Kaninchen .im Louvre

Paolo Veronese (Caliari), v. Verona,+*• >88 mit 50 J.

Die Hochzeit zu Cauaan.

Christus mit den Pharisäern.. .

. /Venedig.. .imLouvre.

' Der herrlichste und reichste Geist fürdie Erfindung und Anordnung eines

Gemäldes.

I into.ietto (Rolmsti) , von Veuedig, j Sein feuriges Talent und sein kräftiger ( Ein heiliger Marcus uud eine Kren--{-1Ö94 mit 82 J.| Pinsel erfüllen mit Bewundrung.. . . j zigung Christi. Venedig.

M. A. Caravaggio ( Ainerighi), von Mailand, -j- mit 40 Jalirjn ; ein schönes Talent ; nur hat er häufig dasHässliche in der Natur gemalt.

Maler i ihr Vaterland, ihr Tod.

Art und Kunst.

Einige ihrer Meisterwerke.

Barozzi , von Urbino, -J~ 1612 mit 84 Jahren ; durch seinen Ausdruck in Gegenständen der Andacht berühmt.

Mehreres von ihm ist.. .

Die Caracci (Ludwig, Augustin undHannibal), 4 ~ 1619» 1618,1609, mit74» mit 35 und mit 49 J.

I Ihnen und ihren Schülern verdankt man\ die Vollendung der Kunst in alleu| ihren Theilen durch Vereinigung der j{ Vortrefflichkeiten aller Schulen. . . . \/ Bewundert wegen Reinheit der Zeich- /„ I nung, schönem Ausdruck der Köpfe, 1

-j- 1641 mit 60 J.| und Natur in den Stellungen der Fi- j

\ guren.\

/'Durch die Vollendung seiner Kunst ii

Domentchino (Zampieri), v. Bologna,

Guido (Reni), von Bologna, -}- 1G42mit O7 J.

( kiuiui uic vuueuuuug seiner tvuusr 1111 1

Ganzen bewundernswürdig , da er, iohne im Einzelnen den grössten Mei- J

Lanfranco , von Parma , -J- 1G4- mit ( „ ,, ...

fi-Jahren * Gross und kühn

Ö7 Jahren

Ribera il Spagnoi.etto , von spani-scher Abkunft, 4 " 160O mit 65 J...

ohne im Einzelnen den grössten Mei-stern gleiclizukoinmen , am meistenSchönheiten, Grazie u. vollkomiune IAusführung vereinigt.'

in der Composition...

. im Louvre.

' Eine Schmerzensmutter, von Han-

nihal.‘ Parma.

Man hat von ihnen viele sehr ge-schätzte Werke. im Louvre.

Das Nachtmahl des h. Hieronymus,ein Stück, das man RaphaelsVerklärung nicht weit nachstellt. Rom.

Ein weinender Petrus; es wird für •das vollendetste Kunstwerk inItalien gehalten. Bologna.

Die Morgenröthe, uud eine Kreu-zigung Christi. Bologna.

Die himmlischen Hierarchien. Parma.

Cavedonoinit 83

( Wird für den ersten Meister der neapo- { n . n , . ,

j litauischen Schnlo grl,alten. Er wählte ^ " dt ' er V us ;

; gerne schreckliche Gegenstände.. . . \

[ Besonders wegen der edlen Grazie und regelmässigen Zeichnung seiner| Köpfe berühmt. Man vermisst mehr Mannigfaltigkeit in den Gesichtern,| da er grösstentheils die schönen Züge seiner Frau und seiner Kinder zu» Mustern genommen zu haben scheint.

►, ein Modeneser, 4 - 1660 ( 8 ese ^® lztcr Schüler des Haimihal Caracci, dessen Manier und Compo-j. . | sitiouen er vollkommen nachahmte. Er starb wahnsinnig über unglückliche

. . Xeapel.. . Neapel.

Albani, v. Bologna, 4 ~ 1660 mit 82 J.

Andreas Sacchi , von Rom , 4 - 1661mit Ö2 J.

»glückliche

Familien Verhältnisse.

' Ein Schüler Albani’s, dessen Grazie er / wa- , •• „ ,, ,

. , , , ’ , , \ hiu heil. Romuald, sehr geschätzt. Rom.

erreicht und den er au Geschmack < 1A , , , ... 4 0 D

I ,, .... j Der iod der heiligen Anna. Rnrn.

. wohl noch ubertrmt. { ”

Maler ; ihr Vaterland , ihr Tod.

Barbif.ri, genannt Guercino, weil erschielte ; vou Cento bei Bologna,+ iOOO mit 7O Jahren.

P. Cortona (Beretini) , von Cortona,4 “ 16O9 mit 73 J..

Art und Kunst. Einige ihrer Meisterwerke.

/Durch Bestimmtheit der Zeichnung, / Die heilige Petrouella , ein unver-

! Fruchtbarkeit der Erfindung 11. mar- I _ gleicldiches Gemälde. *Rorn.

( kigen Pinsel ausgezeichnet. Er hin- / Dido, sehr geschätzt. Rom.

| terliess 106 Altargemälde und i 5 o j Die ßeschncidung; die Himmelfahrt\ historische.| der Maria.. Bologna.

I Zeichnete sich durch Grosse der Composition aus. Man wirft ihm aber Mangelan Correktheit iu der Zeichnung und Unregelmässigkeit in den Gewändernvor.

Saf.vator Rosa ,mit 63 J.

Neanel 4 - i 6~3 (-^aler, Kupferstecher und berühmter Dichter. Seine Seestüeke und Seldaeli-1 " ! ten überhaujit , besonders aber das feurige Colorit seiner Gemälde bc-

t gründeten seinen Ruf.

Grimai.di il Bolognese, v. Bologna,4 ~ 1O80 mit 74 ..

Schüler des mit ihm verwandten Caracci ; berühmter Maler und Kupfer-stecher, besonders in der Landschaft eiu Meister. Der Cardinal Mazarininahm seine Kunst drei Jahre zur Verschönerung des Louvre in Auspruch.

Der Ritter Berwii«, t. Neapel, +‘ 68 ° ) Bildhauer, Maler und Baumeister,mit 82 ..*

Die h. Bibiana; vortrefflich. DieKanzel des h. Petrus. Rom.

Preti il Calabrese, eiu Neapolitaner, j4- 1699 mit 56 .. .

Wegen seinem grossen Reiehthmn der / Das Deckengemälde der heiligen

Erfindung und kräftigen Colorit sehr j Johanneskirehe.•. Malta.

geschätzt.(

Die Marter des h. Peters..

. . Paris.

. Der bei seiner crstamienswürdigen Leichtigkeit , die ihm den BeinamenLucca Giordano , ein Neapolitaner, | ja presto verschaffte , eiue unzählige Menge Werke hiuterliess. Er war

4- ... ^aehalimung der Manier andrer Künstler so geschickt, dass die besten

l Kenner getäuscht werden.

Carlo Maratti , von Ancona, 4 * r " f 51 an bewundert in seinen schönen Gemälden besonders die Madonnenköpfe,mit 88 ... einen hinreissenden Ausdruck und erhabne Ideen.

Solimena , ein Neapolitaner, 4 * x " 4 ” I Fine reiche Phantasie und ein friselies f Christoph Colombo.

mit 90 .. * Colorit. ..( S. Maiir.

Rosalba (Camera), von Venedig» t x 7 ^u Zeichnete sich in der Pastell - und Miniaturmalerei aus. Er wurde 1748 blind.

. . . Genua.

. . M. Cassino.

No. XVI. GEOGRAPHISCHE UND POLITISCHE CARTE VON ITALIEN.

PHYSISCHE UND TOPOGRAPHISCHE BESCHREIBUNG

Ehe wir die Vorgänge beschreiben , die den italienischen Boden mit so viel Blut gefärbt, müssen wirder Deutlichkeit wegen einen kurzen topographischen Abriss des Landes vorausschicken. — Italien isteine Halbinsel, deren nördlicher Theil durch ihre Grundmasse mit dem übrigen Theile des festen Landesvon Europa zusammenhängt, während sie von demselben in Hinsicht auf ihre Oberfläche durch die Gipfelder Alpen abgesondert ist; diese ungeheuren Gebirge umfassen und verschliesscn den ganzen NordenItaliens. Wenn man einen Blick auf die Karte wirft, so sieht man , dass sie auf der Seite von Frankreichbeinahe am Meer anfangen und, in einem Halbzirkel erst gegen Norden, dann gegen Osten ziehend,an den adriatischen Meerbusen auslatifen. Diese Kette von Felsen bildet in ihrem ganzen Laufe eine steilabgeschnittene und ziemlich schmale Reihe , ausser gegen Norden , wo die Schweiz , Graubünden undTirol eine grosse Bergplatte bilden , die man für die höchste Gegend iu Europa hält. An dem Orte, wodie Alpeu auf der Seite von Frankreich sich dem Meere nähern, wenden sie sich plötzlich rechts ab,folgen erst regelmässig den Krümmungen des Meeres , und verlängern sieh dann durch die ganze Halb-insel Italien hinunter; diesen Zweig von Gcbirgeu nennt man die Appenninen. Gemeinschaftlich mit denAlpen versehliessen sie beinahe hermetisch den Norden Italieus und bilden ein grosses Bäcker», dessenUmkreis ihr Coutour bezeichnet. Der Po strömt vou Westen nach Osten in der ganzen Länge diesesunermesslichen und reichen Thals; er nimmt rechts und links zahlreiche Flüsse und die ganze Mengevon Bächen auf, die den Gebirgen entstürzen, welche aus der Ferne her seine beiden Ufer beherrschen.

Diess ist der Schauplatz , der sich so oft vom Blute der neuern Völker röthete , der durch Feldlicrrn,die sich unsterblichen Ruhm auf ihm erwarben , Gasto von Foix, Eugen, Catinat, den grossen Veudomeund jene andern , die in unsern Tagen diese berühmten Namen wo möglich noch überglänzt haben, mitso viel Kunst bald vertheidigt bald angegriffen wurde.

VON ITALIEN, zcm VFRSTiBSDiftJS der itEüKait Feidzugk.

Unter den zahlreichen Feldzügen , welche die Neugier des Kriegers nnd des Geschichtschreibers aufsich zu ziehen würdig sind , haben wir nur die der Generale Bonapartc und Suwarow ausgewählt, weildiese uns vor allen andern iuterossiren ; nicht nur gehören sie unter die glänzendsten Ereignisse unsrerTage , sondern durch den reissenden Fortlauf von Siegen , durch die Wichtigkeit der Resultate , durchdeu Ruf ihrer Urheber werden sie auf immer eine der ersten Stellen in der Geschichte behaupten.

Um ihnen genau za folgen » muss man den weiter oben gegebenen kurzen topographischen Abrissvor Augen haben ; man stelle sich also jenes grosse , durch hohe Gebirge so wohl verschlossene Bassiu,jene zahlreichen Flüsse vor, die den Sieger so oft aufhalten , und dem Besiegten so behiilflieh seynmüssen. Von der Schweiz , oder von Tirol aus kommt man auf diesen berühmten Kampfplatz herab,indem man dem Abhänge des Terrains folgt; aber von der Seite Frankreichs her kann man nicht andersin denselben eindringeu , als indem man unzugängliche Gebirge erklettert, oder mit grosser Mühe den jengen und krummen Alpenthälern folgt, deren Ausgänge durch eben so viele Schlösser und Festungengedeckt aind; dahin gehören das Thal von Aosta , der Berg Cenis, der Pass von Susa , Exiles, Fenestrelles,Chdtcau-Dauphin , Barcelonette. — Auf der Seite von Nizza ist em berühmter Eingang , der Col di leiula ydessen Ocffntmg durch Coni beschützt ist. Im Norden von Genua ist die Bocchetta y ein Engpass, den dieFestung Tortona schlicsst. Weiter ostwärts sind die Pässe von Pontremoli. Endlich, noch weiter hin,gegen Pistaja , findet sieh eine andre leichte Cdnimnnieation zwischen beiden Seiten der Apponnineu.Ausser den liier benannten Eingängen hängt Frankreich mit Italien nur durch eine ganz kleine Erdzungegegen Nizza zusammen , von wo ans mau naeli Toscana kommen kann , iudem mau einem zwischen denAppenninen und dem Meere gezogenen schmalen und beschwerlichen Wege, genannt la Corniche, folgt.

BONA PAR TE'S FELDZUG von

Zustand von Italien. Im Monat April 1796 war der Krieg noch vor den Thoren Italiens ; seit vierJahren hatten die an Frankreich grenzenden feindlichen Länder die Stiirke und das Gewicht seinerWaffen gefühlt; Italien allein war bis dahin noch davon befreit geblieben , aber jetzt war der Augen-blick gekommen , wo auch dieses schöne Land, ohne dass inan cs hätte voraussehen können , derHauptschauplatz des Krieges und des Schicksals von Europa werden sollte.

Alle Mächte Italiens, zu ihrer gemeinschaftlichen Erhaltung verbunden (nur Genua , Venedig undToscana ausgenommen), nahmen durch Truppen oder Subsidien an dem grossen Bunde gegen Frank-reich Theil ; zwei Armeen vertheidigten den Eingang dieses Landes , eine piemontesisehe und eineöstreicliische ; sie dehnten sieh an der Rückseite und auf den Spitzen der Appenninen hin , und staudeuder französischen Armee entgegen , deren rechter Flügel an das Meer, gegen Savona , der linke gegendie Gebirge sieh anlehnte. Diess war der politische und militärische Zustand Italiens , als am 9. Aprilder merkwürdige Feldzug von 1796 eröffnet ward.

Begebenheiten. Der östreicliische General Beaulieu griff den General Br.naparte an , der nur ebenzum Oberbefehlshaber der französischen Armee ernannt worden war. — Beaulieu, tliätig und ungestüm,war schon bis zur letzteu Verschanzung im Centrum der französichen Armee durcligedrnngen , welchenoch durch die heroische Hingebung des Brigadechefs Rampon erhalten ward , der mitten im feindlichenFeuer seine Soldaten schwören licss , dass sie in dieser Redoute sterben wollten. Mittlerweile umgehtBonaparte durch ein geschicktes Manöver den rechten F'liigel von Beaulieu uud schlägt ihn bei Monlemtte /von diesem Augenblicke an scheint es, als hätte er das Glück an seine Fahne gefesselt. Drei Tage daraufschlägt er ihn noch einmal bei Millesimo ; den folgenden Morgen wirft er ihn von Dego zurück , undwährend er Beaulieu glauben macht, er werde gegeu Genua ziehen, und dieser ilun zuvorzueilcn sucht,weudet er sich plötzlich links , und steigt über die Appeuuinen in das Piemont herab. Rastlos verfolgtnun Bonaparte die von den Oestreiehern auf diese Weise gänzlich getrennten Piemouteser, schlägt siebei Ceva , bei Mondovi y nimmt Chierasco y Fossano , Alba weg , und stürmt bis auf neun Stunden vonTurin vor, wo er den König vou Sardinien einen Waffenstillstand zu unterzeichnen zwingt, der ihmmehr Vortheile verschafft, als ein paar gewonnene Schlachten. Er bekommt dadurch die F'estnngenConi, Ceva und Tortona in seine Gewalt, die zugleich seinen Rücken sichern und zu seinem weiternVordringen bcbülflicli sind. F 2 r thut als ob er bei Valenza über den Po gehen wollte , und währendBeaulieu sich auf dem entgegengesetzten Ufer verschanzt, fliegt er nach Piacenza , wo er ohne Wider-stand übersetzt und auf seinem Durchzuge den Herzog von Parma von der Coalition losreisst. AlleThätigkeit Beaulieu’s reicht kaum hin , um sich noch iu Zeiten hinter der Adda aufzustellen ; Bonapartcverfolgt ihn und erzwingt mit Sturm den Uebergang über die dadurch so berühmt gewordene Brücke vonLodi ,• mit derselben reissenden Schnelligkeit passirt er den Oglio, den Mincio ; die Trümmer deröstreiehischen Armee sind schon auf der andern Seite der Etsch ; Mantua ist eingeschlossen , der Herzogvon Modena gezwungen , Frieden zu machen; und seit der Eröffnung des Feldzugs sind noch nicht vollezwei Monate verflossen!

Bonaparte, der den General Beaulieu gegen die Gebirge zurückgeworfen hatte, und Meister vomganzen nördlichen Italien war , wendet sich jetzt gegen die Staaten des Papstes , nimmt Bologna , dasFort Urbino , Ferrara weg , und indem er sich stellt, als ob er durch Toscana gegen Rom marschirenwollte , nimmt er plötzlich seine Richtung auf Livorno , wo er eine Besatzung eiulegt, während er denPapst und den König von Neapel einen Waffenstillstand zu unterzeichnen zwingt.

Inzwischen hatte der Wiener Hof eine neue Armee znsammengebracht; TVurmser erhielt das Commandoüber dieselbe; seine Absicht war, Mantua zu befreien. Den 29. Juni setzt er sich in Bewegung; er theiltseine Armee in zwei Corps; das eine zieht links am Garda-See hinab, dringt nach Brescia vor undbedroht Bonaparte im Rücken , während das andre , welches Wurmser in Person commandirt, auf derrechten Seite jenes See’s hinabrückt und auf Mantua Iosmarscliirt. Bonaparte, von zwei Seiten bedrängt,fasst in dieser verfänglichen Lage schnell seinen Entschluss ; er hebt die Belagerung auf, gewinnt Zeitüber Wurmser, stürzt auf das Corps, das in seinem Rücken vordrang, schneidet demselben den Rückzugab, vernichtet es, eilt dann gegen Wurmser zurück, der ihm auf der Ferse nachgefolgt war, schlägt ihnmit grossem Verluste den 3 . August hei Castiglione , den 5 . etwas weiter hin bei Lonato, den 6. amMincio, und zwingt ihn sich in die Gebirge von Tirol zu flüchten. Indess hat Bonaparte , dessenThätigkeit unermüdbar ist, nicht sobald die Blokade von Mantua wieder hergestellt, als er selbst sieh

1796. Siehe den Wf.g auf der Carte.

in Bereitschaft setzt, den General Wurinsea anzugreifrn , der einen Tlieil seiner Truppen in Tirol auf-gestellt hatte und mit den übrigen bei Bassano gelagert war ; er lässt auf beideu Seiten der F.tseh alleGcbirgsposten erstürmen , die einer nach dem .andern fallen. Die F’ranzosen nehmen der Reihe nachRoveredo, Trient, fzivis weg, und indem sie hierauf ihn* ganze vereinte Macht gegen W unnser wenden,schlagen sie ihn bei Bassano , schneiden ihm den Rückzug ah uud lassen dem unerschrockenen "Veterankeine andere Wahl übrig , als sich mit dem Ueherrcste seiner Armee zu ergeben, oder Mantua zuerreichen , das 4 bis 5 Tagmärsche von ihm entfernt lag ; ein verzweifelter Entschluss , den er dochendlich zu unternehmen wagt, und trotz, vielfachen Gefechten und Hindernissen aller Art auszuführendas Glück hat.

Der Widerstand von Mantua gibt den Oestreiehern Zeit, eine dritte Armee zum Entsatz dieser Festungznsammenzubringen. An der Spitze derselben rückt General Alvinzy im Anfänge des Novembers bis andie Etsch vor ; aller nach mehreren verzweifelten Gefechten wird er in der blutigen Schlacht von Arcole ydie so hartnäckig und so lange unentschieden war , gänzlich geschlagen.

Alvinzy zog sieh gegen Tirol nnd die Brenta zurück ; zwei Monate wurden dazu angewendet, ihnwieder zu verstärken. Nach Verfloss derselben machte er einen letzten Versuch ; er war blutiger,schrecklicher und zerstörender für ihn , als der erste ; innerhalb acht Tagen hatte die Schlacht bei Rivoliund sechs kleinere Gefechte die Vernichtung dieser zweiten Armee des Generals Alvinzy zur Folge. Einervon den Geueraleu , die unter ihm coinmandirten , Provera , drang mit eiuer Colonne von sechstausendMann bis unter die Mauern von Mantua, und musste dort das Gewehr strecken, da er nicht in den Platzeindringen konnte.

Bonapartc, der nun ohne alle weitere Besorgnisse über das Schicksal von Mantua seyn konnte, welchessieh in der That auch wenige Tage darauf ergab, marsehirt gegen den Papst, der seinen VN affenstillstandgebrochen hatte; er nimmt Faenza , Ancona , Loretto weg , und sein weiteres Vordringen wird nurdufrcli eineu FVieden gehemmt, dessen Bedingungen er dietirt. Jetzt sammelt er alle seine Streitkräfteim nördlichen Theile Italiens , wo er iin Monat März einen neuen Feldzug eröffnet. Der Erzherzog Ca/lwar so eben ans Deutschland dort angekommen; allein was konnte er mit neuen oder durch Niederlagendesorganisirten nnd niuthlos gemachten Truppen gegen ein Heer, das stark war durch ein Jahr vonSiegen , und unter einem unüberwundenen F'eldherrn sieh seihst auch unüberwindlich dünkte ? Auchwar es von Bonaparte’s Seite nichts als ein fortdauernder Marsch , von Seiten des Erzherzogs nichts alsein beständiger Rückzug. Die Franzosen gingen in raschen Zügen , unter den Augen des F'eindes, überdie Piave, den Tagliamento und den Isonzo ; sie zogen über die norischen Alpen und rückten in dieEbenen Deutschlands herab, geradezu gegen Wien , nachdem sie auf ihrem Marsche Udine, Palmanova,Gradiska , GÖrtz , Triest weggenommen hatten ; sie machten endlich zu Leoben , einige Märsche vonWien, Halt, wo am 18. April die Präliminarien zu Stande kamen , die am 17. October 1797 7U Campo-Formio y bei Udine , in einen Defiuitivtractat verwandelt wurden. Bouaparte , der nun wieder mit seiuerArmee nach Italien zurückkam , endigte seinen thatenreichen uud glänzenden Feldzug durch dieEinnahme von Venedig.

Nie brachte ein Feldzug in der neuern Geschichte so viele militärische Ereignisse nnd so grossepolitische FVdgen hervor. In dem kurzen Zeitraum eines Jahres wurde Italien, welches bis dahin nur einunbedeutender Punkt war , der Hauptschauplatz des Kriegs ; alle Augen waren auf die andre Seite derAlpen gerichtet; dort suchte man die Lösung über das Schicksal von Europa. Mau sah hier eiue völligneue Art Krieg zu führen , dass man nämlich nicht eher nachliess zu schlagen , als bis die entgegen-gesetzte Armee vernichtet war; dass man sich durch die croberteu Völker rekrutirte, sieh durch dieKönige und Fürsten selbst, die man um diesen Preis schonte, kleiden, nähren, zahlen, beritten machenliess ; aber vor allen Dingen , dass man alle diese Vortheile zugleich init eiuer Schnelligkeit undBeharrlichkeit nützte , wovon man bis dahin kein Beispiel gesehen hatte. Ganze Regierungen ver-schwanden ; so die Republik Veuedig, die Herzogtümer Modena , Mailand und Mantua ; andrewurden zerstückelt. Der Papst verlor seine nördlichen Provinzen , und der König von Sardinien s -inStammland Savoyen und mehrere wichtige Posten. Andere veränderten Namen und Verfassung; diegenuesische Aristokratie ward in die ligurisehe Demokratie umgestaltet. Noch andere erschienen jetztzum erstenmale auf der politischen Schaubühne ; die Länder diesseits und die jenseits des Po bildet neine Zeitlang die cispadanische und transpadanische Republik , welche in der Folge unter dem Nauiender cisalpinischen zusammengeschmolzen wurden. (Geschrieben im Jahr 1802.)

S UW ARO wj FELDZUG VON 1 7 £

Italiens Lage. Die Franzosen waren Meister von allen festen Plätzen , von allen Pässen , von allenPosten , mit einem Worte von allen Ländern Italiens , bloss den sehr kleinen , auf dem östlichen Uferder Etsch gelegenen Theil ausgenommen. In dieser Lage fingen sie den Krieg mit allem Vortheil derStellungen, der Zahl und des günstigen Augenblicks wieder an; ihr Plan für den Feldzug war einer derweitumfassendsten, die je gedacht wurden. Meister von der Schweiz, hatten sie diesen hohen und schweranzugreifenden Punkt zum Centrum ihrer Armee, unter dem Oberbefehl von Massena , gemacht; dieitalienische Armee, unter Scherer , bildete den rechten, und die Rheinarmee, unter Jourdan, den linkenFlügel. Der verabredete Zweck dieser drei mächtigen Corps war, über Tirol hinauszurücken und sich vordieser Masse von steilen Gebirgen aufzustcllen; dann sollten sie alle drei vereinigt gegen Wien marschirenuud vielleicht die östreicliische Monarchie stürzen. Allein dieser grosse und gefährliche Plan schlug fehl,weil der Umfang der Mittel mit der Grösse der Unternehmung nicht im Verhältnis stand. Berauschtvon den vorigen Siegen , verlicss man sich von Seiten der französischen Regierung zu sehr aufs Glück;man zählte zu sehr auf die Schwäche des Feindes, berechnete zu wenig die feste Beharrlichkeit, die eineder schätzbarsten Eigenschaften des deutschen Kriegers ist.

Begebenheiten. Den 26. März 1799 und die folgenden Tage that Scherer verzweifelte Angriffe aufdie Oestreielier, um sie aus ihrer Stellung bei Verona zu verdrängen und an die Brenta zurüekzuwerfen.Der General Kray , welcher die letztem commandirte , schlug alle seine Angriffe zurück , und machtebald seihst einen Versuch gegen die Franzosen im Lager von Magnano , zwischen Verona und Mantua.Der Sieg , der lange unentschieden war , blieb zuletzt den Oestreiehern. Der geschlagene Scherer zogsich über den Mincio, den Oglio, die Adda zurück nnd legte das Commando nieder. Allein der schwacheUeberrest seiner Armee befand sich in einer allzu kläglichen Lage , als dass die Veränderung der Heer-führer eine Veränderung im Glück hätte bewirken können ; von der eineu Seite stellte Moreau mit edlerHingebung sieh an die Spitze des kleinen Haufens, den Scherers Unfähigkeit noch übrig gelassen hatte,während von der andern der berühmte Aaicarow den Oberbefehl der vereinigten östreiehisch-russischenHeere übernahm. Der Uebergang über die Adda und der Sieg bei Cassano waren die ersten Lorbern,die der furchtbare Eroberer von Ismail und Praga auf dem Boden Italiens pflückte. Der neuen Art Kriegzu führen , die ira Grunde immer die seinige gewesen war , getreu , sah man ihn mit reissenderSchnelligkeit den Sieg benutzen , das Land mit seinen Truppen überschwemmen , kühn über die festenPlätze hinausrücken und den Feind rastlos drängen, ohne ihm Zeit zur Erholung zu lassen.

Moreau hatte eine mit grossem Verstaude gewählte Stellung zwischen dem Po und dem Tanarogenommen ; er war auf der F'ronte durch den Zusammenfluss dieser zwei Ströme gedeckt, und seinebeiden Flügel waren durch Alexandria , eine beträchtliche F’estuug , und Valenza beschützt; hier hoffteer die Truppen , welche Massena ilun aus der Schweiz zuseuden sollte , Macdonalds Armee von Neapelher und die Verstärkungen, die ihm aus Frankreich zukominen sollten, vereinigen zu können. Suwarowmachte mehrere vergebliche Versuche , diesen wichtigen Posten in der Fronte wegzunehmen , und da esihm nicht gelingen wollte , umging er denselben auf der linken Flanke hei Casale. Moreau musste siehnun , um eine gänzliche Vernichtung zu vermeiden , auf Ccni zurückziehen ; er überliess Suwarow dasganze grosse Bassin von Italien , worin dieser sieh nach allen Richtungen ausdehnte , und 70 Tage uaclidem Miederausbruch der Feindseligkeiten schon im Angesichte der alten Grenze Frankreichs stand.

Inzwischen, obgleich Suwarow Meister des Landes war, hatte er doch Vieles zu thun, um sieh dessenBesitz zu sichern. Er hatte deu F'eiud aus dem grossen Bassin , das wir oben beschrieben haben , ver-drängt ; es kam nun darauf an , ihn zu verhindern, wieder in dasselbe einzudringen , und zu dem Endemusste er ihm die Festungen, die er darin besetzt gelassen hatte , wegnelunen ; er schob mehrere Corps

9. Siehe den Weg auf der Carte.

an den Eingang verschiedener Thäler der Alpen und Appenninen vor, eröffnete sich eine Commnnicationmit dem Erzherzog Carl durch die Schweiz und Graubünden, und betrieb zu gleicher Zeit die Belagerungoder die Blokade von Peschiera , der Citadelle von Mailand , Mantua , Ferrara, Turin, Alexandriaund Tortona. Mehrere Kenner der Kriegskunst haben ihn getadelt, dass er auf solche Art seine Streit-kräfte zerstreut und seine Uebermacht und seine Siege aufs Spiel gesetzt habe. Allerdings zwar brachteihn der kühne und schöne Plan der französischen Generale in grosse Gefahr; aber wenn er einen Felderbeging, so machten seine Talente ihu wieder gut, und wenn es wahr ist, dass der glückliche ErfolgAlles rechtfertigt, so sprach ihn der Sieg von allem Vorwurf frei. Moreau hatte sich mittlerweile überden Col di Tenda auf Genua zurückgezogen ; von da schickte er einen Theil seiner Armee ah , um zuMaedonald zu stossen , der , nachdem er durch einen der schönsten Märsche die Armee aus demsüdlichen Italien heraufgeführt hatte , durch die Pässe von Pistoja und Pontremoli debouchirte , dieverschiedenen östreiehischen Corps, auf welche er traf, schlug, zurückwarf, und nachdem er anfänglichauf Mantua zu gehen Mine machte , sieh plötzlich zur Linken abwandte und siegend gegen Tortonamarschirte, wo er sich mit seinem Collegen Moreau vereinigen sollte, der mit dem übrigen 1 heile seinerausgeruhten frischen Truppen von Geuua aus über die Boelietta vorgerückt war. Schon hatte MaedonaldModena , Reggio, Parma und Piacenza durchzogen; schon schien er das gewünschte Ziel so gut wieerreicht zu haben ; noch einen Tag, und es war vielleicht um Suwarow , seinen Ruhm und ftaliengethan ! Nur noch ein Tag, und der schöne Plan der beiden französischen Generale konnte in Erfüllunggehen ! Vereinigt in der Zahl von mehr als sechzigtausend Mann wären sie über den Po gegangen , undallerwärts iiberlegen , umwickelten sic Suwarow zur Linken , dehnten sich auf ihrer rechten Flanke bisan die Etsch hiu aus , machten so mit einem einzigen Schlage alle ihre Unfälle wieder gut und richtetendie Alliirten auf immer zu Grunde. Suwarow durfte nicht eine Stunde , nicht einen Augenblick mehrverliereu; seine Schnelligkeit rettete Alles. Kaum war er von dieser neuen Lage der Dinge benachrichtigt,so brach er mit Blitzesschnelle aus der Gegend von Turin auf, um sich Maedonald entgegenzuwerlen.Er trifft auf ihn hei San Giovanni y in einiger Entfernung von Piacenza , und hier schlugen sieh beideHeere wie für die Oberherrschaft Italiens. Der Kampf währte drei Tage nach einander , und die Trebia,die schon Hannibals Sieg berühmt gemacht hatte , ward es nun von neuem durch Suwarow’s Sieg. Erwürde grossem Vortheil daraus gezogen haben , wenn nicht die Nachricht von den Vortheilcn , dieMoreau inzwischen erfochten hatte, ihn zurückgerufen hätte. Er eilte mit derselben Schnelligkeit dahin;schon war Tortona entsetzt; er besetzte es von neuem , und Moreau musste sich wieder über dieAppenninen in das Genuesische zurückziehen.

Inzwischen fing Suwarow schon an, die Frucht seiner thatigen Sorgsamkeit zu ernten ; fast alleFestungen hatten capitulirt; Mailand , Turin , Mantua , Alexandria waren iu seiner Gewalt; lortonaallein hielt sich noch , und konnte nicht mehr langen M'iderstand leisten. Joubcrt, der eben jetzt zumObcrgeneral der französischen Armeen ernannt worden war, wollte diesen Platz noch zu retten suchen;er bricht aus dem Genuesischen auf und rückt gegen Novi vor ; Suwarow greift ihn an , und hier wirdeine der Wütigsten Schlachten im ganzen Laufe des Krieges geliefert. Man schätzt den Verlust beiderHeere auf mehr als 3 o,i>oo Mann. Der tapfre Joubcrt war einer der ersten auf dem Sehlaclitleldegefallen; Suwarow blieb Sieger , und der Preis des Siegs war Tortona.

Hier endigte Suwarow seinen thatenreichen F’eldzug in Italien; er verliess dieses Land, um den Kriegin die Schweiz zu verlegen. Unser Gegenstand erlaubt uns nicht, ihm dorthin zu folgen , wo er sieheine neue Art von Ruhm mitten unter unzähligen Schwierigkeitenund unvorhergesehenen Verwickelungen,mitten unter Unglücksfällen selbst erwarb , die auf ihu hcreinstürmten.

FELDZUG DES ERSTEN CONSULS BONAPARTE im Jahr 1800. Siehe den Weg auf der Carte.

Wer hätte nach den hier beschriebenen Feldzügen , welche durch die Kühnheit und Neuheit derUnternehmungen , durch die schnelle Reihenfolge von Siegen und durch die Mächtigkeit der Ereignisseso ausserordentlich waren , — wer hätte nicht alle Hülfsuiittel der Kunst für erschöpft halten sollen?M'er hätte geahnct, dass eiu dritter F'eldzug, so überlegen in seinen Combinationen und in seinenFolgen, so kurz, so glücklich, so durchaus entscheidend, Statt haben würde, dass er einem wahrenZaulierwerk gleichen , und die beiden andern vergessen machen könnte ? Und doch war diess der Fall.

Italiens Lage. Der letzte Feldzug hatte die Oestreielier zu Meistern des ganzen grossen Bassins vonItalien gemacht; sie besasseu alle festen Plätze desselben, den Lauf der F'lüsse und die Zugänge, durchwelche der Feind eindringen konnte ; ihre Armee war so schön und befand siqh überhaupt in einer soglücklichen Lage , wie nur jemals eine seit dem Anfänge des Kriegs ; in ihrem Rücken hin dehnte sichdas fruchtbare Italien aus , das ihr den Ueherfluss sicherte ; das Vcltlin und Tirol waren ihr Stützpunktauf der rechten Flanke und dienten zu ihrer llecrutiruug, während auf ihrer linken Flanke eiue englischeFlotte , welche Gebieterin auf dem mittelländischen Meere war , mit ihr zusammenwirkte und ihreBewegungen unterstützte. Genua war der einzige wichtige Punkt, der noch vou den französischenMaffen besetzt war ; hatte man diese Stadt eingenommen oder niaskirt, so stand, wie es schien , nichtsmehr eiuer Invasion iii Frankreich entgegen; und wenn man die im letzten F'ehlzuge von den Franzosenerlittenen Unfälle, deu kläglichen Zustand der Armee, die Erschöpfung der Finanzen, die Neuheit derRegierung, die Anzahl und Beschaffenheit ihrer innern Feinde betrachtete , so musste Alles glaubenmachen , dass diese Invasion einen unfehlbaren und vollständigen Erfolg haben würde ; die Alliirtensahen die Sache von dieser Seite an , und der grösste Theil vou Europa war hierin mit ihnen gleicherMeinung.

Begebenheiten. Den 5 . April eröffnet General Melas den Feldzug an der Spitze der östreiehischenTruppen auf eine glänzende Art; er ersteigt die Appenninen , und indem er die französische Armee inzwei Theile absehneidet , schlicsst er den General Massena iu Genua ein, während er den GeneralSuchet gegen Frankreich zurücktreibt. Schon war ein Monat verstrichen , das ganze Küstenland vonGenua war bezwungen , Melas war in Nizza; das blokirte Genua konnte sich nicht lange halten , undman sah noch nicht die Mittel, welche Frankreich seinen siegreichen F'eindcn entgegensetzen könnte,oder besser gesagt, man glaubte auswärts nicht, dass es demselben möglich wäre , irgend etwasentgegenzusetzen. Eiue der ersten Handlungen des Generals Bonaparte , der sechs Monate vorher zumConsulat gelangt war , hatte darin bestanden , dass er die Versammlung einer Reservearmee zu Dijonbefohlen hatte; allein da diese Armee hauptsächlich aus Conscribirten aus den Provinzen uud aus jungenF'reiwilligen aus den Städten bestehen sollte , da sie überdiess von dem Feiude durch natürlicheHindernisse , die man für unübersteiglioh hielt, getrennt war , so war sie — entweder aus blinderParteilichkeit , oder auch zufolge einer schlauen Politik von Seiten Frankreichs — in den meistenZeitungen Europa’s unter einer so falschen Gestalt dargestellt worden , dass sie im Auslande weit mehrein Gegenstand des Spottes als der F'urcht war. Eiuen ganzen Monat später, als die Oestreielier, die sieviel zu wenig achteten , um Notiz von ihr zu nehmen , setzte sie sich in Marsch. Sie brach unter demOberbefehl des Generals Berthier auf, und Bonaparte , der ihre Operationen in Person leiten wollte,traf ira Wallis hei ihr ein. Sie kommt am F'nsse des grossen St. Bernhard an , und erkämpft hier ihrenersten Sieg über die Natur, die sie überall bezwingen musste ; eine ganze Armee , Pferde , Kanonen,zogen in weniger als eiuer Woche über ungangbare Wege , und stellten dem erstaunten Italien dasmagische Schauspiel eines Heeres dar, das aus den Wolken hcrabgefallen zu seyn schien.

Der General Lannes, ander Spitze des Vortrabs, rückt durch das Thal von Aosta vor, und zerstreut dieschwachen Detachements, auf die er trifft; er zieht durch Aosta und Chatillon, umgeht das BergschlossBardo , an dessen Fusse die Truppen und die Artillerie mit bewundernswürdiger Kühnheit vorüber-ziehen , er nimmt Ivrea weg , setzt mit Gewalt über die Chiusella und zieht sich vor Cliiavasso. In demMasse wie die Armee ihren M'eg gegen Süden nimmt, ziehen andere Corps durch die verschiedenenAlpenpässe nach Italien heraus , um sieh mit ihr zu vereinigen , oder den F’eind zwischen zwei Feuer zubringen. Turreau überwältigt Brunetta , uud rückt vor, als ob er sich mit dem General Lannes ver-einigen wollte.

Nichts kam dem Erstaunen gleich , welches diese reissend schnellen Fortschritte erregten , — nichtsals die Verblendung des Generals Melas , der , noch immer auf seinem Irrthume über die Reservearmeebeharrend , in Nizza unwiederbringliche Augenblicke verlor. Die Spitze , welche General Lannes gegenChivasso geboten hatte , war indessen bloss eine F'inte geweseu , um den Feind dahin zu lockcu oderzurückzuhalten. Mittelst einer vortrefflich ausgedachten Combination hatte Bonaparte durch die Schweizuud durch Graubünden verschiedene Corps vorrücken lassen , welche über den Simplon und Gotthardtdebouehirten , die Thäler der Sesia und des Tessino säuberten , nnd den Feind , den sie in die Flanke

_

nahmen, verhinderten ,’ den Uebergang derselben zu vertheidigen. Mittelst dieser zwei Diversionenauf Chivasso und am Fusse von Graubünden führte das Centruin der Armee den glücklichsten uudglänzendsten Ueberfall aus. General Murat , der anfänglich den Spuren von Lannes zu folgen schien,verlast auf einmal die Doria , indem er sich plötzlich links abwendet, auf Vercelli loseilt, die Scsiapassirt, in Novara einrückt, über den Tessino setzt und in Mailand eintrifft, wo Bonaparte, nicht mehrals acht und zwanzig Tage nach seiner Abreise von Paris, seinen Einzug hält! !

In dem Masse, wie die Bewegung des Centrums von Statten ging» waren die beiden Flügel demselbennachgefolgt uud näherten sich ihm. Lannes, der längs dem Po hinzog, kommt über Vercelli und nimmtPavia weg , einen der Haupt-Niederlagsortc des Feindes , wo man unermessliche Magazine fiudet,während der General Moncey , der über den Gotthard gekommen war, sich gegen den Coino herab-zieht ; sobald die Armee hinter dem Tessino gedeckt ist , dehnen sich zahlreiche Detachements schnellostwärts aus ; die Generale Izicchi, Duhesme und Loison setzen auf verschiedenen Punkten über dieAdda und den Oglio , reinigen das Land bis uach Brescia und bis über Orsinovi hinaus , und indem siesieh dann auf Cremona zurück werfen, sehliessen sie im Umfange ihres Marsches unermessliche Proviant-vorräthe ein. Die Armee bemächtigt sich in Piacenza des Ueherrestes der feindlichen Magazine , nndvereinigt sieh in Masse bei Stradella , einer sehr wichtigen Stellung, welche die letzte leichte Communi-cation der östreiehischen Armee mit dem übrigen Theile Italiens abschneidet.

Inzwischen hatte Melas , endlich überzeugt von dem Daseyn einer starken französischen Armee , undbestürzt über die misslichen Berichte, die ihm vou allen Seiten her zukamen, Nizza verlassen, um nachPiemont zurüekzukehren , und dem General Ott den Befehl zitgeschickt, die Belagerung von Ge nuaaufzuheben; eine Operation , welche dieser um vier und zwanzig Stunden verschob, um deu Platzseihst, der so eben capitulirt hatte , iu Besitz zu nehmen ; allein diese treulose Gunst des Glücks warvielleicht mehr schädlich als vorteilhaft, weil in der kritischen Lage , worin die Sachen sich befanden,einige Stunden Zögerung, einige Soldaten weniger vielleicht entscheidende Dinge waren. Ott, sobalder Garnison nach Genua geworfen hatte , eilt dem Feinde entgegen an den Po , in der Absicht, ihnzu bekämpfen , ehe er sich noch festgesetzt hätte ; allein alle Eilfertigkeit war nur eine vergeblicheAnstrengung geworden ; die Franzosen kamen ihm schon in gleicher Absicht entgegen. Beide 1 heiletreffen auf einander bei Casteggio , wo es zu einem schrecklichen Gefechte kommt, dessen Ausgangvon schlimmer Vorbedeutung für die Oestreicher war. Die Franzosen, welche Sieger blieben, verfolgtenden FVind bis an die Bormida , jenseits welcher sich nun alle östreicliisehen Truppen concentrirt fanden.Inzwischen wurde die Lage des Generals Melas kusserst kritisch; der General Chabran bedrohte ihn vonder Seite von Valenza , die Armee des Generals Suchet näherte sich ihm ira Rücken , Bonaparte selbstdrängte ihn von der FVonte ; eingeschlossen zwischen dem Po und der Bormida, fand sich sogar seinRückzug «egen Genua von diesem Augenblick an abgesehnitten ; dem unglücklichen Feldherrn bliebnichts anderes mehr übrig, als sich einen M'eg mitten durch die FYanzosen zu öffnen, oder seine Sachendurch einen entscheidenden Sieg wieder herzustellen. In der einen oder der andern Hoffnung liess erii 14. Juni seine Truppen über die Bormida zielten, und so begann der denkwürdige lag von Marengo.Man kennt aus den 'Tageblättern jener Zeit alle einzelnen Umstände dieser berühmten Schlacht; wiejeder Theil mit Verzweiflung für Ehre , Ruhm und Oberherrschaft stritt; die lange Ungewissheit desSieges, das vielfach wechselnde Waffenglück der Kämpfer ! viermal driugen die Franzosen als Siegervor, viermal ziehen sie sich als Besiegte zurück ; sechzig Stück Kanonen werden genommen und wiedergenommen ; zwölf Angriffe der Reiterei haben mit verschiedenem Erfolge Statt; endlich , gegen 3 LhrNachmittags , neigt sich die Sehaale ganz zum Vortheil der Oestreicher ; schon dehnen sie sieh aus , umdie Frucht des Siegs einzusamraelu , und diese Bewegung bringt sie um den Sieg. Denn der un-erschrockene Desaix , der im Rücken der französischen Armee ein Reservecorps heranführt, wird derfeste Punkt, hinter welchem die Armee sich wieder sammelt und stellt. Er marsehirt vorwärts , und nnAugenblick nimmt Alles eine neue Gestalt; die Oestreicher, die sich zu sehr ausgedehnt hatten , werdenin ihrem Centruin durehbrocheu ; dadurch fiuden sich ihre F'lügel getrennt; ein beträchtliches Coq>s vonGrenadieren, den General Zach an ihrer Spitze, wird zu Gefangenen gemacht, die Verwirrung erreichtden höchsten Grad , die Bestürzung ist allgemein und der Sieg ist den Franzosen. Die Nacht bricht ein,und sic kennen den ganzen Umfang ihrer errungenen Vortlieile noch nicht. Ein Abgesandter von Melaserscheint als Parlamentär, man unterhandelt , uud am folgenden Tage vernimmt die Armee, undverkündigt es dem erstaunten Fhiropa , dass durch einen letzten Federzug Italien wieder erobert, dieOestreicher an die Etsch zurückgeworfen sind und der Feldzug geendigt ist.

Diesen Ausgang nahm die blutige , aber entscheidende Schlacht von Marengo. Welches auch diekünftigen Ereignisse seyn mögen, so wird sic in der neuern Geschichte immer eiuen kusserst glanzendenRang einnehinen , und die Zeit, die zuletzt allen Dingen ihre wahre Stelle anweist, wird sic vielleichtneben der Schlacht von Zama einsehrciben , die das Schicksal der Welt entschied. (Geschrieben 1802).

Stehender Satz, mit Didot’schen , dem Verleger Johann Velten eigenthinulicli zngehorcnden Schriften. Gefertigt und gedruckt hei G. Drain. 182