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Historisch-Genealogisch-Geographischer Atlas von Le Sage Grafen Las Cases in fünf und dreisig Uebersichten
Entstehung
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VON DER GESCHICHTE FRANKREICHS

IM allgemeinen.

Die Geschichte Frankreichs , wenn inan bis auf seine Entstehung zuruck-geht , umfasst einen Zeitraum von beinahe 1400 Jahren. Drei Familienhaben in dieser Zeit regiert : die Merovinger , die Carolinger und dieCapetinger , und so bildet sieh von seihst eine Abtheilung dieser Geschichtein drei Perioden , von denen jede ihre besondern Gesetze und Sitten , ihregrossen Fürsten , ihre Revolutionen , mit einem Wort , ihren eignenCharakter hat. Die Verschiedenheit dieser drei grossen Massen macht esmöglich , sich mit jeder allein zu beschäftigen , ohne Nachtheil oderVerwirrung für die beiden andern befurchten zu müssen , und wir wollenuns daher auf unsrer historischen Carte darauf beschränken , die drittePeriode , die der Capetinger, darzustellen, die beiden ersten aber nur kurzanzudeuten. Man wird eine nähere Entwickelung von diesen auf lofel 3 ,Geographie der Geschichte, linden ; sie bedürfen aber weniger Ausführ-lichkeit , denn je mehr sich die Regebenheiten von uns entfernen, je mehrdie Kette der Ueberlieferang unterbrochen ist , desto weniger Interesseerwecken sie , desto weniger verdienen sie unsre Aufmerksamkeit.

Fragen wir nach der Entstehung, nach den ersten Zeiten der französischenMonarchie , so vernehmen wir nur von Y ermuthungen , von künstlichenBeweisen ; überall ist Dunkelheit. Wann und wie haben sich die Frankenin Gallien festgesetzt ? Geschah es unter Chlodwig oder lange vor ihm?Dieser Fürst und seine Vorfahren, waren sie wirkliche Könige, oder bloseHäupter von Abenteurern ? Hat sich Chlodwig durch einen plötzlichenEinfall und allein durch die Gewalt der Waffen des Landes bemächtigt,oder durch kluge Unterhandlungen , durch eine geschickte Politik ? Warder Thron erblich, war es ein Wahlreich ? Wurden die Gallier zu Sklavengemacht oder nicht ? Lebten die Franken in democratischer Gleichheit,oder erkannten sie unter sich eine vorherrschende Aristocratie ? Bildetendie Leudi , Getreuen oder Antrustionen eine besondre politische Classe?War es ein erblicher Adel, waren es Beamte , oder bezeiehnete man damiteine besondre Gunst oder Belohnung ? Nahmen die Franken nach ihrerNiederlassung in Gallien Besitz von den Ländereien , zahlten sie ihremFürsten Steuern , brachten sie das Lehnsystem mit , oder ahmten ihreKönige die römische Art nach , beneficia militaria zu verleihen ? Hattenihre Fürsten unumschränkte Macht, wie die Kaiser hei den Römern , oderwaren sie mehr Obrigkeiten als Monarchen , wie hei den Deutschen ? —Man könnte nicht aulhören , wenn man alle die wichtigen Fragen aufzählenwollte, die selbst nach den Untersuchungen der berühmtesten Schriftstellernoch als unentschieden zu betrachten sind. Adrian von Valois, Boulain-Alliers, Dubos, Daniel, Montesquieu, Velly, MablyxxnA D. rlle Ixzardierehaben sieh hauptsächlich damit beschäftigt, aber bei viel Geist und scharf-sinniger Ausführung wenig Wahrheit und Beweise geliefert, wie es auchnicht anders seyn konnte. Es fehlt uns für jene entfernten dunkeln Zeiten anhinreichenden und zuverlässigen Quellen; nirgends einezusaminenhängendeGeschichte , nicht einmal ein vollständiges Denkmal, nichts als einigezerstreute Spuren > zwischen denen sich ungeheure Lücken linden. Mansollte eher meinen , man hätte die sibyllinischen Bücher zu erläutern , alsgeschichtliche Materialien zu bearbeiten. Daher linden wir denn auch z. B.hei Boulainvilliers die Behauptung : Chlodwig sey ein bloser Führer vonAbenteurern gewesen, den ein glücklicher Ueberfall auf den Thron Gallienserhoben , während Dubos sagt: die allgemeine Stimme der Völker , die ersich durch seine Politik zu gewinnen gewusst, habe ihn darauf berufen.Nach jenem Schriftsteller bildeten alle Franken die adliche Classe , nachdiesem sollen sie gar keine Idee vom Adel gehabt haben. Diess veranlasstedenn die Aeusserang Montesquieu s, der Keinem von beiden Recht gibt,das Werk des Ersten sey eine wähl e Verschwörung gegen den dritten Stand,das andre eine Verschwörung gegen den Adel. Montesquieu wird dagegenwieder von Mably widerlegt , und auch dieser wird ohne Zweifel seinenGegner haben. Wozu aber mit der Fackel durchaus in eineGegend hinab-leuchten wollen , wo sie ihrer Natur nach auslöschen muss ? Uns genügtes , auf diese Ungewissheiten aufmerksam gemacht zu haben , und wirgehen nun noch einige Umrisse von dem Bilde jener dunkeln Zeiten.

PERIODE.DER MEROVINGER,dauert 33 1 Jahre unter 22 Königen.

Pharamond ist der erste , Chdderich III. der letzte K önig dieser Periode;von Meroveus trägt sie den Namen ; ihr Held ist Chlodwig. Damals wurdenoch die Krone unter alle Söhne vertheilt ; das war das Verderben derDynastie ; es erschwert auch ihre Geschichte. Drei solche Theilungen sindmerkwürdig. Die erste unter Chlodwigs vier Söhne. Nach vielen Kämpfen undVerbrechen blieb Clotarl. allein übrig, und vereinigte wieder die fränkischeMonarchie. Nach seinem Tode trat eine neue Theilung unter seine vierKinder ein ; neue Unruhen , neue Abscheulichkeiten fe lgten. Clolar II.,sein Enkel , benschte endlich wieder allein über das fränkische Gebiet:aber schon unter Jen beiden Enkeln des Letztem erfolgte die TheilungFrankreichs in das östliche oder Austrasien , und in das westliche oderNeustrien, ln Austrasien erloschen die Könige zuerst, nun war die Erbfolgean den Königen von Neustrien ; aber Pipin von Heristal, der major domns,

| verhinderte es , und zwang sogar jene Könige , ihn zugleich zum majordomus von Neustrien anzunehmen. Ohnehin war schon längst alle wirklicheGewalt mit dieser Stelle verbunden gewesen , und es brauchte nichts alsdiese Vereinigung , um das gänzliche Verderben der Merovinger herbei-zuführen. Da die beiden obersten Staatswürden , die des Königs und desmajor domus, erblich waren, und da der Zufall wollte, dass hei der letzter»lauter grosse Männer auf einander folgten , auf den Thron aber lauterunfähige Leute kamen, so waren bald die Grosshofmeister Alles, die Königenichts ; daher diese auch in der Geschichte mit dem Namen Scheinkönigebezeichnet werden. Pipin der Kurze ward nun endlich müde , das Amteines K önigs zu versehen , ohne den Namen zu tragen; er beseitigte vollendsdas Schattenbild , das er hatte bestehen lassen , und bestieg den Thron;mehr, so schien es , in Folge einer hlosen Anordnung, als einer Revolution.Die erste der erwähnten Theilungen ist besonders desshalb merkwürdig,weil sie das erste Beispiel von dem salischen Gesetze liefert; bei der zweitenerscheinen die Königinnen Brunhilde und Fredegunde , beide berühmtdurch die Verbrechen , deren Urheber und Gegenstand sie waren ; diedritte Theilung endlich ist bedeutend , w eil sich mit ihr die Anmassung dermajores domus entwickelt , die mit der Thronusurpation endigt. Diess istdas Wesentlichste von der mcrovingischen Periode ; behalt man die Skizzefest, so ist es nicht so schwer, sich ein wohlgeordnetes Bild davon zu machen,und man braucht nicht mehr vor dem Chaos unsrer bändereichen Geschichtenzu erschrecken. Die Geographie der Geschichte , eine frühere Carte diesesWerkes , wird die Mühe noch erleichtern , indem dort, in genealogischerForm , die verschiedenen Fürsten , ihre Erbtheile, die majores domus unddie Hauptbegebenheiten, von denen oben die Rede war, zusammengestelltsind. (Siehe die Geographie der Geschichte No. 3 .)

PERIODE DER CAROLINGER,dauert 236 Jahre unter ii Königen.

Pipin der Kurze ist der erste , Ludwig V. der letzte König , Carl derGrosse , von dem sie den Namen trägt , der Held dieser Periode. Durchihn wird das fränkische Gebiet ungeheuer vergrössert, und das zweitea)»endländische Reich gegründet , welches Frankreich , Deutschland undbeinahe ganz Italien umfasste. Auch dieser Dynastie w urden die Theilungender Krone verderblich , und sie verwirren ihre Geschichte.

Carls des Grossen Sohn hinterliess drei Söhne, die in Italien, Deutschlandund Frankreich regierten ; jeder von ihnen hatte wieder mehrere Kinder,durch die eben so viele Untertheilungen entstanden , und so füllt sich dieGeschichte von zwei bis drei Generationen mit diesen Theilungen und mitden Kriegen und Verbrechen, die daraus hervorgingen. Endlich vereinigteCarl der Dicke , Urenkel Carls des Grossen , tlieils durch Erbschaft, theilsdurch Gewalt, alle Staaten seines Urvaters wieder; aber seine Macht undseinen Geist hatte er nicht. Er wurde von den Grossen des Reichs abgesetzt,der Thron Carls des Grossen ging in Trümmer , getrennte Staaten bildetensich. Wie früher vor den Merovingern , so sank jetzt die Achtung vor denCarolingern , nur mit dein Unterschied , dass dort das königliche Ansehennicht verschwand, nur von den Königen auf die Gross-Hofmeister überging,und so der Dynastien-W echsel ohne Revolution erfolgte. Beiden Carolingernaber vereinigte sich die Macht, die der Monarch verlor , nicht wieder ineinem Einzigen , der die alte Monarchie fortgesetzt hätte ; sie zersplittertesich unter Viele , und so entstand theilweise Unabhängigkeit , Anarchie,das Feudalsystem. Das fränkische Reich war nur noch eine timmltuarischeVerbündung , die den König aus Gewohnheit, wohl auch aus Bedürfniss,beibehielt , um den Normannen zu widerstehen , die das Land verheerten.

Die herabgewürdigten Caroliuger , ausser Stand , sich Gehorsam zuverschaffen , noch Schutz zu gewähren , mit Rechten , ohne Gewalt siezu handhaben , init Titeln ohne die Fähigkeiten dazu , mussten endlichnothwendig dem mächtigsten , dein geschicktesten Vasallen weichen. Diessgeschah unter Hugo Capet. Mit ihm beginnt die dritte Dynastie , von derdiese Carte ausführlicher handelt.

Die Einrichtung der Tabelle und die Erklärung dergebrauchten Zeichen betreffend.

Die genealogischen Tabellen dieses Werks, die alle mit der vorliegendenin ihrer Einrichtung vollkommen übereinstimmen , bedürfen zum leichtenAuffassen einer kleinen Erläuterung, die man nebst einer Erklärung dergebrauchten Zeichen auf dem ersten Blatte nach der Vorrede finden wird.

Dasselbe Blatt enthält auch das nummerische Verzeichnis« sämmtlichcrGarten und Tabellen des ganzen Werkes , mit kurzer Angabe der Gegen-stände , denen sie gewidmet sind.

Uebrigens wird ein ausführliches alphabetisches Sach - und Namen-Register am Schlüsse den Gebrauch noch erleichtern und den Nutzen desGanzen erhöhen.

KOENIGL 1 CIIES HAUS des HUGO CAPET, dessen HAUPTSTAMM 17 KOENIGE' liefert.

Robert der Starke , dessen Vorfahren sich in der Nacht alter Zeiten verlieren , und der als Herzog von Frankreich 8f>G gegen die Normannen ;fällt , bereitet seinen Nachkommen durch seine Tapferkeit die Krone ; er wird der Gründer eines Hauses , das durch sein Alter , durch die !Throne, die es besetzt, und durch seine grossen Männer das glorreichste in Europa geworden. Nach fünf verschiedenen Meinungen soll Robertbald von dem Sachsen Wittekind , bald von Chlodwig , von Pipin von Heristal , von den Welfen , den bairischen Herzogen , bald von Carl ;dem Grossen ahstaminen. Ueber Allem schwebt Ungewissheit.

g£ 35 . Odo schützt Paris gegenj* die Belagerung d. Normannen; im J. 887,wirdziun Königv.

I F’rankr. erwählt 888 , -j- 898.

3 0 Hugo , + y 56 ,

| Hadwida von Sachsen .

4 £^-37. Hugo Capet , 996.

I Adelheid von Guienne.

5 ^>|& 38 . Robert , to 3 i.

I a. Bertha, b. Constanze.

«£39. b. Heinrich I. 10G0.I Anna von Russland.

£ : 36 . Robert wirft sich nach seinem Bruder zum König auf. Er wird 922 gekrönt, im folgenden Jahr aber von :Carl dem Einfältigen geschlagen und getödtet. Gemahlin : Beatrix , Tochter des Grafen von VermandAs. •

--- :

/ Der Grosse , der Weisse , oder der Abt, Herzog von Frankreich und Burgund , Graf von Paris und Orleans, .

| zieht es vor , Könige zu ernennen , nicht einer zu seyn. Er lenkt die M\ alil nach einander auf seinen Schwager •

( Raoul, dann auf Ludwig den Ultramariner , endlich auf Lothar. I

/ König 987. Ihm muss der letzte Sprössling der Carolinger weichen. Um die Krone in seiner Familie zu ;

| befestigen, wählt er seinen Sohn Robert zum Mitregenten ; eine Vorsicht, die auch von seinen sechs nächsten *(* Nachfolgern sorgfältig beobachtet wird. * •

Fromm u. gütig. Zwei Gemahlinnen stören seine Ruhe u. seine Regierung, Wegen der ersten wird er in den Kirchen- .bann getlian; die Gemüthsart der zweiten macht ihn unglücklich. Die Normannen werden in Italien berühmt. •

0 BURGUND

erlischt nach 12 Gene-

Muss den Thron gegen seine Mutter vertheidigen , die ihren zweiten Sohn Robert !darauf setzen wollte. Heinrichs Sieg vereitelt ihren Plan. Er überlässt seinem Bruder <Burgund, und beschützt aus Dankbarkeit den Herzog der Normandie, W illielra den ;Bastard , dessen Nachkommenschaft viel Unheil über Frankreich bringt. !

'Yiö/ 4 o. Philipp I. -j~ 1108.j’ Bertha von Holland.

8 ^ 4 t« Ludwig VI., der Dicke,

I 1 '' +>> 3 :-

Adelh. v. Savoyen , + 1 i 54 .

9 ^4*.LüDwig VII., d. Jüngere,+ 1180.

a. Leonore v. Guienne , verst.b. AUx von Champ. 1206.

io'^raj- 43 . b. Philipp Aue. -{- 1223.

I a. Isabelle v. Art. + ■ 190.b. Agnese v. Meran. 1201.

der

544. a. Ludwig VIII.

Löwe , -J- 122G. \

Bianca v. Castilien, 12 5 2. |

Kommt mit 8 Jahren zur Regierung. Regentschaft des Herzogs von Flandern.Grosse Begebenheiten , von denen Philipp nur Zeuge ist , machen seine langeRegierung berühmt. Eroberung Englands durch Wilhelm von der Normandie.Gregors VII. denkwürdiges Pontilicat. Erster Kreuzzug , der einzige glückliche.

Ein guter muthvoller Herr. Die vier Brüder Garlande, seine Günstlinge und Minister, \legen den Grund zur Vergrösserung der königlichen Macht. Aufkommen d^r •(Korporationen. Freilassung der Leibeignen. Rechtszug an die königlichen Gerichte. \

In seiner Handlungsweise unvorsichtig. Vitry verheert. Kreuzzug. Leonore ver- *stossen. Schlimme Folgen. Suger und St. Bernhard , der eine Staatsmann und •wahrhaft weise, der andre Enthusiast und gefährlich. Abaelard und lleloise. Codex *Justinian. Troubadours. •

Einer der grössten F'ürsten seines Stammes, einer der glänzendsten in der Geschichte \der Monarchie. Dritter Kreuzzng. Einnahme von Acre. Die Lateiner zu Constan- •tinopel, eine I'olge des vierten Kreuzzugs. Der wüthende Papst Innoceus III. Die *Albigenser. Siui. v. Montfort. Inquisition. Schlacht hei Bouvines. •

Wurde schon ehe er König war von den empörten Baronen zur englischen Krone *berufen. Bianca , seine Gemahlin, war Schwester der Königin von (Kastilien. Beide •■waren geschickte und tugendhafte Regentinnen , beide Mutter von zwei Königen, ;die unter die Heiligen versetzt wurden , von Ludwig und von F'erdinaml d. H. \

\ | rationen i 36 i. •

I \ S.d. spezielle Nachweis.

“N

K p VERMANDOIS,

» + wovon 6 Generationen.| * Siehe das Nähere auj\ J den folgenden Blättern.

% DREUX‘/und COURTENAY.

* Von der ersten Familie$ gehen 11 Generationen

* aus ; sie erlischt i 5 i 4 -

* Die andre dauert nochJ jetzt in nicht anerkann-5 ten Zweigen fort.

f S. d. spezielle Nachweis .

£ 45 . Ludwig der Heilige,-f- 1270.

Marg. von Prov . -j- 1295.

Ein frommer Held , ein tugendhafter König. Einer der sonderbarsten Charaktereder Geschichte , dessen Regierung unter die merkwürdigsten der Monarchie gehört.Seine Mutter war Regentin. Schlacht hei Taillebourg und hei Saintes. Kreuzzüge inAegypten und gegen Tunis. Ludwigs Rechtsstatute , genannt Etablissement deS. Louis. Abschaffung des gerichtlichen Zweikampfs.

0 ARTOIS, ANJOU,

£ Die erste Familie lie-t fert 7 , die andre G Ge-j nerationen.Sie erlöschenJ 1472 und 1435.

ALLGEMEINE GENEALOGISCHE TAFELDER FRANZOESISCHEN KOENIGE,

VON HUGO CAPET BIS AUF LUDWIG XYT.

. REMERK_U_NGENJiber die DlREC vF N CAPETINGER .

Die Geschichte der directen Capetinger, oh sie gleich heim Lesen vielleicht weniger glänzend erscheint als dieder Leiden Seitenlinien , enthält dennoch die wesentlichem Gegenstände indem wir in ihr den Ursprung unsrerInstitutionen und Gebräuche , die Wiege unsers öffentlichen Rechts und unsrer Grundgesetze finden. Wer sienoch früher suchen wollte , hätte Unrecht, denn das Feudalsystem das den Fall der Carolinger vollendete unddie Capetinger zum Thron führte, erhebt sich wie eine Scheidewandzwisehen beiden Dynastien ; es zerreisst denZusammenhang der Gesetze, unterbricht die stetige Entwickelung der Gebräuche und bildet einen Abgrund , derdie ganze Gesetzgebung Carls des Grossen verschlingt ; kurz es ist als ein wahres Interregnum zwischen deneigentlichen Monarchen des zweiten und denen des dritten Königstarames zu betrachten. Als Hugo Capet denThron bestieg , endigte das anarchische Wesen ; es war der erste Schritt der Rückkehr zur wahren Monarchie.Unter den Grossen war Hugo der mächtigste, und sein reiches ErLtheil bildete eine feste Grundlage, auf der seineNachfolger ohne Unterlass an der Wiederherstellung der wahren Monarchie auf Kosten der Feudalunabhängigkeitarbeiteten ; es war der Stützpunkt, dessen sie sieh bedienten, um alfezerstreuten Materialien allmähhg zusammen*zubringen und zu verbinden. Man kann in der That die Klugheit und Geschicklichkeit nicht genug bewundern,mit der die capetinger Könige im Stillen immer dasselbe Ziel verfolgten , nnd wenn sieh etwas mit dieserGleichförmigkeit und Beharrlichkeit vergleichen lässt, so ist es nur Jas Glück , das sie dabei begünstigte.

Als Hugo die Krone bekam , war Frankreich unter eine Menge mächtiger Gutslfbrrn getheilt , die, blos demNamen nach vom König abhängig, eigentlich unumschränkte Herrn in ihrem Lande waren, die Steuern erhoben,Gerichtsbarkeit übten , Gesetze gaben , Münze prägten und Kriegt führten. Hugo selbst übte diese Rechte nurinsofern er Gutsherr war, in seinen eignen Domänen ; als König hatte er sie nicht, und er war in Wahrheitnirgends Souverain , als auf seinen Gütern. Wie viel Politik, Gtwandtheit und Glück mochten daher seineNachkommen nüthig haben , um diese stolzen Barone aus dem Besitz zu bringen, und in den Stand derUnterthanen zurückzuführen. Dennoch gelang es den Fürsten durch ihre Geschicklichkeit und die Gunst derUmstände schon gegen das Jahr 1 3 oo , über den grössten Theil des französischen Gebiets , das sie theils durchEroberung , theils durch Erbschaft oder Heimfall wieder an sich gebracht, zu herrschen und sich in den Besitzder höchsten Gerichtsbarkeit und der obersten Gesetzgebung für das ganze Reich zu setzen. Mit ihrer Grössewaren aber auch ihre Bedürfnisse gestiegen , und die Gefahren hatten sich vielleicht im Verhältnis» ihrer Machtvergrössert. Auflagen und Taxen , ein ewiger Gegenstand des Streites zwischen F'iirsten und Völkern , eine derersten Grundursachen der Revolutionen , verlangten nun eine besondre Rücksicht, und ihre Erhebung , einergrossen Nation gegenüber , ohne ihre Einwilligung, musste gefährlich erscheinen. Hatte der Monarch auchkeinen Widerstand eines mächtigen Vasallen mehr zu scheuen , so musste er sieh dagegen vor dem Murren , javor dem Aufstand eines ganzen Volkes in Acht nehmen. In dieser Verlegenheit wusste Philipp der Schöne, derklügste Herr seines Zeitalters , ein kühnes Mittel zu ergreifen , vordem jeder andre , weniger geschickte F'ürstzurückgehebt wäre ; er berief eine Nationalversammlung, und wahrend eine ähnliche in England unter demNamen Parlament mit den Königen Krieg führte, in Deutschland als Reichstag den Kaisern Gesetze vorschrieb,diente sie in Frankreich unter dem Namen Generalstaaten zur Stützedes Throns, zur Befestigung der königlichenGewalt. So wahr ist es , dass dieselben Elemente unter verschiedenen Händen zu ganz entgegengesetztenResultaten führen können. Mit dieser wichtigen Anstalt setzten die Capetinger den Schlussstein ihrerInstitutionen ; auf ihm ruhte die französische Monarchie , und wirjchliessen hier unsre Bemerkungen.

Nur als kurzer Rückblick sey noch angeführt, dass das ganze mühevolle, aber gliickliehe Werk hauptsächlichdurch die vier ausgezeichnetsten F'ürsten vollführt w urde ; Ludwi* der Dicke lfgte den ersten Grund , PhilippAugust dehnte die Herrschaft durch seine Siege aus , Ludwig du Heilige befestigte sie durch Weisheit, undPhilipp der Schöne setzte dem Ganzen durch seinen grossen Charakter und seine kühne Politik die Krone auf.

. MINDERJÄHRIGE FUERSTEN. Die zehn Regentschaften.

Dip. Regentschaft in Monarchien ist immer mit Gefahren, oft mit wahrem Unglück verknüpft; denn die Uebertra«ungder schützenden Macht ist unvollständig , die Ausübung der Gewalt, die das Ganze aufrecht erhält, unvollkommen.Herrschsucht, Intrigueii, sogar grosse Verbrechen werden in solchen Zeiten durch die günstigere Aussicht des Gelingenshervorgerufen; die öffentliche Ruhe wird bedroht und ihre kräftigste Stütze, die natürliche Erbfolge, kommt in Gefahr.Das Uebel ist um so schlimmer , je schwerer die Abhülfe , je bedenklicher die Wahl des Mittels dagegen ist.

Soll man die Staatsgewalt der Mutter Ats minderjährigen Fürsten übertragen? Ohne Zweifel trifft hier die mütterlicheLiehe mit dem eignen Interesse zusammen , und die stärksten Gefühle , die aus der Natur und den gesellschaftlichenVerhältnissen entspringen, vereinigen sich zur Beschiitzung des kostbaren Kindes. Aber ist wohl das zarte Geschlecht,das nach dem Gesetz für unfähig gehalten wird in eignem Namen zu herrschen , eher fähig für Andre zu regieren?Und wie? wenn sie eine Fremde ist, wenn sie von ihrer Familie verleitet wird, gegen das Interesse des Staats zu handeln?

Vt äre es daher nicht besser getlian, sich an den Oheim des jungen F'ürsten zu halten ? Wem könnte es näher liegen,für das 4 \ ohl des Landes zu sorgen ? Er ist der erste Unterthan und steht auf den Stufen des Throns; ja dieser Thronwäre sogar sein eigner , wenn der Minderjährige nicht am Lehen wäre , und wenn er stürbe , wäre sein Oheim seinNachfolger. Aber eben diese Aussicht, dieser gewaltige Reiz einer so nahen , so leicht möglichen FKrbschaft ist eswieder , was uns bedenklich machen nnd besondre Vorsicht anr.ithen muss

Die constituirende Versammlung hat zwar darüber , zu einer Zeit, wo glänzende Theorien an den Tag kamen , anfeine Art entschieden, die die weiseste wäre, wenn man für die Ausführung bürgen könnte; dem Oheim sollte nämlichdie Staatsverwaltung ,.der Mutter aber die Sorge für das Kind übertragen werden. Aber die Erfahrung hat gezeigt,dass mit einem so einfachen Mittel nicht geholfen ist, und eine solche Theilung meistens die Verhältnisse noch mehrverwickelt und die Gefahr vergrössert.

F’ür dergleichen schwierige F'älle , wo in der Regel Alles auf die Umstände ankommt , ist die beste, ja die einzigeEntscheidung in den Sitten und Gewohnheiten der Völker , in jenen Gesetzen zu suchen , die nirgends geschrieben ,doch in dem Herzen und in der Erinnerung eines Jeden fest stehen. Aus dieser Rücksicht ist man denn auchneuerdings, wo wir so Vieles herzustellen und zu befestigen haben , wieder von den Beschlüssen der constituirendenVersammlung zurückgekommen, nnd hat den Grundsatz von der Regentschaft der Mutter wieder aufgestellt, der heiuns durch die Zeit und durch eine Menge von Beispielen , die hier folgen , geheiligt war.

Regent war der Graf von F’landern , Oheim durch seine Gemahlin, und dem väterlichen Oheim, demHerzog von Burgund , vorgezogen. Die Königin Mutter , eine russische Prinzessin , war noch amLehen, und die einzige während der dritten Dynastie, die von der Regentschaft ausgescldossen blieb.2. Philipp II., / Man ist über die Regentschaft nicht einig. Nach Einigen führte sie der Graf v. Flandern , OheimAugust , mit ] und Patlie des Minderjährigen , nach Andern die Königin Mutter . Vielleicht war der Oheim Regent,15 Jahren,

t. Philipp ,1.mit 8 Jahren.

die Mutter Vormünderin.

Die Worte des sterbenden Königs, die von den anwesenden Bischüffen bezeugt wurden, ernanntendie .Mütter zur Regentin nnd Vormünderin. Zum erstenmal fanden sich diese beiden Rechte vereinigt,und zuni erstenmal von einer Fremden ausgeübt.

Regent war der Oheim ; da aber der Thronerbe noch nicht geboren war , so lässt sich dieAusschliessung der Königin nicht gegen die Regentschaft der Mutter anfuhren. Sie war noch nichtKönigin Mutter , und es konnte ja auch eine Prinzessin zur Welt kommen.

Die 4 Oheime streiten um die Regentschaft; hätte die Mutter gelebt, so wäre sie ihr zugefallen, dennihr Gemahl hatte sie dazu ernannt und von den Bischöffen und Grossen anerkennen lassen. Philippder Sc höne , Carl V. und Carl VI. gaben darüber gleichen Willen zu erkennen.

/Seine Schwester war Vormünderin. Ludwig XI. hielt seine Gemahlin nicht für würdig , und6 . CarlVIII. mit ] beschuldigte sie, mehr Lurgundisch als französisch zu denken ; daher überliess er der Schwester diei 3 Jahren.

3 . Ludwig d. II. (mit 12 Jahren, j

4. Johann I. /von seiner Ge- Jburt an. (

5 . Carl VI. mit (12 Jahren. )

KOENIGLICHE LI 5 IE BOURBON , liefert

Leitung des Bruders , jedoch ohne dass es eine Regentschaft seyn sollte. Aus dieser vorsichtigen{ Bestimmung lässt sich daher mehr für die Rechte der Mutter ableiten , als gegen sie.

7. Carl IX. mit /Bei den drei ersten führten die Mütter die Regentschaft, bei dem vierten , da die Mutter nicht1 o Jahren, j mehr lebte, der Gross-Oheim. Zahlreiche Beispiele begründen demnach die Regentschaft der Mütter

8. Ludwig XIII. Lais ein Nationalherkommen ; wir finden aber überhaupt , dass gerade in den Landern , wo diemit 9 Jahren. J Weiber von der Thronfolge ausgeschlossen sind , ganz besonders hei der Regentschaft auf sie

9. LndwigXIV. 1 Rücksicht genommen ist , gleichsam als wollte man sie dadurch wieder entschädigen. Eigentlichmit 5 Jahren. I scheint es aber in dem Geiste des salischen Gesetzes zu liegen , das den männlichen Erben

10. Ludw. XV. f möglichst sichern will, ihn eben dem Geschlecht anzuvertrauen, das in keinem Fall auf die Nachfolgemit 6 Jahren. \ Anspruch hat.

19 GENERATIONEN und eine Menge ZWEIGE. Siehe Tafel XI.

DIE SECHS WELTLICHEN CROSSEN FAIRSCHAFTEN , DIE EHEMALS IN FRANKREICH BESTANDEN.

1. Das Herzogthum Burgund, i 36 i erloschen ; durch Ludwig XE mit der Krone völlig vereinigt.

2. Das Herzogthtun Guienne oder Aquitanien , mit der Krone vereinigt durch Carl VII.

3 . Das Herzogthun Normandie, unter Philipp August vereinigt, da König Johann ohne Land die Lehenspflicht brach.

4 . Die Graf schuft Toulouse , durch Erbschaft vereinigt unter Philipp dem Kühnen.

5 . Die Grafschaft Champagne, durch Heirath vereinigt unter Philipp dem Schönen.

fl. Die Grafschaft Flandern, durch Frau* I. im Vergleich von Madrid i 5 a 6 zu Gunsten Carls V, vom Lehensverband befreit.

i ' r ‘/‘i U I b * r den un S e " issen Ursprung der Pairschaften haben sich verschiedene Meinungen gebildet. Einige setzen ihn in die ZeitenCarls des Grossen und gehen offenbar zu weit hinauf, so wie diejenigen nicht weit genug, die sie erst unter Philipp August entstehenlassen. So behauptet man znm Theil, die Pairien seyen durch bestimmte Gesetze errichtet worden , und Mably weist dagegen nachdass sie sich durch die Umstände gebildet haben. Wir begnügen nns , auf die drei merkwürdigen Epochen ihres Dasevns aufmerksamzu machen : wie nämlich 1297 die Prinzen vom Blut zu dieser Würde von den Königen erhoben wurden , wie später i 5 oJ auchfremde Prinzen dazu gelangten, nnd endlich 1 55 1 sogar blose Edelleute damit bekleidet wurden.

DIE SIEBEN FELLE DES SALISCHEN GESETZES.^ ün Hugo Capet lüs auf Ludwig XVI. kam das saliselie Gesetz, siebenmal zur Anwen-dung , so dass Ludwig X\ I. in Folge dieser Anwendung zur Regierung kam. Ein besondersmerkwürdiger 1 mstand ist aber dabei , dass derselbe Fürst auch ohne das saliselie Getetzden Thron , als ältester Stellvertreter nnd directer Erbe Hugo Capets , würde bestiegenhallen , wie die senkrechte , von Hugo Capet bis auf Ludwig XVI. fortlaufende Linienachweist.

1. Die Tochter Ludwigs des Zänkers.

2. Die Töchter Philipps des Langen.

3 . Die Tochter Carls des Schönen.

4 . Die Töchter Ludwigs XI.

5 . Die Töchter Ludwigs XII.

6. Die Tochter (Karls IX.

\ 7. Die Töchter Heinrichs II.

Die sieben Fälle sind ;

BERI EIIMTE KRIEGE GEGEN DAS AUSLAND. Nach vier Classen abgetheilt.dauern gegen 200 Jahre und begreifen sieben grosse Züge. /

’ dauert über 400 Jahre und endigt erst mit den Plantagenets. I> ie VeranUssuug, die .Ereignisse undfolge von Neapel nnd Mailand , dauert 60 Jahre. J Folgen dieser Kriege linden sich auf

Krieg mit Oestreich , dauert nher 200 Jahre und nimmt erst mit dieser Familie ein Ende, f der S f H ' z,al lalltlle Nü ' X -N. B. Nach Beendigung dieser Kriege kommt das System des politischen Gleichgewichts in Europa auf; die verscliiednen Mächte tretendadurch in gewisse Beziehungen zu einander, nnd ihre Kriege erhalten einen andern Charakter; sie werden zwar allgemeiner, dagegenliahen sie weniger directe Interessen zum Gegenstand, der Kampf ist weniger erhitzt, die Folgen sind weniger entscheidend. Man führtsie mehr um der Sicherheit als um der Eroberung willen, und man unterhandelt mehr aLs man sich schlägt.

r. Die Kreuzzüge

2. Krieg mit England

3 . Krieg mit Italien , wegen der Erbfolge

BUERGERKRIEGE UND UNRUHEN.

Partei der Jacqucrie unter Johann II.

Burgunder, Armagnacs , Maillotins unter Carl VI.

Partei der Praguerie unter Carl VII.

Krieg der Ligue fürs Gemeinwohl unter Ludwig XI.

Die berühmte Vgue und die Sechszehn unter Heinrich III.Parteien und Complotte unter Ludwig XIII.

Krieg der Fronde unter Ludwig XIV.

N. B. Siehe die nähere Ausführung Taf. io.

RELIGIONSKRIEGE UND UNRUHEN.Albigenser unter Philipp August und Ludwig VIII.

Streit mit dem Papst unter Philipp dein Schönen.

Päpstliche Bulle in cccna Domini unter Carl IX.

Der berühmte Krieg zwischen den Catholikcn und Protestantenunter Franz II. , Carl IX. , Heinrich III. Diese Unruhen , dieunter Ludwig XIII. aufs neue fortgehen , endigen unter LudwigXIV., der das Edict von Nantes widerruft.

Jansenisten , Bulle Unigenitus unter Ludwig XIV. u. Ludwig XV.

VERSAMMLUNGEN DER REICHSSTAKNDE.

.Unter Philipp dem Schönen • • •

-Philipp dem Langen • • •.

-Philipp von Vulois.

-Johunnll...

- Carl V..

-Carl VI..

-Carl VII..

-Ludwig XI., Carl VIII. •

-Ludwig XII., Franz I. • •

- Franz II., Heinrich III.

-Ludwig XIII. n. Ludwig

XVI.

» 5 Versammlungen.

> 33 Versammlungen.

Unter fünfzehn KönigenN. B. Zusammensetzung, Wesen und Gewalt dieser Versammlungenwechseln so sehr und haben so wenig Aehnlichkeit , dass dirSchriftsteller ihre Anzahl verschieden angeben , indem sie, je nachihrem angenommenen System , diejenigen verwerfen oder auf-

i 3 \ä

£46. Ph«,. III. d. Kiihne-{-i 285 .Isabelle v. Arragon . -J- 1271.

Vereinigt das Languedoc u. tritt die Grafsch. Venaissin an d. Papst ft. jSicil. Vesper. Er ist der erste, der blos mit 3 Lilien im Wappen siegelt. ;

KOENIGUICHE LINIE VALOIS, liefert io GENERATIONEN, i 3 KOENIGE, 7 ZWEIGE, und erlischt i6i5. Siehe Tafel X.

i 3

14^

1 5 : : :

jjjj | : 4 7. Ph il.I V. d. Schö ne-|-1 3 1 4 .| Johanna v. Champ. -j- i 3 o 4 .

Eine der merkw. Regierungen. Grosse Streitigk. mit Bonifaz VIII.Generalstaaten. Fester Parlamentssitz zu Paris. Aufheb. des Tempel- !

VereinigungderGrafsch.Lyon. ( Ordens. Verleg, des päpstl. Stuhls nach Avignon, wo er 68 J. bleibt.

1 40 Carl von Valois i 3 a 5 .

Margaretha von Anjou - Sicilien ,+ I2 99 *

| : 48 .LuDW.X.d.Zänk.-j- i 3 i 6 . /

I a. Margaretha v. Burgund. ]b. Clementinev. Ung.-^- 1328. I

A a. Johanna , Erbin von Na-y£varra,i 34 y. ■

Philipp von Evreux 1 344 -

1 7

18

Ein schwacher F ürst. Enguer-rand v. Marigny hingerichtet.Alle Leibeignen freigelassen.

49. b. Johantt posth. lebt nur■ acht Tage, -j- 1 3 16.

Bald gezählt, bald ausgelassen.

y- N

;$S : 5 o. Phil. V., der'jpiLange,+ 1 322 . wJohanne, Erbin vonArtois undFranche-Comte, -J- 1329.Bischöfe v. Parlarn.ausgeschlossen.

; 5 i. Carl IV- !der Schöne ;+ i 3 a 8 . ;

Hat 3 Gemali- !linnen u. hin- <terlässt nur \Töchter. !

i 5 i

16*

Sohn , Bruder , Oheim , Neffe und Vater von Königen , ohne seifet König zu sevn. Er hatte ein thätiges , heftig l>ewegtes Lehen ; unter Ludwig dem Zänker führte er die Herrschaft undliess Marigny hinrichten. Er diente in den meisten Kriegen seinerzeit und führte mehrere für seine eigne Rechnung. Von seinen drei Gemahlinnen hinterliess er Kinder.

t:

/Eine unglückliche Regierung. Flandern empört sich. Arteveile. Ulberts von Artois Verrätherei. Ansprüche Eduards III., der den Titel König von Frankreich annimmt. Schlacht bei •| Sluys. Streit über die Erbfolge der Bretagne. Die Gräfinnen v. Montort und Penthievre, zwei berühmte Heldinnen. Schlacht bei Crecy. Belagerung von Calais , das die Engländer 21t Jahre l

( lang behalten ; bis es der Herzog von Guise wieder erobert. Schickliches Wüthen der Pest. Das Dauphine , durch die Bemühung Amblars von Beauraont, des Ministers, Freundes und lVerwandten des Dauphin, erworben. Christoph v. Beaumont, dertrzbischoff von Paris , war ans derselben Familie , die noch jetzt im Languedoc und andern Provinzen Nachkommen hat. •der Gute, stirbt zu j Unüberlegt, aber tapfer und redlich. Stern-Orden. Hinrichtung des Grafen von En. Ermordung des La Cerda. (Karl der Böse. Aufrührerische Stände von i 355 . Schlacht hei Poitiers. •Johann gefangen. Unruhen und Verwirrung. Die Jacquerie, LeG,q, Marcel, Maillard. Getreue Stände von i 358 . Friede zu Bretigny. Burgund vereinigt, bald aber, znm Unglück des |Reichs, w ieder als Lehen vergeben. I

v 52 . Philipp VI. von Valois -{- i 35 o,Johanna von BurgJp i 348 .

Bianca von Evreux -{- 1398. O. N.

k ! 53 . JüHATfN II.

London i 364 .

Bona von Luxenburg -j- 1349

tfVREUX 14 ,

naoh 5 Generat. erlischt 1441. ;

J Siehe das Detail. \

• ALENCON

J nach 6 Generationen erlischt

s i 5 tS. :

5 Siehe das Nähere aiif den fol- •

* genden Blättern . g

nehmen, die sie als eigentliche Generalstaaten bezeichnen.

F R A N K R EI C IIS G E S C IIIC IIT S C II R E I B E R.

Chroniken nnd Memoiren von Hugo Capet Iris auf unsre Tage.lin dem sie geschrieben sind. Siehe das Nähere Tafel II auf demmit einer kurzen Nachricht von den Werken und von dem Geist,|untern Rande.

.DIE BOURBONS. BEMERKUNGEN über die BOURBONS.

^ Robert Graf von Clermont -J- 1 3 17. •

Beatrix von Burgund, Erbin von Bourbon . • —

|Ludwig, zum Herzog v. Bourbon erhoben, i 34 i.

Marie von Hainault -j- 1 354 .

1 5 0 Jacob Graf de La Marche 1 36 1.

Johanne von Chätillon , Herrin von Carency.

ErsterFall des salischen Gesetzesin der Familie der Capetinger.

Carl der Böse, für Frankr. Ruheso verderblich, kommt 1 3 Sy um.Tochter des Königs Johann ,+ i 3 7 3 .

Carl der Edle , durch Gerechtig-keit und Sanftmuth ausgezeich-net , 14 25 .

Leonore von Castilien -{- 14 i 5 .

19 ^ Bianca von Evreux -f- 1441.

I Joh. II ., König v. Arag. -L 14 79.Seine zweite Vermählung verur-sacht grosse Staatsunruhen.

O Leonorev. Aragon, Erbin durchden Tod ihres Bruders, des Prin-zen von Viana , 1479.

Gasto von Foix -j- 1472.

Gasto von Foix 1470 an denWunden , die er bei einem Tur-nier bekommen.

Die Tochter Carls VII. , durchSchönheit u. Weisheit berühmt,+ i486.

22 ^ Catharine von Foix -f- i5i7.Johann von Albret -|- 1 5 16.Ferdinand der Catholische nahmihnen Ober-Navarra i5i2.

2 3 ( | Heinr. v. Albret, der sich um dieErziehung Heinr. IV. so beson-ders verdient gemacht, -j- i 556 .Die Schwester v. Franz I., durchihre Schönheit und Schriften be-rühmt , -j- 1549.

24 A Johanna von Albret, eine ent-schlossene Fürstin von grossemVerdienst, -j- 1572 zu Paris.Ant. von Bourbon -j- 1562.

25 Hehtrich IV.

26\K*fe;. : Ludwig XIII.

..BEMERKUNGEN üler Sie rJl OIS, ...

38 o.

27*

Ludwig XIV.

2$ I I Der grosse Dauphin.

2^ ( \ Der Herzog von Burgund.

3ovä£ Ludwig XV.

3 i 0 Der Dauphin.

Ludwig XVI.

' * Bemerkenswerter Umstand.

*

Aus der obigen genealogischen Reiheist ersichtlich , dass Ludwig XVI. , derin Folge einer siebenmaligen Anwendungdes salischen Gesetzes regierte, auch ohnedieses Gesetz zur Thronfolge gekommenwäre.

Mit der Valesischen Linie eröffnet sich die thatenreicliste , diet 8 : £stürmischste Scene unsrer Geschichte , und man mag die Monarchie lin ihren Verhältnissen nach Aussen oder im Innern betrachten , so •erscheinen unter den Valois die auffallendsten Begebenheiten. *

Zwei Könige sehen wir in die Hände des Feindes gerathen, Johann ;zu Poitiers und Franz I. zu Pavia. Zweimal droht der Scepter den \ ...Valois zu entfallen, schon glaubt man ihn in den Händen der Planta- I 9 '‘j?geilet oder der Guisen zu sehen , nnd es braucht fast Wunder , um •ihn zu erhalten. Wir meinen die Begebenheiten unter (Kari VII. zur *Zeit des Mädchens von Orleans , und die Zeiten der Ligue , als I . ; -Heinrich III. starb.

Zwei grosse Empörer bringen den Staat in Gefahr, Robert v. Artois, tder sich zum Rathgeber Eduards III. macht, und der Connetable von JBurgund, der als Feldherr unter den Fahnen Carls V. streitet. I

Unsre drei grossen Kriege mit dem Ausland fällen in die Zeit der l ....Valois : der Krieg mit England , der das Reich an den Rand des 21 1Verderbens brachte , der Krieg mit Italien , die Quelle so vielen *Unheils , und der Krieg mit Oestreich , der unter unglücklichen •Auspizien begann.

Endlich sehen wir gleichfalls unter den Valois drei von jenen vier tJberühmten Bürgerkriegen ausbrechen , die die Annalen unsrer Ge-schichte beflecken. Zuerst die Kämpfe Carls des Bösen unter Johann •und (Karl V., dann die der Armagnacs und der burgundischen Partei ;unter (Karl VI. , endlich die der Protestanten und der Ligue unter \Franz II., Carl IX. und Heinrich III. Die furchtbarsten Niederlagen«^wie die glorreichsten Siege bei Sluys , Crecy , Poitiers , Azincourt, \Pavia u. St.Quentin; hei Rosebecq, F'ornuovo, Agnadello, Marignano, \Cerisole und Ravenna , gehören dieser Zeit an , und als oh sich Alles lhätte vereinigen sollen , um sie berühmt zu machen , so mussten in *diese Periode auch alle jene grossen Entdeckungen fallen , die in dem •Reiche des menschlichen Geistes die grössten Revolutionen hervor- •brachten. Die Erfindung des Schiessgewehrs, der Buchdruckerkunst, *des Compasses, die Entdeckung von America und des Seewegs nach *Ostindien. Auch die seit dem fortlaufende Kette unsrer Dichter, unsrer •Historiker und unsrer Schauspiele nimmt in jener Zeit ihren Anfang. •

Hat man sich nun diese Reihe von Unfällen der Valois gegen das ;Ausland und im Innern des Reichs , wie wir sie so eben angedeutethaben , lebhaft vergegenwärtigt, so erregt auf der andern Seite dersonderbare (Kontrast Verwunderung , dass eben diese Könige eswaren, die die bedeutendsten Länder mit der Krone vereinigt und dieGrundlage der unumschränkten Gewalt des Monarchen befestigthaben. Gleich als hätte das wunderliche Schicksal im Lauf dieserBegel>enheiten jeden harten Schlag mit einem dauernden Vortheilaufwiegen wollen , sehen wir jeden Unfall im F'elde von einembedeutenden Ländererwerb begleitet , und auf jede Störung derbürgerlichen Ruhe eine Ausdehnung der königlichen Gewalt folgen.Trotz seinem Missgeschick hei Crecy bereichert Philipp v. Valois dieKrone mit dem Erwerb des Dauphine, und den unglücklichen Johannhindert seine Niederlage und Gefangenschaft nicht , Burgund zuvereinigen.

Noch auffallender ist diess hei Carl VII. Verbannt, enterbt, vomThron gestossen, den seinNebenhuldereinnimmt, und ohne Rettung,wie es scheint, verloren, vereinigt er doch am Ende noch alle englischenProvinzen. •

Verfolgt man dieses sonderbare Widerspiel noch weiter, so findetman , dass die glänzenden Siege Carls VIII. und Ludwigs XII nurUnheil brachten , während Franz I. trotz allen Unfällen doch dieBretagne vereinigen und die Güter des Connetable \on Bourboneinziehen konnte; dass Heinrich II., der die Niederlage hei St. Quentinerlitt, Metz, Toul und Verdun eroberte, ja dass sogar auf die Gräuelder Ligue , die dem Reich unverzügliche Auflösung drohten , dieErwerbung des reichen Erbguts Heinrichs IV. folgte. Eben so ginges mit der Vergrösserung der Königsgewalt, mit der Befestigung desregierenden Hauses. Eduards III. und Heinrichs V. fruchtlose Siegebrachten das saliselie Gesetz nur zu grösserm Ansehen , und prägtenseinen heilsamen Grundsatz , der so vielen Uebeln vorbeugt, tief indas Herz des Volks. Durch Marcels frevelhaftes Beginnen wurdeCarl V. um so mächtiger ; die Gräuel der burgundischen Partei, dieAnschläge der Königin Isabelle bereiteten die unumschränkten Tage(Karls VII. u. Ludwigs IX. vor, und aus den anarchischen Zeiten derLigue , aus den Gefahren der Religionskriege entwickelte sich dieAllmacht der Bonrhone.

Auch berühmte Grundgesetze des Reichs entstanden unter denValois. Das Alter von 14 Jahren wurde für die Volljährigkeit derKönige festgesetzt, die Apanagen wurden allgeschafft, die Kron-domänen für unveräusserlich erklärt, das Concordat kam zu Stande.Vor Allem merkwürdig bleibt es aller , dass gerade in dem aller-verworrensten Zeitpunkt dieser Periode Frankreichs Magistrat!» sichdurch Männer, wie de l’Hopital, du Tillet, Cujas , de Thou , Flarlavetc. in ihrem schönsten Glanze zeigte.

Eine vortreffliche Fürstin.

pp 5 . Carl VI. + 1422.

Isabelle von Baiern -}- 1435. AlsKönigin , als Mutter und als Gemah-lin ein Abscheu.

Ein Muster von einem guten König , und der Wiederhersteller dcsReichs. Du Guesclin war sein Feldherr. Die Ordnung kehrt unter ihm zurück ; er bestraft Carl den Bösen , treibt die !Engländer hinaus und bewirkt iu Castilien eine Umwälzung derDinge , durch die er seine F'amilie rächt , sich von den grossen Cameradschaften befreit und einen Alliirten erwirbt. ■Volljährigkeit der Könige mit 14 Jahren. Vierzigjähriges Schisma,das erst mit der Kirchen Versammlung zu Constanz endigt. Anfang der Reihe der französischen Dichter.

ZWEIG VON ORLEANS.

Die unglücklichste Regierung in der Geschichte der Monarchie. Di«/eistesverwirrung des Königs, die Bosheit der Königin, der Ehrgeiz dec Oheime,( ^Ludwig, Herzog von Orleans, ermor- !

die Schlechtigkeit des Bruders und die Jugend des Sohnes , ImtfrUrsachen , die dem Reiche Verderben brachten. Craon , Clisson , Boucicault.Kriege gegen Flandern, Bretagne und England. Schlachten bei Ri-ebecq und Azincourt. Die Maillotins und Caboclfiens , die Armagnacs und dieburgund. Partei. Vertrag von Troies. Immerwährendes Parlament, Kirchen Versammlung zu Constanz.

ORLEANS.

£5fi. Cari. VII. + i/,r>r.Marie von Anjou -J- 1463.

$57. LuowrG XI. -j- i483.

aller englischen

So geht der Zeitpunkt der verzweifeltsten Lage in denfiiekllchsten für die Monarchie über. Agnes 0 Carl, Herzog von Orleans , 1466.

/Fängt seine Regierung als verstossener Flüchtling an , und eniüt sie mit der Vereinig’

| Provinzen

Sorel. Johanna d’Arc. Dunois. La Trimouille. Richemont. Vertrag von Arras. Pragmatische Sanction.Kirchenversammlung zu Basel. Ständige Steuern. Jacob Coeur, Die Praguerie.

/ FKin niedriger u. verachteter Fürst, dessen Arglist es gelang, denGrudzur unumschränkten Gewalt zu legen. Ligue:gM . , . f f l fürs Gemeinwohl. Schl, bei Mont-lhery. Carl der Verwegne. Zusamumkunft zu Peronne. Vertrag v. Pequignv. Der ^

ar ö arct e von c tott an -f- I444 J c onn et a l^ e v> Paul. Comines, Armagnac , La B?lue, Le Daim. fit. Mich. Orden. Briefpost angelegt. Burgund,

*\ ANJOU , BERRY,

6 BURGUND,

* mit 5 , 2 und 5 Generationen,| erlöschen 1481 , 1416 u. 1491.| Siehe das Nähere auf den fol-j genden Blättern.

17

det zu Paris i 4 o 7 -Valentine von Mailand -p 1408.

ANGOULEME.

18

ohne Nachk.

Charlotte von Savoyen -{- i 483 .

p 58 . Carl VIII. + 1498.

Anna, FKrbin von Bretagne, i 5 i 4 *

Prov., Maine und Anjou erworben. Die Könige erhalten den lid Majestät, die von Frankreich heissen auchallerchristlichste Könige.

( Kommt mit 1 3 Jahren zur Regierung. Ein Fürst von wenig Fähigkeit, alter tapfer und überaus gut. Anna vonBeaujeu, seine Schwester führt die Herrschaft. Empörung des Hm, von Orleans, später Ludwig XII. Scjilachthei St. Aubin. Vermählung des Königs init Anna von Bretagne. Alexander VI. Feldzug nach Italien. Neapelerobert. Schlacht bei Fornuovo. Briconnet. Das Conseil erhält die Verfassung eines obersten Gerichtshofs.

Vermählt sich dreimal. Siehe das Nähereauf den folgenden Blättern.

^39. Ludwig XII., den Franzosen theuer, die ( ) c ar iihn Vater des Vaterlands nennen, i 515 ;

setzt ungeachtet seiner Kriege u. Unglücks-Fälle die Steuern herab. Card. v. Amboise.

Stände zu Tours. Ligue v. Cambray. Schl. _bei Agnadello. Trivuleio,Bayard. LaPalice. ^

Gasto von Foix. Schl, bei Ravenna. Tagder Spornschlacht. Ludwig , dreimal ver-mählt , hinterlässt nur Töchter.

0 Johann Graf von Angou- \

leine -{- 1467.Margaretha von Rohan. '

w LONGUEVILLE, Ig\ erlischt nach 8 Generationen •

Johann 1393.

Catharine , Erbin von Ven-ddme , 141 r.

) PRFKAUX$ erlischt nach zwei Gc-| nerationen 1429.

Ludwig Graf von Vendöme,® CARENCY.

1447. * "Vier Generationen.

Johanne von Laval -{- 1468. \ Siehe Tafel XI.

Johann 1477 -

Isabelle von Beauveau, Erbin vonLa Roche-sur-Yon , -{- 1 474 -

• Die Fürsten aus dem Haus Bourbon haben sich besonders durch Herzensgüte

• und hohe Tapferkeit ausgezeichnet. Ausser einer Menge grosser F'eldherrn glänzenl unter ihnen zwei der grössten Könige des Reichs ; Heinrich IV. , dessen die

• Franzosen nicht anders als mit Liebe gedenken , und Ludwig XIV. , den sie

• nicht ohne gerechte Bewunderung nennen. Einen weit grossem Namen sollte aberl dieses Hans durch die schrecklich berühmte Revolution erhalten , deren Opferj es geworden.

I Das älteste , das mächtigste und zahlreichste Fürstenhaus von Europa , das

• mehrere Jahrhunderte hindurch in fortwährendem Glück und Glanz bestanden ,

• seine Rivalen beerbt , seine Feinde besiegt hatte , auf mehreren Thronenl sass , auf beiden Halbkugeln herrschte, das in der Fülle des Ruhms, der

• Ehren und der Macht dastand, musste der Erde ein Beispiel der Hinfälligkeit

• aller menschlichen Grösse gehen. Denn es öffnete sich plötzlich ein furchtbarerl Schlund unter den Fussen dessen , der das Haupt der Familie war; er verschlang

• ihn und mit ihm seinen Thron , seine Macht, seine Familie. Kaum vermag die; Einbildungskraft dein reissenden Strom einer solchen Catastrophe zu folgen ; derl Blitzstrahl trifft nicht furchtbarer, nicht schneller. Ein Augeublick , und Alles

• war verschwunden; und umsonst sucht der bestürzte Geist nach einiger Spur von

l so viel gewesener Grösse. — Weltmenschen , Grosse der Erde , Philosophenl aller Schulen , Politiker aller Länder , lest und bedenkt!!! ( 1 8 o 3 .)

9 6 - ;

Die berühmte Luise von '•Savoyen -L 1 5 3 r.

Siehe das Nähere auf den fol- \genden Blättern.

c

2 2 : gfl

Heixrigh II. 1559. I

Die berühmte Catharine von Medici ,+i 5 « 9 .

j^'62. Franz II. i 56 o.b Maria Stuart, enthauptet 1587.

Viel Unglück für Frankreich bereitet sich unterdieser kurzen Regierung. Bei der völligen Nichtigkeitdes Monarchen sieht man grosse Männer nach derGewalt streben, Anschläge wagen, Factionen bilden.Parteien der Guisen , der Prinzen vom Blut , desMontmorency u. der Königin Mutter. Herrschsuchttrieb sie Alle, die Religion nahmen sie zum Vorwand.

VerschwörungvonAmboise. LaRenaudie. Ständezu Orleans, Conde verurtheilt, unter der folgenden

Diese Regierung soll mit einem Zweikampf, zwischen Jarnac undliChataignerie, angefangen, mit einem andern, zwischen Montgomery u. dem König, geendigthaben. Anna von Montmorency , die Guisen , der Marschall von8. Andre , vor Allen aber die berühmte Diana von Poitiers , führen die Herrschaft. SaluzzoJ vereinigt. Metz , Toul und Verdun erobert. Schlacht bei Rcnti Brissac , Thermes , Tavannes , Strozzi. Vertrag von Vaucclles. Schlacht.bei St. Quentin.\ Einnahme von Calais. Stände von i 558 . Friede zu Chateau-Gimäesis.

--;—; ;

: -^^ : 63 .CarlIX. 1574. Elisabethvnn Oestreich^ÜQi. Mit 10. J. zur Reg. Heinrich III., ermordet 1589.

Seine Mutter Catharine bemacht, sieh der Herrsch. Helig. Gespr. zu Poissi. mm Luise von Mercccur 1601.

Triumvirat der Guisen, des Montmorency und de Marsch, v. St. Andre. Ein unerklärlicherCharakter; in manchen Dingen überaus gross,

1 5 62. Erster Bürgerkrieg. Blutbad von Vassi, Schl, bei Dreux. Bela- in andern wieder mehr als kindisch. Unruhe und Verwirrung errei-

gerung von Orleans. Guise ermordet von Poltrot, Vergleich 1 563 .

1567. Zweiter Bürgerkrieg. Conde’s Entwürfegfgen den Hof. Schlachtbei St. Denis. F'riede zu Longjumeau i 568 .

1 568 . Dritter Bürgerkrieg. Catharinens Entffiirftgeg. Conde u. Coligny.Schl, hei Jarnac u. Montcontour. Friede v. i 5 ;o 4 ne Aufricht, u. Dauer.

1572. Vierter Bürgerkrieg. Blutbad der Bartholomäusnacht.

1574. F'ünfter Bürgerkrieg. Die Partei der Staatsklugen oder Missver-

chen ihren Gipfel. Das Ende der Monarchie scheint mit diesemF'ürsten unvermeidlich. Brüderschaften. FKr.iter Reichstag zu Blois.Heil. Geist-Orden. Verbesserung des Calenders. Ligue. Die Sechs-zehn. Barricadengefecht. Drei kämpfende Parteien, oder Krieg derdrei Heinriche. Schl, bei Coutras. Zweiter Reichstag zu Blois, wodie Guisen ermordet werden. Aussöhnung der beiden übrigenHeinriche. Paris belagert. Jacob Clement.

[60. FranzI.1547. ;

Claudia von Frankreich -p 1 524 - <

Leonore von Oestreich , Schwester Carls V., Wittwe des ;Königs von Portugal Emmanuel, -f- i 558 ohne Nach- \kommen. K

Hatte alle körperlichen und geistigen Eigenschaften, um ;der erste Fürst seiner Zeit zu seyn , war’ er nur glücklicher Koder weiser gewesen. Seine Regierungtrifftmiteinergrossen KRevolution in der Bildung des menschlichen Geistes zu- ;sammen. Carl V. war sein beständiger Rival. Gräfin von IChateaubriant. Herzogin vonEtanipes. Concordat. Duprat. <Leo X. Luther. Schlacht bei Marignano. Die Guisen in \Frankreich. Bonnivet. Lautrec. Semhlancai. Doria. KMontluc. Untreue des Connetable von Bourbon. Schlacht *bei Pavia. Gefangenschaft des Königs. Pescaria. Lannov. \Verträge von Madrid und von Cambrai. Allianz mit den KTürken. Waffenstillstand zu Nizza. Carls V, Reise durch •Frankreich. Schlacht hei Cerisole. F'riede von Crepi. Die \Weiber am Hofe. Wiederaufleben der Wissenschaften. \Feine Bildung und Artigkeit. •

| Franz-f-1495. 0 KMONTPENSIER , früher LA ROCHE - SUR - YON , erlischt nach 5 Generationen 1627,

Marie von Lnxemburg-Saint - * Siehe das Nähere auf den folgenden Blättern .

Paul, -j- i 547 - J

Carl, zum Herzog von Ven- 0 SAINT-PAUL erlischt nach 2 Generationen mit einer Tochter. Siehe das Nähere auf den folgendendorne erhoben , -j- i537. $ Blättern.

Franzisca v. Alencon-\-i 55 o. j

23 S

Regierung wieder freigesprochen, gnügten vereinigt sich mit den Protestanten. Günstlinge. Caylus, St. Megrin, die Herz. v. Joyeusc, Epernon.

REICHTHUM DER GESCHICHTE VON FRANKREICH; ff AS DIE ALTEN NOCH VORAUS HABEN; WIE WIR ES UNS ANEIGNEN KOENNEN.

Ansichten, einen schnellen Blick , einen graden Verstand , eine rasche FKntschliessungund einen festen Willen. Diess sind wesentliche Eigenschaften , es sind die erstenTugenden eines Fürsten , und docli dürfen sie , streng genommen , hei den meistenUnterthanen nur als Nebensache , oft sogar als Ueberfluss betrachtet werden.

Die Franzosen müssen in der Geschichte ihres Landes tausend Veranlassungen zueinem gerechten Nationalstolz finden.

Zuerst sehen wir Chlodwig, noch in den Zeiten der grössten Barbarei, Klugheit mitMath vereinigen , und auf diese Weise den Grund zu der Monarchie legen, die nun unterallen , die jetzt in Europa bestehen , als die älteste und als eine der herrlichstenerscheint; dann leuchtet Carl der Grosse hervor, der durch seine Charakterstärke ,durch sein erhabenes Genie, durch die Kühnheit und glückliche Vollführung seinerEntwürfe der lleld seines Zeitalters war , wie er es zu jeder andern Zeit würde gewesenseyn.

Nach ihnen zeichnet sich der edelmüthige Philipp August aus, der, ehe er bei Bouvinessiegte , sich bereit erklärte , seine Krone an den abzutreten , den man würdiger lindenmöchte ; dann der fromme Ludwig d. II., der aus Gerechtigkeitsliebe die Provinzennicht behalten wollte , die seine Tapferkeit erobert hatte.

Nun folgt der glänzende Zeitraum des liebenswürdigen Ritterthums, die alte Wiegejenes offnen Biedersinns, jener Ehre und jenes Frauendiensts , die den Franzosen immerso theuer geblieben , und sieh so sehr mit dem Namen Frankreich verwebt haben, dasssie dort vorzüglich zu Hause scheinen.

Später begegnen uns König Johann, dessen Worte waren : die Redlichkeit, wenn sieauch aus allen Menschen verbannt wäre, müsste doch noch eine Zuflucht in dem Herzender Könige linden, und der, seiner schönen Maxime treu, freiwillig in die Gefangenschaftzuruckkehrte , weil er die Bedingungen seiner Freiheit nicht erfüllen konnte ; Carl V.,der durch Klugheit und weises Benehmen die fast verfallne Monarchie wieder einpor-hob ; Carl VII., der mit Hülfe seiner Tapfern unter der Fahne der Schönheit seinReich wieder eroberte; der väterliche Ludwig XII., der die Hofleute lieber über seinenGeiz lachen liess , als dass sein Volk über seine Verschwendung weinen sollte ; dergrossherzige Franz I., der sich über den Verlust seiner Freiheit mit der geretteten Ehretröstete ; der ritterliche Heinrich IV., dessen weisser Federbusch in Frankreich dasSinnhjld der Tapferkeit und des Ruhms geworden ; der unsterbliche Ludwig XIV., dervon einer Gruppe gleich Unsterblicher umgeben, in majestätischer Grösse über Nationenund Jahrhunderte emporsteigt und Frankreich mit emporhebt; endlich die Wunder-geschichte der Tage , in denen wir leben.

Nicht weniger Befriedigung gewährt es, den Blick von dem Glanz des Throns abwärtsauf die Masse des Volks zu wenden. Wie viel grosse Männer in allen Fächern, wieviel Tugenden im öffentlichen nnd im Privatleben , wie viel edle Handlungen , schöneCharaktere ! Fürwahr um ihren Werth ganz zu erkennen , um sie zum wenigsten denenvon Griechenland und Rom an die Seite zu stellen , bedürfte es nichts mehr , als dassman sie , wie es unsre heilige Pflicht wäre , mit der ersten Vorstellung unsrer Kindheit,mit den ersten Neigungen unsrer Seele verwebte, dass man es mit derselben fortgesetztenSorgfalt nnd täglichen Uebung thäte, wie es bei unsern classisehen Studien vorzugsweiserücksichtlich der Alten geschieht, die doch in keiner solchen Familienbeziehung zu unsstehen , wie die Neuern.

Gab es wohl in der That einen unerschrocknern Charakter als den des Duguesclin

einen reinem als den des Bayard ? Wer war tapfrer als Conde , trefflicher als Turcnne ?Wer hatte mehr Burjertugend als Eustach von St. Pierre , Maillard , d’Assas undDesiles, wer mehr Festigkeit als Mole, mehr Treue als du Harlay, mehr Liehe für allesGute als Sully ? Wrhat den Ruhm seines Geschlechts dauernder erhalten als die vielen

Montmorency ? unzähliger Andrer nicht zu gedenken. Mit Recht erhebt sich unsre Brustbei diesen Gedanken.nnd mit Recht dürfen wir daher fragen, welche edle und heilsameTugenden wohl die Geschichte der Alten noch voraus habe , welche schöne und grosseLehren besonders 1 #* ihnen zu suchen seyen, und um was wir sie noch zu beneidenUrsache hätten ? Doch bleiben noch zwei Dinge übrig , die unsrer heissesten Wünsche,unsers besten Strebend würdig sind. Es ist jene bewundernswerthe Liebe des Vaterlandsbei den Römern z» d en Zeiten der Republik ; es ist jenes dauernde und volle Glück,das die Kaiser ini zwflten Jahrhundert der Monarchie über ihr Volk ausgossen.

Oh nun auch dieane dieser herrlichen Erscheinungen ihren Grund in der Natur derVerfassung , die * n einer glücklichen Fugung des Zufalls gehabt halte ? Auf dieseUntersuchung komntiÜier wenig an. Genug sie waren einmal, und wir können es daherunternehmen, sie durch die Krall der Erziehung und Siltenhildung, die Alles zu ersetzenim Stande ist, aufs nene ins Lehen zu rufen.

Man hat Unrecht zo behaupten , die Liehe des Vaterlands setze die Theilnalmie ander Regierung voraus ( und die Volker könnten nicht ohne besondre Wohlthat der Natureine Reihe guter Fürs*® 11 erwarten. Sehen wir nicht täglich Menschen voll Eifer für dieReligion, ohne dass sie desshalb zu den Priesteru der Kirche gehören ? Folgen nichtAndre blindlings den Eingebungen der Ehre , ohne eine Stimme hei Entscheidung überEhrensachen zu verlangen ? Kann man also nicht eben so ein guter Bürger seyn , seinVaterland leidenschaftlich lieben, ohne die Gesetze zu machen? Aber freilich mussdann auch die Erzieh fln g dieses Gefühl eben so , wie den religiösen Glauben , wie jeneVorurtheile der Eh rt > * n unsre Seele einpflanzen.

Dasselbe gilt Id d en Fürsten , die nach der Erbfolge zur Regierung bestimmt sind.Waren die Neuern noc nicht so glücklich , jene grossen Resultate, zu erreichen , somüssen wir auch bekennen, dass es an geeigneten Versuchen bisher gefehlt hat. WelcheBemühungen können wir anfweisen , um blind ergebne Bürger , um Fürsten zu bilden,

die mit Leidenschaft das Gute wollen ?

Ist man auf einen ^enthüinlichen Unterricht für Beide bedacht gewesen ? Hat manin den Studien , i° 01 run dsätzen für Beide jene scharfe Grenzlinie beobachtet, dieihre gegenseitige B® stI ™“ Un g scheidet ? Hat man bedacht, dass, wenn die Wissenschaftenund alle technische u nste zu den Hauptbeschäftigungen der Unterthanen gehören,deren Glück und Ru»“ sie begründen , es dem Fürsten genügen müsse, ihre Existenzzu kennen , um sic er * e hen zur gehörigen Zeit zu bedienen ; dass manche an einem

Privatmann höchst sc tz are Ausbildung an einem Fürsten als Fehler erscheinen würde,

indem sie ihn v011 .' Veit gichtigem Beschäftigungen abzöge ; dass der Fürst mehrMenschen - als Sac . ntniss bedarf, mehr Urtheilskraft bei den grossen Fragen , dieihm unterliegen, ab eit des Geistes, und da er fast immer nach vielseitigen gelehrten

Erörterungen entscW* en kann, mehr Scharfsinn als spezielle Kenntnisse, viel allgemeine

Hat man wohl erkannt, dass die politische Lehre für die, die zu gehorchen bestimmtsind , anders lauten müsse , als für die , die befehlen sollen?

Hat man den ersten wohl eingeprägt , wie über Alles süss nnd theuer der NameVaterland dem menschlichen Herzen seyn müsse ; wie Jeder von ihnen , stolz auf diesegemeinschaftliche mütterliche Erde, ihr aus kindlicher Zärtlichkeit Alles, seine Wünsche,seine Arme , seine Güter, sein Leben mit Entzücken opfern , dass inan freudig Alles fürsie leiden, ohne Murren Alles ausdauern müsse; dass nichts in der Welt d®n schrecklichenFrevel entschuldigen könne , seine Hände vatermörderisch gegen sie zu wenden ; dassEhre, Ruhm , Sicherheit und Ruhe, das Wohl Aller in dem Vaterland gegründet seyen,und d^ss Keiner seinen An tlieil an diesen heiligen Gegenständen besser bewahren könne,als indem er jeden Augenblick bereit sey , sich für die Erhaltung des gemeinschaftlichenSchatzes anfzuopfern; dass endlicli, wer es versuchen wollte, entgegengesetzte Ansichtenzu verbreiten , ein schändlicher Lästerer des Heiligsten, ein Feind des Ganzen und jedesEinzelnen , ein Wesen sey , das die Hölle ausgespieen , um das Werk des Himmels zuzerstören und über die Menschen Elend zu bringen ?

Hat man den Fürsten wohl eingeprägt, dass sie, Ebenbild der Gottheit auf der Erde,berufen ihre Mitmenschen zu regieren , dieser edlen , heiligen Bestimmung durchTugenden entsprechen müssen, die sie über die Masse der Menschen erheben ; dass derThron , weit entfernt, ein Sitz des Vergnügens zn seyn , wie es dem Pöbtl erscheint,vielmehr für grossartige, des Throns würdige Seelen ein wahrer Pnifungspoaten sey,der beständige Wachsamkeit erfordert, und wo die menschlichen Schwachheiten (jasogar zuweilen manche Tugenden) immerwährend in K ampf mit den königlichen Pflichtengerathen; dass der Monarch, mit Selbst verlängming gegen sich und die Seinigen , nichtssehen , nichts kennen dürfe , als das Ganze seiner grossen Familie ; dass er nur in demWohlstände, den er ihr verschafft, seinen Reichthura, nur in dein Ruhme, den er ihrerhält, seinen Stolz, nur in dem Glück , das er über sie verbreitet, sein eignes Gluckzu suchen habe ; dass er vor Gott und vor der unerbittlichen Nachwelt Rechenschaft /schuldig sey von allem Uebel, das er nicht verhütet, von allem Guten, das er versäumt;dass er ein ehernes Herz haben müsse bei Bestrafung der Verbrechen , ein unzugänglichesGemüth bei Austheilung der Gerechtigkeit; dass seine Sitten musterhaft, seine V ertrageheilig , sein Wort unverletzlich seyn , dass er die beständige Herrschaft über alleLeidenschaften erhalten müsse ? darin bestehe im Wesentliclien das erhabne Amt dessen,den Gott auf der Erde zu seinem Stellvertreter ausersehen habe, und w enn sieh Jemandunterstehen wollte , anders zu sagen und zu rathen , so könnte es nur ein verworfner,Verbrechen brütender Verführer, oder ein schändlicher gefallsüchtiger Schmeichler, so |könnten es nur Menschen seyn, die mit Recht den Hass nnd die Verwünschungen Allerauf sich ziehen, eine Geissei der F'ürsten , denen sie die Herzen entfremden, und die sie

a r ( ) Anton , König von Navarra , 0 CONDE, CONTI, SOISSONS , erlöschen nach 10, 5 und 2 Generationen. Siehe das Nähere auf den-J- i562. » folgenden Blättern.

Johanne von Albret Ap J

Der glänzendste der Helden, der beste der K önige, muss sein Reich erobern , über das er väterlich regiert.Schl, bei Arques und bei Ivry. Berühmte Ständeversammlung der Ligue. Schwört ab 1.593 ; ziehtin Parisein 1594. Gefecht bei Fontaine - Francaise. Ausschuss der Reichsstände zu Ronen. Edict von Nantes.F'riede zu Vervins 1598. Biron hingerichtet. Anfang von Ordnung, Sparsamkeit und weiser Leitung inallen Zweigen der Verwaltung. Frankreich schöpfte wieder Athcm; durch Snllv’s Eifer, durch HeinrichsSorgfalt war es auf dem Weg zu neuer Blüthe, da brachte Ravaillacs Dolch wieder Trauer und Verwirrungüber das Land.

War weder den Vater noch den Sohn werth. Kommt mit 9 Jahren zur Regierung. Seine Mutter wirdRegentin , und zerstört in einem Augenblick wieder, was Heinrich IV. Glückliches bewirkt hatte. —Die Herrschaft wird ihr 1617 entrissen, und ihre Günstlinge, Concini und die Galigai, kommen um;aber der schwache nnd wunderliche Ludwig konnte eine Leitung nicht entbehren , oh er gleich die nichtliebte, die ihn beherrschten. Zuerst hatte Luines die Gewalt, dann der berühmte Richelieu , der das HausOestreich schwächte, die Rcformirten entwaffnet« , die Grossen beugte, und den König , trotz denfeindlichen Anstrengungen von Aussen , den Verschwörungen iin Innern , und man durfte sagen demKönig selbst zum Trotz , unumschränkt machte. Einnahme von Rochelle. Friede zu Chierasco. Chalais,Marillac , Montmorency, Cinq-mars, de Thou hingerichtet. Französische Acadeuiie.

Mit 5 J. König. Die Regentin, seine Mutter, hatte den berühmten Mazarin zum Minister. Ludwig XIV.gehört zu den grössten F'ürsten , die die Geschichte erwähnt. Was durch seine Fehler Uebles geschehen,wissen wir fast nur durch Ueberlieferung ; aber wir sind noch im Genuss des Guten , das sein grosserGeist gestiftet. Sein Hang zum Krieg , seine Herrschsucht waren vorübergehende Plagen , dagegen seinSeelenadel, der Flug seines Geistes, die Feinheit seines Wesens als dauernde, fruchtbringende Tugendenerscheinen. Grosse Männer aller Art umgaben ihn , als hätte der Zufall, mit seinem Genie im Bunde,Alles vereinigen wollen , nm dem Zeitalter Augusts das Zeitalter Ludwigs XIV. entgegenzustellen. Alleguten und grossen Anstalten im Civil-u. Militärwesen, zum Nutzen oder zur Annehmlichkeit, rühren nochvon ihm her; mit Einem Wort er gab in Europa den Ton an und verschaffte Frankreich das Uebergewicht.

Wir gehen keine Skizze von seiner Regierung; man muss diese Geschichte vollständig lesen , es ist dieGeschichte von ganz Europa. Nur auf die drei verschiedenen Perioden müssen wir aufmerksam machen,nämlich auf Ludwigs Kindheit, anf die Jahre der gereiften Kraft, und auf die seines Alters. Einer Sonneist er zu vergleichen , deren Morgenröthe zwar durch die innerlichen Unruhen der F'ronde getrübt wird.

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£•' 65 , Heinrich IV., ermordet |1610.

Marie 2*0/1 Medici -j- 1642.

* Von ihm die Bastard- jLinie YENDOME.

j66. Ludwig XIII.-{- 1643.Anna von Oestreich -{- 1666. I* Von ihm geht der Zw’eig IORLEANS aus.

Siehe Tafel XI.

^ 67. Ludwig XIV. + 1715.Marie-Therese von Oestreich+ i 683 .

* Von ihm die Bastard-Linie von MAINE etc. SieheTafel XI.

Der Dauphin 1711,

Marie von Baiern 1690.

* Von ihm die Linien von ISPANIEN , NEAPEL und [PARMA. Siehe Tafel XI.

26 { Der Herzog v. Burg. -^-1712Marie von Savoyen -{- 1

£68. LudwigXV. 1774*Marie Leszinsky.

I Der Dauphin -|- 1765.

Marie von Sachsen -j- 1767.

* Von ihm die Linie vonARTOIS. Siehe Tafel XI.£69. Ludwig XVI. + r 793 .Marie-Anton, von Oestreich.i 79 3 .

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7 12 - 1 die aber am Mittag im herrlichsten Glanze strahlt und durch ihr Feuer die ganze Erde belebt; gegen7 1 \ Abend und bei ihrem Untergang stehen wieder düstre Wolken am Horizont.

( Mit 6 Jahren König. Der Herzog von Orleans Regent. Verwaltung unter dem Minister Dubois ; Law’sberücht. System. NachDuboisTod 1723 wird der Herzog von Bourbon erster Minister , und nach ihm1726 der Cardinal F'leury. Glücklicher Krieg von 1733, nachtheiliger von 1740, verderblicher v. 1756.Berühmte Streitigkeiten zwischen dem König nnd den Parlamenten. Damiens Mordversuch gegen denKönig. Choiseul Minister. Jesuiten aufgehoben. Corsica erworben. Aufhebung der alten Parlamente.Meaupeau. Aiguillon Minister.

Wohlmeinender war nie ein Mensch , nie ein König unglücklicher. Rückbemfung der alten Parlamente.Maurepas , Vergennes. Americanischer Krieg, Necker , Breteuil, Calonne , Brienne. 1789.REVOLUTION.

in den Abgrund reissen können, eine Geissei der Völker, deren Glücksie untergraben und die sie oft bis zur Wuth empören.

Hat man den Unterthanen vor Allem recht begreiflich gemacht, dassTreue nnd Gehorsam gegen den F’ürsten , in dem wir das Vaterlandsehen , ihre erste und heiligste Pflicht bilde , dass sie sich selbst dannnicht gegen ihn auflehnen dürfen, wenn er auch ungerecht, ja tyrannischwäre, und zwar nach der einfachen, aus der Erfahrung der Jahrhundertegezogenen Berechnung, dass die Summe der Uebel, die seine Besiegungoder sein F’all nach sich zieht, hundertmal grösser ist, als die , vondenen man sich befreien möchte ? Dass vielmehr Ergebung immerheilsamer erscheine, wenn man auch nur bedenken w’olle, wie weit dieRevolutionen , die oft ganze Jahrhunderte mit Blut färben , über dieDauer eines Menschenlebens hinausreichen.

Hat man auf der andern Seite den Fürsten die Ueherzeugung bei-gebracht , dass sie nie , wie gross auch ihre Macht und Stärke seynmöge, mit Verschmälmng der Gerechtigkeit und der Vernunft, diegezogenen Schranken überschreiten, nie mit verwegner Hartnäckigkeitdem allgemeinen Streben und Wunsche entgegen stehen dürfen , weilihnen sonst vielleicht eineblinde losgekettete Masse, gegen die Vortheile,die sie reizen , weit grössere Gefahr bringen , wohl gar den gänzlichen

Lmstnrz der Gewalt herbeiführen möchte , die sie um Weniges zuvergrössern trachteten.

Hat man durch diese zweifache, zu so tiefen Betrachtungen geeigneteYV arnung zwischen jenen beiden grossen Interessen, die so leicht gegeneinander treffen , eine heilsame Entfernung bewirkt , einen heiligenZwischenraum gebildet, den sie nicht zu betreten wagen , und sich sobemüht , auf beiden Seiten Gleichgewicht und Nachgiebigkeit aufgegenseitige Rücksichten und Besorgnisse, anstatt, wie es gewöhnlichgeschieht, auf gegenseitige RechteundAnsprüchezn gründen, wodurchdie Leidenschaften immer im Spiele bleiben und jeden Augenblick inFlammen aufzuschlagen drohen ?

Und wenn nun diese Erziehungsart, diese Grundsätze und Lehrennicht mehr als blose Theorien , als einzelne Ansichten der wissenschaft-lichen Untersuchung der Philosophen und der öffentlichen Erörterunganheim gestellt bleiben , sondern als Gegenstand einer heiligen Ver-ehrung , gleichsam als eine nothwendige Ergänzung unserer religiösenGlaubenssätze behandelt würden , dann sollten sie wohl bald auf allenSeiten jenes unwiderstehliche Gefühl erzeugen , welches unter denMenschen als Fanatismus geächtet ist, sobald es sich zum Bösen wendet,das aber als Enthusiasmus verehrt wird , wenn Gutes aus ihm hervor-geht. (1812.)

No. IX. ALLGEMEINE GENEALOGIE FRANKREICHS.

Verleger: Johann Velten in Carlsruhe. — Gedruckt bei G. Braun. 1826.