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BESCHREIBUNG DER UEBERSICHT etc.
Die nebenstehende Carte zeigt uns das römische Reich wie es in seinergrössten Ausdehnung bestand; die äussersten Grenzen sind durch eine farbigeEinfassung bezeichnet ; aridere Farben unterscheiden die verschiedenenProvinzen , und die Ziffern über ihrem Namen verweisen auf den unternRami der Tafel, wo man dieselben Provinzen , mit ihren Unterabtheilungenund vorzüglichsten Städten , die Urbewohner derselben, die römischenFeldherren, die sie erobert oder vereinigt, die Barbaren, die sie überzogen,und endlich die Völker, die sie jetzt bewohnen, tabellarisch zusammengestelltfindet«
Von dem topographischen Theil, und von der Geographie im Mittelalter.
Es konnte hier nicht unsere Absicht seyn , die Eintheiluugcn und Unter-eintheilungen der römischen Provinzen nach der Verfassung dieses Reichsanzugeben , was ohnehin unausführbar wäre, da bei einer Dauer von mehrerenJahrhunderten verschiedene Hauptorganisationen die Form von Zeit zu Zeitänderten ; unter Augustus z. B. war das Reicli in Diöcesen , unter Hadrian inProvinzen , unter Constantin in Präfecturen eingetheilt etc. W eiche vondiesen hätten wir nun wählen sollen? und welchen wahren Nutzen könnte esgewahren, uns damit zu befassen? Dergleichen mehr scientifisehe Gegenständeder Alterthumskmide müssen wir den Gelehrten überlassen, und ihre Angabegehört nur in die W erke der besondern Geschichte. Nach unserm schon früherausgesprochenen Grundsatz , nur das durchaus Nützliche, das Unentbehrlicheherauszuheben , haben wir uns daher begnügt, die grossen Provinzen des Reichsaufzuzeielinen, die so zu sagen elassisch geblieben sind, weil sie die W iege dermeisten bestehenden Nationen waren, und noch jetzt den Schauplatz ihres Lebensbilden. Die wunderlichen Formen, die die Römer diesen Ländern gaben, habenwir jedoch diessmal nicht so beibehalten, wieaufTaf. 5 . geschehen ist. In denersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung musste auch die Geographiein den gänzlichen Verfall gerathen, und an den vielen Verlusten Theil nehmen,welche alle übrigen Wissenschaften erfuhren. Schon im sechsten Jahrhundertwaren die fabelhaften Ungereimtheiten wieder so sehr zum Vorschein gekommendass die Erde nach dein System des Mönchs Cosmas nur ein ungeheures mithohen Mauern umgebenes Viereck seyn sollte, auf welchen die blaue Wölbungruhte. Auf den Garten des achten Jahrhunderts findet man im Süden von Africanoch einen vierten Welttheil angezeigt, als nothwendigen Antipoden zu dem,den wir bewohnen, und der Geograph jener Zeit, Guido von Ravenna, zeigtuns durch seine Compilation eigentlich mehr was wir verloren haben , als dasser unsere Kenntnisse bereicherte. Wir müsseu daher, was das römische Reichbetrifft, wieder auf die einzige Carte zurückgehen , die aus der Zeit des Reichsseihst auf uns gekommen, auf die berühmte Peutingerisehe Tafel, die diesenNamen führt, weil sie im Besitz eines Conrad Peutinger von Augsburg war. Siestellt die ganze damals bekannte Welt von Britannien bis an das Ende Asiensauf Einem Blatte vor, das bei einer Lange von 21 Fuss etwas weniger als einenFuss breit ist. In diesem beengten Raume sind nun von Westen nach Ostenalle Länder, Nationen, Flüsse, Gebirge, Strassen und Handels - Stationenaufgezeichnet. Man kann sich leicht vorstellen wie wunderlich die Formen seynmusseh, die die Erde nach dieser Carte erhielt, docli würde mau irren, wie wirschon früher , Taf. 5 ., bei der Carte des Marinus von Tyrus bemerkten , wennman desshalb glaubte , auch die Wegmaasse seyen unrichtig gewesen , undder Reisende habe sich nicht auf sie verlassen können , um seine Ankunft zuberechnen. Diesell>en Plaue und Reisecarten waren es, die man den Feldherrenanvertraute, und deren heimlicher Besitz für ein Majestatsverbrechen würdegegolten haben.
Man hat viel über das Alter dieser Carte gestritten, und es wird wohl nochlange dauern , bis man sicli vereinigt. Einige behaupten, sie sey aus den ZeitendesTheodosius, Andre setzen sie in die des Severus etc. Man könnte ihr Alter ohneAnstand noch viel weiter hinaufsetzeu , denn sie trägt eigentlich das Kennzeichender Carlen des Eratostheucs und des Strabo ; nämlich die Verbindung descaspischen Meers mit dem Occan , die völlig östliche Mündung des Ganges etc.Freilich finden wir auch schon die Existenz von Constantinopel, und die Herrschaftder christlichen Religion darauf erwähnt; diese Schwierigkeit ist aller gehoben,sobald man annimmt, dass nur die ursprüngliche Zeiehuung jenes Alter habe,die Schrift aber in der Folge allmählig nach den Veränderungen und neuenEntdeckungen vermehrt worden sey.
Kehren wir indessen zu den Gegenständen der römischen Geschichte zurück,denen diese Uebcrsicht besonders gewidmet ist.
HAUPTABTHEILUNGEN DER ROEMISCHEN GESCHICHTE.
Die römische M acht oder ihre Geschichte umfasst, von der Gründung Romsdurch Romulus bis auf die Zerstörung des abendländischen Reichs unterRomulus Augustuliis, den ungeheuren Zeitraum von zwölf Jahrhunderten ,der in drei Hauptabschnitte zerfällt. 1. Die Könige ; 2. die Republik; 3 . dieKaiser.
Rom unter den Königen ; Zeitraum von 240 Jahren.
Sieben K ünige herrschten nach einander über Rom; alle sieben merkwürdig,theils durch ihre persönlichen Eigenschaften, theils durch die wichtigenEinrichtungen, die von ihnen berrühren, und durch die bedeutendenBegebenheiten , deren Urheber oder Zeugen sie waren.
1. Romulus erbaut Rom, und gründet seine politische Verfassung.
2. Auma Pompihus sorgt für die Religion und verbessert den Gottesdienst.
3 . Tullus Hostilius befestigt die Einrichtungen seiner Vorfahren.
4. Ancus Marcius erweitert durch seine Eroberungen das römische Gebiet.
5 . Tarquinius Pilsens verschönert die Stadt.
6. Servitts Tullius , der Schöpfer der Aristocratie, bereitet dieRepnblik vor.
7. Tarquinius der Stolze wird vertriebeu , mit ihm lallt das Künigtlium.
Rom als Republik ; Zeitraum von 5 oo Jahren.
Nach der Vertreibung der Könige erhebt sich die römische Republik,deren Geschichte in doppelter Beziehung reich an den merkwürdigstenBegebenheiten ist.
Aach Aussen.
Die Republik, immer kriegführend,immer siegreich, schreitet von Glückzu Glück, zerstört Nationen, bemäch-tigt sich der Länder, und unterwirftdie Völker, bis sie endlich, die Welt-herrscherin , unter ihrem eigenen Ge-wichte, und von der Hand ihrer eige-nen Eeldherrn getroffen, erliegt.
Aach Innen.
Zwei Parteien sieben fortwährendim Innern gegen einander: die Patri-cier , die anfänglich alle Macht besas-sen , und die Plebejer , die mit jedemTage neue Rechte fordern u. erhalten.So wird zuletVt die immer wachsendeBürgschaft ihrer Freiheit das Werk-zeug ihrer Sklaverei.
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Rom also, weil es zu viel erobert, wird unterjocht, und die Römer, weilsie zu viel Freiheit verlangt, kommen in die Sklaverei. Ein auffallendesBeispiel, dass, was man aufs Aeusserste treibt zu dem entgegengesetztenAenssersten führt.
Rom unter den Kaisern ; Zeitraum von 5 oo Jahren.
Beinahe fünfhundert Jahre lang wurde Rom von Kaisern beherrscht, undjedes dieser Jahrhunderte trägt seinen eigentümlichen Charakter nach denpersönlichenEigenschaften der Regenten, oder nach den grossen Revolutionendes Reichs.
In dem Ersten erblicken wir das Bild der abscheulichsten Tyranneiausgefüllt durch den grausamen Tiber, den schändlichen Caligula, dengrimmigen Nero und den blutdürstigen Domitian.
In dem Zweiten sehen wir die glücklichsten Zeiten darauf folgen ; es istdie Periode des herrlichen Trajan , des guten Hadrian, des liebenswürdigenAntonin und des tugendhaften Marc-Aurel.
Das Dritte liefert das Schauspiel einer völligen militärischen Anarchie ;eine Menge Kaiser werden nach einander von den Soldaten erhoben undwieder abgesetzt.
In dem Vierten tritt die Theilung des Reichs ein. Ost-Rom unter ValensWest-Rom unter Valentinian.
Das fünfte Jahrhundert endlich bringt den Untergang des Reichs. Eswird von defrBarbaren zertrümmert, die den Grund zu den neuern Nationenlegen.
ROMS VORZUEGLICHSTE STAATSGÜTER.
Dictator. Er war der höchste Magistrat; allein und unumschränkt; erwurde nur in ausserordentlichen Fällen der Unruhe oder der Gefahr, undnnr auf sechs Monate gewählt. Sogleich nach seiner Erwählung ernannte ersich einen Befehlshaber der Reiterei ; die übrigen Magistrate begaben sichaller Gewalt, nur die Volkstribunen blieben. Die Consuln ernannten ihnin der Regel; vier und zwanzig Lictoren mit den Beilen gingen vor ihmher. Mehr als einmal verdankte Rom sein Heil der Dictatur.
T. Lartius Flavus war der erste Dictator im Jahr 497 vor Chr. DiesesStaatsamt hörte unter Augustus auf , der es nicht annehmen wollte.
Consuln. Die zwei ersten Magistrate der Republik. Sie wurden jährlichvon dem Volke gewählt , waren Befehlshaber des Heers, hatten im Senatden Vorsitz, und leiteten alle Staatsgeschäfte. Zwölf Lictoren gingen vorihnen. Montesquieu schreibt dem jährlichen Consulat hauptsächlich denRuhm und die Siege der Römer zu.
L. Junius Brutus und L. Tarquinius Collatinus waren die ersten Consulnim Jahr 5 o 8 vor Chr. ; unter Justinian hörte das Consulat auf.
Censoren. Zwei Magistrate, die anfänglich auf fünf Jahre, später nur aufanderthalb Jahre gewählt w urden. Sie führten das Verzeichniss über Anzahlund Vermögen der Burger, und mussten über die Gesetze und Sitten wachen.Einen Senator, der sich seiner Stelle unwürdig gemacht, konnten sie ausstossenden Rittern nahmen sie ihr Pferd und die Pension, die sie vom Staate bezogen;auch das Stimmrecht konnten sie entziehen. Sie verwahrten zugleich dieöffentlichen Register und Urkunden.
L. Pap . Mugillanus und Sempr. Atratinus waren die ersten Censoren imJ. 443 v. Chr. Unter den Kaisern , die selbst mehrere Verrichtungen diesesStaatsamts übernahmen , hörten die Censoren auf.
Aedilen , curulische. Zwei Magistrate, die mit der Stadtpolizei beauftragtwaren ; sie wachten über Theater und Spiele , sorgten für die Unterhaltungder öffenJÜchen , für die Sicherheit der Privalgebäude , für die Herstellunjder Landstrassen, und hatten die Aufsicht über Maass und Gewicht, überLebensmittel, etc. Man nannte sie curulische , zum Unterschied vonden plebejischen, denen ein eigener Theil von polizeilichen Gegenständenzugewüesen war.
Pr/Etoren. Zwei jährlich gewählte Magistrate, die hauptsächlich dieRechtspflege zu besorgen hatten : der eine fpreetor urbanusj entschied dieStreitigkeiten der Bürger unter einander , dei andere ('preetor peregrinusj ,hatte die Rechtshändel zu entscheiden , wobei Fremde vor Gericht standen.Sie führten ausserdem den Vorsitz bei den Spielen, und sorgten für dieOpfer. Ihre Würde war die nächsle nach der Consularwürde ; ihre Anzahlwechselte gegen Ende der Republik und unter den Kaisern. Zuweilenworden sie am Ende des Jahrs aufs neue gewählt, und erhielten dann denNamen Proprcetoren.
N. B. Die oben erwähnten fünf Magistrate wurden mag. majores oder diecurufischen genannt, weil sie das Recht hatten, bei ihren Amtsverrichtungensich der Stühle von Elfenhein zu bedienen, die man sellae curules nannte.
Tribunen. Volk.-magistrate, die über seine Rechte und Freiheit zu wachenhatten. Sie waren zehen an der Zahl, und wurden jährlich neu gewählt(Die Fortsetzung siehe auf der letzten Colutnnc zur Rechten.)
WICHTIGKEIT DER ROEMISCHEN GESCHICHTE, IHRE M ATERIALIEN, WÜRDIGUNG DER GESCHICITSCHREIBER, LEHREN UND KLIPPEN, DIE SIE FÜR UNS ENTHIELT.
FORTSETZUNG DER ERSTEN COLUMNE ZUR LINKEN.
Gross und gefährlich war ihre Gewalt, ihre Person heilig und unverletzlich.Die beständigen Angriffe der Tribunen gegenvden Senat, und der hart-näckige iderstand des Letztem geben den Schlüssel beinahe zu alleniiiuern Unruhen , die Rom während der Republik erschütterten.
Qu.lstoren. Jährliche Magistrate , die den öffentlichen Schatz untersieh hatten. Sie mussten zugleich die fremden Gesandten , Könige etc.empfangen , und ihnen die Geschenke des Staats übergeben etc.
Proconsuln. Magistrate , die mit der consularischen Gewalt in dieProvinzen geschickt wurden.
Imperator. Zu den Zeiten der Republik nnr eine ausserordentlicheEhrenhenennung , womit die Soldaten ihren Eeldherrn nach einemausgezeichneten Siege begrüssten. Als die Republik gefaben war, erhieltdieser Name die Bedeutung eines obersten Beherrschers , eines unum-schränkten Monarchen.
DIE ROEMISCHEN KRIEGE NACH IHRER ZEITFOLGE etc.
UNTER DEN KOEJTIGEN, Zeitraum von 244 Jahren. IV. B. Die Bürgerkriege sind durch Cursivschrift unterschieden.Ereignisse. Grosse Menxeb.
Edelmuth der Sabinerinnen. Romiilus , Tatius.
Kampf der Horatier und Curiatier. . Tullns Hostilius
Mehrere Siege. Tanpiin der Aeltere ..XX.
Die Vertreibung der Könige. Lncretius, Brutus, Collatinus .
MAE HR END DER REPUBLIK, Zeitraum vop 5 oo Jahren.
Jahriah!. KRIEGE.
75o. Gegen die Sabiner.
667. Gegen die Albaner.
600. Gegen ihre Nachbarn . . .509. Gegen Tarquin den Stolzen
Folgen.
Die Vereinigung der beiden Völker.Die Zer>.törung von Alka.
Die Einführung der Triumphe.
Die Gründung der Republik.
Jahnahl. KRIEGE.
507. Gegen Porsenna , König derEtruscer, den Verbündeten u. Jdie Stütze Tarquins, und gegen idie Lateiner. '
493 . Bürgerl. Unruhen weg. Schulden.
487. Coriolans Empörung .
476. Gegen die Volscer, Aequer u.andre Nachbarvölker.
448. Verleihung der Decemvim. . . .
4 o 3 . Gegen die Vejenter.
388 . Einfall der Gallier.
34 i.
Kriege gegen die Samniter,dauern nah’ an 71 Jahre.
Ereignisse.
Thaten des Horatius Codes, des IMueius Scsevola, des Cluilius;Schlacht beim See Regillus.
Die Kriegsvölker ziehen aus u. lagern
sieh auf dem heiligen Berge.
Rom belagert und in Gefahr.
Mehrere glückliche Schlachten, Todder 3 oo Fabier.
Attentat des Appius.
Belagerung von Veji, dauert 10 J.Seid, an der Allia, Einnahme v. Rom.
Die Römer feiern 24 Triumphe.
Die caudinisclien Passe.
Grosse Männer.
Brutus, Collatinus, Aruns, Valerius,Publicola, Lartius.
Folgen.
| Abschaffung des Königthums.
Befestigung der Republik, und| Einführung der Dictatur.
Einführung des Tribunats.
Coriolans tragisches Ende.
Vergrösserung des Gebiets.
Abschaffung des Decemvirats.Vergrösserung Roms.
Kämpfe, die durch 200 Jahre fort-gehen.
Rom begründet allmählig seine Herr-schaft über Italien.
Rom vollendet mit grossen Schrittendie Unterwerfung Italieus.
über Krieg; dauert j Erstes Seetreffen. Niederlage des Re- ( Duillius, Regulus, Xanthippus, Lu- j Rom bekommt Sicilien, eine Flottegulus, Panormus eingenommen etc. j tatius, Hamilcar-Barcas. i und einen grossen Ruf.
Schlacht bei Telainon , an der Adda. [ Atilius, Acmilius, Marcellus.| Rom erobert das cisalpin. Gallien.
Hannihals Zug, Sehlaehtbei Canna?; ( _ , . I
Belagerung von Syracus, Schlacht | ‘‘ a " lus ’ Marcellus, Archimedes, Sei-) Rom richtet Carthago zu Grund,bei Zama. " ) P^° Africanus I., Ladius. j erwirbt Spanien etc.
Appius, Menenius Agrippa.
Veturia , Volumnia.
Menenius, Cincinnatus, Fabius.
Virginia, Virginius.
Camillus.
Brennus, Manlius, Camillus.
Papirius, Pontius, Curius.
). Krieg gegen die Tarentiner,( Schlachten bei Heraclea und bei ( Pyrrlius und sein Minister Cyneas,dauert beiuahe 10 Jahre. j Benevent. j Fabricius.
264. Erster punise24 Jahre.
226. Gegen das cisalpin. Gallien. .
19. Der zweite punische Krieg;dauert 17 Jahre.
201. Gegen Philippus und die Aeto-lier, Perseus, Antioehus.
(
Schlacht bei Cynoscephalse , Ther- 1 Flaimmus, Aeilms, Scipio Asiaticus, I Die Römer erobern Macedonieu und
H 9 -
147.
141.r 33 -
Der dritte punische Krieg»dauert drei Jahre.
Der AeluEische Krieg.
Der spanische Krieg, 8 Jahre.
Bürgerliche Unruhen .
125 . Erster Einfall in Gallien.
n 3 . Gegen Jugurtha, dauert 7 J.. .io 5 . Der cimbrische Krieg, 5 Jahre.91. Krieg gegen die empörten Bun-desgenossen , 3 Jahre.
88. Bürgerkrieg zwischen Marius u.Sulla ; dauert 2 Jahre.
88. Krieg gegen Mithridates ; dauert26 Jahre.
73. Empörung der Sklaven .
63 . Verschwörung des Catilina ....60. Gallischer Krieg, 9 Jahre....
60. Das erste Triumvirat, und seine IUnruhen. \
mopylse , Magnesia , Pydna.
j Belagerung, Einnahme und Zerstö-j rung von Carthago.
Zerstörung von Corinth.
Belagerung und Einnahme von Nu-
inantia.
Lex agraria.
Aix und Narbonne gegründet.
Siege des Metellus.
Sehlaehtbei Aix und Vercell®.
Kampf gegen die Marseu etc., gegendie Samniter etc.
Unerhörte Proseriptionen; Sulla be-ständiger Dictator.
Einnahme von Athen, Schlacht beiChaeronea, und bei Orehomenos.
Siege des Spartacus.
Edles Betragen des Cicero.
Caesars unsterbliche Feldzüge.
Schlachten bei Pharsalus, Thapsusund Munda.
Paulus Aemilius, Lieinius.
Scipio Africanus II., Laelius, Poly-bius, Cato der Censor.
Metellus, Mummius.
43 . Das zweite Triumvirat, undseine | Proseriptionen ; Schlachten bei Phi •
Uniuhen.
lippi und Actium.
Scipio Africanus II.
Die Gracchen, Scipio Nasica.
Fulvius, Sextius, Fabius, Bituitus.
Marius, Sulla, Bocehus.
Marius, Catulus, Sulla.
Drusus, Marius, Sulla, Pompejus etc.
Sulla, Marius u. seine Söhne, Cinna,Sertorius, Perpenna.
Sulla, Lucullus, Pompejus, Tigranes,Pharnaces, Monimus.
Spartacus, Crassus, Pompejus.
Cicero, Catilina, Caesar, Clodius...
Caesar, Ambiorix, Vercingetorix . . .
Pompejus, Caesar und Crassus, diesich zuerst vereinigen, dann be-kämpfen.
1 Antonius, Lepidus und Octavius zu- Ierst vereinigt, bekämpfen sich if später.
dringen in Asien vor.
Carthago vernichtet, Rom fortanohne Nebenbuhlerin.
Eroberung Griechenlands.
Numantia zerstört.
Ermorduug der Gracchen.
Römische Provinz in Gallien.
Numidien erobert.
Die Cimbern zerstört.
Die Allürtcn erhalten das römische| Bürgerrecht.
Verfall des JVesens der Republik.
Pontus, Cappadocien und Syrienerobert.
Die Sklaven niedergemacht.
Rom durch Cicero gerettet.
Gallien erobert.
Ccesar entledigt sich seiner Rivalenund bleibt alleiniger Herr.
Octavius entledigt sich seiner Rivalenund bleibt alleiniger Herr.
UNTER DEN KAISERN, Zeitraum von beinahe 5 oo Jahren. .
N. B. In den fünf Jahrhunderten der Kaiserregierung lassen sich dreierlei allgemeine Kriege unterscheiden :
1. Die Kriegs in Europa , gegen die Völker Gerinaniens, am Rhein und an der Donau.
2. Die Kriege in Asien , gegen die Parther und die Perser, am Euphrat und Tigris.
3 . Die Bürgerkriege , durch den Ehrgeiz Einzelner und die Zügellosigkeit der Soldaten herbeigeführt.
Kriege in Europa. — Drusus dringt bis an die Elbe , wo er Trophäenerrichtet, Varus kommt mit seinen drei Legionen durch Herrmann um.
Germanicus macht den grossen Unfall wieder gut. Trajan erobert Dacienund vereinigt es mit dem römischen Reiche. Marc-Aurel vollfiihrt denberühmten Zug gegen die Markmannen. Maximin dringt bis in das Herz
von Germanien. Aurelius muss Dacien wieder aufgeben. Die Barbarengehen über die Donau und den Rhein , ergiessen sich in das Reich undgründen , nachdem sie es gestürzt, auf seinen Trümmern , ihre neueHerrschaft. Siehe die neuere Weltgeschichte Taf. 2, die Geographie derGeschichte 3 u. 4 > und die Uebersicht von dem Einfall der Barbaren Taf. 8 .
Kriege in Asien. — Trajans berühmter Zug gegen die Parther: Erunterwirft ungeheure Länderstrecken, die sein Nachfolger Hadrian wiederaufgibt. Severus und Caracalla erwerben Mesopotamien. Krieg gegenArtaxerxesund Sapor. Letzterer macht den KaiserValerian zum Gefange-nen. Odenat und Zenobia , die Königin von Palmyra. Vertrag unter Kaiser
Diocletian. Regierung Sapors II. Berühmter unglücklicher Zng desApostaten Julian , der seinen Tod dabei findet. Jovian sein Nachfolgerverliert Mesopotamien wieder.
Siehe die neuere Weltgeschichte Taf. 2 und die Geographie derGeschichte Taf. 3 .
Bürgerkriege und Empörungen. — Unmöglich Hessen sich auf einemso kleinen Raume die vielfältigen innern Unruhen aller Art auch nurandeuten, von denen der ganze Zeitraum der römischen Kaiserherrschaftso angefüllt ist, dass beinahe alle Kaisernamen und Regierungen dabei zuerwähnen wären. Wir begnügen uns, das treffliche Werk von Gibbon
Die Geschichte Roms ist zugleich ein Theil der Geschichte aller andernNationen; die alten Völker fliessen in ihr zusammen, die neuem entwickelnsich aus ihr. Wenn sich daher ihre grosse Wichtigkeit nicht verkennenlässt, so werden die wenigen Worte, die wir über die Materialien, überdie Verfasser, über die Lehren und Klippen dieser Geschichte hier nieder-legen , wohl an ihrer Stelle seyn.
Matenalien. Zu Rom pflegten alle öffentlichen Begebenheiten und Hand-lungen täglich von dem Pontifex in die Fasten oder Annalen eingeschriebenzu werden, und so mussten sich die bestimmtesten und vollständigstenMaterialien vorbereiten, die je zu einer Geschichte geliefert worden. Destomehr wird man sich wundern, dass die römischen Historiker nicht hlosin derZeit und den einzelnen Umständen, sondern seihst in den Begebenheitenund ihren Resultaten so wesentlich von einander abweichen. W ic soll mansich das erklären ? Durch den Untergang der Fasten zur Zeit des Brennusnicht allein , denn das konnte nur auf die Zeiten vor der Verheerung derGallier Einfluss haben, nicht auf die spätem. W ir glauben den Grund davonin Folgendem zu finden.
Die römischen Familien hatten besondere Register oder Hausbücherwo Jeder seine Genealogie und die glänzenden Thaten der Seinigen auf-zeichnete, und es ist leicht zu denken, dass bei solchen Denkmälern desFamilienstolzes nicht immer eine gewissenhafte Genauigkeit beobachtetwurde, wie man denn auch wirklich von edlen Thaten , Siegen, Triumphen,selbst von hohen Staatsämtern darin Erwähnung faöd, von denen die öffent*liehen Urkunden nichts meldeten. Ohne Zweifel haben nun Nationalgefühl,besondere Rücksichten , oder auch Schmeichelei Manchen veranlasst andiesen Quellen, selbst mit Hintansetzung der Fasten und Annalen,* zuschöpfen, und daher mögen die grossen Verschiedenheiten, die vielenWidersprüche, die offenbaren Irrthümer rühren, die man in den römischenHistorikern antrifft, und durch die die neuern Gelehrten mehr als einmalverleitet worden, die historische Zuverlässigkeit der ersten JahrhunderteRoms in Zweifel zu ziehen. Auch in unsern Tagen hat sich dieser Streitwieder lebhaft erneuert, und ein Theil von den Mitgliedern der Academie
der schönen Wissenschaften zu Paris blieb zuletzt l>ei der Ansicht stehen,dass jener Zeitraum der römischen Geschichte auf keinen glaubwürdigenZeugnissen beruhe , indem die öffentlichen Documente durch die Gallierverbranut worden, und ein zu grosser Zeitraum zwischen der GründungRoms und den ersten römischen Geschichtschreibern verflossen sey.
Soviel ist in jedem Fall gewiss, dass die Römer selbst nicht ganz imReinen waren, und dass nach verschiedenen chronologischen Systemenwie nach denen des Varro , des Valenus Flaccus , des Cato und Polybius ,Rom bald im Jahr 753 , bald 752 , 751 und 75o sollte erbaut worden seyu.Von den Materialien wollen wir nun zu denen übergehen, die sie bearbeitethaben.
IVürdigung der Geschichtschreiber. — Mehr als 5 oo Jahre stand Rom bis eseinen Geschichtschreiber erhielt. Nun erst, und nach dem ersten punischenKriege fingen Ennius in Versen, Fabius Pictor in Prosa an, die Annalen Romszu schreiben. Diese Werke sind jedoch, wie die einiger spätem Schriftsteller,von dem Strudel der Zeit verschlungen, und die eigentlichen römischenHistoriker trifft man beinahe erst in dem letzten Jahrhundert der RepublikTitus Livius und Tivgus Pompejus für die allgemeine Geschichte ; Polybiusund Sallust für einzelne Perioden , Dionysius von Halicarnass für dieAlterthümer Roms. Tacitus , Sueton etc., kommen erst nach Christi Geburt,es sind die Geschichtschreiber der Kaiser. Alle diese Schriften sind übrigensverstümmelt, zum Theil nur in Fragmenten, auf uns gekommen, an die wirmit Sorgfalt die Citationen und Auszüge des Mittelalters , und zuweileneinige glückliche Resultate neuerer Forschungen kuiipfen. Man findeteiniges Nähere von den römischen Historikern, nebst einer chronologischenUebersicht derselben auf Taf. 1. Hier wollen wir noch einen Augenblick beider Betrachtung verweilen, wie und mit welcher Versieht die Obengenanntenzu benutzen seyen.
Titus Livius, dem wir fast allein etwas Zusammenhängendes von derrömischen Geschichte verdanken, war voll von der Liehe zu seinem Vater-land , und vom Geiste der Republik beseelt. Mit solchen Gefühlen schrieber denn auch sein W erk, und ging daher oft über die W ahrheil hinaus. Jene
an sich empfehlenswerthe Tugenden mussten ihn den Römern besondr»werlh machen ; wir dagegen haben um so mehr Ursache, auf seine Ufbr-treibungen zu achten , und uns auf die Seite anderer Schriftsteller, v nsie ihm widersprechen , zu neigen ; besonders da , wo von Kriegsthata,oder gar von den Galliern die Rede ist, gegen die er sich ungeniinparteiisch zeigt.
Trogus Pompejus, dessen Name uns nur den Anlass gibt, den Veristeiner allgemeinen römischen Geschichte zu beklagen , die zur critisctmBeleuchtung des Titus Livius unschätzbar gewesen wäre. Der Auszug, cenuns Justinus davon hinterliess , hat wenig Verdienst.
Polybius ein Grieche , und einer von den Achäern , die als Geissei nachRom kamen, hatte eine günstige Aufnahme in dem Hause der Scipiooengefunden, und war in der glücklichen Lage, zugleich mit Sachkenntnisund Unparteilichkeit schreiben zu können. Die gute Behandlung, dieererfuhr , machten ihm Gerechtigkeit gegen die Römer zur Pflicht, undilsFremder wurde er zu keinen Uebertreibungen verleitet. Nur wenn er inden Scipiouen redet, dürfte man vielleicht einige Befangenheit bei mvoraussetzen, wären diese Charaktere nicht zu schön gewesen, um :erSchmeichelei noch viel übrig zu lassen.
Polybius wird übrigens allgemein als einer der geradesten, wahrhaftig* 11und verständigsten Geschichtschreiber des Alterthums auerkannt. Erschr«bweit früher als Livius, und verdient wohl, bei allen Abweichungendiesem den Vorzug.
Wenn Sallust über den Cicero nachtheilig spricht, so darf man sich daru)ernicht wundern , da er ganz dem Oesar und seiner Partei ergeben warsowie man sich auch wieder umgekehrt von den Vorurtheilen desAcht zu nehmen hat, den Augustus den Pompejer nannte.
Tacitus endlich, der ernste , düstre , strenge Feind der Monarchie,^die Republik und ihre Tugenden beweinte , mag wohl die Gemälde .erLaster, die er zu entwerfen hatte, mit zu starken Farben aufgetragen baten-
Lehren aus der römischen Geschichte zu ziehen. — Keine andere Gesch'fltehat je so vielen Stoff zu einer wahren, tiefen Belehrung geliefert, abue
Geschichte Roms; alles was nur Interesse erregen kann ist in ihr enthalten:Gesetzgebung , Kriegführung , Politik , lauter grosse Verhältnisse , eineMenge grosser Männer. Ihr unterscheidender Charakter ist die Einheit derHauptliandlung, die in der Eroberung der VN eit bestand , der stete Gangin der Richtuug dieses einzigen Ziels, und die stufenweise Entwickelungdieses grossen Systems , die sich durch nichts unterbrechen liess; selbstnicht durch den immerwährenden innern Kampf der Dcmocratie gegen dieAristocratie, von dem man beim ersten Anblick denken sollte, er habe dieRepublik in ihren Grundpfeilern untergraben müssen. So sehr entfernensich oft die Resultate von dem Anschein und der Erwartung, dass jener Kampfvielmehr das Lebensfeuer der Republik genährt, und ihre Kräfte wirksamerentwickelt hat. Indem die Tribunen mit dem Volke die Senatoren unauf-hörlich beunruhigten, waren diese natürlich genöthigt, sich fest an einanderzu schliessen, keine Blossen zu geben, immer nur grosse und aufrichtigeTalente an die Spitze der Geschäfte zu stellen, und jeden Augenblick dieEhrfurcht vor den Gesetzen, die Liebe zu den Göttern und die Hingebungfür das Vaterland nicht blos anznpreisen und zu empfehlen, sondern selbst zuüben. Mit solchen Tugenden wird aber der Ruhm und die Dauer der Reichebegründet und gesichert.
Seht aber auch hin auf diese Reihe prachtvoller Gemälde aller Art, die dieGeschichte Roms verherrlichen ! W ollt ihr Züge ohne Zahl von wahrerWeisheit, von gerader Politik , von edler Selhstverläugnung, von reinemPatriotismus sehen? Wollt ihr lernen, wie ein stolzes, grosses Volk zuzügeln scy , das von wüthenden Magistraten beständig aufgereizt wird ,die noch dazu gesetzlich eingesetzt scheinen , um den Aufruhr zu schürenund die Leidenschaften zu entfesselnd W r ol!t ihr wissen, wie eine einzelne•Stadt durch lauter Beharrlichkeit, unverdrossene Ausdauer, durch Plan-massigkeit und Muth ein grosses Reich werden könne ? so studirt im Liviusin den ersten Jahrhunderten der Republik, den Gang jenes unvergleichlichenSenats, jener Consuln, wo fast jeder Name einen grossen Mann bezeichnet.
Verlangt ihr nach dem grossen Schauspiel, wie ein Pygmäe, nach mühsamerUnterwerfung aller seiner Nachbarn zum Coloss herangewachsen, über die
Erde herfällt, und was ihm in den W eg tritt mit leichter Mühe niederwirft,so betrachtet nur im Polybius das prächtige Rom , fast zu gleicher Zeitunterwerfend Carthago , seine furchtbare Nebenbuhlerin, Philipp, aufdem das Andenken Alexanders noch ruhte, Antioehus, den reichen KönigAsiens, die wilden Aetolier, Griechenland, das fruchtbare Heldeuland, unddas von seiner W elterobcrung noch stolze Macedonien.
W er sicli überzeugen will, wie der Verfall der Sitten , der Umsturz derGrundsätze und die Gewalt der Dinge im Innern einem Systeme den Unter-gang bringen, das nach aussen Alles unterworfen hatte, der lese den Sallust.
W er sein Auge auf das scheussliche Gemälde einer Tyrannei über allenGlauben werfen mag, der nehme den Tacitus in die Hand, und bedauremit uns, dass eine so kräftige Feder nicht auch als Gegensatz die glüc klichenZeiten der Monarchie unter den trefflichen nach einander folgenden Regie-ngen der Trajan, Marc-Aurel und Antonine geschildert hat.
Wer endlich, je nach seiner Stellung, Tugenden und Muster aufsticht,die ihm geziemen können, der schlage den Plutarch auf; dort, in demreichen Schatze von allem Edlen und Grossen des Alterthums, findet ersicher, was seine Laufbahn glänzen zu machen geeignet ist. So herrlichsind jene Schilderungen, dass ein berühmter Monarch des vorigen Jahr-hunderts sich mehrmals des Jahrs an ihnen zu erfreuen, und ihren Geist zustudireu pflegte , ja dass von manchen geäussert worden : wenn unterallen Werken des Alterthums nur ein Einziges gerettet werden könnte, somüsste man nach dein Plutarch greifen.
Eine glückliche Gewohnheit wäre es , sobald wir aus den Leht^ahrenheraustreten , die wenigen oben genannten Glassiker unter die erstenBücher unserer Bibliothek zu zählen, und wollten wir uns zum Gesetzma< hen , sie öfter im Originaltext wieder dnrehzulesen, so würden wir nichtblos mit jedem Tage mehr von den schönen Lehren jener Werke erfülltwerden , wir würden auch die lateinische Sprache, auf die wir so vieleJahre verwendet, nicht so schnell wieder vergessen, wie es gewöhnlichgeschieht; im Gogentheil wir würden darin noch fortschreiten, denn es kämeein Augenblick der Reife und der Ueberlegung, wo wir kein W ort bei dem
Lesen verlieren möchten, und so durch eigene Anstrengung uns weit überdas sehulmässig Erlernte erheben würden.
Uebrigens haben Rollin und Crevier in französischer Sprache den Inhaltdieser verschiedenen Schriftsteller in ein Hauptwerk allgemeiner Geschichtezusammengefasst. Montesquieu hat auf wenigen Blattern den (»eist von Allem,was W eiscs, 'Tiefes und Grosses während der Republik geschah, ausgezogen,und für die Geschichte des Kaiserthums hat Gibbon in vielen Bänden dieFortsetzung geliefert. (Siehe in dieser Beziehung auch noch Heyne in derallgemeinen Weltgeschichte von Guthry und Gray , Johannes <v. Müller allg.Weltgeschichte , Heeren, Herder und m. Rolteck. Anmerk. d. Ueb.)
Klippen , die wir zu •vermeiden haben. — Auf fernen Küsten wüehst eineWurzel, aus der eine wohlthätige Nahrung bereitet wird, die aber ein Giftwäre, worin man nicht erst einige Säfte davon sorgfältig ausschiede. Einsolches Gift könnte für uns monarchischen Völker die Geschichte desrepublikanischen Roms sevn : denn seine schönsten Züge, Eigenschaftenund Handlungen sind tief mit politischen Grundsätzen verwachsen, derenAnnahme uns zu der unglücklichsten Verkehrtheit führen müsste. W ie sollenwir uns aber davor bewahren, da alles beiträgt, uns davon zu erfüllen ? unserefrühesten Studien athmen den Abscheu vor dem Künigthum , die Liebe zurRepublik; wovon man uns abziehen sollte, eben das sind wir zu bewundernarfgefordert; auf jeder Seite unserer Glassiker finden wir beredte Stellenzu Gunsten der Freiheit, Verwünschungen gegen die Könige ; lauter Zügeder Begeisterung, des Stolzes, des Gefühls für Unabhängigkeit, die fürdie Jugend besondern Reiz haben ; wir sehen sic vom Erfolge gekrönt,von dem Gesrhiehtschreiber gepriesen. Kaun ein solcher Unterricht wohlohne Einfluss auf unser späteres Leben bleiben ? und wenn wir dann später,in die W eit hinausgeworfen , fühlen wie unsre Pflichten und Verbindungenin geradem Widerspruch mit den Eindrücken stehen, die wir empfangenhaben, was kaun die Folge davon seyn, als dass bei unruhigen, stürmischenCharakteren eine Feindseligkeit gegen das bestehende Regierungssystem,bei leichtsinnigen Seelen wenigstens ein gleichgültiger Sinn entsteht, uuddass oft die festesten, redlichsten Gemülher jenes System mehr aus Ehre undPflicht, als aus Ueberzeugung unterstützen. So verkehrte Richtungen sind
über das römische Reich znm Nachlesen zu empfehlen, und auf dieGeographie der Geschichte Taf. 3 zu verweisen , wo man , oben in derUebersicht der ersten fünf Jahrhunderte, fast alle jene Fürsten in chrono-logischer Ordnung mit Andeutung ihres Charakters und ihres Schicksalsaufgeführt findet.
aber ein grosses Unglück für den Staat; niemals wird er mit ihnen zu demGenuss der Fülle seiner Natur gelangen , denn sie zerstören jode Einigung,alles Nationalinteresse, allen öffentlichen Geist, auf denen docli allein dieStärke eines Reiches beruht. Sollte mm diese Betrachtung dahin fuhren,unsre Glassiker, diese herrlichen Meister, zu unterdrücken ? Gewiss nicht.Das l’ebel Hegt nicht in ihnen , nur indem unbesonnenen Gebrauch, den wirvon ihnen machen. Soll man sie verstümmeln ? wieder nicht, es hiesse nur dieGefahr umgehen, auf die man frei zugehen, die man besiegen muss. W arumsollte man z. B. nicht die Stellen, die es bedürfen , mit besondern Notenbegleiten, so dass sieh das Gegengift sogleich neben dem Gifte fände ?Wurden nicht solche kräftig gedachte, geschickt allgefasste Betrachtungendie die Schiller zu übersetzen, die Lehrer zu erläutern hätten, heilsameHaltpunkte, glückliche Nöthigungen seyn, zu den Nationalgrundsätzenzurückzukehren , die wie die Dogmen der Religion in deu jungen HerzenW urzel fassen sollten ?
Hoffen wir, dass diejenigen, denen das Schicksal der künftigen Genera-tionen anvertraut ist, diese Klippe unsrer Glassiker wahrnelnnen , und dassvon ihrer Weisheit mit der Zeit eine Einheit politischer Meinungen , eineFestigkeit der Nationalgrundsätze, eine moralische Ueberzeugung und eineHarmonie zwischen deu Vorschriften und dem praktischen Leben atisgehenwerden, die das Glück unsres Landes, das Gluck unsrer Enkel begründen.W ir sagen das Glück , denn es gibt keinen unglücklichem Zustand als deneines Mannes, der gegeu dasRegierungssystein seines Landes eingenommen,und in dem Falle etwas zu verlieren, bei wichtigen Vorgängen sicli zw ischenLeidenschaft und Interesse hin- und hergerissen fühlt, den sein Gefühl zuW ünsehen verleitet, vor deren Erfüllung Hin seine Vernunft zurüekbebenmacht. Glücklicher lässt sich dagegen keine Lage denken , keine angeneh-mer, die den innern Seelenfrieden, die Ausübuug jeder Tugend und dasSelbstgefühl jedes Genusses mehr begünstigt, als die Lage desjenigen , derseine Existenz mit der seines Vaterlandes verwebt, und der, weil er Sicher-heit, Ruhe, Ehre, Neigungen, alles auf das Regierungssystem gründet,dem sein Vaterland gehorcht, immer mit ganzer Seele bereit ist, Gut undBlut für seine Erhaltung zu wagen. (Geschrieben im Jahr 1812).
Römische Provinzen.
TABELLARISCHE
Untereintheilung.
ZUSAMMENSTELLUNG DER ROEMISCHEN PROVINZEN , IHRE UNTEREINTHEILUNGEN.
Vorzüglichste Städte.
T . Britannia r., Britannia 2., Flavia 1
I. BRITANNIEN .( Caesariensis , Maxima C*sariensis,-
Valentia. 1
York ,Lincoln ,
London , Colchester , Bath,Chester, Glocester etc.
Ureinwohner.
Mehrere Stämme der Britonen ; gegen zweiund zwanzig, denen von Gallien und Germanienähnlich , werden aufgezählt. Ihr Ursprung, denman nicht kennt, scheint celtisch ; ihre Priesterwaren Druiden.
Römer, die sie erobert oder ein verleibtJulius Cäsar , 55 J. vor Chr., war blos eine Erscheinan-'mdiesem Lande. Plantius , unter dem Kaiser Claudius, - nOstorius ScoruLA brachten die Eroberung um Vieles wert*“-,beide hatten gegen den tapfern Ganu tacns zu kämpfen. J A 0111Cola endlich unterwirft die ganze Britanuia romana.
DARBAREN DIE SIE ÜBERZOGEN.
Hie Angi.en und Sachsen , die sieh des Landesselbst bemächtigten , da sie von den Eingebomcn ge- 1gen ihre Nachbarn , die Pieten und Scoteu , zu Hülfe , Die Engländer,gerufen wurden; die Dänen , die das Land lange Zeit 1verheerten, uud endlich zur Herrschaft gelangten. *
Jetzige Bewohner.
/ Mehrere gallische Stämme; über hundert und / Sextius Calvinus setzt sich 12;) J. vor Chr. in der Proc 1 *'*“, Die Franken , die sicli dort niederlassen, die Bur- •'t Marseille, Narbonue, Simes, Lyon, I wcr J en aufgeziililt. Ihre Sprache war eel- 1 fes t , .md Rruudet Aix; Dwmu uud Fab.«-, marb»*» | oram,» , d i, den Kranken anterüegen . die Wmt- . .. . . .
mehrere andre ki„d..il..„.™ ^ “""‘“"’V Z'™*' tisel. . ihre Region die der Druiden ; unter die- Ranzen südlichen Theil des Landes zur nun.sehen ««r«« , Alhms>,kn , Musst» , SuEvtm , Ala»«. D.e Franzosen und die Schweizer,
mehrere andrehmthe.lungen folgten , Trier , Mainz , Coln etc., nach Gibbok \ ^ w „ ein , h ” sondre tla5se , die Bardcn , die Cxrm nlImIlt Toulouse ein , uud Julius Cb .1 vollenddl* V ax„ AL£n , durchziehende Volker ; die N«»MAK»«
in Gesängen die Thaten der Helden verewigten. [ Eroberung bis an den Rhein. _i un • SACiMs, die wieder daraus vertrieben werden. ^ _
/ Narbonensis , Aquitanien , Lu <*-
! i . GALLIEN.) dunensis , Belgica und Germanien;
.i mehrt
t noch.
1200. Siehe dessen Geschichte.
Gäpio nimmt Toulouse ein, uud Julius Cäsar volleodelfi eEroberung bis an den Rhein.
3. ITALIEN..
J Gallia cisalpina , Ligurien , Etru- i| rien , Latium, Campanien, Apulien, <Lucanien , Bruttium. I
Rom , Mailand , Verona , Aquileja, f Die Etrusker , Sabiner , Lateiner , Ruinier, f Könige , Consuln und Dictatorcn während den ersten ^ j ie TANDAi,EK,SuEVEN,HuNNENund WestgothenRavenna etc., nach Gibbon 1197. Siehe J Volsker , Heruiker , Aequer , Samniter und Ta- | hundert Jahren der römischen Geschichte. So lange hatte# , zie len urch uud verheeren das Land; die Heruler,dessen Geschichte. | rentiner etc. | Römer zu thnn , um ganz Italien zu unterjochen. ( ^ stgot hen und Longobarden lassen sicli nieder.
Dieltaliener,Genueser, Römer,Toscaner, Neapolitaner etc.
4 . SPANIEN .j Ba , d a ca raconensis
/ Cadix , Carthagena , Sagunt , Nu-Lusitanien und 1 mantia ; Italica, von .Scipio gegründet,I war die Vaterstadt der Kaiser Trajan( und Hadrian.
Eine grosse Menge verschiedener Völkerschaf- l X £I \ IU AFBlCANU ^ bringt das (igentlit he Sj , n( j
’ ten : die Ccltihcrer, Cantalirer, Vasconen, Cal- “*"« *»*<?« ,,nter die f ru, " ,sc h e E
| , . 1 A4 T . * S. Gracchus unterwerfen die Ueltiberer, Scipio africa^
| laiker , Asturen , Lusitamer etc. | _____ „„ j 4 ___die Cantak^-
Jrreh ( A Alanen und Sueven lassen sich im Lande nie-sle werden von den Westgothen vernichtet,
nimmt Numantia ein , und Augustus unterwirft
der
die wieder unter den Mauren u. Saracenen erliegen;^ le Vandalen sind eigentlich nur als durchziehend. zu betrachtet!.
Die Spanier und die Portugiesen.
5. ILLYRIEN. ,
l Rha?tien , Noricum , Pannonien, jDalmatien , Dacien , Mcesien, Thra- ]I eien , Macedonien u. Griechenland, j
. 1 • . „ , ^,1 Mehrere germanische Völkerstämme, die
Aodr.nopel, Ryzanz das spatere Con- | baren vorJ £ allnatl0n , T |, racien Dacien et
staut,nopel, Athen etc. | Di( , Ma „ donier und die Gr i eche „.
Bar -1etc. I
Mummius bezwingen Griechenland, Tiber erobert ein* Dvon Illyrien etc., Trajan erwirbt uud vereinigt Dacien.
;ad
■fteil
Die Hunnen, Alanen, Westoothen, Ostgothen,Gepiden, Longobarden, Avaren etc.
Die Deutschen, Hnngaren, Dal-matier, Griechen, Türken etc.
. j Das eigentliche Kleinasien , Bithy-
6. KLEINASIEN . nien , Cilieien , Cappadocien , Pon-
| tus und Mesopotamien.
Nicomedia .
Pergamum , Smyrna, ( Troer , Lydier , Phrygier , Perser , und über- j Scipio asiaticus erobert das Land bis an das Tau|
j Laodicea , Ephesus , Milet , Troja, < haupt die Trümmer der alten assyrischen , me- ) U1 * KUS J AS vermat iei1 en omer o er fen? jn- j
Heraclea , Sardes. ' dischen und bahamischen Hauptstämme. I Thymen; Sulla, Lucullus und Pompejus unterwerte
' l * 1 I tus, Cappadocien und Armenien. _
Die Saracenen , Tartaren , Türken , und über- Iau l , t alle Barbarcu , die aus dem östlichen Asien <kamen.
Die Türken.
SYRIEN.
Das eigentliche Syrien, Pliocnicien Iund Palästina. j
Antiochia ,Palmyra etc.
Damascus , Jerusalem,
Syrier , Tyrer ,Hehraper etc.
IMiceuicier , die Juden oder
Pompejus macht dem syrischen Reich ein Ende, Ve sW1 *und Titus unterwerfen die Juden. __
Die Saracenen , die Türken etc.
Die Türken.
8. ÄGYPTEN.
i Von den Römern in eine Menge\ Districte eingetheilt.
Alexandrien, Berenice, Syene, The- ( Die Acgypler , eins der ältesten Völker , undben , Coptos etc. 1 die zuerst die Wissenschaften angebaut haben.
Pompejus und Cäsar schalten nach einander in AegjF^ ’Octavius macht es zur römischen Provinz. _
Die Saracenen , die Türken etc.
Die Türken, Manilucken, Coph-ten, Araber etc.
AFRICA..
| Libyen , eigentliches Africa , Nu-I midien und Mauritanien.
[ Dngis , Caesarea, Hippon , Utica, j Libyer , Africancr, Carthager, Numidier, für f Scipio africanus II. zerstört Carthago, Metellus, - }
Carthago , Cyrene etc., nach Gibbon | die bestell Reiter ihrer Zeit gehalten , Maurita- j Sulla , Cäsar vollenden die Unterwerfung Africa 3, |
1 in allem 3 oo. | ner etc. | vermacht das Reich von Cyrene deu Römern. I
Die Saracenen , die Türken.
/ Die Mauren , die Völker vonj Algier , Tunis und Tripolis , die| Türken.
GROESSE , BEVÖLKERUNG , ARMEEN , STEUERNdes römischen Reichs.
Von dem westlichen Ocean bis an den Euphrat rechnetman ungefähr 1000 (600 deutsche) Meilen , und von derMauer des Antonin bis an dasAtlasgebirg 600 ( 36 o deutsche)Meilen. Es hatte demnach eine beiläufige Oberfläche voni,600,000 (576,000 deutschen) Quadratmeilen gehabt, diegrüsstenthcils aus fruchtbaren Ländern bestand , und nochdazu in dem schönsten Theile der gemässigten Zone , vondem 24sten bis zu dem 56 sten Grad nördlicher Breite,gelegen war.
Bevölkerung. Unter den ersten Kaisern , zur Zeit dergrössten Bliithe des Reichs , kann man 120 Millionen Ein-wohner annehmen; also die zahlreichste Gesellschaft, dieje unter Einem Regiernngssystem verbunden war , wenninan das chinesische Reich ausniinint.
Kriegswesen zu den Zeiten der Antonine.
3 o Legionen zu \ Die Legionen waren nie
\ in den Städten versammelt,
• sondern längs den grossenFliissen und an den Grenzender Barbarenvölker gela-
I 2 , 5 oO M.375,000 \
Die praetor. Cohort.
ungefähr.20,000
Die Marine etc., un-
. 55 ,ooo I gert , dabei so vertlieilt,
. - I wie wir hierneben angezeiut400,000 I . . ... ,, P , *
\ hallen. V\ as die Marine be-Vertheilung der 3o Leg. )t r ifft v sowarenzweistehende
gefäiir.
Im Ganzen .
In Britannien. .. .
Am Rhein.
An der Douau.. .
Am Euphrat.
In Aegypteu.
In Africa.
In Spanien. .
.... 3 1 Flotten ausgerüstet, wovon5 |die eine bei Ravenna , dieandre in der neapolit. Bucht>lationirtc ; ausserdem be-fanden sich noch zwei starke* I Posten bei Frejus in der Pro-1/ venre u. in dem Pontus eux.
Einkünfte. Die Totalsumme aller von den Provinzendes Reichs erhobenen Steuern lässt sich nnr nach Muth-massungen auf ungefähr 45 o Millionen Franken schätzen.Das Register , worin Augustus dein Senat eine Bilanz derStaatseinnahmen und Ausgaben vorlegte , uud wodurchwir genaue Aufschlüsse hätten erhalteu können , ist leideruiclit auf uns gekommen.
HANNIBALS BERUEHMTER ZUG ; auf der Carte mit einem farbigen Band angezeigf.
Hannibal, der für einen der grössten Feldherrn des Alterthumsgehalten wird, war erst sechs und zwanzig Jahre alt, als er seinenweltberühmten Zug nach Italien unternahm. Zu der Zeichnung auf derCarte folgt hier, so viel der Raum es erlaubt, eine kurze Beschreibung.Von Carthagena briclit er auf; nach nicht vollen sechs Monaten ist erschon in Piemonts Ebenen, nachdem er allen Hindernissen der Naturund allem menschlichen Widerstande zum Trotz über den Ebro , diePyrenäen , den Rhouftuss und die Alpen gezogen , aber freilich auchüber die Hälfte seiner Soldaten verloren hatte; mit sechzig tausend Mannhatte er Spanien verlassen , kaum fünf und zwanzig tausend davon sahendie Ebenen von Italien. So klein war das Heer, mit dem er sich nun ineiner ungeheuren Entfernung von seinem Vaterland , rnilten unter mäch-tigen, gereizten Feinden, ohne die Möglichkeit eines Rückzugs, ohneAussicht auf weitere Unterstützung fand. Statt so viele Gefahren zuscheuen, schien Hannihals unerschrockene Seele vielmehr stolz darauf,eine so critische Lage herbeigefuhrt zu haben. Er beginnt nun mit derEinnahme Turins, und schlägt bald darauf am Ticinus den Consul Scipio,dessen Mit consul, der eingebildete Sempronius, an derTrebia eine völligeNiederlage erleidet. Eifrig verfolgt Hannibal sein Glück , zieht über dieApenninen, wohl mit eben so viel Beschwerde als über die Alpen, unddringt mit seinem Heere durch unwegsame Sumpfe nach Toscana vor,indem sie vier Tage bis an den Gürtel im Wasser waten, woliei ihm dieAnstrengung und die ungesunden faulen Dünste den Verlust eines Augeszuziehen. Endlich, da er mit dem verweg -nen Hämin ins zusammentrifft,schlägt und tödtet er ihn am Trasimener See , und ohne den klugenFabius war vielleicht Rom jetzt verloren. Vergebens sucht aber Hannihaldiesen zu einer Schlacht zu bringen, und wirlt sicli daher in das südlicheItalien, dnrehsfrei t und verheert diese Länder, indessen er den günstigenYngenblickzu einem grossen Schlage abwarfet. Dieser Augenblick kommt:der kluge Fahrns , von seinen Mitbürgern misskannt, wird auf die Seitegesetzt , und sein unvorsichtiger Nachfolger Varro verliert die Schlachtiiei Canna» , wo siebzig tausend Römer auf dem Schlachtfeld bleiben.Hannibal konnte seinem Seuat ein Scheffelmaass voll goldner Ringe
schicken, die den gefallenen römischen Rittern von den Fingern gezogenwurden.
Dass er nicht sogleich nach diesem Siege auf Rom losgegangen sey,wird ihm zum Vorwurf gemacht; doch sind die Meinungen über das ,was er zu thun hatte oder thun konnte, getheilt. Genug, Hannibaldurchstreift nun das Land in allen Richtungen hin und wieder, was wirauf der Carte nicht andeuten konnten ; er unterwirft mehrere »Städte,bringt die Römer um ihre Alliirten , und bleibt endlich den Winter überin Capua, dessen I’eppigkeit, wie man behauptet, einen so verderblichenEinfluss aufseine tapfern Truppen äusserte. So viel ist gewiss : kein grosserErfolg begünstigte mehr seine Waffen, ILinuihals schönes Gluck kamnicht wieder. Wohl brachte er es noch dahin, Rom zu belagern,er musste aller bald wieder davon abstelien ; Capua und Tarent waren indie Hände der Feinde gefallen ; unaufhörliche Angriffe Hessen ihn nichtmehr zu Atheiu kommen. Eine feindliche Partei zu Carthago verzögertedie verlangte Unterstützung. Sein Bruder Ilasdrnbal, der aus Spanienüber die Alpen mir Hulfstruppen herbeieilte, wurde geschlagen undgetödtet. Scipio der jüngere, dessen Thaten Wundern ähnlich sehen,hatte Spanien unterworfen und stand vor den Thoren Carthago’s. SovielMissgeschick auf einmal machte die PI me Hannihals scheitern; Romund Italien wurden frei, da der furchtbare Römerfeind zur Vertheidigmigseines eigenen Vaterlandes zuruckeilen musste. Ihränen soll er beimWegzug vergossen haben. Sechzehn Jahre lang hatte er siegreich denBoden jener wonnevollen Gegenden getreten, uud sich gewöhnt, sie alsseiu Eigenthum zu betrachten.
Es war auf den Ebenen von Zama, wo Hannibal und Scipio auf einandertrafen, wo sich zwischen diesen beiden Helden an einem einzigen Tagedas Schicksal der zwei mächtigsten Nationen der Erde entschied. Hannibalward geschlagen, obschon er , nach dem eigenen Zeugniss seines Gegners,sicli selbst an diesem Unglückstag übertroffen hatte. Scipio’s Sieg warvollständig, und von da an kannte Rom keinen Nebenbuhler mehr aufder Erde.
No. VII. DAS RÖMISCHE REICH.
Verleger : Johann Velten in Carlsruhe. — Gedruckt bei G. Braun. i8*5.