GEGENSTAND DER UEBERSICHT , IHR ZWECKUND NUTZEN.
Die ( arte hierneben gibt uns das Bild der den Alten bekannten\\ eit , nach dem Text des Marinus , von Gosselin liergestellt;Innerhalb derselben fallen die eingezeielineten geographischenContouren des Systems des Strabo in die Augen. Die Ursache,warum wir dem Marinus den Vorzug vor dem Ptolomaeus gegeben,ist in der historischen Notiz angeführt, die man unter der Cartefindet, und die , mit dieser in Verbindung , eine richtige undzusammenhängende Vorstellung von den geographischen Kennt-nissen der Alten zu verschiedenen Epochen verschaffen wird.
Unserm System getreu brachten wir merkwürdige Gegenständeaus der alten Geschichte mit der Carte in Verbindung. So findensich der Rückzug der zehntausend Griechen und die Expeditiondes Alexander durch zwei farbige Bänder angezeigt, und ver-schiedenartige Linien geben die beiläufigen Umrisse der grossenMonarchien des Alterthmns an ; nur die assyrische fehlt , weilman über ihre Grenzen zu wenig im Reinen ist , um eine Be-stimmung wagen zu können. Europa , Asien und Africa sinddabei durch ausgezeichnete Farben unterschieden , so dass manmit Einem Blicke nicht blos den Umfang jener grossen Monarchienübersieht, sondern auch bemerkt, was sie in den verschiedenenWelttheilen besassen.
Ausser diesen grossen Reichen sind aber noch mehrere andreVölker durch ihren Ursprung und ihre Geschichte berühmt ge-worden ; dahin gehören besonders die Aegypter, die zuerst dieKünste und Wissenschaften ansgebildet, die Phönicier, die denHandel angeführt , und die Carthager , die mit Rom um dieWeltherrschaft gestritten. M ir benützen, was von Raum hier übrigbleibt, um Eiuiges von diesen Völkern zu sagen.
VON DEN AEGYPTERN.
Mau hält allgemein die Acgypter für die unter allen am frühestengebildete Nation. Ihr Entstehen liegt im Dunkel, und wenn wirin der Geschichte auf sie treffen , finden wir sie schon mit allenmenschlichen Kenntnissen vertraut, die von einem langen gesell-schaftlichen Zustand zeugen. Sie selbst waren über ihr Alter nichtbesser unterrichtet als wir, und übermüthig genug, ihren Ur-sprung auf 20,1X10 Jahre hinaufzuführen. Nicht weniger fabelhaftals ihre Zeitrechnung ist ihre Geschichte ; nach ihr hätten zuerstGötter , dann Halbgötter über sie geherrscht, darauf zahlreicheDynastien , eine Menge Könige folgten ; sie enthält mancherleiSagen , viel Dunkles , wenig Begebenheit. Doch ist von einemSesostris die Rede, dessen Eroberungen, oder vielmehr Kriegszug,wenn überhaupt etwas daran ist, den grössten Theil von Asienumfasst, u. sich sogar nach Europa erstreckt haben sollen. Wie demauch sey, so ist doch so viel gewiss, dass die Aegypter, das einzigeMal ausgenommen, nicht weiter als ein eroberndes Volk erwähntwerden. Unterjocht, oder in ruhiger Untergebenheit zu seyn,war ihr beständiges Loos. Alles Mannigfaltige , womit unsreBücher und Schriften über sie angefüllt sind , lässt sich auf dreibemerkenswerthe Hauptpunkte zurückführen : i. Ihr Cultur-zustand, 2. die Colonien , die sie gegründet, 3 - die Monumente,die sie hinterlassen haben.
Culturder Aegypter. Die Aegypter lebten unter einer geregeltenRegierung mit abgetlieilter (*i\ il - Militär - und religiöser Gewalt.Sic hatten ehrwürdige Gerichtshöfe, weise Gesetze, eine öffentlicheMoral und herrschende Gebräuche, mit Einem Wort, siebesassenalle Zweige , die den Zustand einer vollkommnen Civilisirungbezeichnen.
*Y. B. Aegyptens herrlichste Zeiten , wo die \\ eisheit seinerGesetze , wie das Ungeheure seiner Denkmale unser Erstaunenund unsre Bewundrung erregen »sind gerade die, deren Geschichteam wenigsten bekannt ist, und der cs vergeblich wäre weiter nach-zuforschen. Mir besitzen kein literarisches Werk von den altenAcgvptern ; nur ihre Denkmale sind noch vorhanden , die unswohl bezeugen , dass sie gewesen sind, aber uns nicht belehren,was sie waren. Das Frülieste, was wir von diesem Volke wissen,haben wir aus der h. Schrift oder von den Griechen , besondersvon Hcrodot, der , was er lieschreibt, selber gesehen , und dieErläuterungen, die er gibt, selber vernommen hat.
Ungefähr 3 oo Jahre später lieferte der Aegypter Manetho,Oberpriester und Bewahrer der heiligen Archive , aus Auftrageines der Ptolemäer, eine Geschichte seines Landes. Von ihmkommt das System der 3 o Dynastien, wonach, wie er es berechnet,die ägyptische Monarchie von ihrem Entstehen bis zu Alexanderdem Grossen 54 <x> Jahre gedauert hätte. Um aber au bemessen,wie weit diese Angaben Zutrauen verdienen , muss der Leserwissen , dass Manetho, obschon Oberpriester, doch seihst nichtsweiter als ein svstematischer Ausleger, keineswegs aber der treueUeberlieferer der Hieroglyphcu war, deren genaue Bedeutungsieh schon längst verloren hatte. Uebrigens ist sein M erk nichtauf uns gekommen, und wir kennen nur die wenigen Bruchstückedavon, welche Joseph, derGeschichtschreiberderJuden, anführt.
Noch viel später als Manetho, und gegen die Zeiten des Augnstus,haben sich wieder Diodor von Sieilien , Strabo und Plinius mitdem nämlichen Gegenstand beschäftigt; die Uebereinstimmungoder der M iderspruch dieser verschiedenen Zeugnisse bildenaber auch die ganze Summe unser« Lichtes über die alten Aegypter,und werden sie wohl für immer bilden. Umsonst möchte dieExpedition der Franzosen nach Aegypten , der Eifer und dieTalente der Gelehrten, die daran Theil nahmen, neue Hoffnungengenährt haben ; das kostbare M erk , das wir von der gelehrtenGesellschaft v^n Cairo erwarten , Denou’s Reise, die Schriftendes Generals Andreossi und Anderer werden uns gewiss einevollständige Topographie des Landes, merkwürdige,richtige undgenaue Beschreibungen der Denkmale verschaffen , anziehendeAbhandlungen und scharfsinnige Hypothesen liefern , kurz siewerden die Künste und die Wissenschaften bereichern, aber fürdie Geschichte von Aegyptens erster Zeit wird man durch sie keinenneuen, keinen bestimmtem Aufschluss erhalten. Und wie wäre esihnen denn möglich gewesen ? Standen sie nicht abgeschnittendavon durch sechs bis sieben vollendete Revolutionen , durchfremde Herrschaften , durch verschiedene Sprachen , und liegtnicht das Ganze mildern Rost von mehr als 3 ooo Jahren überzogen ?Entsagen müssen wir demnach unbedingt allen fruchtlosen Unter-suchungen über jenen Ursitz, von wo ohne Zweifel der erste Funkeausgegangen, der in der Folge der Jahrhunderte die ganze Licht-masse entzündete, die gegenwärtig über Europa leuchtet. Solltenwir aber noch neue Aufklärungen hoffen wollen, so müssten wirsie nur aus dem tiefen Indien erwarten, wo die Bramiuen, wie esscheint, in ihren heiligen Büchern noch kostbare Alterthüinerbesitzen , die sie uns verheimlichen , vielleicht auch selbst nichteinmal kennen. So viel ist gewiss und bleibt bemerkenswerth,dass das Menige , um das wir sie zu täuschen gewusst, die auf-fallendste Aehnliehkcit, ja Gleichheit mit unsrer ältesten geschicht-lichen Urkunde — den Büchern Moses — darbietet.
Colonien , die die Aegypter gegründet. Jedermann weiss , dassdie Griechen , unsre verelirten Vorbilder in den Künsten undMissenschaften wie in dein guten Geschmack , die ersten Keimeihrer Kenntnisse von den Acgvptern mit herüberbrachten; unddarf man den scharfsinnigen Verinuthungen eines neuern Schrift-stellers folgen, so besteht noch heute eine berühmte Colonie diesesalten Volks, deren gegenwärtige Beschaffenheit und blühenderZustand unsre Aufmerksamkeit verdient und unsre Verwunderungerregt. Es sind diess die Chinesen , von denen in unsern TagenHr. de Guignes einen solchen Ursprung, wo nicht erwiesen , dochsehr wahrscheinlich gemacht hat. Er hat nämlich gefunden , das»die allen Beherrscher der Chinesen mit den Königen von Thebenin Oberägy pten ganz dieselben seyen, und schliesst daraus ziemlichscheinbar, dass einst Aegypter bei einer Auswanderung , wovonmau in ihrer Geschichte allerdings Spuren antrifft, sich an denKüsten des östlichen Oeeans niedergelassen, und die Geschichteihres Geburtslandes auf ihre Adoptivheimath übergetragen haben;ja er weist sogar eine auffallende Verwandschaft zwischen demchinesischen Alphabet und den ägyptischen Hieroglyphen nach.Mie es sich nun auch mit diesen Vermuthungen verhalte, so lässtsich immer eine ausserordentliche Aehnliehkeit in der M r eise undEigentümlichkeit, in dem Charakter und den Sitten dieser zweientfernten Nationen nicht verkennen , was allerdings sehr zuGunsten des Hrn. de Guignes spricht.
Denkmale , die die Aegypter /unterlassen. Die Pyramiden, dieObelisken , der See Moeris, das berühmte Labyrinth u. s. w. All’diese berühmten M erke setzen mehr durch das Ungeheure ihrerGrosse und durch die ausdauernde Geduld derer , die darangearbeitet, als durch Schönheit und Zweckmässigkeit in Ver-wundrung. Einige bestehen noch. In Cairo sieht man noch dreiPyramiden , die der zerstörenden Kraft mehrerer Jahrtausendewiderstanden : Die grösste unter ihnen soll 2640 Fuss Umfangund 5 oo Fuss Hohe haben ; 100000 Menschen seyen beständigdaran beschäftigt gewesen , und die Arbeit habe dreissig Jahregedauert.
Man ist über/len Zweck der Aegypter bei Erbauung der Pyra-miden nicht einig. Nach der Meinung der Meisten sollten sie zuGrabmälern dienen; Andre glauben, ihre Ungeheuern Oberflächenseyen bestimmt gewesen , die Geschichte und Kenntnisse diesesausserordentlichen Volkes in Hieroglyphen aufzunehmen und zuverewigen. Höchst merkwürdig, als mathematische Thatsache,ist es, dass die vier Seiten dieser Pyramiden genau den vierHauptw eltgegenden entsprechen, und so den Meridian bestimmen.
Nicht minder ungewiss als über ihre Bestimmung ist man überdie Zeit, wann sie erbaut wurden. Herodot,derbei den ägyptischenPriestern Zugang hatte, und dem wir fast alle altern Nachrichtenverdanken , die wir besitzen, setzt ihre Erbauung um die Zeit destrojanischen Kriegs.
Die Obelisken bestanden aus einem einzigen Stein , und nochjetzt sind von ihnen vorhanden , die mehr als 200 Fuss Höhehaben. Diese wundervollen Denkmale wurden in den berühmtenFelsenhöhlen gearbeitet, die man noch in Oberägypten antrifft;die Hohlen seihst hatten eine symmetrische Oeffnung, und ruhtenauf geschmackvoll gearbeiteten Pfeilern und Säulen ; der innereRaum soll f>oo Reiter in Schlachtordnung fassen können ; soimerme.vdu.-h und prachtvoll waren die Steinbrüche , wo dieObelisken gehauen wurden. Plinius theilt uns das sinnreicheVerfahren mit, wodurch man sie von der Stelle und an den Ort
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HISTORISCHE NOTIZ ÜBER DIE GEOGRAPHIE DER ALTEN , ERKLÄRUNG
DER OBIGEN TOPOGRAPHISCHEN CARTE.
Bei unserm engen Raum und bei der Menge Gegenstände , die uns drängen,wäre es thörig , die Namen aller alten Geographen umständlich herzuzähleu undihre verschiedenen Systeme genau erörtern zu wolleu. Mir beschränken unsvielmehr auf eine flüchtige Darstellung der Fortschritte der Geographie , dochimmer so , dass man dadurch einen richtigen und zusammenhängenden Begriffvon ihrer Geschichte erhält, hinreichend, um das Gedächtnis» der Unterrichtetenaufzufrischen, Lernende aber, die einer weitern Ausführung bedürien werden,anzuleiten.
In den alten mythischen Zeiten des Homer hielt man die Erde nur für eine sehrzusammengezogeue Scheibe , von der Griechenland den Mittelpunkt bildete.Vierhundert Jahre später , unter Herodot , machte man sie zu einer Ungeheuernebenen Fläche , die sich von den Säulen des Hercules bis an die l’fer des Induserstreckte. Schon zur Zeit Alexanders aber erkennt sie Aristoteles für eine Kugel,deren Umfang er angibt. Hundert Jahre später unternimmt es Eratosthenes, sie zumessen und ihre Theile bis an den Ganges zu zeichnen ; und nicht lange nach ihmversucht Hipparch , die geographische M issenschaft einer festen matheinatisch-astronomischcn Berechnung zu unterwerfen. Strabo endlich , unter Augnstus,vereinigt alle zerstreuten Theile derselben in ein Hauptlehrgebäude, und seiu M erkist das erste und älteste System der Geographie , das auf uns gekommen ist; wirkennen sogar fast nur durch ihn seine beiden Vorgänger , deren Schriften unsdurch die Unfälle der Zeit und die Schuld der Menschen entzogen worden sind.Alles M'eitere fällt nun in die christliche Zeitrechnung.
Des Mela kurzes Handbuch und das zusammengetragene M'erk des Plinius , dieuns über die Kenntnisse ihrer Vorgänger vollständigeres Licht geben , geleitenuns bis auf den Marinus von Tyrus, der gegen Ende des ersten JahrhundertsAlles, was vor ihm gesagt worden , sammelte, und, indem er die Lehre desHipparch mit den Arbeiten des Strabo verband , ein Lehrbuch der positivenGeographie bekannt machte , das der berühmte Ptolomaeus , 5 o Jahre später,berichtigt und besser geordnet wieder gab. Es ist das zweite und letzte geographischeSystem der Alten , das auf uns gekommen ist; auch hat es so lange unsern ganzenReichthum ausgemacht , bis es vor den neuern Entdeckungen und genauemBestimmungen verschwinden musste , die die jetzige Geographie zu eiuer dervollkommensten Missenschaften erhoben.
Die hiernach den Alten bekannte M r elt ist oben dargestellt, und wir haben auseinem besondern Grunde die Carte vorzugsweise nach den Angaben des Marinusentworfen. Hätten wir nämlich, wie es leicht anging, die wahren , jetzt bekanntenFormen der Erde gezogen , und den von den Alten bezeirhneteu Gegenständennur ihre Stelle darin angewiesen , so wäre unser Hauptzweck gänzlich verfehltworden , dem Leser ein Bild von den wunderlichen und mangelhaften Formen,wie sie sich die Alten bildeten , vor Augen zu legen ; dazu mussten wir geradedie Carte des Marinus wählen, weil ihre Form am meisten von der VValirheitabweicht. Mit ihrem grossem Raum gab sie uns überdies» die Möglichkeit, dieUmrisse nach den Carten des Eratosthenes und Strabo und die wichtigstenReduetionen des Ptolomaeus in sie aufzuuehmen. Um aber auch dem Leser denVortheil der augenscheinlichen Vergleichung der wahren Formen mit den ein-gebildeten zu gewähren, haben wir auf unserer M'eltearle Taf. 29 einen einfachenfarbigen Streifen gezogen, der die wahren Umrisse der den Alten bekannten M r eltnach Gosselin und d’Anvillc zeigt, deren Ausspruch hierin das grösste Ansehenerhalten hat. Uebrigens haben wir auf obiger Carte alle Nachrichten und Bemer-kungen sorgfältig vereinigt, die uns für solche geeignet schienen , denen entwederihre Zeit oder ihr Stand eine gründliche Gelehrsamkeit nitlit gestatten. Letzteregewährt ohnehin oft mehr Vergnügen und Auszeichnung , als wahren Nutzen.
Wir kehren zu unsern Geographen zurück, um ihr Verfahren, ihre verschiedenenAnsichten und Irrthümer einigermassen zu entwickeln.
Auf der Carte des Eratosthenes sind alle Orte mn ein Fiinftheil zu weit gegenOsten vorgerückt ; ein Umstand , der den Herrn Gosselin auf die scharfsinnigeVermuthung führte, jener Geograph habe alle seine Entfernungen nach einerflachen Carte übergetragen , ohne diesen Fehler an ihr zu kennen. Eine flacheCarte ist aber eine solche , auf der alle Meridiane parallel laufen , was eineUnrichtigkeit herbcifiihrt , die für den Ort , wo Eratosthenes seine Arbeitenvomahm , genau dem Irrthum gleichkommt, in den er verfiel.
Hipparch , der der Geographie eine mathematische Grundlage geben wollte,und den Eratosthenes berichtigte, stellte richtige Grundsätze auf, machte abereine falsche Anwendung , was seine Lehre in den Augen seiner Nachfolger inMisscredit brachte ; übrigens war er es , der die geographische Länge und Breite
ersann und anstatt eines einzigen Oeeans grosse Binnengewässer annalim , wiez. B. oben das erythräische Meer.
Strabo nimmt den Eratosrhenes gegen Hipparch lebhaft in Schutz, und folgtdem erstem fast durchgängig. M ic weitseine Kenntnisse gingen und welche Former dem Ganzen gab , ist oben auf der Carte angedeutet. Masrine Lehre haupt-sächlich bezeichnet, ist : ein einziger Ocean , der die Erde umgibt, im Nordenmit dem caspisehen Meer zusammenhängt, den Ganges in einem östlichen Busenaufnimmt und sich noch nördlich vom Aequator um Africa heremzieht.
Nach ihm kommt Marinus, der uns die Carte gab, wie wir sie vor Augen haben.Man braucht sie nur mit den Umrissen des Strabo zu vergleichen, um alsbald dieFortschritte zu erkennen , die die M issenschaft bis auf ihn nndPtoloma?us gemachthat, für welchen letztem sie ungefähr die nämlichen blieben.
Sic zeigt, wie seit Strabo der Norden weiter bekannt geworden , dass man sichnicht mehr mit einer Verbindung des caspisehen Meers tauschte, und dass manwusste , der Ganges crgics.sc sich im Süden. In Asien und Africa dehnt sich derKreis der bekannten Linder viel weiter aus, nur die Umrisse bleiben immer nochmangelhaft; man glaubt noch, nach der falschen Idee des Hipparch , an eineVerbindung Asiens mit Africa durch ein cingebogenes Land im Süden deservthräischen Meeres ; was aber sehr charakteristisch ist : alleLagen siud nun sosehr zur Rechten vorgerückt, dass sich das äusserste Ende u| 120 Grade ( 3 ooofranz. Meilen) zu weit östlich befindet. Auch die Breiten entfer o sich vcrhältniss-mässig zu viel vorn Aequator.
Diese ungeheure Abweichung rührt jedoch nicht von de Unrichtigkeit derEntfernungen , sondern nur von der falschen Art, sie in Grade zu verwandeln ;denn , beiläufig gesagt, die lächerlichen Formen , die wir auf diesen Carten finden,erfüllten gleichwohl ihren Zweck vollkommen , in so fern sie blos Distanzenanzeigen sollten , und der Reisende konnte sich in dieser Beziehung ganz aufsie verlassen. In der That, da er genöthigt war , an der Küste hinzufahren , sowusste er , dass er eine gewisse Anzahl von Stadien nothwendig zurückzulegenhabe , und da konnte es ihm gleichgültig seyn , oh er sicli tausendmal rechts oderlinks bei der Fahrt,drehe, ob man ihn getreulich mit allen Krümmungen des M egsbekannt mache , oder ob mau ihm alle Gegenstände in eine gerade Linie setze;
seine Anzahl Stadien musste er ja doch durchlaufen , und hatte er es gethan, sowar er auch angelangt: Diess ist so wahr und die Genauigkeit des Marinus in dieserBeziehung ist so gross , dass man heute noch , wie Gosselin zeigt, genau mit ihmzusammentrifft, wenn man auf unsern vorzüglichsten Carten die von ihm ange-gebenen Entfernungen auf alle jetzt bekannten Krümmungen überträgt. Seinungeheurer Irrthum rührt daher, dass er alle seine Maasse, die in Stadien ausgedrücktwaren , anstatt mit 833 nur mit 5 oo dividirte , um sie in Grade zu verwandeln,wodurch er eine viel grössere Anzahl Grade erhielt, als er haben sollte.
Ptolomanus beging den nämlichen Felder in der Theilung , ward jedoch durcheinige Hinunelshcobachtungen gewahr, dass sieh Marinus geirrt habe , und glaubtedie Berichtigung darin zu finden, dass er die Entfernungen um alle Krümmungen,die er an den Küsten verniuthetc , zusaimnenzog. Dadurch wurde zwar dasMissverhäitniss gemindert , aber nicht gehoben. Seine Kenntnis» von der Erdeging übrigens nicht viel weiter als die des Marinus ; auch er hält das erythräischeMeer für ein cingeschlossenes , nur gibt er seinen Busen mehr Tiefe und entferntsich mehr von der geraden Linie : Diess bewirkt, dass er weniger östlich kommt,doch immer noch mn 70 Grade oder mehr als 1800 (franz.) Meilen zu viel. Einglücklicher Vcrstoss , ein segenvoller Irrthum ! den das Schicksal wunderlicherVV eise absichtlich aufrecht zu erhalten schien , um uns durch ihn in der Folge zurM ahrheit zu führen. Denn wirklich machte diese fehlerhafte Lage, zu der nochalle mangelhaften Entdeckungen des Marco Paolo im Osten kamen, den Columbusglauben, er sey von diesen nur 80 Grade in westlicher Richtung entfernt, während diePortugiesen 280 Grade oder 7000 Meilen haben müssten, um sie östlich zu erreichen.Der richtigste Schluss, gebaut auf die falscheste Grundlage. Der Zufall wollte nun,dass America , von dem er nichts ahuete , eben da lag , wo er jene Länder mit soviel Zuversicht anfsuchtc; wie wären sonst seine Ideen in Verwirrung geratheu,wenn America nicht gewesen , ihn folglich nicht aufgehaltcn hätte , und er nunein-, zwei-, dreimal über das gedachte Ziel hinausgekommen wäre , ohne Landzu finden , mehr als zwei Dritttlieile des Erdkreises unnützer M eise umschiffthätte ? ! M ie wäre ihm begreiflich zu machen gewesen im Gegensatz mit all seinensonst so richtigen Ideen , dass er cs war , der sich mittelst dieser schönen Vernunft-Schlüsse den längsten M'eg auflegte, während die Portugiesen einen viel kürzernzurückzulegen hatten. (Siehe Taf. 29 und 33 .)
Fassen wir das Gesagte ins Kurze : Die Alten waren weit von unsern jetzigengeographischen Kenntnissen ; ohne Hülfe der Magnetnadel und unsrer astrono-mischen Instrumente tappten sie auf gerathewohi und irrteu , wo wir jetzt mitGewisslxeit und Bestimmtheit verfahren. Ein grosser Theil der Erde war ihnenunbekannt , und was sie davon beschrieben haben , ist in den Umrissen , Formeuund Entfernungen äusserst fehlerhaft. Ueberdiess sind fast alle ihre Schriftenverloren , wir kennen sie nur noch aus Fragmenten und Anführungen ; und sosind ihre eigenen Irrthümer noeli vergrössert worden durch unsre Ungewissheit,durch die Fehler uusrer Copisten, durch den Mldersinn unsrer Commentatoren etc.Dazu kommt noch , dass sie die Entfernungen in See-Tagfahrten ausdrücken,deren Länge wir nicht kennen, in griechischen und römischen M egmaassen, derengenaues Verhältnis» uns unbekannt war. Manchmal ist bei diesen Maassen die geradeLinie angenommen , manchmal setzen sie die Krümmungen der Küsten voraus; dieNamen wechselten beständig nach der römischen, griechischen oder carthagischenBenennung, und zu Allem haben endlich noch die Fabel und Lüge ihre Entstellungder Mehrheit hinzugefügt. Ein solches Chaos bietet die Geographie der Alten dar.Doch konnten so viel Schwierigkeiten gleichwohl den gelehrten Gosselin nichtabschreckcn , der mit fester Logik , gewandter Critik und bewundernswürdigemScharfsinn es dahin gebracht hat, den alten Sinn herzustellen und von den neuenIrrthümern zu reinigen. Es ist merkwürdig zu lesen , wie er z. B. in Bezug aufAfrica den Beweis fuhrt , 1) dass Hanno , den die Carthager mehrere hundertJahre vor Christus ausschickten, um auf der westlichen Küste Niederlassungenzu gründen , das Cap Bojodar niemals erreicht hat; 2) dass Polybius , des SeipioFreund, der nach der Zerstörung Carthago’s den Auftrag hatte, diese Nieder-lassungen zu verheeren, den betretenen M'eg verfolgte und nicht weiter gekommenist; 3 ) dass die Tabellen des Ptolomapus ,.ungeachtet scheinbarer M iderspriiehe,sicli vollkommen mit diesen beiden Berichten vereinigen lassen ; 4) dass auf deröstlichen Küste die Alten niemals über das Cap Prasum hinausgekommen sind;5 ) dass sie niemals den Aequator erreicht haben ; 6 ) und dass folglich dieEinschiffungen Africa’s unter Neco, 600 Jahre v. Chr., so wie die des Eudoxiusvon Cyzicus unter Ptolomaeus Lathurus , 200 Jahre v. Chr., fabelhaft und falschsind. (Siehe hierüber noch Mannevts Geographie und Heerens Ideen über diePolitik.)
ihrer Bestimmung schaffte ; es geschah durch zwei mit Steinenbeladene Schiffe, die man sodann unter jenen ausserordentlichenMassen wieder erleichterte , so dass diese nun an die Stelle derersten Last traten. Nicht so leicht erklärt man sich , wie sie dierömischen Kaiser nach Rom konnten verführen lassen ; die Artder Einladung und Verschiffung einer so schwereu und langenMasse bleibt noch immer ein Gegenstand des Streits unter denGelehrten.
Der Obelisk , den man noch heut zu Tag zu Rom vor derJohanniskirche vom Lateran sieht, scheint unter allen der grösstegewesen zu seyn. Der Kaiser Constantin Hess ihn dahin bringen,und Papst Sixtus V. im Jahre x 588 , also 2420 Jahre nachdem erunter dem König Ramasses gehauen worden , wieder aufrichten.
Der See Maris , ein nützlicheres M'erk , wurde angelegt, umder zu grossen Unregelmässigkeit der Nilüberschwemmungcn zubegegnen. Nach den Alten wäre sein Umfang 240 (oder 80 franz.)Meilen gewesen. Die Neuern behaupten fast einstimmig, er habenur 60 (oder 20 franz.) Meilen gehabt. Haben nun die Altenübertrieben, oder sollte er durch physische Revolutionen so vielkleiner geworden seyn ?
Das berühmte Labyrinth bestand aus der prachtvollen Ver-einigung von 12 Pallästen oder 3 ooo Sälen , die durch unzähligegewundene Gänge mit einander in Verbindung standen.
VON DEN PHOENICIERN UND CARTHAGERN.
Phönieicn war ein unfruchtbares Land , das die äussersteöstliche Küste des mittelländischen Meeres bildete. Dort nahmder Handel seine Entstellung und soll zuerst in der altberühmtenStadt Sidon geblüht haben. Diese stiftete in derZeit ihres höchstenGlanzes die (ä)lonie Tyrus, die bald ihre Mutter übertraf. Tyruswar auf dem festen Lande und nicht weit von Sidon angelegt; eshatte den ganzen Handel in seiner Gewalt und war Herr über dieMeere, als es von den assyrischen Herrschern , Einige sagen vonNebucadnezar, dein durch die heilige Schrift bekannten Könige,belagert, eingenommen und von Grund aus zerstört ward. Dochkönnte man sagen , es habe sich selbst überlebt; es verschwandnicht, es änderte nur seine Stelle, und erstand wiederauf einer nahgelegenen Insel durch die Einwohner, die sich bei der Zerstörungdahin geflüchtet halten. Zuin zweitenmalc die Beherrscherin derMeere und der Stapelplatz aller Reiclitliümer der M eit geworden,fiel diese glänzende Stadt endlich unter Alexander dem Grossen,der sie nach einer hartnäckigen Belagerung einnahm und gänzlichzerstörte.
Tyrus war es, das die berühmte Dido verlassen musste, um derHabsucht ihres Bruders, des Königs Pygmalion, zu entfliehn, derihren Gemahl Sicliaeus aus Begierde nach seinen unermesslichenSehätzen.ermordet hatte. Sie landete mit einigen Schiffen an derKüste von Africa , nicht weit von Sieilien ; dort habe sie voneinem africanischen Fürsten so viel Land sicli erbeten und erhalten,als sie mit der Haut eines Stieres urosrhliessen könne ; sie sollalsdann die Haut in Riemen geschnitten, diese an einander befestigt,und indem sie das eine Ende auf die Erde als Mittelpunkt anlegte,mit der ganzen Länge einen Kreis beschrieben haben , der aufdiese listige Meise Raum genug bot, um die M'iege einer grossenStadt zu bilden. Diess ist die, ohne Zweifel fabelhafte, Entstellungdes gepriesenen Carthago, so berühmt in der Geschichte , sohervorragend durch seiue Ungeheuern Reichthiimer, seine grosseMacht, seinen langen Kampf um die Weltherrschaft, und endlichdurch seine schreckliche Zerstörung. Nur das letzte Jahrhundertseiner Geschichte ist reich an Interesse, weil es die drei berühmtenpunischen Kriege und Hannibals glänzenden Feldzug enthält,der auf der Tafel des römischen Reichs in diesem M erke gezeichnetund beschrieben ist.
TABELLARISCHE ÜBERSICHT VON DEN VIER GROSSEN MONARCHIEN DES ALTERTHUMS, GRÜNDUNG, GROESSE , FALL etc.
Monarchien.
I.
ASSYRISCHE
Monarchie.
Dauert gegen1400J., von 2233v. Chr. bis 821.
Siehe Tafel 1.
Gründer.
NiMRODim Jahr 2233 . Ei-nige halten ihn für gleich-bedeutend mit Ninus undl[Beins, Andre behaupten,]I es sey der Bacchus oder der || Saturn aus der Mythe. Dergrösste Theil d. assyrischen'Geschichte ist fabelhaftoder ungewiss.
Diese Monarchie dauertgegen 1400 J. und endigt1 unter Sardanapal 821.
Ausdehnung.
Man kennt sie nichtgenau ; was wir wis-sen , ist, dass sie sich!wenig über Asien hin-aus , aber östlich bisüber die Ufer des Ti-gris und Euphrat er-1 streckte.
I Diese Ungewissheithielt uns ab , ihreGrenzen auf der Carteanzuzeigen.
j Haupt - Städte. j
/ Ninive am Tigris. Diodor von Sieilien nennt1 Ninus als ihren Erbauer; er habe sie zur grössten Iund berühmtesten Stadt der VN dt machen wollen,ihr desshalb einen Umfang von 24 Meilen ge-lgeben und sie mit einer Mauer von 100 Fuss]Höhe und solcher Dicke umgeben, dass 3 M agen Idarauf neben einander fahren konnten. Sie warmit i 5 oo Thürmen besetzt.
Babylon am Euphrat, von der Semiramis und 1I ihren Nachfolgern verschönert, hatte noch mehrMerkwürdigkeiten als Ninive ; seine Mauern)sollen 5 o Ruthen Höhe , 121/2 Dirke, 24 Meilen!im Umfang und iooThore von Erz gehabt haben.Alles dieses gehört in das Reich der Sage.
Fall.
Durch Empörun,
Einige Diener des ISardanapal empö-ren sieh und bela-gern ihn in seinemPallast, wo er sichin der Noth mit sei-nen Weihern undSchätzen verbrennt
E.S ENTSTEHENDARAIS
Drei Monarchien ;|| die der Meder, wo-| von EelwüM die
Hauptstadt, die derNiniverund die der| Babj Ionier.
Siehe TaM 1.
Merkwürdiges.
Dif. Eroberungen des Ninus. Diodor von Sici-lien , der dem Ctesias nachschrieb , erzählt, jenerFiir»t habe einen berühmten Feldzug gegen die 1Baetrier, an der Spitze von 1,700,000 Mann Fussvolkl1 und 200,000 Reitern , unternommen. Bei der Be-I lagerung von Bactra, deren Einnahme er dem An-[•hlag der Semiramis verdankte , lernte er dieseberühmte Frau zuerst kennen.
Die Regieri ng der Semiramis, die, durch Listoder Verbrechen \\ ittwe geworden, sieh einenunsterblichen Namen in der Regierungskunst er-warb. Sie durchreiste ihr Reich, verschönerte undvergrösserte cs. Sie eroberte einen Theil von Aethio -1pien und unternahm einen berühmten, aber un-glücklichen Zug jenseits des Indus.
| Haupt - Geschichtschreiber.
I Ctf.sias , Arzt zuerst des jüngern Cyrns , dannseines Bruders, schrieb die Geschichte der Assyrerund Perser in 23 Büchern. Nur Bruchstücke sindnoch davon übrig. Er ist die Quelle aller Sagen, diel diesen Zeitraum anfüllen ; dem Herodot wider- 1spricht er fast immer und weicht oft von XenophonIah. Obgleich ihn Aristoteles für wenig glaubwür-dig hält, gaben ihm doch Diodor von Sieilien und[mehrere Andre den Vorzug und schrieben ihm inieleu Dingen nach.
Unter den Neuern hat Rollin in seiner altenGeschichte einen Auszug von allen römischen undgriechischen Geschichtschreibern geliefert , diediesen Gegenstand behandeln.
2 .
PERSISCHE
Monarchie.
Dauert 200 J.,von 538 v. Chr.bis 33 1.
Siehe Tafel 1.
Cyrus, im J. 538. Er, 1vereinigt durch Erbschaft [und Eroberung die König-reiche Persien , Medien,Lydien, Babylonien, Ni-|nive etc.
j
Vom Indus bis andas schwarze 11. mittel-ländische Meer , undvom Jnxartcs und eas-pisehen Meere bis anAethiopien , Arabienund den persischen'Meerhusen.
Die Geschichtschreiber'stimmen über diesen Für-sten nicht überein.
Siehe oben dieCarte,Seine Monarchie dauert! wo die Umrisse ge200 Jahre und endigt unter f zeichnet sind.
Darius Codomanncs, 33i.
I Babylon, dessen sich Cyrus bemächtigt, indemer den Lauf des Euphrats ableitet.
Zur Zeit der Semiramis oder ihrer Nachfolgerwaren zwei prachtvolle Palliiste einander gegen-über auf den beiden Ufern des Euphrat erbaut,die durch ein Gewölbe , das unter dein Flussedurchging, in Verbindung standen. I11 einemdieser Palliiste befanden sich die hängenden Gär-ten , die hei den Griechen so berühmt waren.
Susa, Ecbatana, Persf.polis, berühmte Städte,]der Reihe nach Residenzen der Könige.
Durch
Niederlage. /
Darius Codoman-nus, von AlexanderI dem Grossen ange-griffen , verliert1 mehrere berühmte !
Schlachten. Sein /Thron fällt und seinI ganzes Reich wirdunterworfen.
Das grosse mace-domscheRei'Mas
Alexander dürossegründet.
Siehe dif t»bel-larisclie relwsirlit'der alten Iniversal-
gcschielite Idel t.
Pasarcada , wo sie sich krönen Hessen.
, Siehe deflSriten.Siehe den Seiten- F rau(J z , ir Renten,rand zur Rechten.
Das ganze Leben des Cyrus , seine Eroberun- ,gen ctc. /
Die anziehende Episode der Panthea und desAbradates , wo die glänzende Tugend des Einenvon der Andern belohnt wird.
Die berühmte Suhlacht bei Thymbros in derNähe von Sardes in Lydien , wo sich zwischen denPersern und den gegen sie verbündeten Völkerndie Herrsrhaft über Asien entscheidet. (
Die Einnahme von Babylon , dessen sich Cyrusdurrh Ableitung des Euphrat bemächtigt.
Die berühmten Züge des Darius und des Xerxesgegen Griechenland , die wir auf der Carte diesesiLandes beschrieben haben. ^
Die Km PÖRUNG I>ES JÜNGERN CYRUS , der RÜCK-ZUG DER ZEHNTAUSEND (»RIECHEN und das SCHICKSAL
des Darius Codomannus.
Herodot, Ctesias und Xenophon. Herodot undXenophon sind sicli in der Beschreibung von demCharakter und den vorzüglichsten Thaten des Cyrusganz entgegengesetzt, und Cicero meint desshalb,man müsse das M erk des Xenophon nicht als einetreue Geschichte , sondern als einen historischenRoman betrachten. Da aber die Parteilichkeit derGriechen gegeu die Perser im Allgemeinen aner-kannt werden muss, und Xenophon am Hofe desjüngern Cyrus so leichte Gelegenheit hatte, ans denwahren Quellen zu schöpfen, so haben Viele seinemgünstigen Bericht von ihnen den Vorzug vor demHerodot gegeben, dessen nachtheilige Schilderungübertrieben scheint.
3 .
MACE DON.
Monarchie.
Dauert in ihrer^grossen Ausdeh-nung kaum 10J.,,von 334 v. Chr.|bis 324 »
Siehe Tafel 1.
Alexander, im J. 334 ;einer der berühmtestenHelden des Alterthums, we-lgen der Grösse nndSchnel-lligkeit seincrEroherungen. |Sein M’eg ist auf der Carte |gezeichnet, die Geschichte/auf dem Seitenrand zu fin- \den.
Diese Monarchie zerfallt}nach dem Tode ihres Stif-ters.
Alexanders Herr- Babyloh , das , wie man sagt, Alexander zurschaft, oder vielmehr 1 Hauptstadt seines Reichs erhellen wollte. j
die Länder, die er anfl 1
seinem raschen Sieges I Alexandrien, zu dem Alexander selbst donlzugeroberte,erstreck -1 Platz auswählte und den Plan zeichnete. Seinelten sich vom Ganges! I^age konnte nicht günstiger seyn ; von Maccdo-Ibis an die Wüsten Li-/ nien nicht zu fern, diente cs, die Herrschaft über/byens , und von dem 1 Aegypten zu sichern , und auf der Küste des mit-Jaxartes bis an dcnl tclländischen Meeres , an den Mündungen desüeeau. I Nils , in der Nähe des rothen Meeres gelegen,
■ musste es eine der ersten Handelsstädte der WeltSiehe die obige' werden. Seine Bibliothek , die im Serapeon auf-Carte. \ gestellt war, ist später berühmt geworden. '
DurchZerstückelungi
Als Alexanderstarb , der keinenNachfolger erneu-/neu wollte, bekrieg-ten sieh seine Feld-herrn und zcrtheil-ten das Reich.
Vier Künipwhe,von vier Feierndes Alexander ge-gründet -.Aegypten,
Syrien, Ma.td(,-
nien uiidTliricien.
Siehe Tafel 1.
Die berühmte Expedition des Alexander , wo-von die Zeichnung airf der Carte , die Geschichtejauf dem Seitcnrand.
DieVKiuviRRUNG über seiue Nachfolge, und dertnit Grausamkeit länger als zwanzig Jahre geführteRricg zwischen seinen Feldherrn über die Thei-hing des Reichs. Die berühmte Schlacht bei Ipsrs,in Phrygien setzte endlich ihren anarchischen Strei -1tigkeiteu ein Ziel, indem sie eine feierliche Tliei-Ihing unter den Feldherrn Ptolomaeus , Cassander,!Seloncus und Lysimachus herbeiführte, wodur» h|die besondern Reiche Aegypten , Macedonien , Sy- 1rien und Thracien entstanden. '
Der Römer Quintus Curtius. Sein zierlicherund blühender Styl wird bewundert, wegen seinenAnachronismen trifft ihn Tadel.
Ar kanus, v. Niromedien gebürtig, ein Zeitgenossedes Marc - Aurel, gab eine Geschichte der Expedi-tion des Alexander in sieben Büchern, die man fürdas Zuverlässigste über diesen König hält. Er folgtedabei den Denkwürdigkeiten des Ptolomaeus, derunter Alexander gedient hatte.
Inter den Neuern immer wieder Rollin. J. Royouhat davon einen Auszug in vier Bänden geliefert.Die Untersuchungen dos Hrn. v. Sainte -Croixüber die Geschichtschreiber des Alexander bieteneinen wahren Schatz von Gelehrsamkeit u. Einsicht.
4 -
ROEMISCHE
Monarchie.
Dauert , vonAugnstus bis Au-gustulus gerech-net , 5 oo Jahre.,vom J. 3 1 v. Uhr.bis 476 nach Chr,
Siehe Tafel 1.
Augustus im Jahr 31 ;sein Familienname war Oe-l tavius. Mit ihm begann die1 römische Monarchie überIden Trümmern der gröss-ten und berühmtesten Rc-, publik, die je bestanden.
Diese Monarchie theiltsich im vierten Jahrhundertin das Ost- und Westkaiser-tliuni.
j Bis an den Rheinu. die Donau im Nor- f
I den , den Tigris undiEuphrat im < )stcn, bis Ian die Sandwüsteu]Africa’s iin Süden , u. Ibis an den grossenOcean im Westen.
Siehe oben auf der[Carte die angczeiglenUmrisse.
Siehe "So. 7. dieCarte-des römischen Reichs.
' Rom , zuerst ein Räuberasyl, wurde die Haupt-stadtder kriegführenden W eit unter den Römern, /die Hauptstadt der Christeuheit unter den Päp-isten, und die Hauptstadt der Künste, als die V\ is -1scnschaften und der gute Geschmack wieder er -1wachten. I
Constantinopel , ehmals Byzanz, wurde vonConstantin gewählt , um ein neues Rom , eineneue Hauptstadt des Reichs daraus zu machen;seine Sorgfalt, es zu bereichern , ging so weit,dass er die meisten andern Stiidtc dafür beraubte.
Kr liess ein Capitol , einen Circus und ein Ain-[ Siehe die Tafel)l phitheatcr, ganz nach dein Musterder römischen, ^ No. 1.
'erbauen.
Durch Einfall. I
Die Barbaren ausldemNordeti vonEu -1ropa brachen über |die Grenzen herein,durchstrirmten die;Provinzen und ris-sen die Herrschaft Jan sicli. 1
nien etc.
/ Die Epoche des Constantin , der das Christen-thiun anuiimnt und den Sitz des Reichs nach Con-- ^tantiuopel verlegt.
I f Die Epoche desVai.entinian, der eine förmlicheI rheilung des Reichs mit seinem Bruder Valens ein-1 8°h f . Die beiden Reiche, das östliche und westliche,‘die daraus entstehn , erlöschen zu verschiedenen
' Zeitpunkten.
J R P as kascHEiNFN der Barbaren , die zuletzt dasI Reich zerstören und eine Revolution in dcrLänder-I eintlieilnng, in der Politik und in den Künsten be-j wirken.
■ Siehe die Uebersicht der neuern Weltgeschichteu nd die Geographie der Geschichte Taf. 2 , 3 u. 4 -
Polybius, von Mcgalopolis gebürtig, dessen Ge-schichte den Zeitraum vom punischen Krieg biszum Untergang des macedonisehen Reichs umfasst.
Dionys von Halicarnass hat eine Geschichte deraltern römischen Zeit geschrieben , die aber gröss-tentheils verloren ist; von ihm haben wir die nähereNachricht über den römischen Götterdienst undüber die Gesetze des Romulus und Numa , so dasses eigentlich zwei Griechen sind , denen wir diezuverlässigste Kenntnis über den Civil - u. Militär-zustand der Römer verdanken.
Diodor von Sizilien ; der elegante Livius; Sue-ton , von dem wir das Leben der zwölf Cäsarenhalien ; der misterbliche Tacitus ; Florus.
\ Luter den neuern Lebe au, Montesquieu, Gibbon.
DER BERUEHMTE RUF.CKZUG DER ZEHNTAUSENDGRIECHEN.
(Auf der Carte mit einem farbigen Band angezeigt.)
Die Geschichte kennt nichts Herrlicheres in seiner Art, alsdiesen Rückzug, wir wollen ihn hier kurz berühren. Cyrusder jüngere , des persischen Königs Artaxerxcs MneiuonBruder, hatte die westlichen Provinzen des Reichs in Kleinasienunter sich, als ein blinder und strafbarer Ehrgeiz ihn trieb, sichzu empören. Er zieht mit 100,000 Mann Barbaren und i 3 ,oooGriechen gegen Babylon in der Absicht, seinen Bruder zuentthronen ; dieser aber kommt ihm an der Spitze von mehr als1,200,000 Mann entgegen und die Schlacht wird in den Ebenenvon Cunaxa, 60 griech. (20 franz.) Meilen von der Hauptstadt,geschlagen. Cyrus , schon im Uebermuthi des Siegs , wird vonWutli ergriffen , als er seinen Bruder erblickt, sprengt mitUngestüm auf ihn ein , wirft ihn vom Pferd und verwundetihn , wird aber selbst dabei getödtet.
Nun fanden sich die Griechen , die ihm gefolgt waren , undauf dem linken Flügel einen vollständigen Sieg erfochten hatten,in einer sonderbaren Lage. Ihr Haupt fehlte , sie waren vonFeinden umringt, mehr als 1800 griech. ( 600 franz.) Meilenvon ihrem Vateriande entfernt, ohne Vorräthe, ohne Freunde.Man forderte sie auf, sich zu ergeben ; da hatten sie den Muth,es zu verweigern und einen ehrenvollen Rückzug zu verlangen,den man ihnen auch zugestand , weil man sich fürchtete , sieanzugreifen, und es für sicherer hielt, sie durch Verrätherei alsdurch Gewalt umkommen zu lassen. In der That wurden auchihr Anführer Clearch und mehrere andere Hauptleute von denPersern umgebracht. Nun stellten sie den Xenophon , einenjungen einsichtsvollen Athener , an ihre Spitze , der ihrenniedergeschlagenen Muth wieder belebte , und sich den Ruhmerwarb , jenen denkwürdigen Ruckzug auszufuhren , der so oftvon den Kennern als die am meisten bewunderte , am meistenbewundernswerthe Kriegsthat in der Geschichte gepriesen wird.Im Rücken beständig von einer Menge Feinde verfolgt, hattendie Griechen vor sich nichts als tiefe Flüsse zu durchziehen, steileBerge zu übersteigen , ungeheure Wüsten zurückzulegen ; kurzsie mussten ohne Unterlass kämpfen , siegen, weiter ziehen undfür ihre Nahrung sorgen. Erst nach i 5 Monaten , nachdem siealle Hindernisse der Natur überwunden , alle Angriffe derMenschen besiegt hatten und von 10,000 auf 8600 zusammen-geschmolzen waren , erblickten sie ihre heimathliehen Uferwieder. Sie hatten im Ganzen einen Weg von mehr als i 5 oo(franz.) Meilen gemacht.
DertrefflicheXenophon, der nicht blos ihr Führer, sondernaucli ihr Geschichtschreiber war , hat sich in dieser doppeltenBeziehung gleich unsterblich gemacht. Nie besass ein Schrift-steller mehr die Kunst , die Tugend lieben zu machen , die ereben so sehr persönlich übte, als er sie in seinen Schriften erhob.Die Lieblichkeit, die Anmuth , die Schönheit seiner .Schreibartverschafften ihm den Beinamen der griechischen Biene.
j ZUG DES ALEXANDER , auf der Carte gezeichnet ; dauert 10 Jahre , von 334 his 32 '* v. Chr.
Alexander war nicht mehr als 22 Jahre alt, als "er die glänzendste und weiteste Expedition unternahm undausfuhrte , die uns die Geschichte überliefert. Kr verliess die Küste Griechenlands mit 3 o,ooo Mann Fussvolk,.»(HK) Reitern, Proviant für 7 Monate und 70 Talenten; das war Alles, was er mit sich nahm, um das mächtigsteund reichste Land der Erde zu erobern.
Schlacht am Granicus im Jahr 334 - Die erste That des macedonisehen Helden war sein Uebergang über denGrameus , wo er, trotz der gegenüber stehenden Macht von 110,000 Persern , die Meinnon von Rhodus, dergeschickteste und klügste unter den Feldherren des Darius, anführte , durch den Fluss zieht. 20,000 Feindelallen in der Schlacht , und Kleinasien ist die Frucht dieses ersten Sieges. Sardes , Ephesus t Milet uudIfalicamass werden genommen oder unterwerfen sich ; er zieht in Gordium ein , wo er den berühmtenKnoten durchschneidet, von dessen Lösung nac h dem Orakel die Weltherrschaft ablüng. Er durchzieht sofortPhrygien , Cappadocien , wendet sich nach Tarsus , wo ihm das Baden im Cydnus eine gefährliche Krankheituud beinahe den Tod bringt. Hier war es, wo er den gepriesnen Zug von Seelengrösse seinem Arzt Philippgegenüber zeigte , von dem er den Becher unbekannten Trankes , trotz den ihm zugekommenen Warnungen,er sey bestimmt ihn zu vergiften, mit Vertrauen und Entschlossenheit annimmt.
Schlacht bei Tssus. Alexander , kaum genesend , eilt dem Darius entgegen , der ungeheure Streitkräftevereinigt hatte , und gewinnt die berühmte Schlacht bei Tssus in Cilieiens engen Pässen, die Kleinasien vonSyrien scheiden. Die Perser sollen dabei 100,000 Mann verloren haben ; Mutter, Gemahlin und Kinder desDarius wurden gefangen, er selbst entkam nur mit Mühe dem verfolgenden Sieger. Nun durchzieht AlexanderSyrien, nimmt Damascus, mit den Ungeheuern Schätzcu des Darius angefüllt, zerstört Tyrus , das er mit Sturmnach einer mühevollen Belagerung von sieben jVlonateu eingenommen, zieht in Jerusalem ein, verheert Gaza ,unterwirft Aegypten , besucht in der Wüste den Tempel des Jupiter Ammon , wo er sich für den Sohn desGottes erkennen lässt, und gründet das berühmte Alexandrien.
Schlacht be: irbela im Jahr 33 r. Er verlässt Aegypten , um den Darius aufzusnehen , der, nach üfternvergeblichen Friedensversuchen , alle Kräfte seines Reichs auf dem östlichen Ufer des Tigris, des reissendsteuStromes von Asien , versammelte. Alexander geht über den Euphrat und Tigris , und erscheint im Angesichtdes Darius zwischen Gaugamela und Arbela. Hier, auf diesem denkwürdigen Schlachtfelde, wird AsiensSchicksal entschieden. Alexander, an der Spitze von 40,000 Mann Fussvolk und 7 — 8000 Reitern , schlägt65 o,ooo Perser, und tödtet davon, wie man augibt , mehr als 3 oo,ooo ; eine Schlacht , die die persischeMonarchie vernichtet, den Darius zu einem Flüchtling , den Alexander unsterblich macht. Babylon und Susasind die ersten Preise seines Sieges , so wie Persepolis , das er in einer Ausschweifung der Trunkenheit, und,wie man sagt, auf Anstiften der Buhlerin Thais , in Brand steckt.
Alexander im nördlichen Asien. Während nun Alexander den Darius verfolgt, wird dieser das Opfer derabscheulichsten Treulosigkeit. Einer von seinen Feldherren, der Satrape Bessus , hatte sich seiner bemächtigt,mn ihn im Nothfall auszuliefern , oder , wenn das Glück sich günstiger zeigte , sein Nachfolger zu werden ;aber zu nahe von dem Feinde gedrängt, ermordet der schändliche Verräther seinen Herrn , weil er ihm nichtfolgen wollte. Alexander , der das Schicksal des Darius beweint, verfolgt anfänglich seinen Mörder, gibt aberbald die Hoffnung auf ihn zu erreichen , und kehrt sich nach Hecatompylos, der Hauptstadt der Parther, woseine Truppen eine kurze Ruhe geniessen. Bald darauf setzt er seinen siegreichen Zug weiter fort, bemächtigtsich Ifircaniens, und unterwirft alle Völker iin Süden des Oxus. In diese Gegend versetzt man seine sonderbareund wohl fabelhafte Zusammenkunft mit der Königin der Amazonen , Thalestris , die aus weiter Fernegekommen, um den Mann zu sehen, dessen Ruf die Welt erfüllte. Einige sagen, sie habe hei seinem Anblick ihmüber die kleine Gestalt ihre Geringschätzung gezeigt, Andre aber, sie habe gewünscht, mit Nachkommenschaftvon ihm gesegnet nach Hause zu kehren. Wie dem auch sey, so ist leider zum Unglück für seinen Ruhmviel gewisser , dass er gegen die nämliche Zeit hin deu Phiiotas und dessen Vater Parmenio umbringen liess;jener war sein Freund gewesen , dieser sein ausgezeichnetster, treuester und eifrigster Heerführer. Der Sohnwurde unter dem Vorwand einer Verschwörung hingerichtet, die niemals hinlänglich erwieseu worden , derVater schändlich gemordet, aus Furcht er möchte den Tod seines Sohnes rächen. Diess sind die ersten Fleckenin dem Andenken des Alexander, und obgleich ungeheuer , sind sie doch leider nicht seine einzigen , nichtseiue grössten. Hartnäckig bemüht, den treulosen Bessus zu verfolgen , zieht er durch Länder , die tlieils vonder Natur verödet, tlieils vom Feinde verheert waren, der nur dadurch dem Sieger zu entkommen hoffte, dasser sich durch W üsten von ihm trennte. Alexanders Beharrlichkeit überwindet all’ diese Hindernisse , und esgelingt ihm , den Bessus zu erreichen , der nun , von seinen eigenen Leuten in Sogdiana verrathen und denMacedoniern ausgeliefcrt, in einem schrecklichen Tode die Strafe des Königsmörders erhalten sollte. Manbrachte ihn nach Ecbatana zurück und befestigte den vorher Verstümmelten noch lebend au vier mit Gewaltzusaimnengebogene Bäume , die alsdann , mit Heftigkeit in ihre Richtung zurüekfahreud , die zerrissenenGlieder des Schuldigen weit hiuausschleuderten.
Alexander kömmt endlich bis an den Jaxartes » der die nördliche Grenze des persischen Reichs bildete ; erbemächtigt sich der von Cyrus erbauten Stadt Cyropolis, geht über den Fluss und schlägt die Barbaren auf demjenseitigen Ufer, verlässt sie jedoch bald wieder, um sich mit ernsthaftem Eroberungen zu beschäftigen ; Geistund Schritte wenden sicli den iudisehen Regionen zu. Zu Maracanda , der Hauptstadt Sogdiana’s , ersticht erin der Trunkenheit den alten Clytus, und so haucht dieser tapfere Veteran , der Bruder der Amme des Königs,derselbe , der ihm bei seinem ersten Siege am Granicus das Leben gerettet hatte , unter seinen Streichen denGeist aus.
Alexander in Indien. Ergeht über den Indus und erscheint in den Ländern Indiens, wo ihn Taxiles , einer derdortigen Könige, mit Freundschaft aufnimmt, wahrend ein anderer, Namens Porus , ihm muthigen W iderstandleistet. Doch weniger glücklich als tapfer, wird dieser jenseits des Hydaspes geschlagen und fallt in die Gewaltdes Alexander, wo sein Heldensinn ihm die Achtung des Siegers erwirbt.
Immer siegreich , immer nach Eroberung dürstend , schreitet Alexander vorwärts nach dem Ganges, umauch noch über diesen weiter an die östliche Grenze der Erde vorzudringen. Aber seine Truppen , durch dieSchwierigkeiten , so wie durch die wüsten Strecken dieser Länder abgesehreckt, weigern sicli zu folgen undnöthigen ihn davon abzustehen. Er kehrt nun durch das Land der Oxidracer an den Indus zurück und hättebeinahe bei der Belagerung ihrer Stadt das Leben verloren ; denn da er von der Höhe der Mauer allein in dieStadt hinabsprang , musste er sich so lange gegen eine Menge Feinde vertheidigen , bis die Seinigeu die Tlioregesprengt hatten und ihm zu Hülfe eilten.
Indem er hierauf zu Schiff den Indus hinabzog , gelangte er bis zum Ocean , wo er über das merkwürdigeSchauspiel der Ebbe und Flut erstaunte , das ihm und seinen Leuten völlig neu war. Er schlägt nun endlichden Weg zu Land nach Babylon ein , wälirend seine Flotte unter Nearchs Führung sich unlickauuten Meerenanvertraut und glücklich in dem Hafen llarmuza , am Eingang des persischen Busens , einläuft.
Auf seiner Rückkehr vermählt sich Alexander zu Persepolis mit Statira, der ältesten Tochter des Darius,und gibt die jüngste seinem Liebling Hephästion , der bald nachher an den Folgen seiner Unmässigkeit stirbt.Audi der grosse, siegreiche, unsterbliche Alexander sollte ihm bald als ein ähnliches Opfer eines eben sounwürdigen Todes folgen. Er verscheidet im 32 sten Jahr seines Lebens zu Babylon, wo er kurz zuvor noch inseinem Triumpheinzug den Gesandten von den meisten Ländern der Erde den geraubten Glanz des Orientsgezeigt hatte.
So endet der Zug dieses grossen Feldlierrn , des berühmten Helden , welcher weniger Zeit zu gebrauchenschien , Länder zu erobern , als man nüthig hätte , sie zu bereisen.
STREITIGKEITEN ZWISCHEN DEN TELDHERRN DES ALEXANDER,dauern 23 Jahre, bis eine endliche Theilung in vier Reiche erfolgt, wie sie sich auf Taf. i angegeben finden.
Waren die Eroberungen Alexanders schon eine grosse Plage für die Völker gewesen , so ward sein Tod fürsie eine noch viel traurigere Catastrophe. Man denke sieh einen Zeitraum von 24 Jahren voll beständigerKriege , Plünderungen , Verrätherei und Mord , bevor die Nachfolge des Eroberers sich einigermassen bildenkonnte, seine ganze Familie durch das Schwert oder durch Gift ausgerottet, eine Menge seiner Feldlierrndemselben Schicksal unterliegend, eine Heerde von Nationen den Zerfleischungen wilder Bestien preisgegeben,und man wird die Hanptzüge zu diesem unglücklichen Gemälde gesammelt haben.
Wir begnügen uns, liier die Namen der vorzüglichsten Feldherrn zu nennen ; eine kurze begleitende Notizwird hinreicheu , um den Begebenheiten , die diese Epoche bezeichnen , nicht fremd zu bleiben , ohne unsdoch zu nöthigen , das historische Labyrinth zu verfolgen , aus dem sie bestellt. Die Namen , vor deneu sichein (*) findet, nennen die vier Feldherrn , die zuletzt übrig bleiben und jene vier Reiche gründen , die mangewöhnlich die Trümmer von Alexanders Reich zu nennen pflegt , und die sich später zu verschiedenenZeitpunkten in den grossen Schlund der römischen Herrschaft verlieren , wie es auf der Tafel 1 bildlichdargestellt ist.
Perdiccas war einer der berühmtesten Feldherrn des Eroberers , dem dieser sterbend seinen Ring überreichte.Ihn ernannten die Uebrigen , während der Minderjährigkeit der Kinder des Alexander , zum Regenten ; da eraber diesen Titel benutzen wollte , um sich des Reichs zu versichern , vereitelten die andern Statthalter seineehrgeizigen Pläne , und zwei Jahre darauf, im Jahr 322 , ward er in seinem eigenen Zelt in Aegypten , wo erohne Gluck gegen den Ptoloinäus stritt, ermordet.
Antipatf.r erhielt nach ihm die Regentschaft. Diesem war zur Statthalterschaft Macedonien , Epirus undGriechenland angewiesen. Er unterwarf das empörte Athen undveranlassteden Tod des berühmten Demosthenes.Eine Regentschaft wie die seinige war natürlich mehr nicht als ein eitler Titel von Gewalt, der ihm nur dasgefährliche Recht liess , mit seinen Collegen Streit zu suchen , und so war sie denn auch für ihn eine immerfliessende Quelle von Unruhen und Feldzügen. Sterbend übertrug er die Regentschaft dem Polypserchon,behielt jedoch die ihm zugewiesenen Staaten seinem Sohn Cassander vor.
Polypserchon, der älteste von Alexanders Feldherrn , und nach Antipater mit der Regentschaft bekleidet,schlug die Athener und war Schuld an dem Tode des tugendhaften Phocion ; er rief die Olympia , Mutter desAlexander , zurück , um an der Regierung Theil zu nehmen, aller ihre Rückkehr vermehrte nur die Unruhen.Polypserchons Regentschaft war nichts alsein anhaltender und schrecklicher Kampf zwischen ihm und Cassander,und während jeder der beiden Nebenbuhler vorgab, für das Interesse der Söhne Alexanders zn streiten, opferten•.ie Alles, die beideu Söhne, ihre Mutter und die berühmte Olympia, Philipps Wiltwe und Alexanders Mutter,ihrer Herrschsucht.
Eumenes , von dunkler Abkunft, dem aber Alexander die Schwester einer seiner Gemahlinnen zur Fraugegeben , war sowohl dem Charakter als den militärischen Talenten nach einer seiner ausgezeichnetstenFeldherrn. Vielleicht der würdigste unter den Nachfolgern des Alexander , docli bei der Theiluug amschlechtesten bedacht. In Cappadoeien, das ihm zugcwieseti war, verwehrte ihm Antigouus, sich festzusetzen.Sein Lehen war ein fortwährendes Gefecht; er überwand und tüdtete den Craterus , schlug den Antipater,ward aber zuletzt durch Verrätherei überwältigt und dem Antigouus ansgeliefert, der ihm den Tod gebenliess. 3 i 5 .
Craterus , Liebling des Alexander , gegen den er sicli stets als ein strenger und tugendhafter Hofmannbewies, genoss eines so ausgezeichneten Rufs unter den Macedoniern , dass sie ihn zum Nachfolger Alexandersgewünscht hätten. Mit dem Antipater verbündet , ward er von Eumenes erschlagen im Jahr 32 1.
Antigonus mit seinem Sohn Demetrius. Antigonus hatte seinen Antheil in Asien erhalten ; er war der erste,der den Königstitel annahm , und strebte nach der Universalherrschaft. Sein Sohn Demetrius Poliorcetes(Slädtebezwinger), dessen Geist und hoher Sinn , Tapferkeit und Anmuth ein glänzendes Lieht in jene Zeitender Gräuel werfen, unterstützte ihn trefflieh. Allein die übrigen Statthalter, über die zu grosse Macht desAntigonus erschreckt, verbanden sich gegen ihn und lieferten ihm die berühmte Schlacht bei Ipsus, wo erbesiegt und erschlagen wurde. 3 oi. Sie entschied über Alexanders Reich, das nun endlich unter die vier gegenAntigouus verbündeten Anführer getheilt wurde.
Das Leben des Demetrius nach dem Tode seines Vaters war eine Reihe kriegerischer Abenteuer, Beweisemehr seines Muthes als seiner Klugheit. Er nahm und verlor Provinzen , war einen Augenblick König vonMacedonien , und starb in der Gefangenschaft des Seleucus im J. 280.
* Ptolomaeus, den mau für einen natürlichen Bruder Alexanders hält, einer seiner vertrautesten Günstlinge,war im Besitz von Aegypten , als der Eroberer starb. Auf dem stürmischen Grund seiner Zeit erscheint er alseiner der schönsten Charaktere. Sanft , menschlich und weise , machte er die Künste und Wissenschaftenauf ägyptischem Boden einheimisch uud bildete das Glück seiner Völker. Seine Nebenbuhler konnten ihmwährend dein langen Suceessionsstreit nie etwas anhaben , und er wusste sehr geschickt immer den Krieg ausAegypten hinauszulenken. Er wird oft mit dem Beinamen Soter oder Retter erwähnt, den ihm die Rhodicrgaben, weil er sie vor der Wutli des Demetrius, Sohns des Antigonus , gerettet hatte. Ptoloimeus hatteeinen Bericht von den Feldzügen Alexanders geschrieben , der aller leider verloren i»t; er war der Stifter desKönigreichs Aegypten , das länger als 200 Jahre unter seiner Familie dauert und mit der schönen Cleopatra zurZeit des Augustus endigt, im J. 29 v. Chr.
* Seleucus, einer der verdienstvollsten Feldherren Alexanders, setzte sich in Babylon fest, wo er nachmancherlei Wechsel des Glücks das Reich von Oherasien , das unter dem Namen Königreich Syrien bekanntist, gründete. Er ist der Stammvater der Seleuoiden , die die Herrschaft behalten , bis Pompejus ihre Staatenzu einer römischen Provinz macht; er war der Stifter von Antiochüi , die lange für die Hauptstadt des Orientsgalt, von Seleucia , Laodicea und von inehr als vierzig andern Stiidten.
* Lysimachus, der an allen Streitigkeiten seiner Zeit Theil nahm, war grausam und habsüchtig. NachdemSieg bei Ipsus erhielt er Thracien, ßythinien etc. Er bemächtigte sich Macedoniens, wo er sicli wälirend einerzehnjährigen Regierung gellässig machte, uud ward zuletzt vom Seleucus in Asien erschlagen. 282. Nach seinemTode giebt das zerfallende Reich Anlass zu vielen Unruhen ; cs bilden sich daraus mehrere Staaten, die wiederalle in das römische Reich zerfliesseu.
* Cassander , Sohn des Antipater, folgte seinem Vater auf dem Thron von Macedonien und spielte einegrosse Rolle in den Stürmen seiner Zeit. Er führte einen grausamen Krieg gegen Polypserchon , bemächtigtesich Athens , wo er den Demetrius von Phalerus einsetzte , liess die Olympia , Mutter des Alexander , tödten,ermordete dessen Gemahlin Roxane und den Sohn , den sie von ihm hatte; endlich durch gehäufte Verbrechenauf den macedonisehen Thron gestiegen , faud er sicli durch die Schlacht bei Ipsus in seinem Besitz befestigt.Er starb iin Jahr 297 und hinterliess von einer Tochter des Alexauder zwei Söhne , die ihn unglücklicherW eise nicht lange überlebten. Mit ihnen erlosch das Geschlecht Philipps , des macedonisehen Helden , dessennoch grösserer Sohn die Welt mit seinem Namen erfüllt hatte, und einen Augenblick bestimmt schien, ihrGesetze zu geben. Kaum 40 Jahre verflossen ! und was war geblieben von diesem herrlich hervorschiessendenStrahle des Ruhms und Glücks ? was von so viel Genie , so viel mühevollen Thaten , so viel Siegen ? Philippund Alexander, ihre Frauen, ihre Kinder, Alles war das Opfer eines gewaltsamen Todes geworden , ihr weitesReich war zerfallen und seiue zahlreichen Trümmer nährten die Zwietracht der Fürsten und das Unglück,der Völker !
Arme Kurzsichtigkeit der Menschen , falsche Rechnung, die auf menschliches Glück baut! Mitten unterden schönsten Triumphen des grossen Alexander, wer h£tte es geahnet, dass ihia ni:r bestimmt sey , denHorizont mit der Schnelle des Blitzes , mit dem Glanz der Sonne und mit dem Unheil des. Wetterstrahls zudurchfahren ?
No. V. DIE DEN ALTEN BEKANNTE WELT.
Verleger : Johann Velten tn Carlsruhe. — Gedruckt bei G. Braun. 1825.