Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
389
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Tropisches Jahr Troppau (Congureß zu) 389

Tropisches Jahr, s. Jahr.

Troppau, ein seit 1614 dem fürstl. Hause Liechtenstein gehöriges Fücsten-thuni, liegt theils im troppauer Kreise desöstrelch. Schlesiens, theils im prcuß. Schle-sien (leobschützer Kreis, Regierungsbezirk Oppeln). Das preuß. FürstenlhuniTroppau hat mit Jägerndorf und Hultschin über 17 H)M., 3 St., 5 Mst., 12t)D. und 54,500 Einw., und den Hauptort Leobschütz. Der östr. Antheil vonTroppau (mit 5 St, 1 Mfl., 160 D. und 76,600 Einw.) wird durch die Oppavo» Preußisch - Schlesien getrennt. Zu demselben gehört die Hauptstadt Troppauan der Oppa, mit 843 H. und 8300 Einw., ohne das mit der Stadt zusammen-hängende Katharincndorf (3000 Einw.). Außer den Behörden, einer Johanni-ter - und Deutschritter - Ordenscommcnde, und dem ständischen Collegium, ist inTroppau das östreichisch-schlesische Museum, das eine Bibliothek und wichtige na-turhistorische Sammlungen besitzt, zu bemerken. Auch hat die Stadt mehre guteSchulanstalten, einige Fabriken und besonders Tuch- und Leinwandhandel.

Hier wurde der durch die stehenden Heere in Spanien , Portugal und beson-ders in Neapel bewirkten Staatsveränderungen wegen vom Oct. bis zum Der. 1820ein in der europäischen Diplomatie merkwürdiger Monarchencongreß gehalten, derden Grundsatz der bewaffneten Intervention (s. d.) ausstellte. Der Kaiservon Östreich empfing in Troppau am 20. Ort. den Kaiser Alexander von Rußland;am 7. Nov. erschien auch der König von Preußen, dem der Kronprinz vorangegan-gen war. Später trafen daselbst ein der damalige Großfürst Nikolaus und derErzherz. Rudolf, Cardinal und Fürsterzbischof von Ollmütz. Folgende Staats-männer waren zugegen: von Seiten Östreichs der Staatsminister Fürst v. Met-ternich, nebst den Hofräthen v. Gentz, Mercy (Beide mit Führung des Protokollsbeauftragt) und Wacke; von Seiten Rußlands die Staatssecretaire Gr. v. Nessel-rode und Gr. Capodistrias; von Seiten Preußens der Staatskanzler Fürst vonHacdenberg und der Staatsminister Graf Bernstorff. Nock sah man daselbst diesranz. Minister de la Ferronaye und Caraman; den engl. Botschafter (am wienerHofe) Lord Stewart, den neapolitanischen Prinzen Ruffo, den Grafen Golow-kin, den Fürsten Wolkonsky, den Fürsten Menzikoff, den Minister v. Alopäus,den General v. Krusemark, den Gr. v. Zichy, den Baron v. Lebzeltern und vieleandre Diplomaten. Die Verhandlungen, bei welchen Friedr. von Gcntz dasProtokoll führte, betrafen überhaupt eine Übereinkunft der großen Mächte, keineVerfassung anerkennen zu wollen, die von dem legitimen, monarchischen Staaten-system Europas sich entferne. England und Frankreich schienen jedoch zur Aus-söhnung der streitigen Verhältnisse zwischen Östreich und Neapel geneigt; beidesuchten daher ein Neuiralitätssystem aufzustellen, dessen Gründe Lord Stewart ineiner ausführlichen Note entwickelte. Großbritannien erklärte, an Gcwaltmaßre-geln gegen Neapel nicht Theil nehmen zu wollen, und Frankreich machte seinenBeitritt zum Bunde gegen Neapel von gewissen Bedingungen abhängig, die abervon Östreich, Rußland und Preußen nicht angenommen wurden. Diese 3 Machtevereinigten sich, den zu Neapel durch Aufruhr und Gewalt bewirkten Umsturz nichtanzuerkennen und die Fortdauer des daraus hervorgegangenen Zustandes, wenn essein müßte, mit vereinter Kraft zu hintertreiben, indem sie gegenseitig einander dieRuhe ihrer Staaten versicherten. Der damalige Minister der auswärtigen Angel,von Neapel suchte dagegen in einer officiellcn Note vom 1 Oct. 1820 (s. „Poln.Iourn.", Der. 1820 und Jan. 1821), welche im Namen des Königs beider Ti-rilier, an alle europäische Höfe gesandt wurde, den neuen Zustand des Königreichszu rechtfertigen. Allein die Monarchen von Östreich, Rußland und Preußen er-ließen am 20. Nov. gleichförmig abgefaßte Schreiben an den König von Neapel,wodurch siechn einluden, sich nach Laibach zu begeben, um dorr als Vermittlerzwischen seinem Volke und den Staaten, deren Ruhe durch die neapolitanische Rc-