Trope Tropenländer 385
nen Sieg andeutete, beigefügt. Auch geschah dies auf Altäre». Zuweilen wardeinem aufgehängten Schilde eine Inschrift gegeben, die den Sieg verewigte. BeiTriumphen (s. d.) pflegte man die Tropäen vor dem triumphirenden Feldherrnherzutragcn. In der Baukunst hat man nachher, zur Nachahmung derselben, al-lerhand Zierrath in Holz oder Stein bei Gebäuden, besonders an Triumphbogen,angebracht.
Trope (griech. Umkehrung), diejenige Umänderung des gewöhn»
lichen Redegebrauchs, mittelst deren an die Stelle des eigentlichsten Ausdrucks,zur Beförderung der Anschaulichkeit und Lebhaftigkeit der Darstellung, ein andrer»»eigentlicher und bildlicher gesetzt wird. Die Tropen unterscheiden sich folglich vonbildlichen Redesiguren dadurch, daß sie die Bezeichnung der Hauptvorstellung inder Rede selbst verändern und den Gegenstand mit seinem Gegenbilde vertauschen.Sie heben eine einzelne Idee aus einer Gedankenreihe hervor, während die andernFiguren eine ganze Jdeenreihe in ihren Theilvorstcllungen beleuchten. — Die tro-pische Ausdrucksweise ist so alt, als die Anwendung der Sprache auf unsinnlicheBegriffe. Das Bedürfniß, Begriffe zu bezeichnen, für welcke der unvollkommeneSprachschatz nicht ausreicht, nöthigte, aus dem vorhandenen Verrathe von Bezcich-nungsmitteln Benennungen sinnlicher Gegenstände, nach oft nur dunkel gefühltenÄhnlichkcitsbeziehungen, auf unsinnliche Begriffe überzutragen. Es gibt keineSprache, die nicht eine große Anzahl solcher tropischer Ausdrücke besäße, welchezum Theil, wie Geist, Tugend, Begriff, Urtheil, im Verlaufe der Zeit ihre ersteeigentliche Bedeutung verloren, zum Theil dieselbe neben der «»eigentlichen bewahrthaben, wie Anschauung, erwägen u.. a. Allein diese reichen für den Zweck sinn-lich- lebendiger Darstellung nicht hin, indem sie durch langen Gebrauch sich mitdem eigentlichen Begriffe, den sie ausdrücken, so innig vermählt haben, daß dieeigentliche sinnliche Bedeutung, wenn sie nicht durch die nächsten Umgebungen her-vorgehoben wird, ohne Wirkung für Veranschaulichung und Belebung der Redeverloren geht. „Mit jedem Jahrhundert", sagt Jean Paul („Vvrsch. z. Ästh."Abth. 2) „verliert eine Flur von Dichterblumen ihre lebendige Gestalt und vermo-dert zu todter Materie". So entsteht für die lebhaftere Darstellung das Bedürfnißneuer versinnlichender Bezeichnungen, und diese sind es eigentlich, welche die Rhe-torik als Mittel zur Schönheit des Ausdrucks u d. N. von Tropen aufführt. Sieerheben und beleben die Darstellung, indem sie Das, was in seiner ursprünglichenGestalt bloß Sache des Verstandes sein würde, dem Gefühl und der Einbildungs-kraft näher bringen. Zu dem Ende genügt es ihnen nicht, das Unsinnliche zu ver-sinnlichen, sondern sie verstärken auch oft wol einen sinnlichen Begriff durch einenandern verwandten, aber anschaulichem, wie dies bei der pecsonificirlen Metapherder Fall ist. — Was die verschiedenen Arten von Tropen betrifft, so hat man ih-rer bald mehr, bald weniger gezählt. Quinctilian klagt über das Unbestimmte undStreitende in den Meinungen der Grammatiker über diesen Gegenstand. DerGrund davon lag in der unkritischen Vermischung der Begriffe von Figuren undTropen. Er versuchte daher eine genauere Scheidung und Begrenzung beider. Wieschwankend aber auch s. Ansicht hierüber gewesen, würde sich aus dem bloßen Ver-zeichniß seiner Tropen ergeben, von denen die Mehrzahl in die Reihe der bloßen Re-desiguren gehört. Der Erste, der isich das Verdienst einer strengen Sichtung er-warb, war Adelung. Wenn er aber zu den Tropen nur die Metonymie, die Syn-ekdoche und die Metapher rechnet, so scheint er hiermit den Begriff nicht zu erschö-pfen. Neuere fügen daher mit Recht die Allegorie und Personendichlung (Prosa-popöie, Personifikation und Sermocination) hinzu, deren tropische Natur allerdingsnicht verkannt werden kann. x
Tropenländer sind die Länder zwischen den Tropen oder Wendekreisen,deren genauere Kenntniß wir hauptsächlich den Forschungen Alex. v Humboldt's ver-Conv.-Lex. Siebente Anst. Bb. XI. -j- 25