Tautochroiiisch Tautologie 83
als der Mensch mit kindlicher Lust den Erscheinungen einer reichen Wunderweltund den beweglichen Gestalten einer arglos spielenden Einbildungskraft sich zuwen-det. Denn das ist es, was die meisten dieser kunstlosen Erzählungen bieten, die, ohneallen andern Anspruch als den auf leichte Unterhaltung, immer zunächst erfreuenwollen, aber allerdings auch daneben, ohne es zu wollen, einen Schatz mannig-faltigir Lehre und Lebensweisheit uns entgegenbringen. Was sie aber für den euro-päischen Leser zwiefach interessant macht, ist, daß sie lebendiger, als Reiseberichtees vermögen, die Eigenthümlichkeiten des Orients uns vergegenwärtigen. DesArabers ritterliche Tapferkeit, sein Hang zu Abenteuern, seine Gewandtheit, s. Liebeund s. Rache, die List s. Frauen, die Heuchelei s. Geistlichen, wie die Bestechlichkeits. Richter, ziehen, wie in einem großen dramatischen Gemälde, an uns vorüber;goldstrahlende Paläste, reizende Frauen, anmuthige Gärten und köstliche Mahlsnehmen unsere Sinne gefangen und fesseln uns an einen Boden, auf dem wir unsleicht und gern mit den Wundern einer fremden Geistcrwelt befreunden. — DasGefallen an ihnen veranlaßte früh schon Nachbildungen und Umdichtungen. Un-ter den erstem ist vorzüglich „Tausend und ein Tag", eine persische Nachahmungder „1001 Nacht", zu erwähnen, die, minder kunstlos als die letztere undmit mehrAbsichrlichkeit, darauf ausgeht, eine gegen die Männer eingenommene Königs-tochter durch zahllose Beispiele wandelloser Männectreue eines Bessern zu belehren.Won den altern stanz, und deutschen Umdichtungen ist schon oben die Rede gewesen;unter den neuern erinnern wir an Öhlenschlägers „Aladdin", dessen Grundlagein einem Märchen unserer Sammlung zu suchen ist. S. den historisch - kritischenAufsatz über „1001 Nacht" im „Hermes", XXX, 2 fg. 5V.
Tautochronrsch oder isochronisch(von?uo-^o,'oc, gleichzeitig) nennt manWirkungen, welche in gleichen Zeiten erfolgen, z. B. die Schwingungen des Pendels,die, wenigstens im theoretischen Bezüge, sämmtlich von gleicher Dauer sind.
Tautochronischc Linie- Die Cykloide (f. d.) hat die merkwürdigeEigenschaft, daß ein fallender Körper ihren riefsten Punkt immer in gleich langerZeit erreicht, er mag nun bis dahin einen größern ober kleinern Bogen der Curvezu durchlaufen haben, die in dem nämlichen Verhältnisse wachsende Geschwindigkeitgleicht jene Verschiedenheit aus. Die Curve heißt deßhalb tautochronisch.
Tautologie oder Tautologie, heißt in der sprachlichen Darstellungdie Zusammenstellung solcher Ausdrücke, wodurch der Begriff nur unnöthig wie-derholt wird, z. B. „Das hatKeiner nicht gesehen"; „Meiner Mutter ihr Haus";„Peflfeuche", „Schiffsflotte" (statt: Pest, Flotte). Sie entsteht besonders durchHäufung sinnverwandter Worte, auf deren Verschiedenheit in dem gegenwärtigenFalle nichts ankommt. Sie ist verschieden von der Wiederholung derselben Aus-drücke, die zuweilen mit Nachdruck (und um die Aufmerksamkeit auf einen Begriffzu leiten) gebraucht wird, sowie auch von der Anwendung mehrer Ausdrücke, durchwelche ein Gegenstand von verschiedenen Seiten, oder mit verschiedenen Gradender Lebendigkeit bezeichnet wird. Sie ist unnöthige Wiederholung desselben Ge-dankens in andrer Form und daher ein Fehler gegen die natürliche Kürze der Rede,welcher meist unbewußt begangen wird, indem der Sprechende oder Schreibendedurch die zweite Bezeichnung einen andern Gedanken oder einen bedeutsamernAusdruck anzuwenden glaubt. Ihre Quelle ist dann Gedankenlosigkeit und Ar-muth der Gedanken, Mangel an Sachkenntnis und Gewandtheit in der Sprache.Oft glaubt man durch einen solchen Ausdruck die Sache deutlicher zu machen oderzu erschöpfen, und will sie selbst durch das hinzugefügte zweite Zeichen genauer be-stimmen oder verbessern. Es ist daher bei vertraulicher Mittheilung, welcher einegewisse Nachlässigkeit nicht hoch angerechnet werden darf, und folglich beim freienmündlichen Vortrage dieserFehler eher zu verzeihen als beim vorbereiteten und schrift-lichen Vortrage. Unter die fehlerhaften tautologischen Ausdrücke dürfte es aber nicht
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