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4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
548
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548 Geheime Gesellschaften

nm, daß die meisten nicht von den untern Classen der bürgerlichen Gesellschaft,sondern gerade von den hohem Standen in dem Interesse der Regierungen gestif-tet worden sind, obgleich sie nachher oft einen Charakter angenommen haben, wel-cher nicht in der Absicht ihrer Stifter lag. So die Carbonari und der Lu-ge n d v e r e i n, so die Hetairia (s. d.) und manche andre ähnliche Verbindung.Auch diejenigen, welche gegenwärtig vielleicht von obenher begünstigt werden,weil man sie für Anhänger der absoluten StaatSherrschaft und eine- blinden Ge-horsams in Glaubenssachen hält, die Sovistä <IeI »nnellv, «iella ssnta keile, lloi »eonsistvriali werden sich bald genug, wenn sie ihres Sieges gewiß zu sein glauben, ^als ein spröder und schwer zu behandelnder Stoff beweisen. Denn einer reine»Aufopferung für das Allgemeine der Menschheit sind nur Wenige fähig, und allediese Verbrüderungen wollen die Früchte ihrer Arbeit selbst genießen. Ein allge-meines politisches oder rechtliches Urtheil über geheime Gesellschaft läßt sich dahergar nicht fällen. In Zeiten allgemeinen Elend- — denn welches Elend kann fürein Volk größer sein, als wenn Wahrheit und Gerechtigkeit von der Erde verbanntzu werden scheinen — sind sie allein oft stille Bewahrn des heiligen Feuers, die Er-halterinnen einer reinen Religion und der ewigen Wahrheiten des Rechts gewesen.Selbst die christliche Religion hat sich geraume Zeit nur in der Hülle einer geheimenBrüderschaft den Verfolgungen eines Nero und andrer Ungeheuer einigermaßenentziehen können. Allein ebenso oft ist auch das Geheimniß nur für wahre Werkeder Finsterniß in Anspruch genommen worden, und sehr unheilige Absichten, Ver-ketzcrungssucht, Fanatismus, Rache, Herrschbegierde, haben noch überdies, wie ,die heilige Feme in Deutschland und die fast gleichzeitige Santa Uerwanäaä (hei-lige Brüderschaft) in Spanien den Namen des Heiligen dabei gemißbraucht. Ge-walt ist selten gegen diese Verbrüderungen sehr wirksam gewesen; je strenger dieVerfolgung ist, desto mehr Künste erfindet man, um ihr auszuweichen. Das ein-zige, aber auch entscheidende Mittel gegen sie ist, sie »»nöthig zu machen. Je grö-ßer der Spielraum ist, welcher dem Menschen zu einem selbstgewählten Wirkenöffentlich verstattet wird, desto weniger Anlaß bleibt ihm zum geheimen. Es ist,als ob die Menschen im Ganzen ein gewisses Maß von Kräften verbrauchen müß-ten, welche- sich am meisten nach klimatischen Verhältnissen zu richten scheint. Dirgemäßigten Zonen bedürfen davon das Meiste; läßt man sie dies nicht im freienöffentlichen Wirken, im Gemeindewesen, und in öffentlicher Verbindung zu jedemerlaubten Zweck ungestört verbrauchen, so wendet sich dieser Trieb der Thätigkeit -sogleich dem Geheimen zu. Der Staat verliert aber dabei nicht nur den großenVortheil, welchen er von dem Gemcinsinne der Bürger ziehen kann, wenn er ihnendas Wirken für das Allgemeine möglichst frei gibt; sondern er stört auch selbst dasVertrauen und gewöhnt die Bürger zum Ungehorsam. Auch der Forschungstriebder Menschen läßt sich Wahrheiten, welche er einmal gefunden hat, nicht wiedernehmen, und zieht sich, wenn die Lehrfreiheit öffentlich genommen wird, nur in dieVerborgenheit damit zurück, wo sie ebenso gewaltig fortwirken, und sich vielleichtnur noch weiter verbreiten, noch tiefer mit dem Gemüthe der Menschen zusammen-wachsen. Denn dann verstärken sich gegenseitig die beiden Reize des Verbotenenund des Geheimen, und Mancher hält nur darum an ihnen fest, weil er durch siesich und seinem Thun eine Wichtigkeit zu geben glaubt, nach welcher er ohne sievergebens strebte. Wie nur Licht und Luft der Pflanzenwelt ein gesundes, kräftigesLeben verleihen, Giftpflanzen aber im Schatten aufwachsen, so ist auch Öffentlich-keit und Freiheit dem Volksleben am heilsamsten, und es ist schon ein schlimmesZeichen, wenn ein geheimes Treiben überhand nimmt. Aber auch dagegen sind Ge-rechtigkeit und Wahrheit und eine für Alle gleiche Gerechtigkeit die besten, ja dieeinzigen Gegenmittel. 37.