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Geheime Gesellschaften
seiner Bewegung entziehen, kann nicht Ursache des Widerstandes sein. Nach derLehre der Dynamisten gibt es keine Materie ohne zurückstoßende und anziehendeKräfte; ja ohne dieselben ist gar keine Materie möglich. Da nur ursprünglicheKräfte daS Wesen der Materie ausmachen, so wird daraus Dasjenige erklärbar,was wir Gegenwirkung nennen.
Geheime Gesellschaften. Von jeher hat sich unter den MenschenDas, was öffentlich geächtet wurde, im Innern der Gemüther aber unvertilgbarblieb, in das Dunkel geheimer Verbindungen geflüchtet, und so weit die Geschichtereicht, treffen wir auf Spuren verborgener Gesellschaften. Lehren, für welche dasVolk noch nicht reif ist, weil sie dem herrschenden Aberglauben zuwider sind, hüllensich in Mysterien und Symbole, welche nur dem Eingeweihten verständlich sind;Künste und Kenntnisse, womit die Menge beherrscht wird, sind das Eigenthumeines geheimen Priesterordens; selbst die politischen Einrichtungen der Staatenwerden schon im grauen Alterthume Gegenstand für das Wirken weit verbreitetergeheimer Verbrüderungen. Wir brauchen wol kaum an die geheime Schrift undWissenschaft der indischen und ägyptischen Priester, an die Mysterien der Griechen,an den großen Bund der Pythagoräer zu erinnern, welcher, wahrscheinlich älter alsPythagoras, ebensowol der willkürlichen Alleinherrschaft als der Herrschaft desVolkes eine Aristokratie der Unterrichteten und sittlich Gebildeten in seinen Schü-lern entgegenzusetzen suchte, und wirklich lange Zeit seinen großen Zweck zu errei-chen schien. Es liegt aber in der Natur der Dinge einestheils, daß solche Unter-nehmungen auf die Dauer nicht gelingen können, weil die rohe Gewalt der An- ,dern ihnen zu stark ist, und sie selbst sich in ihrer Reinheit nicht behaupten können,anderntheils aber, daß sie dennoch von Zeit zu Zeit sich in wenig veränderter Ge-stalt erneuern. Denn die Aufgabe liegt dem menschlichen Gemüthe zu nahe, daßdem Geistigen und der sittlichen Kraft die ihnen gebührende Herrschaft wirklich zuTheil werde, als daß nicht gerade in dem Verhältnisse, wie die Menschheit von die-sem Ziel entfernt wird, die Nothwendigkeit desselben allgemeiner gefühlt, und inDenen, welche sie erkennen, auch der Drang geweckt werden sollte, Das, was demvereinzelten Streben nicht gelingen kann, durch vereintes und planmäßiges Wirkenzu fördern. Was die Jesuiten (s. d.) vom Anfange des 17. bis zur Mitte des18. Jahrh, wirklich erreicht hatten, was die Jlluminaten (s. d.) zu erreichenziemlich nahe waren, ist, so verschieden auch der Geist beider Institute war, dochimmer Dasselbe gewesen: Herrschaft eines Ordens durch höhere Einsicht und gei-stig« Kräfte. Aber gerade je näher der Orden, welcher, wenn auch sein Daseinöffentlich anerkannt, seine Statuten nicht verborgen sind, dennoch in dieser Be-ziehung immer ein geheimer sein muß, jenem Ziel« kommt, desto näher und unver-meidlicher ist auch seine Ausartung. Das individuelle Interesse des Ordens siegt ^über seine allgemeinen Zwecke; der Orden, welcher nur Mittel für etwas Höheressein sollte, stellt sich selbst, seinen Glanz, seine Macht, über Alles; die Mitgliedersehen in ihm nur ein Mittel, ihre eignen Leidenschaften aller Art zu befriedigen.Von jeher ist daher der Zeitpunkt, in welchem eine solche Verbrüderung zu siegenschien, auch der Wendepunkt ihres Glückes gewesen. Wenn man alle Spielartender geheimen Gesellschaften aufzählen wollte, welche sich in der Geschichte derselbenbemerkbar gemacht haben, so müßte man eine Musterkarte aller menschlichen Ge-müthskräfte und ihrer Verirrungen entwerfen. Alles menschliche Wissen ist irgendeinmal geheimes in Formeln und Symbole gehülltes Eigenthum eines Ordens ge-wesen; heidnische und christliche Priester haben die Völker durch geheime Ordens-künste in den Banden des Aberglaubens zu halten gesucht. Das Geheime hatschon an sich einen fast unwiderstehlichen Reiz; je unwissender aber die Menschenim Ganzen sind, desto leichter ist noch die Verführung durch die Vorspiegelung ver-