Gegenbewegung Gegenwirkung 545
> sinnlich angenehmen Gefühle, mit den Gefühlen des Wahren, Schönen und Guten
in Harmonie gebracht werden. H-
Gegenbewegung nennt man in der Musik einen solchen Gang mehrerStimmen, bei welchem die eine steigt, indessen die andre fällt, oder deren Takt-folgen in einer nach der Höhe, in der andern nach der Tiefe, oder so auch umgekehrt,von der Höhe und Tiefe gegen die Mitte zu gerichtet sind. Durch sie kann manmanchen fehlerhaften Fortschreitungen und unharmonischen Gangen entgehen.
, (S. Bewegung.)
Gegenbeweis, die Handlung einer Proceßpartei, wodurch dieselbe den
, Beweis, welchen der Gegentheil geführt hat, zu cntkräftigen sucht. Die Frist desGegenbeweises geht von der Insinuation des Beweises an, und in gleicher Form wiedie Beweissrist. Hat der Beklagte den Gegenbeweis zu führen, so ist, nächst derEntkräftung ces über die Klagen geführten Beweises, die Bewahrheitung der Ein-reden sein Zweck. Hat der Kläger den Gegenbeweis zu führen, so ist nächst derEntkräftung des Beweises die Bewahrheitung der Repliken sein Zweck. Der Ge-genbeweis wird nie vom Richter auferlegt, sondern vorbehalten. In den Acten
> nimmt der Gegenbeweisführer den Namen Reproducent, die andre Proceßpartcidie Benennung Reproduct an. Die Gegenbeweisführung gewährt den Vortheil,daß man erst die Kraft und Richtung der Beweisführung absehen und danach denGegenbeweis einrichten kann. (Vgl. Proceß.)
j Gegenfüßler (Antipoden) nennen wir in Beziehung auf einander
i diejenigen Bewohner der Erde, welche einander dem Durchmesser nach entgegen-stehen, weil sie die Füße einander entgegenkehren. Der Scheitelpunkt der einen istder Fußpunkt der andern. Die Gegenfüßler wohnen in gleichen, aber entgegenge-setzten geogr. Breiten der Erde, und die geogr. Längen ihrer Standpunkte sind um180 Gr. verschieden; ihre Tageszeit weicht daher nur um 12 Stunden von einan-der ab, und ihre Jahreszeiten sind einander entgegengesetzt. Die Kugelgestalt derErde führt von selbst auf die Vorstellung der Antipoden, deren man schon vor Cicerogedachte. Allein die Kirchenväter fanden darin einen Widerspruch mit der Bibel,und im 8. Jahrh, wurde der Erzbischvf zu Salzburg, Virgilius, ihretwegen in denBann gethan. Erst als Erdumsegler die Sache außer Zweifel setzten, hörte derWiderspruch gegen die Lehre von der Kugelgestalt der Erde und von den Antipodenauf. Nicht zu verwechseln sind mit den Gegenfüßler« dieGegenwohner, welche
> mit uns einerlei Mittagskceis und gleiche, aber entgegengesetzte, Breite haben. DieGegenwohner haben mit uns, ihren Gegenwohnern, einerlei Mittagszeit, alsoeinerlei Tagesstunden, aber entgegengesetzte Jahreszeiten.
Gegensatz, s. Antithese und Contrast.
Gegenschein, s. Aspecte.
Gegenwirkung (Reaction) entsteht, wenn ein in Bewegung be-griffener Körper auf einen andern , bewegten oder nicht bewegten, Körper wirkt,und dadurch eine Veränderung in seiner Bewegung erleidet. Ein in Bewegungbegriffener Körper .4 kann einen andern 8, der sich ihm entgegenstellt, wieder be-wegen, oder dessen Bewegung abändern, d. h. er kann ihm eine Bewegung mit-theilen. ä erleidet dadurch, daß ihm ein Theil seiner Kraft entzogen wird, selbsteine Veränderung. Die Ursache davon liegt in der Gegenwirkung von 8; ^ wirdgerade so viel Kraft verlieren, als ihm 8 Widerstand entgegensetzt. Die Atomi-sten stellten sich vor, daß die Trägheit desjenigen Körpers, auf welchen die Einwir-kung geschieht, dem einwirkenden Körper einen Theil seiner Bewegung oder seineganze Bewegung gleichsam entziehe, bis beide eine gleiche Geschwindigkeit nach ei-nerlei Richtung erhalten hätten; allein da Trägheit nichts Andres ist als bloßes Un-vermögen, sich von selbst zu bewegen, so kann sie einem bewegten Körper nichts vonLouv.-Ler. Siebente Auch Bd. IV. f Z5