^ Gartenkunst 513
Holländer ahmten die Franzosen nach. An dieser Ausartung nahmen zuerst die Eng-i länder ein Ärgerniß. Addisson schrieb in dem „Zuschauer" s. berühmten Versuchüber die Gartenkunst, Pope machte in s. vierten kritischen Brief die Schnörkelwerk«i und Puppenspiele dieser scknurgcrechten Gartenkunst lächerlich und legte den Gar-ten in s. kleinen Villa zu Twikenham in bessern, Geiste an; eine Menge folgte nach,und die Praxis eilte der Theorie voraus (s. „Geschichte der neuen Gartenkunst", v.Hör. Walpole, in dessen Werken, übers. von A. W. Schlegel, G. 384). Diese, neue Art von Gartenkunst verwarf allen Anschein von Regelmäßigkeit; überall
! sollte nur die Natur zu sehen sein, und man entwarf ein System der verschönerten
Natur durch Nachahmung natürlicher Landschaften, welches aber freilich ebenfalls,wiewol von der entgegengesetzten Seite, in Fehler verfiel; besonders seitdem manmit der orientalischen, eigentlich chinesischen, Gartenkunst bekannt worden war(Chambers „Ober die orientalische Gartenkunst", übers. von Ewald, Gotha 1775),blieb Übertreibung nicht aus, und eine wilde Unnatur trat an die Stelle der allzugeregelten französischen. Wer kennt nicht den Wust von Gebäuden, die man insogenannte englische Anlagen stopfen zu müssen glaubt! Nicht bloß Urnen undGrabmäler, auch chinesische, türkische und neuseeländische Tempel, Häuser undHütten, Burgen, Klöster, Einsiedeleien, Ruinen mußten da sein, und um die
> Natur recht getreu zu haben, abgestorbene Bäume und Steinhaufen; eine Hunde-! Hütte wurde zum Palaste, ein Stall zum Tempel, Hängebrücken, auf denen man
den Hals zu brechen fürchtet, dumpfe Grotten, feuchte Gänge, stinkende Moräste,welche Seen vorstellen sollten, alles Das und weit mehr noch wurde öfters in einen en-gen Raum so zusammengepreßt, daß es schien, als habe man eine Musterkarte desSonderbaren aller Nationen zur Schau stellen wollen. Und ein solches Machwerkschämte man sich nicht, einen Naturgarten zu nennen. Man würde freilich Un-recht thun, wenn man alle englische Anlagen für so geschmacklos halten wollte;allein wir haben doch gesehen, wozu sie führen konnten. Und an diesem Punktestehen wir jetzt. Dürfen wir nun wol sagen, schöne Gartenkunst sei der Entste-! hung nach die zweite schöne Kunst? Scheint es dock fast, als wäre sie jetzt nochnicht vorhanden. Wenigstens darf man es manchen Ästhetikern so gar übel nichtnehmen, wenn sie die Gartenkunst lieber in die Reihe der angenehmen als derschönen Künste setzen, sind doch selbst mehre solcher Ästhetiker, welche die Garten-kunst in der Reihe der schönen Künste aufführen, in Verlegenheit, zu entscheiden,
1 welche Art von Gartenkunst denn nun eigentlich die schöne genannt zu werden ver-diene. Gewöhnlich entscheiden sie sich für die, welche im Großen darstellt, welche^ Landschaften schafft. So könnte denn ein kleinerer Garten nicht auch ein schönerGarten werden? Ist denn nur das Heldengedicht ein schönes Gedicht, nicht auch! das kleine Idyll, das kurze Lied? Hier herrschen, auf welche Seite wir uns auch
! hinwenden mögen, Vorurtheile der verschiedensten Art. Hätte man nicht biswei-
- len gedacht, man müßte eben eine Landschaft anlegen, so würde man nicht daraus
> verfallen sein, sie in den Raum von einigen Morgen Land einzuschließen, wodurch
! die Kunst, statt der beabsichtigten Natur, nur um so greller in die Augen sprang.
! „Nichts", sagt Aikin, „entfernt sich mehr von der Natur, als wenn man ihre gro-
ßen Werke im Kleinen nachbildet. Alle Täuschung hört im ersten Augenblicke auf,und der prächtige Garten erscheint als ein Kinderspiel". Lassen wir aber vor derHand dies dahingestellt und fragen: Was ist es, das der landschaftlichen NaturAnsprüche auf Sch önhcit gibt? Auf keinen Fall etwas Andres als ein gewisserästhetischer Charakter derselben, des Erhabenen, Großen, Schauerlichen, Furcht-baren, oder des Lieblichen, Unmuthigen, Niedlichen, des Romantischen, Idylli-schen, Schwärmerischen u. s. w., wodurch wir bei der Betrachtung in eine entspre-chende Gemüthsstimmung versetzt werden. — Fragen wir nach den Ursachen davon,so finden wir diese in der Verbindung einzelner Naturgegenstände zu einer harmo»
Conv.-Lex. Siebente Auch Bd. IV. -f ZZ