Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
511
Einzelbild herunterladen
 

Gartenkunst 511

Ep.stcln u. a. Gedichte ist gleichfalls sehr beträchtlich. (Unvollständig gesammelt in2 Bdn., Lond. 1785.) Nach einer Nachricht imDeutschen Museum" (1777)soll er auch ein Werk über den mündlichen Vertrag hinterlassen haben. Sein Leich-nam wurde von 4 der vornehmsten Engländer getragen und in der Westminster-abtei an dem Fuß eines Denkmals, das dem Andenken Shakspcare's errichtet ist,beigeseht. Er hinterließ ein großes Vermögen, das er theils s. Glücke, theils seinerSparsamkeit, die oft an Geiz gegrenzt haben soll, zu danken hatte. Seine Biogra-phie von Murphy und von Davies ist ins Deutsche übersetzt.

! Gartenkunst. Herder (in s.Kalligone") nennt die Gartenkunst die

zweite freie Kunst der Menschen, Baukunst die erste.Ein Bezirk", sagt«,wojedes Land und Beet das Seine, in seiner Art das Beste tragt, und keine kahleHöhe, kein Sumpf und Moor, keine verfallene Hütte, keine unwegsame Wüsteneivon der Trägheit ihrer Einwohner zeugt; wo diese schöne Kunst ein Land verschönt,bedarf keiner Bildsäulen am Wege: lebend kommen uns mit allen ihren Gaben, Pomona, Eeres, Pales, Bertumnus, Sylvan und Flora entgegen. Die Kunstist zur Natur, die Natur zur Kunst geworden, nicht ohne Mühe, nicht ohne Nutzenund Bedürfniß. In der Natur Harmonie und Disharmonie zu unterscheiden,den Charakter jeder Gegend kennen und brauchen lernen, mit dem regen Triebe,das Schöne der Natur allenthalben zu erhöhen und zu versammeln; wäre dieskeine schöne Kunst, so gäbe es keine". Es wird darauf ankommen, was man un-l ter schöner Kunst versteht. Ein wohlbepflanzter Gemüsegarten, ein gutbestelltesI Saatfeld sind unstreitig sehr nützliche Gegenstände, können auch sehr angenehm seindurch den Eindruck, den ihr bloßer Anblick macht; wir werden uns dabei der nütz-lichen Thätigkeit freuen, durch den Gedanken an das Gedeihen Dessen, woran unser?physische Erhaltung einmal geknüpft ist, wol gar gerührt werden: allein das Allesmacht diesen Garten und dieses Feld noch nicht zu schönen Gegenständen. Selbstein Blumengarten, worin sich des eigentlichen Nützlichen Nichts, sondern bloß eineMenge der lieblichsten Blumen fände, worin wir zwar gern verweilen, weil die Ge-stalt, die Farben, die Düfte der Blumen uns ergötzen, erweckt an sich allein nochnicht das Gesicht deS Schönen. Dies ist so wahr, daß Herder selbst nicht umhinkonnte, über das Angenehme, Nützliche und Bequeme hinauszugehen. Wenn erfodert, daß die Gartenkunst den Charakter der Gegend kenne und brauchen lerne,das Schöne der Natur erhöhe und versammle, Harmonie und Disharmonie unter-scheide, so fodert er lauter Dinge, die von dem bloß Angenehmen, Nützlichen undBequemen sehr verschieden sind, die mit dem Bedürfnisse der Sinne und der Sinn-lichkeit, worauf er doch zuerst hauptsächlich sah, Nichts gemein haben. Hatte erdarüber nur etwas schärfer nachdenken wollen, so würde er sich leicht überzeugt ha-ben, daß die Gartenkunst, als schöne Kunst, der Entstehung nach schwerlich diezweite gewesen sei. Zwar hat man früh schon gestrebt, die Gärten auch zu verschö-nern; allein von da bis zur Entstehung der wirklich schönen Gartenkunst verstrichdoch in der That ein ungeheurer Zeitraum. Die schwebenden Gärten der Semi-ramis mochte man immerhin zu den Wundern der Welt zählen; Das, worüberman sich wundert, braucht eben nicht schön zu sein. Künstliche Erhöhungen, untenauf Pfeilern ruhend, oben in dem aufgetragenen Erdreich mit Bäumen bepflanzt,. in verschiedene Absätze vertheilt, und durch eine gewisse Wasserkunst befeuchtet, sindzwar etwas Seltsames, was Erstaunen erregen kann, schwerlich aber ein schönerGarten. Die Gärten der Perser (Paradiese) nennt Lenvphon lustige Plätze, frucht-bar und schön; es scheint aber, daß sie mehr natürlich angenehme Plätze, voll frei-willig wachsender Fruchtbäume, Pflanzen und Blumen, als mit Absicht und nacheiner Regel angelegte Gärten waren. Ob die Griechen, Meister in allen übrigenbildenden, architektonischen und Verzierungskünsten, nur allein in der Gartenkunstznrückg« blieben seien, ist eine noch unentschiedene Frage, an die nur wenige Alter-