Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
498
Einzelbild herunterladen
 

Gallier

488

vermochten sie auch jetzt kaum mehr den Germanen jenseits des Rheins zu wider-stehen; wilder und tapferer als sie waren ihre Halbbruder, die Beigen und Cimbern,sowie die Briten, welche sich zu bemalen pflegten, von Streitwagen herabstritten, jund bei denen Melmännerei und Vielweiberei eingeführt war. Völlig roh und bar- !barisch waren die Hochgalen (Caledonier) in Schottland, und die Bewohner Jr- !lands, die sich nicht nur bemalten, sondern auch künstlich tattowirten, und denen !Mcnschenfleisch, selbst in spätern Zeiten, ein köstlicher Bissen war, die aber auch >ihre Freiheit kräftig zu vertheidigen wußten. Ihre überalpischen Bruder indessen !(die diesseitigen Gallier, wie die Römer sie nannten) hatten sich, nachdem sie dieEtrusker zum Theil südlich in das heutige Toscaua, zum Theil nördlich in die rhä-tischen Alpen zurückgedrängt, in den fruchtbaren Ebenen Obcritaliens niedergelassen.Von hier machten sie sich den Römern, oft in eignen Kriegen, oft als Soldtcuppenandrer Völker, noch lange Zeit furchtbar, aber nachdem diese den ersten panischenKrieg glücklich durchgekämpft hatten, schlug 172 Jahre nach der EinäscherungRomS für sie die Stunde der Rache. Vergebens riefen sie kriegerische Völker vonihren Brüdern über die Alpen; nach einem 6jährigen Vernichtungskriege mußtensich die Reste dieses Volks den Römern unterwerfen (220 v. Ehr.). Zwar versuch-ten sie, als Hannibal das Schrecken seiner Waffen bis vor die Thore Roms trug,daS Joch wieder abzuschütteln, aber die Römer, endlich auch in diesem KampfeSieger, nöthigten sie, sich von Neuem zu unterwerfen. 31 I. später (189 v. Chr.)traf dasselbe Schicksal ihre Halbbrüdcr in Asien, die Galater, auch diese wurden be-siegt, und ihre Fürsten (Tetrarchen) zinsbar; Dejotarus, für welchen Cicero dietreffliche Vertheidigungsrede hielt, die wir noch besitzen, war einer dieser Fürsten inspätern Zeiten. Bald überstieg der Ehrgeiz der Römer auch die Alpen; sie hattensich Spanien unterworfen, und es mußte ihnen viel daran liegen, einen Weg zuLande zu haben, um ihre Truppen bequem dorthin schaffen zu können. Durch dieBesiegung der Allobrogen und Arverner, welche Letztere damals das herrschendeVolk in Gallien waren, unterwarfen sich die Römer in den 1.128122 densüdlichen Theil Galliens von den Alpen bis zu den Pprenäen längs der See. Vonder Pracht der Könige der Arverner wird uns keine geringe Beschreibung gemacht;sie hielten Dichter an ihrem Hofe, und ein großes Hoflager. Auch wird erzählt,daß sie Hunde sowol zur Jagd als zum Kriege (wie die Spanier in Wcstindien) ge-halten hätten. Bald darauf bewegte der Zug der Teutonen und Cimbern, germa-nischer Völker, Europa vom schwarzen Meere bis Spanien. Viele, besondersgallische Völker, von Alters her mit den Cimbern verwandt und gemischt, schloffensich an, 4 konsularische Heere wurden von ihnen nach einander vertilgt. Rom zit-terte vor einem Einbrüche der Barbaren in Italien, da rettete Cajus Marius (s. d)die römische Republik; in 2 mörderischen Schlachten, bei Aix 102 und Vercelli101 v. Chr., vernichtete er diese Nationen; ihre Weiber, nachdem sie vergebens ge-beten hatten, sie den vestalischen Jungfrauen und ewiger Keuschheit zu weihen, ga-ben sich und ihren Kindern den Tod. Nur diejenigen dieser Völker, die, den Ab-gang erwartend, in Gallien zurückgeblieben waren, entrannen dem allgemeinen Ver-derben. 43 I. nach dieser Begebenheit erhielt Cajus Julius Cäsar die Statthalter-würde (das Proconsulat) über die Gallien benachbarten Landsch aften. Er beschloß,sich ganz Gallien zu unterwerfen, und führte dies innerhalb 9 Jahren, 58 50 v.Chr., durch 8 sehr blutige Feldzüge aus. Cäsar fand Gallien in viele Parteien zer-rissen; durch die Anfälle der Germanen, von denen sich ein Haufe» unter ihrem Kö-nige Ariovist (Ehrfest) jenseits des Rheins niedergelassen hatte, geschwächt; vieleVölker, besonders die Äduer, alte Bundesgenossen Roms, ihm geneigt. Anfangstrat er als Netter und Befreier der Gallier auf, indem er die auswandernden Hel-velier in ihr Land zurückzukehren nöthigte, auch den Ariovist nach Deutschland zu-rückwarf. Später bezwäng er die wilden Beigen und trieb einige einwandernde