Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
496
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4W Gallier

(Toulouse), Nemausus (Nimes), Vienna (Bienne), Massilia (Marseille); letzterewar eine uralte griech. Colonie. S. Serpette de Marincourt's <IeI» Kaule"(Paris 1822, 3 Bde.). ee.

Gallier, der Hauptzweig des großen Urvolks der Celten. Sie nanntensich Gaöl, oder Gail, daher vermuthlich der Name Gallier, Gallien. Die Celtenscheinen im Ganzen eine große innere Gleichförmigkeit gehabt und, wie viele kleineVölkerschaften sie auch enthielten, kaum in wenige merklich verschieben« Stämme ge-theilt gewesen zu sein. Wahrscheinlich nahmen sie, vom Kaukasus herabkommend,ihren Weg südlich der Donau, den zahlreichen Stamm der Thrazier hinter sich unddie Germanier zur Seite; aber wann dies geschehen, darüber läßt sich in so uralterZeit nicht einmal eine Vermuthung wagen. Unter verschiedenen Namen besetztedieses Volk bei seinem ersten Eindringen viele Länder, so als Umbrer und Ausonerzum Theil Italien, als Taurisker (nachmals Rhäticr), Vindelicier, Norikcr, Hel-vetier, die Alpcnlander. Von den Rhätiern ging wahrscheinlich ein neuer Schwärm,etwa 2000 vor Chr., u. d. N. Rasena durch das Tridentinische nach Italien,wo sie von den benachbarten Völkern den Namen Tusker, Etrusker, erhielten,und 300 Städte der vorher dort herrschenden Umbrer erobernd, sich über einengroßen Theil Italiens ausbreiteten. Dieser Etrusker frühe Bildung, alte My-thologie , kunstvoll« Calendcreinrichtung (die mit jener der Azteken in Mexico man-ches Ähnliche hat), sowie einige andre Spuren, möchten uns (was man auchvon dem Einfluß der Griechen sagen mag) nöthigen, an eine uralte, vielleicht unter-gegangene oder doch vermischte Bildung dieses Volksstammes zu glauben. MancheStamme der Celten blieben am adriatischen Meere, längs der Donau und im Sü-den von Deutschland sitzen, aber der Hauptstamm ließ sich zwischen den Pyrenäenund den Alpen, dem Oceane und Rheine, in dem Lande, das von ihnen s. Ra-mm erhielt, nieder, von wo aus sie auch Albion und Jerne (Großbritannien undIrland) besetzten. Überfüllung des Landes (eine gewöhnliche Erscheinung bei halbrohen und zum Theil nomadischen Völkern), heftiges Andrangen germanischer undthrazischer Völker erregten um 397 vor Chr. eine große Bewegung unter den Gal-liern. Colonien vieler Völkerschaften zogen theils westlich über die Alpen nach Ita-lien, theils östlich längs der Donau herauf. Dieser Zug der celtischen Gallier überdie Alpen (gewöhnlich um 200 I. früher angesetzt) führte dies Volk gleichsam erstin dicGeschichte ein. Wir finden es in viele Völkerschaften getheilt, doch so, daß einederselben (damals die Bituriger) den Vorrang, der an Oberherrschaft grenzte, aus-übte. Mißbrauch dieses Vorrangs erregte Spaltungen, viele schlössen sich einemandern Staat an; so wechselten die vorherrschenden Staaten, das System blieb.Diese Clientelarverfassung ging durch das ganze Volk. Freie waren eigentlich nurder Adel (vorzugsweise die Krieger genannt) und die Priester, Druiden; die Gemei-nen lebten in demüthiger Abhängigkeit, und schützten sich gegen Mißhandlungennicht durch die Gesetze, sondern indem sie sich Mächtigern anschlössen. Unter demAdel waren wieder die zahlreichen fürstl. Geschlechter die ersten; bei großen Zügenscheint man einen Oberbefehlshaber gewählt zu haben. (Vgl. Brennus.) DieDruiden und Druidinnen besaßen eigenthümliche Kenntnisse, die sie im Dunkel dich-ter Haine und verborgener Grotten geheimnißvoll fortpflanzten; Astronomie, Na-turkunde und Poesie waren ihnen nicht fremd, aber ihre Religion war voll Priester-gräuel und schrecklichen Aberglaubens (häufig Menschenopfer). Zwcikämpfe undwilde Völlerei waren bei ihnen gemein, Städte selten, zahlreich ihre Dörfer, arm-selig und dürftig ihr Hausrath. Sie trieben wenig Ackerbau und lebten vorzüg-lich von den Erzeugnissen ihrer Heerden. Eine Art Bier und Meth waren ihr Ge-

tränk, Weinbau ihnen fremd. Gold gaben den Vornehmem der Sand der Flüsseund einige Bergwerke. Der angesehene Gallier erschien in der Schlacht mit einembunten gewürfelten und schimmernden Mantel (wie noch jetzt die Bergschotten),