478 Gabel Gabler
dc Villars, ein Verwandter des Archäologen Montfaucon, 1640 geb., 1675 voneinem s. Verwandten auf einer Reise erschossen ward. Bei allen Ansprüchen desTalents gelang es ihm doch nicht, als Geistlicher sein Glück zu machen. Er hattenämlich in jenem Romane dic Kabdala lächerlich gemacht; die Freunde derselben be-schuldigten ihn, heilige Wahrheiten angegriffen zu haben, und so wurde ihm dieKanzel verboten. Dem Romane liegt der Otuave <1el Knbinetto von Borry zumGrunde. Ein berühmter Adept, der Graf v. Gabalis, meint, in dem Berf. na-türliche Fähigkeiten für die Geheimnisse der Käbbala gefunden zu haben, und ent-wickelt ihm daher diese geheime Wissenschaft in 5 Unterhaltungen. Wahrschein-lich würden diese nur Denen noch bekannt sein, welche sich mit der Geschichte dermystischen Philosophie der Kabbalisten, Gnostiker und Ncuplatoniker, jenem Zu-sammenfluß orientalischer Poesie, griechischer Philosophie und christlicher Religionbeschäftigen, wenn nicht neuere Dichter aus der hier vorgetragenen Dämonenlehremanche ihrer Fictioncn geschöpft hätten. „Dieser unermeßliche Raum zwischen derErde und den Himmeln", sagt der Graf, „hat viel edlere Bewohner als Vogel undInsekten; dieses so weit ausgedehnte Meer noch ganz andre Gäste als Wallfischeund Seehunde; die Tiefe der Erde ist nicht allein für die Maulwürfe da, und dasElement des Feuers, weit edler als die drei andern, ist nicht gemacht, um unnützund leer zu bleiben". Nach diesem Eingänge wird das System von den vier Ele-mentargeistern vorgetragen, welche sind: die Sylphen (Luftgeister), die Ondinen(Wassergeister), die Gnomen (Erdgeister) und die Salamander (Feuergeister).Wie willkommen ein solches System der Geisterlehre den Dichtern sein mußte, diedurch die christliche Religion eine sehr wirksame Maschinerie verloren, und in denFeen und Zauberern noch keinen hinlänglichen Ersatz gefunden hatten, und wie vieldie romantische Poesie dadurch gewonnen habe, bedarf nicht erst eines Beweises.Nur muß man nicht wie Manche glauben, diese Dämonologie sei hier zuerst vor-getragen worden, und die einzige Quelle der spätern Dichter gewesen. <I«I.
Gabel. Der Gabeln wird zuerst in einem fürstl. Jnvcntario über Silber-werk 1379 gedacht. Vorher kannte man bloß das Messer beim Zerlegen mancherSpeisen. Aus Italien kam der Gebrauch derselben zu unS; man hielt eS so sehrfür Tafelluxus, sich derselben zu bedienen, daß manche Klosterordnungen den Re-ligiösen den Gebrauch der Gabel untersagten.
Gabler (Johann Philipp), erster Pros. der Theologie zu Jena, Geh.Conststorial- und Kirchcnrath, Ritter des großherz. sächs. weißen Falkenordens,geb. den 4. Juni 1753 zu Frankfurt a. M., wo sein Vater Actuarius war, bezog,nachdem er sich mit den alten Sprachen, der classischen Literatur, und selbst mit derWölfischen Philosophie und Baumgarten'schcn Theologie beschäftigt hatte, 1772die Universität Jena. Dem feurigen, überall selbst forschenden Jünglinge konnte,seit ihm in Jena nicht allein in der Philosophie, sondern auch in der biblischen Her-meneutik und Kritik ein neues Licht aufgegangen war, das Studium der Theologiein der damals üblichen Form nicht gefallen. Fast entschlossen es aufzugeben, söhn-ten ihn Griesbach's Vorlesungen, der 1775 in Jena auftrat und kurz zuvor seinNeues Test. herausgegeben hatte, wieder mit der Theologie aus, und er unterließnicht, sich bei Eichhorn und Danovius weiter auszubilden. 1778 ward er Magi-ster und erhielt 1780 eine theologische Repetentenstelle in Götlingen, nebst der Er-laubniß, Vorlesungen zu halten, 1783 wurde er Pros. der Philosophie am Gym-nasium zu Dortmund, und 2 Jahre später erhielt er eine Professur in Altdorf, mitder das Diaconat an der Stadtkirchc verbunden war. Seine dort gehaltenen Kan-zelvorträge gab er (Nürnb. und Altdorf 1789) heraus. Nachdem er 1787 0. derTheologie geworden und 1793 in die zweite theologische Lehrstelle und in das Ar-chidiaconat eingerückt war, wurde er 1804 an PauluS's Stelle als Pros. der Theo-logie nach Jena berufen, wo er 1812, nach Griesbach's Tode, in die erste theolo-