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Friedrich II. (König von Preußen)
entwickelte sich doch frühzeitig in ihm der Sinn für Dichtkunst und Musik, beson-ders durch den Einfluß, welchen seine erste Pflegerin, die geistreiche Frau von Ro-coulle, und sein frühester Lehrer Duhan auf ihn gewannen, indem sie mit der Kö-nigin insgeheim eine Opposition bildeten wider die väterlichen Erziehungsgrundsätze.
Der Prinz gab sich aus Neigung ganz der königl. Mutter hin, und so entstand eineimmer mehr steigende Spannung zwischen Vater und Sohn, welche den Wunschdes Erstem rege machte, die Thronfolge dereinst auf den jünger» Prinzen, AugustWilhelm, übergehen zu lassen. Der Minister v. Grumbkow und der Fürst Leopoldvon Anhalt - Dessau nährten diese Spannung, um gewisse Plane zu fördern, spä-terhin auch der östr. Gesandte v. Seckendorf, dieser jedoch aus andrer Absicht. Un-willig über den väterlichen Druck und Haß, beschloß Friedrich, zu s. mütterlichenOheime, Georg II., nach England zu flüchten. Nur Friedrichs ihm gleichgesinnteSchwester, Friederike, und seine Freunde, die Lieutenants Katt und Keith, wußtenum das Geheimniß seiner Flucht, welche von Wesel aus geschehen sollte, wohin ers. Vater, den König, begleitet hatte. Doch Katt's unvorsichtige Äußerungen hat-ten die Absicht des Prinzen verrathen. Der Prinz ward eingeholt, zu Küstrin ge-richtlich behandelt, und mußte seinem Freunde Katt den Kopf abschlagen sehen.Keith entfloh aus Wesel und lebte in Holland, England und Portugal, bis er nachFriedrichs Thronbesteigung nach Berlin zurückkehrte (1741) und zumObristlieute-nant, Stallmeister und Curator der Akademie der Wissenschaften ernannt wurde.Während der Prinz in Küstrin, in engster Haft, die Verhöre gegen sich bestand,ließ ihm der König den Antrag machen, der Thronfolge zu entsagen, wofür ihmFreiheit der Studien, Reisen u. s. w. gewährt werden solle. „Ich nehme", sagte derPrinz, „den Vorschlag an, wenn mein Vater erklärt, daß ich nicht sein leiblicherSohn sei!" Auf diese Antwort entsagte der König, welchem eheliche Treue Re-ligionspflicht war, dergleichen Ansinnen auf immer. Daß der König geneigt war,seinem Sohne das Leben absprechen zu lassen, ist gewiß. Nur der Propst Reinbcckund Seckendorf, welcher früher wider den Prinzen diplomatisirt hatte, retteten ihn,indem besonders Letzterer die kaiserl. Verwendung geltend zu machen wußte. DerPrinz, der, nach seiner Entlassung aus dem engern Verhafte in Küstrin, auf desVaters Befehl bei der Domainenkammer als jüngster Kriegsrath gearbeitet hatte,ward erst bei der Vermählung der Prinzessin Friederike mit dem Erbprinzen Fried-rich von Baireuth an den königl. Hof zurückgeführt, und mußte sich (1733), nachdes Vaters Willen, mit der Prinzessin Elisabeth Ehristine (s. d.), Tochter desHerzogs Ferdinand Albrecht von Braunschweig-Bevcrn, vermählen. Friedrich Wil-helm gab ihr das Schloß Schönhauscn, dem Prinzen die Grafschaft Ruppin und(1734) die Stadt Rheinsbcrg, wo dieser bis zu s. Thronbesteigung den Wissenschaf-ten lebte. In seiner nächsten Umgebung befanden sich Gelehrte (Bielefeld, Ehazvt,Suhm, Fouquet, Knobelsdorf, Kaiserling, Jordan) , Tonkünstler (Graun, Benda)und Maler (Pesne). Mit auswärtigen Gelehrten, besonders mit dem von ihm be-wunderten Voltaire, stand er in Briefwechsel. Mehre Schriften, namentlich sein„-Intimsvclrmvdl", erhielten in der ländlichen Ruhe Rheinsbergs ihrDasein. DerTod seines Vaters führte ihn am 31. Mai 1740 auf den Thron. Friedrich fandbeim Antritt seiner Regierung nur eine Volksmenge von 2,240,000 Menschen auf2190 E)M.; bei s. Absterben hinterließ er 6,000,000. Zu dieser Größe hob er,während s. 46jähr. Regierung, den preuß. Staat durch seine großen Regenten- undFeldhenntalente, im Felde und im Cabinet durch viele ausgezeichnete Männer un-terstützt. Ein Heer von 70,000 Mann hatte sein Vater, in der Erwartung einesKriegs wegen der jülichschen Erbfolge, immer schlagfertig gehalten. Friedrich II.,der schon große Erwartungen von sich erregt hatte, behielt größtenteils die Einrich-tungen und Staatsgmndsätzc seines Vaters bei, gab aber den letztem mehr Aus- ,dehnung und Leben. Der Tod Kaiser Karls VI. war ein günstiger Augenblick, den j