Favart (Charles Simon) Favart (Marie Justine Benedicte) 47
Favart (Charles Simon), der Schöpfer der feinern komischen Oper unterden Franzosen, Sohn eines Pastctenbäckers in Paris, den 13. Nov. 1710 geboren.Auf dem von Ludwig XIV. gestifteten Collegium vollendete F. einen Theil seinerStudien; bald sich der Poesie ergebend, trat er mit einem Gedicht: „l-a Vrsnee äe-livree par I» puoelle «I'Orlesn»", auf, welches ihm den Preis in den leux tlorsuxverschaffte. Seinen eigentlichen Dichterruhm errang er aber erst durch seine zahlrei-chen Arbeiten für das italienische Singspiel und die komische Oper. Da die letzterejedoch, mit welcher F. aufs innigste verbunden war, 1745, in Folge der Kabalen derItaliener, denen durch die französische komische Oper großer Abbruch geschah, ein-gehen mußte, so sah sich der Dichter gezwungen, die Direction einer wanderndenTruppe zu übernehmen, welche der Marschall von Sachsen auf seinen Feldzügennach Flandern mitnahm. So mußte F. oft vor dem Beginn einer Schlacht odersonstigen entscheidenden Begebenheit sein Talent dazu anwenden, das Heer anzure-gen, wie dies z. B. den Abend vor !vcr Bataille von Rocoux der Fall war, wo derDichter auf des Marschalls Befehl in der Eile ein Couplet entwarf, das von einerbeliebten Actrice in den Zwischenakten vorgetragen, und in welchem in der bevorste-henden Schlacht der Sieg unzweifelhaft dargestellt wurde. So wohl es nun auchhier im Ganzen F. ging, so hatte er doch den Schmerz, sehen zu müssen, wie seineGattin (s. d. folg. Art.) dem Sieger von Fontenvy und Rocoux nur zu sehr gefiel.Endlich zurückgekehrt in die Hauptstadt, widmete sich F. gänzlich der dramatischenPoesie und schrieb in dieser Periode, vereint mit dem AbbeVoisenon, seinem Haus-freunde, eine Menge seiner besten Stücke, an denen auch zuweilen die geistvolle Mad.F, Antheil hatte, sodaß man bei den meisten derselben annehmen kann, daß F. selbstden Plan, Styl, Charakteristik und Dialog gab, seine Frau die einzelnen Züge vonNaivetät und weiblicher Schalkheit einmischte; von dem Hausfreunde aber, der zuseiner Zeit in der Literatur viel zu sehr überschätzt wurde, die nicht immer glücklichenWortspiele und frostigen Allusionen herrührten, die sich zuweilen in de n Favart'schenStücken finden. Die Zahl dieser Arbeiten ist sehr groß, und mehre derselben, wiez. B. „Xinstto ä I» nour" (wonach Weiße in Leipzig seine Operette: „Lottchen amHofe", dichtete), „1>a viwrvlienos ck'esprit", „l/sotroloxue <Ie villsAe", „8oli-man II., »u le» troi8 8ultsiw«", „I/^nxI»i8 ü Lorllesux" u. a., sind zum Theilnoch auf den Repertoire» der franz. Opernbühnen, zum Theil auch in Übersetzungenund Bearbeitungen auf die andern Nationen übergegangen. In der letzten Zeit sei-nes Lebens zog F., der den 12. Mai 1792 in dem Alter von 81 Z. siiarb, eine Pen-sion von 800 Fr. von dem italienischen Theater. Frischheit der Jdern, Grazie undNatürlichkeit im Ausdruck sanfter Empfindungen, richtige Zeichnung seiner meistländlichen Charaktere, und eine reine und angenehme Diction, im Versbau wie inder Sprache, gehören zu den Hauptvorzügen von F.'s Muse. Seine und seiner FrauSchriften stehen in den „Oeuvrso äs Nr. et <Ie Na,!. Vavart" (Paris 1762,8 Bde.). Diesen folgten 1772 noch 2 Bde., und 1809 kam eiiae Auswahl derbesten Operetten in 3 Bdn. heraus.—Ein Sohn von ihm, Charles NicolausFavart (geb. 1749, gest. den 1. Febr. 1806), ausgezeichnet als Schauspielerauf dem italienischen Theater, hat gleichfalls mehre Stücke verfaßt, die nicht ohneBeifall aufgenommen wurden.
Favart (Marie Justine Benedicte, geb. Duronceray), geb. zu Avignon den15. Juni 1727, wurde zu Luneville erzogen, wo ihr Vater in der Capelle des KönigsStanislaus Lesczinski angestellt war. Durch Talent und Schönheit ausgezeichnet,kam die junge Duronceray 1744 nach Paris, wo sie im folgenden Jahre, unterdem Namen Demoiselle Chantilly, auf dem Theater <Ie I'Opöra comigue debutirte und sich ebenso viel Beifall als Schauspielerin, wie im Ballet als Tänzerinerwarb. Dieser allgemeine Beifall war aber auch mit die Ursache, rvarum die an-dern Theater auf die Unterdrückung der ihnen so vielen Schaden zufügenden komi-