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Farinelli 33
* Handen. Sein Styl ist rein und kräftig, und seine Darstellung voll dichterischenLebens.
Farinelli (Carl» Bro.schi genannt), einer der größten Sänger desvorigen Jahrh., wurde 1705 zu Neapel geboren. Sein Bater unterrichtete ihnin den Anfangsgründcn der Musik; darauf genoß er der Anweisung Porpora's,den er anf mehren Reisen begleitete. Er war 17 I. alt, als er sich nach Rombegab, wo er mit seiner hellen und volltönenden Stimme einen Wettstreit mit
> einem berühmten Virtuosen auf der Trompete einging und ihn durch Kraft undAusdauer besiegte. Darauf ging er nach Bologna, um Bernacchi, damals denersten Sänger Italiens, zu hören und seinen Unterricht zu genießen. 1728reiste er nach Wien, wo Kaiser Karl VI. ihn mit reichen Geschenken überhäufte.Dieser Kaiser war es, der einst, als er F. gehört hatte, zu ihm sagte, daß erzwar durch den Umfang und die Schönheit seiner Stimme Erstaunen errege,daß es aber nur von ihm abhänge, auch zu rühren und zu interessiren, wenner sich eines natürlichen Gesanges befleißigen wolle. F. benutzte diesen Winkund bezanberte seitdem seine Hörer ebenso sehr als er sie überraschte. Ais1734 Porpora eine Theatergesellschaft nach London führte, berief er F. zu sich,der durch die Schönheit seiner Stimme und den Zauber seines unvergleichlichenGesanges das Publikum dergestalt anzog, daß, wie Laborde erzählt, Händel,der an der Spitze einer andern Gesellschaft stand, vergebens alle Hülfsmittelseines Genies aufbot, die Auflösung derselben zu verhindern. Senesino und F.waren Beide zu derselben Zeit in England, aber an 2 verschiedenen Theaternangestellt, und da sie immer an gleichen Tagen sangen, hatten sie nicht Ge-legenheit sich zu hören. Der Zufall führte sie einst zusammen. Senesinohatte einen blutdürstigen Tyrannen, F. einen unglücklichen, in Fesseln schmach-tenden Helden darzustellen. F.'s erste Arie aber erweichte das harte Herz desgrausamen Tyrannen so sehr, daß Senesino, den Charakter seiner Rolle ver-gessend, ihn entzückt an seine Brust drückt. 1737 ging F. über Paris, wo
der König ihn reichlich beschenkte, und nach einem kurzen Aufenthalte in Frank-reich nach Madrid. Zehn Jahre hindurch sang er jeden Abend vor Philipp V.und der Königin Elisabeth. Als dieser Fürst in eine tiefe Melancholie ver-sank und alle Geschäfte vernachlässigte, versuchte die Königin die Gewalt derMusik, um ihn zu heilen. Sie ließ ein Concert dicht neben dem Appartement
j des Königs veranstalten, und F. sang plötzlich eine seiner schönsten Arien. DerKönig schien anfangs betroffen und bald heftig bewegt. Am Schlüsse der zwei-ten Arie rief er den Virtuosen zu sich, überhäufte ihn mit Liebkosungen undfragte ihn, welche Belohnung er verlange, indem er ihm Alles gewahren zuwollen schwur. F. bat den König, sich rasiren zu lassen und in das Conseilzu gehen. Von dem Augenblicke an wurde die Krankheit des Königs einer ärzt-lichen Behandlung fähig, und F. hatte die ganze Ehre seiner Genesung. Dieswar der Grund seiner unbeschränkten Gunst. Er wurde erster Minister, Ritterdes Calatravaordens, aber er vergaß nicht, daß er zuvor Sänger gewesen war.Er nahm nie die Einladungen der Großen des Hofes an, bei ihnen zu speisen.
" Überall bediente sich F. der Gnade des Königs nur, um Gutes zu thun. Da-her kam es auch, daß nach einander 3 Könige von Spanien, Philipp V., Fer-dinand VI. und Karl III., ihn mit ihrer Gunst beehrten. Nachdem er 20Jahre lang die höchsten Ehren in Spanien genossen hatte, sah er sich genöthigt,1761 nach Italien zurückzukehren. Er ließ sich in der Nähe von Bologna eingeschmackvolles Landhaus bauen, mit der Inschrift: „Lmpliion liieba», exodonunn". Hier sammelte er die ansehnlichste Bibliothek für Musik, die man jegesehen hat, erwarb sich das Verdienst, den P. Martini zur Abfassung seiner Ge-schichte der Musik zu veranlassen, die dieser gelehrte Literator jedoch nicht vollen-Conv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. IV. h Z