Druckschrift 
4 (1830) F bis G
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

Fachinger Wasser Facsimile S

wird. Er hatte dabei seinen gelehrten Schüler Forcellin! zum Gehülfen, undso wurde das Werk von 171519 beendigt (2 Bände, Fol.). Nun faßte ermit seinem fleißigen Mitarbeiter die Idee zu einem lateinischen Wörterbuche,welches alle Wörter dieser Sprache und alle verschiedene Bedeutungen derselben,durch Beispiele aus classischen Schriftstellern erläutert, nach dem Muster desitalienischen Wörterbuchs della Crusca, enthalten sollte. Dieses ungeheureUnternehmen beschäftigte Beide fast 40 Jahre. F. leitete es, und Forcel-lini (s. d.) führte es fast ganz aus. Mit demselben Gehülfen und einigenandern besorgte F. auch neue Ausgaben von dem Lexikon des Schrevelius unddemI-oxioon Oioerouianum" von Nizoli. Er ließ viele lateinische Redendrucken, welche sich durch die classische Eleganz des Ciceronianischen Stylsauszeichnen, aber von ihrem Borbilde durch präcise Kürze unterscheiden. Ersehte die Geschichte der Universität Padua fort, welche Pappadopoli bis 1740gebracht hatte. F. starb 1769.

Fachinger Wasser, ein Mineralwasser, das in ziemlicher Stärkebei dem Dorfe Fachingen an der Lahn, im Herzogthume Nassau, nicht fernvon Diez, entspringt. Es ward gegen die Mitte des vorigen Jahrhundertseindeckt. Es ist ganz klar, entwickelt viele Luftblasen, schmeckt angenehmsäuerlich, geistig, etwas salzig und erfrischend. Badeanstalten sind nicht hier;das Wasser wird nur versendet und hält sich so wohl, daß, nachdem mandavon nach dem Borgebirge der guten Hoffnung verschickt, und nach JahrenFlaschen damit wieder nach Holland gebracht, es doch Nichts von seinem Ge-halte verloren. 1803 wurden über 300,000 Krüge versendet. Außer demmedicinischen Gebrauch dient dies Wasser noch zur Erquickung und Stärkungbei schwüler Sommerhitze und nach genossenen hitzigen Getränken. Mit Weinund Zucker schnell vor dem Verbrausen getrunken, hebt es die Muskel- undNervenkräfte, nach gehabten körperlichen Anstrengungen oder ausgestandenerHitze, sehr schnell. S. Thielenius'sBeschreibung des Fachinger Mineral-wassers" (Marburg 1799).

Fackeltanz. Tanz und Musik waren schon bei Griechen und Rö-mern zwei nothwendige Erfodernisse zur Verherrlichung eines Festes; vor Allemdursten sie bei der Hochzeitfeier nicht fehlen, welche sich damit endigte, daß dieVerlobte ihrem Bräutigam ins Haus geführt wurde, wobei ihr ein Jüngling,der den Hymen vorstellte, die brennende Hochzeitfackel vortrug, und Hymnenzur Verherrlichung dieses Gottes gesungen wurden. Die Römer, welche dieseGebräuche von den Griechen angenommen hatten, mischten ihre Fescennienhinein. Dies scheint der Ursprung des Fackeltanzes zu sein, den Kaiser Kon-stantin, als er seine Residenz von Rom nach Byzanz verlegte, am Hofe ein-führte. So war dieser Tanz schon dem ersten christlichen Kaiser, im 4. Jahr-hundert, als ein Hof- und Ceremonientanz bekannt. In spätern Zeiten warder ein Theil der Turniere, womit Kaiser und Könige ihre Hochzeiten verherr-lichten. Auf den Turnieren, die Heinrich der Vogler anstellte, tanzte der Rit-ter, der den Sieg davon getragen, mit der Dame, die ihm den Dank ertheilthatte, unter Vor- und Nachtragen der Fackeln ganz allein. Als die Turniereaufhörten, blieb der Fackeltanz zurück als ein Denkmal der alten Ritterzeit,und bis auf unsere Zeiten pflegt er bei Vermählungen fürstlicher Personen zumBeschluß mit vieler Pracht und Feierlichkeit getanzt zu werden, wenn das Paarin das Brautgemach geführt wird.

Facsimile, die einer Urschrift in allen ihren Zügen und Eigenthüm-lichkeiten vollkommen ähnliche Nachbildung. Man pflegt dergleichen von altenManuskripten oder auch von der Handschrift berühmter Männer in Kupfer-