Druckschrift 
3 (1830) D bis E
Entstehung
Seite
407
Einzelbild herunterladen
 

Dürer

407

in Nürnberg, bekam ihn 1486 in die Lehre. Nachdem er ausgelernt, ging er auf dieWanderschaft und reiste 1490 durch Deutschland und Elsaß; 1492 ging er überKalmar, Basel, und kam 1494 wieder in die Heimat!) zurück Hier machte er seinMeisterstück, eine Zeichnung, die den Orpheus darstellte. Seinem Vater zu Liebeheirathete er des berühmten Mechanikers Hans Fritz zu Nürnberg Tochter; dochdies unfreundliche Wesen verbitterte in der Folge sein Leben und mag ihm wol einfrühes Grab bereitet haben. Von s. frühern Arbeiten kennen wir s. eignes Bild ohneBart, von 1500, Johannes den Täufer, St.-Onuphrius, die 3 Weisen aus demMorgenlande, von 1504, und eine Maria; außerdem einige Kupferstiche. 1505ging er nach Venedig, um sich in s. Kunst zu vervollkommnen, wozu ihm B. Pirk-hcimer ein Capital vorschoß. Seine Geschicklichkeit erregte Neid und Bewunderung.Er malte hier die Marter des h. Bartholomäus für die St.- Marcuskirche, welchesGemälde Kaiser Rudolf kaufte und nach Prag bringen ließ. Auch reiste er nach Bo-logna, um die Perspektive genauer zu studiren. Aufs. Styl hatte diese Reise keinenEinfluß. Mit seiner Rückkehr, 1507, beginnt die eigentliche Zeit s. Meisterschaft.1520 besuchte D. noch ein Mal, wahrscheinlich zur Erholung, die Niederlande. SeinRuhm erfüllte die Lande weit und breit. Maximilian l. ernannte ihn zu seinem Hof-maler; KarlV. bestätigte ihn in dieser Würde und verlieh ihm zugleich das Wap-pen für die Maler, nämlich in einem lasurblauen Felde 3 silberne oder weiße Schin-deln. D. genoß die Achtung der Höchsten und Niedern; alle Gelehrte und Künstlers. Zeit ehrten und liebten ihn. Um so mehr ward sein Tod in der Kraft seiner Jahre(den 6. April 1523) betrauert. Gründlicher Fleiß und Fertigkeit in allem Mechani-schen und ein vorherrschendes Talent, das Gegebene und Wirkliche nachzubilden,wodurch er die Richtung der deutschen Kunst bestimmte, zeichnen D. aus. Er war derErste, welcher in Deutschland die Regeln der Perspektive und der Proportionen desmenschlichen Körpers nach den Gesetzen der Mathematik lehrte. Zu der Schrift überdie Proportion sollen ihn s. Studien, die er zum Behufe der Darstellung von Adamund Eva machte, veranlaßt haben. Er bediente sich nicht nur wie s. Vorgänger desGrabstichels, sondern war der Erste, welcher dabei das Ätzen und die Radirnadelanwandte, und die Kupferstecherkunst dadurch bedeutend förderte. Er erfand dasMittel, die Holzschnitte mit zweierlei Farben zu drucken, und die gläserne Eopir-schcibc. Vermittelst seiner großen mathem. Kenntnisse war es ihm möglich, für dieZeichnen - und Malerkunst ein förmliches System zu entwerfen. Erschrick das ersteBuch vorn Festungsbau in Deutschland, und zeigte, wie man mitHülfe der Geome-trie die Buchstaben, besonders die Versalien, nach bestimmtem Verhältniß entwer-fen müsse. Groß war er vorzüglich als Portraitmaler; täuschende Ähnlichkeit undalle Leidenschaften waren in der Gewalt seines Pinsels; jede Gemüthsbewegung,von ihm dargestellt, war unverkennbar. Äuch s. Landschaften verdienen Bewunde-rung. Zu s. vorzüglichsten Kupferstichen gehören: seine Fortuna; die Melancholie;Adam und Eva im Paradiese; Ritter Tod und Teufel; die Mäßigung; derh.Hu-bcrtus; der h. Hieronymus und die kleine Passion in 16 Bl.; zu den vorzüglichstenHolzschnitten, welche ihm beigelegt werden: die große Passion in 13 Bl.; die kleinePassion, mit dem Titel 37 Stücke; die Offenbarung Johannis, mit dem Titel 15Bl.; das Leben der Maria, mit dem Titel 2 Bl. Doch hat Bartsch mehr als wahr-scheinlich gemacht, daß D. nicht selbst in Holz geschnitten habe. Er machte bloßZeichnungen auf Holztafeln, die dann von Formschneidern, deren es in jener Zeitviele tüchtigegab, geschnitten wurden. Dieser echt deutscheKünstler war zugleich einfrommer Mensch. Als Schriftsteller arbeitete er aus Veredlung und Reinigung derdeutschen Sprache hin, worin s. Freund, Willibald Pirkheimer, ihm beistand. SeineSchriften, welche später ins Lateinische, Französische ic. übersetzt wurden, sind in ei-ner Sammlung herausgekommen zuArnheim bei I. Janscn 1603 in Fol. S. seinLeben von I. F. Roth (Lpz. 1791), von Heller (2Thle., 1827), undReliquien