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Die Geschichte der Rittergüter in Reuß älterer Linie
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platze und kleine Grundstücke überließen, so schufen sie sich damit ersteinen Stamm von Untertanen, der natürlich unter der Patrimonialgerichts-barkeit des betreffenden Rittergutes stand und diesem zu Abgaben, Fronenund sonstigen Leistungen verpflichtet wurde. Die Ansiedlung derKleinhäusler beschränkte sich nun aber nicht etwa bloß auf diejüngeren Rittergutsgründungen, sondern sie wurde schon im 16. und 17. Jahr-hundert eine für alle Rittergüter allgemeine Erscheinung, die im 18. Jahr-hundert ihren Höhepunkt erreichte. Diese „Siedlung“ war allerdings wenigervon idealistischen Grundsätzen geleitet. Sie bedeutete vielmehr eine be-trächtliche Vermehrung der Rittergutseinkünfte. Denn abgesehen von demKaufpreis und den immerwährenden Leistungen (Zinsen und Fronen) fürdie zur Verfügung gestellten Grundstücke, vermehrten sich mit der Zahlder Untertanen auch die Gerichts- und Verwaltungseinkünfte der Rittergüter,boten sich billige Arbeitskräfte für die Gutswirtschaft, und obendrein ver-billigten einheimische kleine Handwerker und Gewerbetreibende, die einenbeträchtlichen Anteil der Rittergutshäusler ausmachten, die Bedarfsdeckungdes Rittergutes wesentlich.

Die auf Grund und Boden der Rittergüter seit dem Ausgang des Mittel-alters angesiedelten Kleinhäusler hatten selbstverständlich keinen Anteil ander seit alters aufgeteilten Gemeinde, weder in reinen Rittergutsdörfernnoch in gemischten Ortschaften. So entstanden eben neue Gebilde, die manvielleicht als „R ittergutsgemeinden“ bezeichnen könnte.

Für diese Häuslersiedlungen seien hier aus den einzelnen Ritterguts-geschichten ein paar „Schlaglichter“ zusammengestellt:

Als Heinrich II. das Rittergut Erkmannsdorf am 23. April 1602an Ditterich Merrettich verkauft 1 ), erlaubt er dem Käufer ausdrück-lich, „seiner Gelegenheit nach, wo das alte Schafhaus stehet, ein Häuslein,zwei, oder drei, ohne Schaden bauen zu lassen, und Leute darein setzen, dieihm bisweilen zur Hand mitarheiten und andern laufen mögen“.

Im Moschwitzer Erbregister vom Jahre 1603 2 ) heißt es von dendamaligen neun Kleinhäusern auf der Bucka:

„Wofern nun deme von Kaufung belieben möchte, deren Heuslein eines oderinehr nach Vnpartteysclier leuthe erkendnis aus zu kaufen vnnd wieder zumRitterguth, daraus sie erbauet zubringen, so soll ihme zwarten daßelbe ver-gönnet sein, Allein das gleichwol soliches beim guth vnuorendertt bleiben möge.“

Die Kleinhäuser wurden mitunter auch als „D r e s c h h ä u s 1 e i n“bezeichnet, weil ihre Besitzer oftmals den Rittergütern zu Dresch-fronen verpflichtet wurden. In der Unter - Reudnitzer Ritterguts-geschichte 3 ) ist dargelegt worden, daß die Fronbauern sich sogar vomJahre 1657 ab wiederholt über Kaspar Friedrich Trützschler auf Unter-Reudnitz beschwerten 4 ), weil dieser jetzt von ihnen die Dreschfrone ver-

0 R-A: a. Rep. R, Cap. VI, Nr. 1.

2 ) R-A: a. Rep. R, Cap. XV, Nr. 1. — H-A: Schrank II, Fach 43, Nr. 9; Schrank III,

Fach 30, Nr. 5.

3 ) S. 563.

4 ) R-A: a. Rep. R, Cap. XIX, Nr. 19.