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Kaiser, »einer so segensreichen Stellung sich auch bisher die ka-tholische Kirche in Preussen erfreut hat, und so berechtigt dasVertrauen ist, mit welchem seine katholischen Unterthanen aufseine Regierung blicken können« — eine Ueberzeugung, welcherauch der Papst Pius IX. durch sein an den Kaiser gerichtetesSchreiben vom 6. März 1871 Ausdruck gegeben hat — der Kaiser,sagen wir, bleibt als König von Preussen sowie als DeutscherKaiser immer der Primas des Protestantismus in Deutschland undhat dieser Stellung Rechnung zu tragen.
Es ist uns nicht unbekannt, dass durch einen grossen Theilvon Deutschland der Glaube verbreitet war, der neue DeutscheKaiser müsse die Kleinodien des Römischen Reichs DeutscherNation wdedererhalten und damit in aller Pracht zu Aachenoder anderswo gekrönt werden. 1 ) Aus solcher treuen, aber über-schwenglichen Begeisterung, welche sich bei Decorationen undIlluminationen während der Feste zur Heimkehr des DeutschenPleeres und seiner Führer in Bildern und Büsten, Sprüchen undTransparenten kund gethan hat, konnte man jedoch keineswegseine vox popiäi herleiten wollen.
Ein walilverw r andter Freund veröffentlichte damals einen zeit-gemässen Leitartikel in No. 43 der Schlesischen Zeitung von 1871unter der Ueberschrift: »Das Kaiserreich ist der Friede«; wirkönnen uns nicht versagen, denselben hier theilweise einzufügen:»Im grossen Hauptquartier zu Versailles, in den Prunkgemächerndes vierzehnten Ludwigs, ist das neue Kaiserreich Deutscher Na-tion verkündigt. Der Deutsche Kaiser hat zum ersten Mal zuseinem Volke gesprochen. Einfach und doch tief ergreifend, desgrossen geschichtlichen Momentes w'ürdig sind die Worte derKaiserbotschaft vom 18. Januar 1871. Sie knüpft an dieHerrlichkeit des untergegangenen Deutschen Reiches an, sie fasstdie Uebernahme der Kaiserwürde von Seiten des Königs vonPreussen als »eine Erneuerung der seit mehr denn 60 Jahren
B Gödscke, die Deutschen Reickskleinodien zur Kaiserkrönung. Berlin 1870.